mobile.de Ratgeber: Verkauf

Was bringt eine professionelle Autoaufbereitung?

Aufbereitung lohnt sich

Wie viel bringt ein komplett versifftes Auto? Und was gibt es für das gleiche Auto, wenn es professionell aufgearbeitet wurde? mobile.de hat den Vorher-/Nachher-Test gemacht.

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Diese tiefgründige Friseur-Weisheit gilt selbstverständlich auch für Gebrauchtwagen. Wer kauft schon ein völlig verdrecktes und ungepflegtes Auto? Keiner, denken die meisten. Also machen sie ihren vierrädrigen Freund vorm Verkauf noch einmal richtig schön.

Gehört sich ja so, möchte man meinen. Und zahlt sich bestimmt aus, so das durchaus zutreffende Bauchgefühl. mobile.de wollte es genau wissen und hat den Vorher-/Nachher-Test gemacht. Beim TÜV, bei der Sachverständigen-Organisation KÜS und bei einem freien Händler.

Proband: ein VW Touran, Erstzulassung 06/2004, 94.476 Kilometer gelaufen, zweiter Hand, scheckheftgepflegt. Deutschlands meistverkaufter Kompaktvan, ein echtes Massenauto, erste Generation, seit drei Jahren primär gefahren und verwohnt von einer Mutter und insbesondere ihren drei kleinen Kindern.
 

Wie hoch ist der Preisunterschied zwischen gepflegt und verdreckt?

Anhängern gepflegten Blechs muss das Herz bluten beim Anblick des geschundenen Familientransporters: der Lack stumpf wie Mutters blickdichte Strumpfhose, die Polster und Teppiche malträtiert von Kinderschuhen und allerlei Klebrigkeiten, der Gepäckraum und alle Kunststoff-Flächen jahrelang attackiert von Kinderkarren bzw. -wagen, Strandzubehör und (teils geöffneten) Lebensmitteln aller Art.

Einzig die Technik ist tadellos: Alle vorgegebenen Service-Intervalle wurden in der Fachwerkstatt absolviert. Was gibt der Markt her für so ein Auto? Ein Blick auf mobile.de offenbart mehr als 40 Fahrzeuge mit ähnlichen Eckdaten (EZ, km etc.).

Zwischen 7.190 bis 10.790 Euro beträgt die Preisspanne der Inserate, geschaltet von Händlern wie Privatpersonen. Eine weite Spanne, welche die Frage aufwirft: Was mag dieser Touran wohl „offiziell“ wert sein, so verlebt, wie er dasteht?

Erste Anlaufstation: TÜV Süd Auto Plus GmbH, Zweigstelle Hamburg
Marcel Heuberger, Teamleiter des Geschäftsfelds Fahrzeug-Management, lässt der äußere Eindruck des Touran kalt. "Da fahren hier ganz andere Kaliber vor", sagt er abgeklärt. Viel wichtiger: Gibt es Vorschäden? Wenn ja, wurden sie sachgemäß instandgesetzt?

Aufschluss darüber liefern unter anderem die Dicke des Lacks (Wert bei nachlackierten Flächen rund doppelt so hoch wie bei Werkslackierung) und unregelmäßige Spaltmaße. „Der erste Eindruck ist natürlich wichtig, aber wehe, auf den zweiten Blick entpuppt sich der Wagen dann als Blender.“ Kleine Dellen hier, feine Kratzer dort – all das drückt den Preis und damit auch das Wertgutachten, in dem aus- bzw. anstehende Reparaturen gelistet und in Abzug gebracht werden.

Zehn wertmindernde Punkte listet Heuberger auf – von der zerkratzten Motorhaube (Instandsetzung: 450 Euro) über undichte Heckleuchten (jeweils 110 Euro) bis hin zum fehlenden Aschenbecher hinten (30 Euro). Am Ende summiert es sich auf 1.250 Euro – plus 150 Euro für die Aufbereitung innen und außen. Macht unterm Strich einen Verkaufswert von 9.300 Euro.

