Stadtauto mit typischen Schwächen – und Stärken

Toyota Aygo (2019) im Test: Alltagstest

Die Kleinstwagen stehen vor harten Zeiten. Aber noch gibt es sie, noch sind sie günstig. Wie sich der Toyota Aygo im Alltag schlägt, liest Du in unserem Test.

  • Björn Tolksdorf
  • Veröffentlicht am 12/08/2019, 11:00 AM
Toyota Aygo in der Ansicht von vorne-links, stehend
Quelle: Jonas Seidel Angetrieben wird unser Testwagen von einem 1,0-Liter-Dreizylinder mit 72 PS

Am Anfang steht in diesem Fall eine Frage. Beantworten müssen sie die Autohersteller: Wie lange wird es Autos wie den Toyota Aygo noch geben? Kleine, schlichte, billige Fahrzeuge stehen unter Druck. Strenge CO2-Flottenziele zwingen die Hersteller, teure Spritspar-Technik in ihre Autos einzubauen. Ab 2022 folgen außerdem neue Anforderungen an die Sicherheitsausstattung.

Spätestens dann werden die Kosten für Autos in der kleinen Klasse schmerzhaft steigen. Ob die Kunden dann bleiben?

Toyota hat sich noch nicht festgelegt, ob ein neuer Aygo kommt – vielleicht mit Hybrid. Erst einmal erhielt der Kleine im Jahr 2018 ein (voraussichtlich letztes) Facelift. Er trägt nun eine stark profilierte X-Nase vor sich her. Wie schlägt er sich im Alltag? Das liest Du in unserem ausführlichen Test.



Abmessungen, Platzangebot, Karosserie 

Logisch: Auf 3,46 Metern Außenlänge müssen Kompromisse sein. Der Aygo-Kofferraum langt mit seinen 168 Litern gerade so für den Single-Wochenendeinkauf. Hinter einem 1,80 Meter großen Fahrer finden mitfahrende Erwachsene nur noch den nötigsten Lebensraum vor. Im Grunde handelt es sich beim Aygo um einen 2+2-Sitzer. Vier Türen kosten schmale 350 Euro Aufpreis und erleichtern immerhin das Installieren von Kindersitzen auf der Rückbank. 

Blick in den Innenraum des Toyota Aygo bei geöffneter Fahrertür
Quelle: Jonas Seidel Auf den vorderen Plätzen steht ausreichend Platz für Fahrer und Beifahrer zur Verfügung. Für die Langstrecke bieten die Sitze allerdings nur mäßigen Komfort

Vorn sitzt man eher aufrecht in der Karosse, aber ausreichend großzügig. Dabei allerdings auf schlichten Sesseln mit fest integrierten Kopfstützen. Die sind sicher nichts für die große Fahrt. Das Lenkrad lässt sich nur in der Höhe verstellen, langbeinige Fahrer finden so nicht immer eine ideale Sitzposition. Was für die Länge gilt, gilt auch für die Breite: Man sollte sich nicht abgrundtief verachten, möchte man nebeneinander im Aygo fahren. Denn viel Pufferzone bleibt nicht zwischen Fahrer und Beifahrer.  

Innenraum, Verarbeitung, Materialien 

Seien wir ehrlich: Es gibt beim Autofahren schönere Arbeitsplätze als den im Toyota Aygo. Nicht alle davon sind deutlich teurer. Dass praktisch sämtliche Verkleidungen mit Ausnahme der lackierten Flächen in den Türen aus Hartplastik bestehen, soll in diesem Segment nicht stören. Aber das Klavierlack-Imitat rund um das zentrale Bedienelement auf der Mittelkonsole wirkt billig und wird schnell fleckig. Die Klimatisierung kommt mit je zwei Dreh- und Druckknöpfen aus. Leider muss man dennoch dreimal hinsehen, um zu verstehen, wie sie funktionieren.  

Die Informationen zur Fahrt bündelt Toyota in einem großen Runddisplay vor dem Fahrer, das sich mit der verstellbaren Lenksäule hebt und senkt. Dadurch ändert sich der Blickwinkel – keine schöne, aber eine praktikable Lösung. Wer den Bordcomputer verstellen möchte, muss allerdings durchs Lenkrad greifen.  

