Mehr Reichweite, mehr Leistung, schnelleres Laden

Renault Zoe Facelift (2019): Erster Test, Reichweite, Preis

Deutschlands beliebtestes Elektroauto kommt mit mehr Reichweite, mehr Leistung und schnelleren Ladezeiten: Der überarbeitete Renault Zoe im ersten Test.

  • Sven Förster
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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Der Renault Zoe 2019 im Fahrbericht
Quelle: Renault Renault überarbeitet den beliebten Elektro-Kleinwagen Zoe: Das Facelift-Modell im ersten Test

Die aktuellste Evolutionsstufe des Zoe verlangt nach einer Einordnung. Denn Renault spricht von einer neuen Generation des Elektro-Kleinwagens. Dabei entsprechen Karosse und Plattform dem seit 2013 gewohnten Stand. Es handelt sich um ein Facelift - und gleichzeitig kein Facelift. Hier geht es um mehr als Optik-Retuschen. Verbessert wurde, worauf es beim Stromer ankommt: Reichweite, Ladedauer und Lademöglichkeit. Außerdem gibt es im Zoe fortan einen zeitgemäßen Innenraum und mehr Längsdynamik.

Ab November 2019 kommt das bislang erfolgreichste Elektro-Auto Deutschlands mit bis zu 52 kWh großem Akku- Der Motor leistet bis zu 135 PS (100 KW). Hinzu kommt gegen Aufpreis ein Anschluss für Gleichstrom-Schnellladesäulen. Das Grundkonzept bleibt gleich. Der Zoe ist weiterhin eine bodenständige Elektro-Option bleiben, frei von bemühtem Futurismus. Mit serienmäßigen LED-Leuchten und größerem Grill wirkt das Design moderner, aber immer noch von dieser Welt. Der Fahrer wird nicht mit Daten zu Energiefluss oder (theoretischer) CO2-Ersparnis geflutet, der 10-Zoll-Digitaltacho liefert in aller Nüchternheit die Infos. Außerdem bietet der 4,09 Meter lange Zoe weniger Rekuperations-Modi als viele andere Elektroautos. Aber einen mehr als bisher.



Renault Zoe: Ab 21.900 Euro mit Batterie-Leasing

Die Preise für den Zoe mit 135 PS und 52 kWh-Akku starten bei 25.900 Euro. Das reichweitenstärkste Modell mit 108 PS und großem Akku kostet ab 23.900 Euro. Den Basis-Strang mit kleinem Motor und 41 kWh großem Akku offeriert Renault ab 21.900 Euro, jeweils abzüglich Elektro-Prämie. Elektrische Kleinwagen-Konkurrenten sind teurer: Von Opel Corsa e (136 PS, 330 Kilometer Reichweite, 29.900 Euro) über Mini Cooper SE (184 PS, rund 220 Km, 32.500 Euro) bis Honda e (136 PS oder 154 PS, rund 220 Km, 33.850 Euro). Lediglich die Kleinstwagen Skoda Mii, VW E-Up und Skoda Citigo-e (jeweils im Bereich 83 PS, 260 km, 21.000 Euro) unterbieten den Renault.

Doch fair ist der Vergleich nicht. Denn zu den angeführten Preisen mietet man den Stromspeicher des Zoe lediglich. Die Monatsgebühr richtet sich nach der voraussichtlich zurückgelegten Distanz und bewegt sich im Bereich zwischen 74 und 124 Euro. Mit Eigentums-Batterie muss man jeweils 8.090 Euro zum Kaufpreis addieren. Und landet mitten im Preisbereich des Wettbewerbs. Allerdings entscheiden sich bislang beinahe 90 Prozent der Zoe-Fahrer für die Leihe des Akkus. 

Heißt auch: Wer den Zoe als gebrauchtes Vor-Facelift-Modell erwirbt, muss mit hoher Wahrscheinlichkeit die Batterie-Miete übernehmen. Laut Renault bietet man hierfür künftig mehrere Optionen an. Auf mobile.de werden aktuell mehr als 350 fahrbereite Exemplare mit Gültiger HU angeboten. Die Preise beginnen im moderaten Bereich rund 7.000 Euro – exklusive Batterie-Leasing.