Nach professioneller Lack- und Innenraumaufarbeitung ergibt die „Fahrzeugbewertung mit einer integrierten Fahrzeugzustandsbewertung“ einen Wert von 10.500 Euro. Macht satte 1.200 Euro mehr! Wer sich für diesen Weg entscheidet, muss rund 300 Euro für die Schönheitskur und 117 Euro fürs TÜV-Gutachten einplanen. Den weniger aufwändigen klassischen „Gebrauchtwagen-Check“ bietet das Unternehmen für 53,50 Euro an.
 

3600 Euro Differenz

Der 2. Gutachter kann seinen Ekel kaum verbergen: "Oha, der geht ja gar nicht." Uwe Nehring gibt sich wenig Mühe, die Mischung aus ungläubigem Staunen und ehrlichem Ekel zu verbergen, die der Touran auf seine Miene zaubert. "Dieses Auto ist grundlegend verdreckt", konstatiert er, "das ist teilweise ekelhaft."

Besonders der Zustand der hinteren Sicherheitsgurte macht ihm zu schaffen. „Wenn man da mit Anzug einsteigt und dann diese klebrigen Gurte, nee...“.

Wie zuvor der Kollege vom TÜV überprüft der diplomierte Ingenieur und Sachverständige Lackdicke, Profiltiefe und Unterboden. „Die zerkratzte Haube würde ich so lassen“, rät er, „die Kosten für eine Lackierung kriegen Sie nicht wieder rein.“ Gleiches gilt für die Dellen. „Das sind Gebrauchsspuren, der Wagen hat immerhin knapp 100.000 km auf der Uhr.“

Was er stattdessen empfiehlt, ist eine professionelle Aufarbeitung. „Da geht was“, glaubt er. Und soll Recht behalten. 8.300 Euro lautet sein Urteil für den Ist-Zustand. Wertbeeinflussende Faktoren sind unter anderem „Innenraum stark verschmutzt, starke Gebrauchsspuren, Sicherheitsgurte verschmutzt“, hinzukommen leichter Ölverlust am Motor sowie Dellen und Kratzer ringsum.

Nach einem Tag beim Auto-Pflege-Studio Hamburg bewertet Nehring den Touran erneut. „Der Gesamteindruck des Fahrzeugs ist ein völlig anderer“, stellt er fest. Die Liste der wertbeeinflussenden Faktoren schrumpft von sieben auf drei.

Was bleibt, sind „leichte Dellen und Kratzer rundum“, „leichte Gebrauchsspuren“ und „Innenraum weist dem Alter und der Laufleistung entsprechende Gebrauchsspuren auf“. Wert: 9.900 Euro. Macht 1.600 Euro mehr als beim ersten Check! Abzüglich 169 Euro fürs Wertgutachten.
 

Der Gutachter stellt fest: Aufbereitung lohnt sich

3. Station: Yaans Automobile in Kummerfeld bei Hamburg.
30 bis 40 verkaufte Autos pro Monat, 80 bis 90 Fahrzeuge ständig vor Ort – Yaans Automobile in Kummerfeld (Landkreis Pinneberg) ist ein klassischer freier Händler. „Das Gros unserer Autos verkaufen wir übers Internet“, sagt Chef Savas Ardic. Seit Juni 2008 ist er bei mobile.de aktiv.

„Alle Autos, die wir kaufen, gehen grundsätzlich zum Aufbereiter, bevor wir sie anbieten“, erklärt er, „darum spielt der Zustand beim Ankauf keine große Rolle für uns.“ Fürs Schönmachen („Das Gros der Autos kommt deutlich schlimmer hier an als dieser Touran“) zieht er pauschal 150 Euro vom Wert ab. Dazu: „Lampen hinten defekt, macht 200 Euro, Stoßstange hinten lackieren, macht noch mal 200“.

„9.000 Euro, so wie er dasteht“, lautet schließlich sein Angebot nach intensiver Internetrecherche. „Wir richten uns bei den Preisen nach mobile.de“, verrät Savas Ardic. „Die Kurse, die da aufgerufen werden, geben einen besseren Marktüberblick als alle offiziellen Listen.“


Fazit:
Es lohnt sich, ein verschmutztes Auto aufarbeiten zu lassen. Wie sehr das auf Ihr Fahrzeug zutrifft, müssen Sie natürlich selbst entscheiden.