Toyota Aygo bei geöffneter Heckklappe und umgeklappter Rückbank
Quelle: Jonas Seidel Bei umgeklappter Rückbank erreicht der Aygo ein Kofferraumvolumen von 812 Litern

Äußerst schlicht wirken die kugelförmigen Einsätze in den Luftdüsen, die den Luftstrom regulieren. Aber: Sie funktionieren. Die schmalen Einbauten in Tür und Mittelkonsole gestatten keine großen Staufächer, dafür geht das Ablage-Angebot absolut in Ordnung. Als störend empfanden wir ein lautes Dröhnen aus dem Armaturenbrett vorn links, das regelmäßig auf Kopfsteinpflaster auftrat. Solche konstruktiven Schwächen sollten nach fünf Jahren Bauzeit ausgemerzt sein.  

Interessantes Detail: Statt einer stabilen Kofferraumabdeckung liefert Toyota zum Aygo nur eine Sichtblende aus dünnem Stoff, der auf einen Rahmen gespannt ist. Uns genügt das im Kleinstwagen, in dem wir eher keinen Hut ablegen wollen. Wäre die Abdeckung faltbar, ginge das als innovative Lösung durch. So spart sie immerhin Gewicht.  

Infotainment, Radio, Konnektivität 

Im Grunde ist es eine vernünftige Idee. Toyota stattet den Aygo mit einem „dummen“ Touchscreen aus, der Radiosender suchen kann. Zum Infotainment wird das System erst in Verbindung mit dem Smartphone. Die Vorteile dieser Lösung gegenüber einem Festeinbau-Navi sind klar: Es kostet viel weniger und bleibt offener für technischen Fortschritt.  

Cockpit-Ansicht des Toyota Aygo
Quelle: Jonas Seidel Groß gewachsene Fahrer müssen bei der Sitzposition Kompromisse machen. Das Lenkrad ist nur höhenverstellbar

Das Pioneer-System im Aygo ist eine der großen Neuerungen des Facelifts von 2018. Über Apple CarPlay oder Android Auto holt es die Rechenleistung des Handys auf den Touchscreen und erlaubt die Benutzung freigegebener Apps wie der Navigation oder des Musikstreamings. Die Verbindung stellt der Aygo angenehm simpel über ein USB-Kabel her. Einstöpseln, lossurfen – im Prinzip. Die Integration von Android Auto gelingt Toyota allerdings nicht problemlos. Mehrfach friert das Programm beim Navigieren ein oder findet kein GPS-Signal mehr, obwohl die Navigation ohne die Kopplung tadellos funktioniert. Solche Schwierigkeiten treten bei Android-Systemen deutlich häufiger auf als in Verbindung mit Apple CarPlay. 

Assistenzsysteme, Sicherheit 

Dem Aygo stellte die Crashtest-Organisation Euro NCAP 2017 ein ordentliches, aber kein überragendes Zeugnis aus. Vier Sterne gibt es mit Assistenzpaket, drei ohne. Toyota verfolgt das Ziel, die wichtigste Sicherheitstechnik weltweit möglichst serienmäßig oder gegen einen kleinen Aufpreis anzubieten. Das „Safety Sense“-Paket kostet im Aygo 350 Euro und enthält einen Frontkollisionswarner, eine autonome Notbremse und einen Spurhalteassistenten. Der ersten beiden Funktionen wegen empfehlen wir das Paket unbedingt. Der Spurhalteassistent arbeitet leider sehr schlicht. Er verliert in Baustellen regelmäßig die Orientierung.  

Antrieb, Motor, Getriebe 

Toyotas knurriger Dreizylinder stammt ursprünglich aus der Entwicklung der Tochter Daihatsu und genießt einen guten Ruf: robust, drehfreudig, sparsam. Zum Facelift überarbeitet Toyota den Antrieb an Einspritzung, Verdichtung, Zylinderkopf und kitzelt etwas mehr Leistung aus dem Motörchen. 72 PS leistet er nun, bis 2018 waren es 69 PS.  

Die Daten machen klar: Der Aygo braucht ein bisschen Drehzahl, sonst wird es zäh. Wer sie ihm gibt, kommt durchaus spaßig voran. Für die gut 900 Kilo Gewicht des Aygo reicht der kleine Saugmotor. Das gilt natürlich vor allem für Stadt und Landstraße. Klar, dass dem kleinen Cityflitzer auf der Autobahn jede Souveränität fehlt. 

