Warum Assistenzsysteme so wichtig sind

Diese Fahrassistenzsysteme gibt es

Fahrassistenzsysteme haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Wie sie funktionieren und welche man im Auto finden kann, erfährst Du hier.

  • Raphael Bracher
  • Veröffentlicht am 17.03.2022, 10:00
Blick in das Cockpit eines BMW iX mit eingeschaltetem Parkassistenzsystem
Quelle: BMWIm November 2021 stellt BMW den iX vor – das Modell mit der bislang umfangreichsten Serienausstattung im Bereich Fahrerassistenzsysteme, das der bayerische Autokonzern bislang auf den Markt gebracht hat

Was sind Fahrerassistenzsysteme?

Fahrassistenzsysteme sind elektronische Helfer, welche mithilfe von Sensoren, Kameras und Radar dem Fahrer des Fahrzeuges in bestimmten Situationen Unterstützung leisten sollen. In kritischen Situationen warnen diese Systeme den Fahrer mit einem optischen, akustischen oder haptischen Signal, unterstützen ihn gezielt oder greifen, falls nötig, selbstständig ein, um einen Unfall zu vermeiden oder dessen Folgen zu vermindern.

Folgende Assistenzsysteme sind in vielen Fahrzeugen bereits heute Standard:

  • Antiblockiersystem ABS
  • Bremsassistent
  • Fahrdynamikregelung (zum Beispiel ESP)
  • Automatisches Notbremssystem
  • Spurhalteassistenten
  • Abstandsregelung
Blick auf die digitale Anzeige im Cockpit eines BMW, in dem das Fahrassistenzsystem Cruise Control aktiviert ist
Quelle: BMWViele Namen, gleiche Funktion: Bei BMW heißt die Geschwindigkeitsregelanlage Cruise Control, bei Daimler Tempomat, bei Porsche Tempostat

Welche Assistenzsysteme sind Pflicht?

Der im Frühjahr 2019 von der EU-Kommission beschlossene Gesetzesentwurf einigte sich darauf, dass alle Fahrzeuge, welche ab Mitte 2022 gebaut und verkauft werden, mit folgenden Assistenzsystemen ausgestattet sein müssen:

  • Notbremsassistent
  • Notfall-Spurhalteassistent
  • Geschwindigkeitsassistent
  • Notbremslicht
  • Unfalldatenspeicher, auch als „Black Box“ bekannt
  • Müdigkeits- und Aufmerksamkeitswarner
  • Rückfahrassistent
  • Reifendrucküberwachung

Die Verordnung besagt jedoch, dass Autos, welche nicht über die oben genannten Assistenzsysteme verfügen, nicht mit solchen nachgerüstet werden müssen. Informiere Dich hier, welche Assistenzsysteme ab 2022 Pflicht werden.

Detailaufnahme des rechten Vorderrads eines dunklen Pkw, der eine Landstraße entlang fährt
Spurassistenten-Test

Einer der wichtigsten Assistenten ist der Spurhalteassistent – hier findest Du einen Vergleich, wer die Nase vorne hat.

Welche Funktionen bieten die einzelnen Fahrerassistenzsysteme?

