So schlägt sich der VW Passat Variant (2019) im Alltag

VW Passat Variant B8 (Facelift 2019): Test, Preis, Maße

Der VW Passat B8 bekam 2019 ein Facelift, mit mehr Assistenz und modernem Infotainment. Wie er sich als Variant 2.0 TSI im Alltag schlägt, liest Du hier.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 11/30/2019, 9:15 AM
VW Passat in der Ansicht von vorne-rechts, stehend
Quelle: Jonas Seidel Unser Testwagen wird von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 190 PS angetrieben

Ein Facelift kann wehtun. Der VW Passat wurde in den ersten zehn Monaten 2019 „nur“ 47.402 Mal neu zugelassen. Damit liegt er erstmals seit Jahren „nur” auf Platz 2 der Zulassungsstatistik in der Mittelklasse – hinter der Mercedes C-Klasse. Ein teurer „Schnösel“ hat mehr Erfolg als das nützliche Vernunftsmodell? Der Passat erlebt 2019 in der achten Generation eine gründliche Modellpflege. Sie reduziert das Interesse am Vor-Facelift-Modell und beeinträchtigt die Lieferfähigkeit des Herstellers.

Aber nach fünf Jahren Bauzeit gibt es Grund für Updates am VW Passat der Generation B8. Äußerlich kaum wahrnehmbar, tut sich bei Infotainment, Assistenz und Motoren viel. Wie sich der Mittelklasse-Klassiker als VW Passat Variant 2.0 TSI mit 190-PS-Benziner im Alltag nach dem Facelift schlägt, liest Du in unserem ausführlichen Testbericht.



VW Passat Variant: Kofferraumvolumen, Maße, Platzangebot

Größe ist seit jeher ein Hauptargument des VW Passat Kombi, Verzeihung: Variant. Auf einer Länge von 4,77 Metern bringt er ein Kofferraumvolumen von 650 Litern unter. Das ist in der Mittelklasse vor allem im Vergleich zu den Premium-Anbietern viel. Bei umgeklappter Rückbank werden es 1.780 Liter auf fast komplett ebener Ladefläche. Zwei Handgriffe genügen und die Lehnen fallen um.

VW Passat Variant in der Seitenansicht, stehend
Quelle: Jonas Seidel Spurhalteassistent und City-Notbremse gehören im Passat Variant zur Serienausstattung

Fächer hinter den Radkästen bieten Platz für Kleinkram, eines im doppelten Boden ebenfalls. Die Abdeckung für den Gepäckraum wird in einer Schiene geführt, unser Testwagen verfügte zudem über praktische Alu-Schienen und einen verschiebbaren Ladeboden. Alles sehr durchdacht und praktisch.

Viel Platz finden Mitfahrer auf der Rückbank vor. Mit reichlich Kniefreiheit und genügend Luft über dem Scheitel sitzen die beiden äußeren Passagiere sehr angenehm. In der Mitte stört der Kardantunnel, für kurze Strecken reicht es aber. Fahrer und Beifahrer sitzen ebenfalls luftig. Die Mittelkonsole bietet zwei große Becherhalter, ein großes, gummiertes Fach fürs Handy und ein kurzes, tiefes Fach unter der Armlehne. Die hätten wir gerne weiter vorn gehabt. So passt sie nur für Ellenbogen von großen Fahrern, die den Sitz weit nach hinten fahren.

Innenraum, Materialien, Verarbeitung

Klar und schlicht zeichnet Volkswagen den Innenraum des Passat. Daran hat sich mit dem Facelift 2019 nichts geändert. Zierleisten und Paneele sind solide verlegt und fühlen sich gut an. VW unterschäumt den Kunststoff überall, wo es drauf ankommt – auch hinten in der oberen Türverkleidung. Wo die Mittelkonsole in die Waagerechte übergeht, hört der Spaß jedoch auf. Ab da besteht sie komplett aus Hartplastik.