Toyota Aygo in der Seitenansicht, stehend
Quelle: Jonas Seidel Für den Sprint von 0 auf 100 km/h braucht der Aygo 14,2 Sekunden

Das kurz gestufte Getriebe macht es leicht, den Motor bei Laune zu halten. Leider hakt der Rückwärtsgang gelegentlich. Der Verbrauch pendelt sich je nach Fahrprofil zwischen 5 und 6 Litern pro 100 Kilometer ein. Das ist nicht schlecht – aber eben der Stand von 2014. Kleinwagen mit elektrifiziertem Benziner verbrauchen heute weniger.  

Viele Autofahrer fragen sich: Ist die Automatik im Aygo eine gute Alternative? Immerhin kostet sie nur 800 Euro Aufpreis. Wir müssen leider abraten. Die automatisierte Schaltbox arbeitet mit so großen Gedenkpausen, dass sie den Beschleunigungsvorgang zum Abenteuer macht. Der Komfort-Nachteil gerät vor allem im schaltintensiven Stadtverkehr zu lästig.  

Fahrverhalten, Fahrwerk, Lenkung 

Wer nicht übermütig wird, geht weniger Risiken ein. Die Abstimmung von Lenkung und Fahrwerk des Toyota Aygo lädt nicht gerade zu dynamischen Taten ein. Er lenkt leichtgängig, aber wenig präzise und eher teigig – für den städtischen Einsatz eine geeignete Auslegung. In Kurven tendiert die schmale Karosse zu deutlicher Neigung. Wird es zu sportlich, greift das ESP robust ein. Insgesamt legt Toyota den Aygo weich aus. Die simple Achskonstruktion kann Stöße aber nur bedingt aufhalten. Vor allem Bremsschwellen leitet sie pädagogisch wertvoll, aber gnadenlos weiter.  

Vor dem Facelift gehörte die Geräuschdämmung an A-Säule und im hinteren Bereich zu den auffälligsten Makeln des kleinen Toyota. Hier haben die Ingenieure nachgebessert: Es bleibt angenehm leise im kleinen Toyota. Prinzipiell. Für den Testwagen mit großem Stoff-Faltdach gilt das nur bedingt, denn so schön ein offenes Dach im Sommer ist, so zuverlässig erhöht es den Geräuschpegel im Fahrzeug zu jeder Jahreszeit. 



Ausstattung, Preise, Fazit 

Je schlichter das Auto, desto kürzer die Preisliste? Nicht beim Toyota Aygo. Es fällt gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Sechs Ausstattungsvarianten bietet Toyota an, hinzu kommen mehrere Seiten Sonderausstattungen. Darunter zum Beispiel ein „Business-Paket“, das die Basisversion (10.190 Euro) um Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und eine manuelle Klimaanlage aufpeppt. Und natürlich drei- und fünftürige Karosserievarianten.  

Toyota Aygo in der Frontansicht, stehend
Quelle: Jonas Seidel Mindestens 10.190 Euro verlangt Toyota für den Aygo

Die Basis heißt x und bietet, was ein Auto rechtlich bieten muss – mehr nicht. x-play ergänzt Zentralverriegelung, elektrisch verstellbare Spiegel, Radio oder eine geteilte Rückbank. In der Ausstattung x-play club kommen die Smartphone-Integration und die Rückfahrkamera hinzu. All diese Ausstattungen sind für beide Karosserievarianten lieferbar, die folgenden nur zum Fünftürer: x-sky ergänzt das Faltdach. x-cite addiert einige Designelemente. Die Topversion x-clusiv bringt Start-Stopp-, Klimaautomatik, Lichtsensor, das Sicherheitspaket Safety Sense und Teilleder ins Auto. 

14.990 Euro kostet so ein „gestopfter“ Aygo. Wer will, kann Vollleder (1.200 Euro), Parkpiepser hinten (290 Euro) und ein paar Zierleisten extra kaufen. Unser Testwagen basiert auf der x-sky-Version mit Faltdach (14.190 Euro) und kostet mit Sonderlack und Sonder-Sitzbezug 15.080 Euro.  

