Gebrauchtwagen-Test Mercedes-Benz E-Klasse: Testbericht

Mercedes-Benz E-Klasse

Testbericht Mercedes-Benz E-Klasse W124 (1984-1997)

Im Dezember 1984 präsentierte Mercedes die neue Mittelklasse-Baureihe W 124. Sie wurde 1993 in E-Klasse umbenannt und bis 1997 gebaut. Die letzten Exemplare der Baureihe entstehen im Juli 1997 (Cabrio), insgesamt fertigt Mercedes fast 2,6 Millionen 124er. Die am häufigsten angebotene Variante ist die viertürige Limousine, sie wurde über zwei Millionen Mal gebaut, gefolgt vom ca. 340.000-mal gebauten Kombi (T-Modell, ab 1985), rund 141.000 Coupés (ab 3/1987), 34.000 Cabriolets (ab 9/1991) und 2.400 Langlimousinen mit sechs Türen (ab 9/1989).

Alle Varianten haben Heckantrieb, die 300er-Diesel und Benziner wurden auch mit dem aufwändigen, vollautomatisch agierenden Allradantrieb 4Matic geliefert (nur T-Modell und Limousine). Die Diesel gibt es mit vier, fünf oder sechs Zylindern und einer Leistung von 72 (200 D) bis 147 PS (300 D Turbo bzw. E 300 Turbodiesel). Die Benziner mit vier, sechs oder acht Zylindern leisteten 105 (200) bis 381 PS (E 60 AMG).

Der bei Porsche endmontierte 500 E (ab 6/1993 E 500) mit 326 bzw. 320 PS starkem V8 ist das Top-Modell, er wurde nur 10479-mal gebaut. Im September 1989 gab es die erste umfangreiche Modellpflege, alle 124er bekamen farblich abgesetzte Türbeplankungen, im Mercedes-Jargon "Sacco-Bretter" genannt. Dezenter Chromschmuck an Leisten und Türgriffen ließ die Mittelklasse edler aussehen, innen sorgten Holzzierleisten an den Türverkleidungen und eine neue Sitzanlage (besserer Seitenhalt, straffere Polsterung) für mehr Wohlbehagen.

Im Oktober 1992 erschien eine neue Benziner-Motorengeneration mit Vierventiltechnik, im Juni 1993 bekam die bislang "mittlere Mercedes-Baureihe" genannte Baureihe einen richtigen Namen: E-Klasse (E für Executive). Optisch erkennt man die E-Klasse am neuen Plaketten-Kühlergrill mit Stern auf der Motorhaube, weißen Blinkergläsern und geglättetem Kofferraumdeckel (Limousine). Neu im Angebot: Die Vierventil-Diesel E 250 Diesel (113 PS) und E 300 Diesel (136 PS).

ABS und Fahrerairbag waren seit Modellstart 1984 gegen Aufpreis lieferbar, Gurtstraffer vorn und Servolenkung gab es bei allen Modellen von Beginn an serienmäßig. Die T-Modelle haben darüber hinaus serienmäßig eine Niveauregulierung an der Hinterachse. Seit September 1988 ist auch ein Beifahrerairbag lieferbar, ABS zählt seitdem bei allen Modellen zur Serienausstattung. Der Fahrerairbag ist seit Oktober 1992 Serie, seit März 1994 auch der Beifahrerairbag. Die 124er wurden konstruktiv auf den realitätsnahen Offset-Crash vorbereitet und zählten seinerzeit zu den sichersten Autos ihrer Klasse.

Ab September 1986 wurden die Benziner serienmäßig mit geregeltem Katalysator geliefert, diese Modelle erfüllen die Abgasnorm Euro 1 und erhalten die grüne Umweltplakette. Alle Benziner mit geregeltem Katalysator sind durch Einbau eines Kaltlaufreglers auf die günstigere Abgasnorm Euro 2 umrüstbar. Die Diesel erreichen im Serienzustand Euro 1, mit nachgerüstetem Partikelfilter erreichen alle Typen mit Ausnahme der Turbodiesel Euro 4 und bekommen dann ebenfalls eine grüne Plakette.