B-Modus für den Renault Zoe: (Beinahe) One-Pedal-Driving

Rückt der Fahrer den neuen Gangwahlhebel in den B-Modus, rekuperiert das Auto bei Gaswegnahme stärker als im herkömmlichen D-Fahrbetrieb. Mehr Energie fließt also in den Stromspeicher zurück. Das Auto verzögert dabei so stark, dass in vielen Situationen der Tritt auf die Bremse entbehrlich wird. One-Pedal-Driving nennen das die Hersteller. Es klappt im Zoe nicht so gut wie in BMW i3 oder Tesla Model 3. Denn bis zum Voll-Stopp verzögert der Franzose nicht.

Das Bild zeigt den Renault Zoe in der Ansicht von schräg-hinten
Quelle: Renault Optisch änderte Renaut beim Zoe-Facelift wenig, technisch ist Wesentliches neu: Akku, Motor und (optional) der Ladeanschluss

Bis zu rund 30 KW schickt das System beim Lupfen an die Batterie im Unterboden. Kurzzeitig lassen sich bis zu 50 KW erwirtschaften, wenn der Fahrer auf der Bremse steht. Wir sprechen hier jedoch von Verzögerungen, bei denen die Passagiere schon veritabel im Gurt hängen. Ausmaß und Intensität der Rekuperation hängen vom Ladestand der Batterie ab. Bei komplett gefülltem Akku besteht wenig Unterschied zwischen den beiden Modi. Die Eco-Taste überstand das Facelift. Dieser Modus hat auf die Rekuperation jedoch keinen Einfluss, er wirkt sich lediglich auf Gasannahme und Leistung aus.

Bis zu 52 kWh Batteriekapazität und 135 PS

Maximal 135 PS (100 KW) leitet der E-Motor unseres Testwagens über ein einstufiges Getriebe an die Vorderräder. Der Schub kommt früh und reißt lange nicht ab - wie beim E-Auto üblich. Nach 9,5 Sekunden erreicht der Zoe 100 km/h, der Top-Speed liegt bei elektronisch begrenzten 140 km/h. Die Elektrik drosselt das 245 Newtonmeter starke Aggregat bei eingelenkten Rädern geringfügig.

Alternativ bietet Renault den überarbeiteten Zoe mit 108 PS (80 KW). Und damit derselben Leistung wie im Top-Modell des Vor-Facelifts. Beide Leistungsstufen der Modellpflege tragen dasselbe Aggregat. Eine stark überarbeitete Version des bisherigen Motors, 60 Prozent der Teile sind laut Hersteller neu. Beim 135 PS starken R135 und dem 108 PS starken R110 unterscheidet sich jedoch die Verkabelung. Keine baulichen Unterschiede bestehen zwischen den erhältlichen Akku-Packs: Die 41 kWh große Batterie (intern: Z.E.40) wird lediglich von einer anderen Software gesteuert als der neue Top-Akku mit 52 kWh (intern: Z.E. 50).

Renault Zoe mit bis zu 395 Kilometern Reichweite

Renault dürfte daher zu einem späteren Zeitpunkt ein Batterie-Upgrade anbieten. Das stärkere Triebwerk unseres Testwagens ist ohnedies an den größeren Energiespeicher gekoppelt. Nur beim kleineren Motor besteht die Wahl. Das Argument für die größere Option: Eine Reichweite von 395 Kilometern im praxisnahen WLTP-Zyklus. Das sind 95 Kilometer mehr als bisher. Im Datenblatt unseres Testwagens mit stärkerem Aggregat stehen 383 Kilometer (ebenfalls WLTP). Beim ersten Test zeigt der Bordcomputer einen Verbrauchswert von 15 kWh pro 100 Kilometern. Damit käme man überschlagsmäßig mit einer Ladung rund 330 Kilometer weit.

Die Reichweite des Renault Zoe ist von mehreren Faktoren abhängig
Quelle: Renault Mit einer Akku-Ladung kommt der geliftete Zoe laut Renault bis zu 395 Kilometer weit. Der erste Test zeigte: Jenseits der 350 Kilometer sind in der Realität allemal drin. Bei Selbst-Kasteiung, bewusstem Energie-Sparen und günstiger Topographie könnte man die Herstellerangabe sogar übertreffen