An der einen oder anderen Stelle bringt VW Leder an. Das geht in Ordnung, außer auf den Sitzen. Im Testwagen steckte das „Lederpaket Nappa Carbon Style“. Klingt doof, sieht auch so aus. Schon die grauen Sitzmittelbahnen wirken nicht edel, zusammen mit den Seitenwangen in Carbon-Dekor sieht der Bezug einfach nur billig aus. Eigentlich eine gute Nachricht: Die 2.130 Euro Aufpreis fürs Paket kann man sich sparen.

Infotainment und Radio

Das Infotainment renoviert VW zum Facelift des Passat B8 gründlich. Das große Navi „Discover Pro“ verzichtet jetzt auf echte Hardware-Tasten, verfügt aber noch über vier Touch-Buttons links vom Bildschirm. Leider auch für die Lautstärkeregelung, das ist nicht besonders intuitiv.

Cockpit-Ansicht des VW Passat Variant
Quelle: Jonas Siedel Beim Infotainment herrscht Nachholfbedarf. Die Lautstärkeregelung machte uns Schwierigkeiten, die Verbindung mit dem Smartphone ebenfalls

Ansonsten sieht das System schick und modern aus. Auf dem Homescreen lassen sich diverse Funktionen in Kacheln für den Schnellzugriff ablegen, mit zwei Fingern lässt sich zwischen zwei Ansichten hin und her wischen. Die Kacheln können sich mit diversen Funktionen belegt werden, aber nicht alle mit allen. Das reduziert die Komplexität und erleichtert die Bedienung.

Insgesamt aber lässt sich das System nach der Modellpflege nicht intuitiver bedienen. Es dauerte, bis wir herausfanden, wie man den Langzeit-Kilometerzähler zurücksetzt oder die Ambientebeleuchtung anpasst. Außerdem muss Volkswagen dringend Bugs fixen. Die Verbindung über Android Auto funktioniert nicht zuverlässig. Die Lautstärkeregelung zickt im Test mehrfach: Einmal gab es einen kompletten Tonausfall.

Sicherheit und Assistenzsysteme

Der VW Passat Variant wurde schon beim Marktstart 2014 von Euro NCAP mit fünf Sternen bewertet. Damals noch ohne Spurhalteassistenten und City-Notbremse. Mittlerweile ist beides serienmäßig, dazu LED-Scheinwerfer. Hinzu kommt so ziemlich alles, was die Assistenztechnik hergibt. Allerdings nicht serienmäßig und nicht alles funktioniert perfekt.

Unser Test-Passat war mit adaptivem Tempomaten (ACC) und mitlenkendem Spurhalter ausgerüstet. Beides funktioniert gut. Die Sanftheit, mit der ACC den Passat Variant auf den richtigen Abstand zum Vordermann einbremst, gefiel uns besonders. Neu seit der Modellpflege: Der Passat kann automatisch Tempolimits übernehmen. Eine Funktion, die man besser zügig deaktiviert, denn sie arbeitet unzuverlässig. Weil Tempolimits nicht sicher erkannt werden, bremst der VW zuweilen ohne erkennbaren Grund spontan ab oder beschleunigt mitten in der Baustelle spontan. Beides kann unangenehm, bisweilen sogar gefährlich werden.

Motor, Verbrauch, Antrieb

In unserem Testwagen steckt ein 2,0-Liter-Benziner mit ordentlichen 190 PS (140 kW) und 320 Newtonmetern Drehmoment. Er passt zum Passat, der in dieser Konfiguration moderate 1,6 Tonnen wiegt. Der Vierzylinder-Turbo schiebt den Kombi elastisch und kräftig voran. Das maximale Drehmoment liegt bei frühen 1.500 Umdrehungen an, das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) gehört zum Serienumfang.