Unterm Strich: Wer ein kurzes, günstiges Stadtauto sucht, macht mit dem Aygo keinen Fehler – sofern er die klassentypischen Schwächen akzeptiert. Die zeigt der Toyota deutlich. Er bietet aber auf der Habenseite ein problemloses, sicheres Handling, niedrige Unterhaltskosten und sogar etwas Fahrspaß. Auf das Cabriodach würden wir verzichten, auf die Designelemente der höheren Linien auch. Wählen würden wir einen x-play oder (zumindest als Apple-Nutzer) x-play club mit Sicherheitspaket und, weil es manchmal in der Stadt eben doch nützt, Einparkhilfe hinten. Macht knapp 14.000 Euro Listenpreis für den Fünftürer. Bei mobile.de wird es günstiger: Als Tageszulassung kostet ein solcher Aygo um die 10.000 Euro. 

Toyota Aygo 1.0 VVT-i 2019: Technische Daten 

Modell Toyota Aygo 1.0 VVT-i 2019 
Motor 1,0-l-Dreizylinder-Benziner 
Leistung 72 PS (53 kW) 
Drehmoment 95 Nm b. 4.300 U/min 
Getriebe manuelles Fünfgang-Schaltgetriebe
0-100 km/h14,2 s
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h 
Normverbrauch 4,1 l/100 km 
Testverbrauch 5,6 l/100 km 
CO2 93 g/km 
Abgasnorm EU6d-TEMP Evap-ISC 
Länge 3.465 mm 
Breite 1.615 mm 
Höhe 1.460 mm 
Radstand 2.340 mm 
Leergewicht 915-985 kg 
Kofferraum 168-812 l 
Basispreis Toyota Aygo 10.190 Euro 
Testwagenpreis 15.080 Euro 

Der Toyota Aygo in Bildern

  • Toyota Aygo in der Ansicht von vorne-links, stehend
    Quelle: Jonas Seidel In der Spitze fährt der kleine Aygo 160 km/h schnell
  • Toyota Aygo in der Frontansicht, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Mindestens 10.190 Euro verlangt Toyota für den Aygo
  • Toyota Aygo in der Ansicht von vorne-links, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Angetrieben wird unser Testwagen von einem 1,0-Liter-Dreizylinder mit 72 PS
  • Toyota Aygo in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Für den Sprint von 0 auf 100 km/h braucht der Aygo 14,2 Sekunden
  • Toyota Aygo in der Heckansicht, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Der Aygo ist als Handschalter die bessere Wahl
  • Blick auf die Scheinwerfer des Toyota Aygo
    Quelle: Jonas Seidel Als Tageszulassung bekommt man einen gut ausgestatteten Aygo für etwa 10.000 Euro
  • Blick auf die Rückleuchten des Toyota Aygo
    Quelle: Jonas Seidel Das Facelift von 2018 ist voraussichtlich die letzte Frischzellenkur für den kleinen Aygo. Ob ein neuer kommt, weiß Toyota noch nicht
  • Toyota Aygo bei geöffneter Heckklappe und umgeklappter Rückbank
    Quelle: Jonas Seidel Bei umgeklappter Rückbank erreicht der Aygo ein Kofferraumvolumen von 812 Litern
  • Toyota Aygo in der Heckansicht mit geöffnetem Kofferraum
    Quelle: Jonas Seidel Im Kofferraum stehen 168 Liter Stauraum für Gepäck zur Verfügung
  • Blick auf die Rückbank des Toyota Aygo
    Quelle: Jonas Seidel Wer die Ausstattung x-play für den Aygo wählt, bekommt unter anderem eine geteilte Rückbank
  • Blick in den Innenraum des Toyota Aygo bei geöffneter Fahrertür
    Quelle: Jonas Seidel Auf den vorderen Plätzen steht ausreichend Platz für Fahrer und Beifahrer zur Verfügung. Für die Langstrecke bieten die Sitze allerdings nur mäßigen Komfort
  • Cockpit-Ansicht des Toyota Aygo
    Quelle: Jonas Seidel Groß gewachsene Fahrer müssen bei der Sitzposition Kompromisse machen. Das Lenkrad ist nur höhenverstellbar
  • Blick auf die Mittelkonsole des Toyota Aygo
    Quelle: Jonas Seidel Für das Infotainment nutzt der Touchscreen im Aygo die Rechenleistung des Smartphones. Wenn man es denn schafft, die beiden miteinander zu verbinden