Der zweite Anlauf erfolgt mit mehr Zurückhaltung am Gaspedal. Auf bergiger Straße wäre dabei eine Segel-Option hilfreich. Und zwar immer dann, wenn man den Schwung für den Gegenhang nutzen und dafür die Rekuperation opfern will. Wobei sich derselbe Effekt auf zwei Arten herbeiführen lässt: Erstens indem man eine Gaspedalstellung exakt zwischen den Bereichen „Charge“ und „Power“ wählt. Und zweitens, indem man den Wahlhebel kurzzeitig in die N Position (Leerlauf) rückt. Vorgesehen hat Renault letzteres offenbar nicht. Klappt aber ruckfrei und führt zum besten Wert des Tages: Rund 11 kWh pro 100 Kilometer würden rund 450 Kilometer mit einer Akku-Ladung erlauben. EBenfalls nur eine Momentaufnahme. So oder so: Im Alltag dürfte die Reichweite für die meisten Zwecke reichen. 

Ladezeiten: 30 Minuten für 150 Kilometer

Ob dieses E-Auto in den eigenen Alltag passt, hängt neben der Reichweite von der Dauer des Ladens ab. Wer weitere Reisen plant, sollte ein Kreuz bei einer 890 Euro teuren Option setzen: Zoe mit optionalem CCS-Stecker tragen hinter dem wegklappbaren Markenlogo unter dem Typ 2-Anschluss zwei Pole für die Gleichstrom-Ladung. Damit wird der Akku generell schneller voll als mit Wechselstrom (denn der wird vor dem Speichern zu Gleichstrom umgewandelt). Bis zu 50 KW beträgt die Ladeleistung im Zoe. Dass andere Stromer auf dem Papier mehr bieten, ist erst einmal kein Nachteil. Denn die meisten Ladesäulen schicken aktuell nicht mehr durch die Leistung.

In 70 Minuten bringt man den großen Zoe-Akku laut Hersteller auf 80 Prozent seiner Kapazität, 30 Minuten Ladezeit sollen rund 150 Kilometer Reichweite erlauben. Für die beschleunigte Komplett-Ladung an einer Wallbox mit bis zu 22 KW gibt Renault eine Dauer von 3:40 Stunden an. Mit 11 KW soll die Zeit rund 6:35 Stunden betragen. Eine Wallbox zahlt sich für „Heim-Lader“ tendenziell aus: An der Haushaltssteckdose vergehen mit Schuko-Ladekabel mehr als 30 Stunden, ehe der leere 52 kWh-Akku befüllt ist.

Innenraum: Zoe wird schicker 

Dem Vor-Facelift-Modell sah man sein Alter vor allem innen an. Mit wenig Kontrasten und einem Überangebot an hartem Plastik. Der überarbeiteten Zoe übernimmt im Innenraum vieles von den neuen Versionen des Renault Clio und Captur. Etwa die frei stehende Konsole mit dem Gangwahlhebel oder das aufgesetzte Infotainment-Display. Serienmäßig misst der Screen 7 Zoll, die getestete Top-Ausstattungsvariante (Intens) kommt mit 9,3 Zoll großem Bildschirm.

Im Innenraum befindet sich die freistehende Konsole mit dem Gangwahlhebel und das aufgesetzte Infotainment-Display
Quelle: Renault Der Innenraum des gelifteten Renault Zoe: Das neue Cockpit ist optisch gefälliger und haptisch angenehmer als das bislang im Zoe angebotene Interieur. Die Gestaltungsweise debütierte in Renaults thermischem B-Segment: Captur und Clio sehen innen ähnlich aus

Wer möchte, erhält dasselbe in Grün: Ab der zweiten Ausstattungslinie (Experience) bezieht Renault die Sitze und Teile des Armaturenbretts mit Stoff aus Recycling-Material. Optisch und haptisch erinnern die Bezüge an Jeans-Stoff. Das Armaturenbrett ist unterfüttert, hartes Plastik findet sich nur noch an der Seitenverkleidung. Die kann einem in Reihe eins mitunter nahe sein, denn mit 1,78 Metern bleibt der Zoe denkbar schmal.

Renaults Elektro-Kleinwagen

Vieles hängt in der ersten Reihe von der Sitzposition ab, doch hoch sitzt man über den Akku-Paketen immer - Renault bietet keine Verstellmöglichkeit. Im Fond kann für Erwachsene der Platz bis zum Dach richtig eng werden. Beim Kofferraumvolumen von 338 Litern bleibt es. Der Zoe wird in der überarbeiteten Version kein Raumwunder – fällt die hintere Sitzlehne (Verhältnis 40:60), bleibt immer eine nennenswerte Stufe.