VW Passat in der Frontansicht, stehend
Quelle: Jonas Seidel Mindestens 33.035 Euro verlangt Volkswagen für den Passat Variant

Es benimmt sich in den meisten Situationen manierlich, also nicht immer. Im Kriechverkehr und im Stop-and-Go spürt und hört man es arbeiten. Allerdings hat VW dies mittlerweile besser im Griff als früher, denn wirklich störend wird es nie. Dazu hält man ohne Probleme geschmeidig an und fährt ohne großes Drama wieder los. Zu viel Anfahrmoment ist ein häufiger Kritikpunkt beim DSG.

Das flotteste Getriebe ist es weiterhin nicht. Beim Kick-down vergeht eine Gedenksekunde, bevor der niedrige Gang eingelegt wird. Ansonsten schaltet das Getriebe ausgewogen. Der Verbrauch fällt leider etwas höher aus. Im Stadtverkehr sind mit etwas Mühe Werte unter 10 Litern machbar. Auf der Autobahn sollte man mit sieben bis acht Litern planen. Wir landen im Test mit viel Langstrecke und reichlich Stadtverkehr bei 8,6 Litern.

Fahrverhalten und Lenkung

Der neue Passat federt ordentlich. Doch im Stadtverkehr, bei niedrigen Geschwindigkeiten, rollt er oft etwas schlicht über Kanten und durch Schlaglöcher. Wir wünschen uns ein satteres Gefühl und mehr Verbindlichkeit. Letztere bringt der Sportmodus zwar, doch damit wird der Variant auf unebenem Pflaster schon kippelig und etwas unangenehm.

Hohes Tempo auf Landstraße und Autobahn steht dem Passat besser. Er liegt satt auf der Bahn, federt Fugen und Wellen solide weg. Abroll- und Windgeräusche bleiben bis in hohe Geschwindigkeiten draußen, Unterhaltungen zwischen Fahrer und Hintensitzer lassen sich bei 160 km/h noch entspannt führen. Er fährt also wirklich fein auf der langen Strecke.

Zackig auf der Landstraße ist nicht unbedingt das Revier des Passat Variant – oder grundsätzlich eines großen Kombis. Obwohl er seine Sache nicht schlecht macht. Die Lenkung liegt gut in der Hand und steuert präzise. Die Gewichtung passt für alle Gelegenheiten. Aber die R-Line-Optik macht noch lange kein sportliches Auto aus dem Passat. Muss sie ja auch nicht. Die Kombi-Mittelklasse hat im Volumensegment in erster Linie Nutzwert zu bieten.



Preis und Ausstattung

Volumensegment hin oder her: Wie jeder Volkswagen ist der Passat Variant nicht günstig. Die Preise starten bei 33.035 Euro für den 1.5 TSI mit Sechsgang-Handschaltung und 150 PS. Unser Test-Passat mit 2,0-Liter-Benziner und serienmäßigem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe braucht mindestens die zweite Ausstattungslinie Business und rückt nah an die 40.000 Euro. 39.825 Euro kostet er mindestens. Damit er so schnittig aussieht, braucht es die R-Line, die 1.930 Euro zur Business-Ausstattung addiert.

Blick in den Innenraum des VW Passat Variant, bei geöffneter Fahrertür
Quelle: Jonas Seidel Das "Lederpaket Nappa Carbon Style" hat uns im Test nicht überzeugt

Unser Testwagen baut allerdings auf der Ausstattung Elegance auf. Das macht vom Start weg 44.145 Euro. Die R-Line kostet dazu 2.395 Euro extra. Außerdem stattet VW den Passat Variant mit dem adaptiven Fahrwerk aus (1.200 Euro) und steckt das große, teure Navi „Discover Pro“ inklusive Online-Funktionalität für 2.990 Euro ins Auto. Das große, helle Head-up-Display ist ebenfalls dabei – ebenso ein Paket an Assistenzsystemen. LED-Matrix-Scheinwerfer gibt es bei Elegance serienmäßig.

Fazit: Konkurrenz aus dem eigenen Konzern

Am Ende stehen gut 64.000 Euro auf der Rechnung. Viel Geld für einen Mittelklasse-Kombi. Im Premium-Segment zahlt man jedoch deutlich mehr und bekommt dafür deutlich weniger Nutzwert. Wir sehen die Konkurrenz für den Passat eher im eigenen Konzern. Der Skoda Octavia Combi bietet ebenfalls reichlich Platz, kostet aber weniger. Der Skoda Superb auf gleicher technischer Basis ist größer und trotzdem günstiger. Auf ein paar edle Extras muss man dort allerdings verzichten.

VW Passat Variant 2.0 TSI (2019): Technische Daten

Modell: VW Passat Variant 2.0 TSI
Motor 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner
Leistung 190 PS (140 kW)
Drehmoment 320 Nm b. 1.500-4.100 U/min
Antrieb Siebengang-DSG, Frontantrieb
0-100 km/h 7,7 s
Geschwindigkeit 232 km/h
Verbrauch 6,4 l/100 km
CO2-Ausstoß 146 g/km
Länge 4.773 mm
Breite 1.832 mm
Höhe 1.516 mm
Radstand 2.786 mm
Gewicht 1.570 kg
Kofferraumvolumen 650-1.780 l
Anhängelast 2.000 kg
Basispreis VW Passat Variant 33.035 Euro (11/2019)
Basispreis Testwagen 39.825 Euro
Preis des Testwagens 64.130 Euro

Der VW Passat Variant in Bildern

  • VW Passat Variant in der Ansicht von vorne-rechts
    Quelle: Jonas Seidel Nach 7,7 Sekunden erreicht der Kombi Tempo 100. In der Spitze fährt der Passat 232 km/h
  • VW Passat in der Ansicht von vorne-rechts, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Unser Testwagen wird von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 190 PS angetrieben
  • VW Passat Variant in der Heckansicht, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Bei unserem Testwagen standen 64.130 Euro auf dem Preisschild
  • VW Passat Variant in der Ansicht von hinten-rechts, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Im Stadtverkehr kamen wir mit dem Passat nur mit Mühe unter 10 Liter auf 100 Kilometer
  • VW Passat in der Frontansicht, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Mindestens 33.035 Euro verlangt Volkswagen für den Passat Variant
  • Blick auf den linken Scheinwerfer des VW Passat Variant
    Quelle: Jonas Seidel Wer Matrix-LED-Scheinwerfer für den Passat bevorzugt, wählt die Ausstattung Elegance
  • VW Passat Variant in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Spurhalteassistent und City-Notbremse gehören im Passat Variant zur Serienausstattung
  • Blick in den Innenraum des VW Passat Variant, bei geöffneter Fahrertür
    Quelle: Jonas Seidel Das "Lederpaket Nappa Carbon Style" hat uns im Test nicht überzeugt
  • Cockpit-Ansicht des VW Passat Variant
    Quelle: Jonas Siedel Beim Infotainment herrscht Nachholfbedarf. Die Lautstärkeregelung machte uns Schwierigkeiten, die Verbindung mit dem Smartphone ebenfalls
  • Blick auf die Mittelkonsole des VW Passat Variant
    Quelle: Jonas Seidel In unserem Testwagen arbeitet ein Siebengang-Direktschaltgetriebe
  • Blick auf die Rückbank des VW Passat Variant
    Quelle: Jonas Seidel Auf der Rückbank spielt der Kombi seine Vorteile aus. Mitfahrer sitzen hier bequem mit ordentlich Luft an Knien und Kopf
  • VW Passat Variant in der Heckansicht, bei geöffneter Kofferraumklappe
    Quelle: Jonas Seidel Bei aufrechter Rückbank lädt der Passat 650 Liter
  • Blick in den Kofferraum des VW Passat bei umgeklappter Rückbank
    Quelle: Jonas Seidel Ist die Rückbank umgeklappt, erreicht der Passat eine fast ebene Ladefläche mit 1.780 Litern Stauraum