AssistenzsystemeFunktion
AbstandsassistentÜber­wacht den Ab­stand, kann ggf. Geschwin­dig­keit redu­zieren und Brems­druck aufbauen
AntiblockiersystemBei Brems­vorgäng­en wer­den Räder nicht blo­ckiert, Lenk­fähigkeit bleibt erhal­ten
AntriebsschlupfregelungHilft beim An­fahren und Be­schleu­nigen
Automatische NotbremssystemeÜber­wacht den Abstand zum Vorder­mann, bremst auto­matisch, um Auffahr­unfall zu vermei­den
BremsassistentRe­gelt unter anderem den Brems­druck
Bergan- oder -abfahrassistentNutzt auto­matisch die Hand­bremse bzw. dros­selt die Geschwin­digkeit bei stei­len Streck­en berg­ab
C2X-KommunikationKommunikationsweg zwischen Fahrzeug zu Fahrzeug oder Fahrzeug zu Infrastruktur
EinparkhilfeErkennt Hinder­nisse seit­lich und hin­ten (durch Ultra­schall oder Ra­dar) und hilft durch Warn­sig­nale beim Ein­parken
Elektronisches StabilitätsprogrammStabi­lisiert das Fahr­zeug bei gefähr­lichen Brems­vorgäng­en, verhin­dert Schleu­dern
Fading-KompensationUnter­stützt die Brem­sen, falls diese auf­grund von Über­hitzung nach­lassen
Fernlicht-AssistentAkti­viert und deakti­viert auto­matisch das Fern­licht, falls nötig
GeschwindigkeitsassistentErkennt Tempo­limit und hilft dem Fahrer, sich an die­ses zu hal­ten
Müdigkeits- und AblenkungswarnerErkennt durch Video oder Lenk­verhalten Müdig­keit oder Ablen­kung und lässt Warn­signal ertönen
NachtsichtsystemErkennt auch im Dun­keln z. B. Fuß­gänger, zeigt diese auf einem Dis­play an
ReifendruckassistentZeigt dem Fahrer an, ob der Reifen­druck korri­giert werden muss
Soft-StopFedert harten Ruck nach einer Brem­sung ab
SpurwechselassistentHilft beim Spur­wechsel, Fahr­zeuge im to­ten Win­kel recht­zeitig zu erken­nen
SpurhalteassistentWarnt Fahrer, wenn dieser leicht von der Fahr­bahn ab­kommt
TempomatHält die einge­stellte Geschwin­digkeit
UnfallerkennungReagiert beim Unfall: Bremse und Gurt werden akti­viert, ggf. Dach und Fenster ge­schlos­sen, Lehnen aufge­rich­tet
VerkehrszeichenerkennungMithilfe von GPS und Video regis­triert das Fahr­zeug Verkehrs­zeichen und kün­digt diese recht­zeitig an
Blick auf das Display eines Pkw, dessen Rückfahrkamera aktiviert ist
Quelle: Peter BesserAb 2022 sind Hilftsmittel für den Blick nach hinten Pflicht. Ein bloßes Kamerabild reicht nicht aus. Allerdings lässt die Formulierung auch bloße Sensoren („Parkpiepser“) zu.

Wie Fahrerassistenzsysteme funktionieren

Fahrerassistenzsysteme helfen Unfälle zu vermeiden und retten bewiesenermaßen Leben, das ist Fakt. Sie tun dies mithilfe von verschiedenen Hilfsmitteln, welche dem Assistenzsystem die notwendigen Daten liefern und entsprechend eingreifen. Folgende Bauteile werden zur Erfassung der Daten verwendet:

BauteilFunktion
Lidarsensor Der Lidarsensor wird bei Pkw eingesetzt, um Abstände zu Hindernissen zu messen, sowie deren Veränderung.
RadarsensorRadarsensoren werden eingesetzt, um die Umgebung des Fahrzeugs zu überwachen, indem Abstände zu Hindernissen und deren Relativgeschwindigkeiten gemessen werden.
RadsensorRadsensoren, auch Raddrehzahlsenoren genannt, sind dafür zuständig, die Drehzahl der Räder zu erfassen und senden diesen Wert in Form eines Signals an das Steuergerät des ABS oder ESP®. Dabei wird zwischen aktiven und passiven Radsensoren unterschieden.
UltraschallsensorUltraschallsensoren werden eingesetzt, um die unmittelbare Umgebung des Fahrzeugs zu überwachen und Abstände zu Hindernissen zu messen. Sie kommen insbesondere bei Einparkhilfesystemen zum Einsatz.
Videosensor/KamerasensorDer Videosensor oder Kamerasensor wird eingesetzt, um wichtige optische Informationen über das Fahrzeugumfeld zu erhalten.

Risiken der Assistenzsysteme

Assistenzsysteme sind immer fokussiert auf Sicherheit, jedoch können Risiken nicht komplett ausgeschlossen werden. Sowohl die Möglichkeit des technischen Versagens als auch eine gewisse Ablenkung des Fahrers birgt Risiken. Zur Absicherung dagegen konzipieren Hersteller die Einstellung und Bedienung der Fahrerassistenzsysteme so simpel wie möglich, sodass ein ähnlicher Grad der Ablenkung entsteht wie etwa bei der Bedienung des Radios.

Detailaufnahme des linken Außenspiegels eines fahrenden Pkw, in dem der Totwinkelassistent aktiviert ist
Quelle: Peter BesserEin Totwinkelassistent warnt vor einem Spurwechsel, wenn sich ein Fahrzeug von hinten nähert