Das Steuer mit dickerem Kranz gehört zu einer direkten Lenkung mit ungewohnt hohen Rückstellkräften um die Mittelstellung. Federn und Dämpfer sind wie beim Vor-Facelift komfortabel ausgelegt. Gegen harte Stufen findet das Fahrwerk kein Mittel, doch alles auf dem Level gängigen Kopfsteinpflasters wird gut weggefedert. Spaß haben klappt. Denn die Neigung zum Einknicken an der Vorderachse macht sich erst bei Fahrweisen bemerkbar, die man mit einem moderat motorisierten E-Auto selten gezielt versucht.

Renault Zoe Facelift (2019): Technische Daten

  • Modell: Renault Zoe R135 Z.E. 50
  • Motor: Fremderregter Drehstrom-Synchron-Elektromotor
  • Antrieb: Einstufige Übersetzung
  • Akku-Kapazität: 52 kWh
  • Leistung: 135 PS (100 kW)
  • Drehmoment: 245 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h (elektronisch abgeregelt)
  • 0-100 km/h: 9,5 s
  • Verbrauch: 17,7 kWh (laut WLTP-Zyklus)
  • Reichweite: 383 km (WLTP)
  • Länge: 4.087 mm
  • Breite: 1.787 mm
  • Höhe: 1.562 mm
  • Radstand: 2.588 mm
  • Gewicht: ab 1.577 kg
  • Kofferraumvolumen: 338-1.225 l
  • Preis ab: 25.900 Euro plus Batteriemiete (ab 74 Euro / Monat)
  • Marktstart: Herbst 2019

Renault Zoe Facelift 2019 in Bildern

  • Die Höchstgeschwindigkeit des Renault Zoe beträgt 140 km/h
    Quelle: Renault Die Höchstgeschwindigkeit des Renault Zoe R135 liegt bei elektronisch abgeregelten 140 km/h
  • Das Bild zeigt den Renault Zoe in der Ansicht von schräg-hinten
    Quelle: Renault Optisch änderte Renaut beim Zoe-Facelift wenig, technisch ist Wesentliches neu: Akku, Motor und (optional) der Ladeanschluss
  • Im Innenraum befindet sich die freistehende Konsole mit dem Gangwahlhebel und das aufgesetzte Infotainment-Display
    Quelle: Renault Der Innenraum des gelifteten Renault Zoe: Das neue Cockpit ist optisch gefälliger und haptisch angenehmer als das bislang im Zoe angebotene Interieur. Die Gestaltungsweise debütierte in Renaults thermischem B-Segment: Captur und Clio sehen innen ähnlich aus
  • Die Reichweite des Renault Zoe ist von mehreren Faktoren abhängig
    Quelle: Renault Mit einer Akku-Ladung kommt der geliftete Zoe laut Renault bis zu 395 Kilometer weit. Der erste Test zeigte: Jenseits der 350 Kilometer sind in der Realität allemal drin. Bei Selbst-Kasteiung, bewusstem Energie-Sparen und günstiger Topographie könnte man die Herstellerangabe sogar übertreffen
  • Deer Renault Zoe verfügt bei ungeklappter Rückbank über ein Kofferraumvolumen von 1.225 Litern
    Quelle: Renault Der Renault Zoe verfügt über ein Kofferraumvolumen von 338 Litern. Bei ungeklappter Rückbank erhöht sich das Fassungsvermögen auf 1.225 Liter
  • Ab der zweiten Ausstattungslinie bezieht Renault die Sitze und Teile des Armaturenbretts mit Stoff aus Recycling-Material
    Quelle: Renault Ab der zweiten Ausstattungslinie (Experience) bezieht Renault die Sitze und Teile des Armaturenbretts mit Stoff aus Recycling-Material. Optisch und haptisch erinnern die Bezüge an Jeans-Stoff
  • Vieles hängt in der ersten Reihe von der Sitzposition ab, doch hoch sitzt man über den Akku-Paketen immer
    Quelle: Renault Vergleichsweise weit oben sitzt man im Renault Zoe immer - in der Höhe lassen sich die Sitze nicht verstellen
  • Der Renault Zoe 2019 im Fahrbericht
    Quelle: Renault Renault überarbeitet den beliebten Elektro-Kleinwagen Zoe: Das Facelift-Modell im ersten Test