Die Diesel sind sehr sparsam und anspruchslos. Ein 200 D begnügt sich mit sechs bis acht Litern auf 100 km, die Fahrleistungen sind gemessen an modernen Maßstäben jedoch eher etwas für gemütlichere Charaktere. Empfehlenswert ist der 132 PS starke 230 E/230 TE/230 CE: Ausreichende Fahrleistungen, der Verbrauch liegt zwischen neun und elf Litern. Der Vierventil-Vierzylinder im 220 E/E 220 läuft etwas rauher, ist aber deutlich spritziger und verbraucht nicht mehr als der 230 E.

Vollendeten Sechszylinder-Genuss bieten der geschmeidig laufende 300 E mit 180 PS (bis 10/1992) und der Nachfolger 320 E/E 320 mit 220 PS. Die Achtzylinder 400 E bzw. E 420 und 500 E/E 500 sind die perfekte Wahl für leistungsorientierte Genussmenschen, denen souveräner Antriebskomfort und Sportwagen-Fahrleistungen wichtiger sind als günstige Unterhaltungskosten.

Der Mercedes W 124 zählt zu den langlebigsten Autos überhaupt. Die Dieselmotoren sind frei von konstruktiven Schwachstellen und erreichen Laufleistungen von 500.000 und mehr. Einzig Ölverlust und defekte Vorglühanlagen kommen vor. Auch die Benziner sind sehr robust, Laufleistungen von weit über 200.000 Kilometern sind dank wartungsfreier Steuerkette eher die Regel als die Ausnahme.

Probleme bereiten jedoch die jüngeren Vierventil-Benziner der Motoren-Familien M111, M104 und M119: die Isolierung des Motor-Kabelbaums löst sich im Alter auf, das führt zu Kurzschlüssen und Übergangswiderständen. Zu erkennen ist fortgeschrittener Kabelbaum-Verfall an unrundem Motorlauf, Leerlaufschwankungen, Zündaussetzern u.ä. Ölverlust kommt altersbedingt bei allen Motoren vor.

Der 124er ist grundsätzlich gut gegen Rost geschützt, doch nach fast drei Jahrzehnten nagt auch hier die Oxidation. Ein typischer, jedoch mit geringem Aufwand zu reparierender Rostherd sind die Wagenheberaufnahmen. Anfang der 90er-Jahre stellte Mercedes auf wasserbasierte Lacke um, bedingt durch die Übergangsphase tritt hier häufiger spontane Oberflächenkorrosion auf. Es gammelt besonders gern an den Radläufen, unter dem Waschwasserbehälter, am Übergang der Kunststoffbeplankung, beim T-Modell auch an der Heckklappe und am Rahmen der Seitenfenster hinten. Weitere Schwächen sind ausgeschlagene Traggelenke und Spurstangenköpfe sowie gebrochene Federn an der Vorderachse und eine einseitig ziehende Feststellbremse.

Das Preise für fahrbereite 124er-Limousinen mit hoher Laufleistung beginnen bei rund 1.000 Euro, ein gepflegter 230 E liegt bei rund 4.000 Euro, die Preisspitze markieren Cabriolets im Top-Zustand, die für über 20.000 Euro gehandelt werden. Sehr gefragt sind gut erhaltene T-Modelle, die rund 20 % teurer sind als vergleichbare Limousinen, Coupés liegen rund 30 % über den Limousinen-Tarifen. Ein E 500 im Top-Zustand wird für rund 25.000 Euro gehandelt.

Stärken
  • riesige Auswahl an Karosserievarianten und Motorisierungen
  • sehr guter Federungskomfort
  • sichere Fahreigenschaften
  • einfache Bedienung
  • sehr zuverlässig
  • hohe Langlebigkeit
  • perfekte Ersatzteilversorgung
  • kein Wertverlust
  • gemessen am Alter der Baureihe hohe Sicherheitsreserven
  • trotz des Alters uneingeschränkt alltagstauglich
  • beherrschbare Technik (Ausnahme 4matic)
Schwächen
  • anfälliger Motorkabelbaum bei Vierventil-Benzinern (ab Baujahr 10/1992)
  • Hubgesteuerter Einarmwischer neigt zum Schlieren

Quellen: