Der VW Arteon bekommt einen “Kombi”

VW Arteon Facelift, Shooting Brake (2020): Preise, Bilder, Marktstart

Schluss mit der Nähe zum Passat: Der Arteon wird zum eigenständigen Modell. 2020 startet er mit neuem Cockpit als Arteon R und als Shooting Brake. Alle Details.

  • Constantin Bergander
  • Veröffentlicht am 06/24/2020, 04:05 PM
VW Arteon Dreiviertel-Heckansicht dynamisch
Quelle: VW Zum Facelift im Jahr 2020 bekommt der Arteon eine zweite Karosserieform: Als Shooting Brake wird er nicht viel praktischer, aber hübscher

Aus dem Nischenprodukt Arteon wird eine Modellfamilie. VW überarbeitet die Mittelklasse-Limousine früh im Lebenszyklus und stellt ihr eine neue Karosserieform zur Seite: Neben dem coupéhaften Fünftürer gibt es den Arteon jetzt als sogenannten “Shooting Brake”. Der sieht ein bisschen nach Kombi aus und lädt – ebenfalls nur ein bisschen – mehr ein. Porsche macht das beim Panamera ganz ähnlich. Diese Ähnlichkeit ist gewollt.

Zur Einführung des Arteon Shooting Brake überarbeitet VW die ganze Baureihe. Das ist nötig, denn bisher kann sie sich nicht so recht vom Passat lösen. Technik und Cockpit hat der Arteon bislang unverändert von ihm übernommen, seine Vertreter-Aura gleich mit. Deshalb bekommt er jetzt einen eigenständigen Innenraum. Daneben rüstet VW wichtige Extras nach und baut den Arteon als Sport-Version (Arteon R) sowie als Plug-in-Hybrid (Arteon eHybrid).


VW Arteon
Der VW Arteon

Erst kaum beachtet, jetzt ganz oben: Aus dem VW CC wurde der Arteon.


VW Arteon Facelift und Arteon Shooting Brake (2020) in Kürze 

  • Umfangreiches Facelift für den VW Arteon 
  • Neue Motoren, darunter ein Plug-in-Hybrid  
  • Arteon R mit 320 PS und neuem Allradantrieb 
  • Eigenständiges Cockpit mit neuem Infotainment 
  • Neue Assistenten und Extras 
  • Marktstart: Ende Oktober 2020 
  • Preis VW Arteon Facelift: ca. 44.000 Euro (2.0 TDI) 
  • Aufpreis Arteon Shooting Brake: 850 Euro 

VW Arteon Facelift: Bekannte Maße, neue Karosserieform 

Äußerlich ändert sich wenig am Arteon für 2020. VW modifiziert die Frontschürzen und die Lampen. Optional leuchtet das Tagfahrlicht bis zum VW-Zeichen im Kühlergrill, ähnlich wie bei den sportlichen Golf-Varianten. Das Blech bleibt, an den Maßen tut sich wenig. Die optischen Retuschen bedeuten vier Zentimeter mehr Länge, insgesamt sind es nun 4,87 Meter. Er überragt den Passat Variant damit um zehn Zentimeter.

Der Arteon Shooting Brake trägt sein Dach einen Hauch höher als die Limousine, weicht in den Maßen sonst aber nicht ab. Unterschiede gibt es erst ab der B-Säule: Seine Silhouette fällt weniger stark ab, das Dach lässt den Mitfahrern hinten mehr Kopffreiheit. Ein echter Kombi wird so nicht aus dem Arteon, dafür ist sein Kofferraum zu klein. Er lädt 565 bis 1.632 Liter ein. Das sind nur zwei bzw. 75 Liter mehr, als die Arteon-Limousine – und 85 bzw. 148 Liter weniger als ein Passat Variant – packt.



Es geht VW im Arteon also nicht zuerst um Nutzwert, sondern um Aussehen und Status. Damit das Auto endlich Abstand zum Passat gewinnt, überarbeitet VW den Innenraum. Das Armaturenbrett behält seine Form, bekommt aber mit flachen Lüftungsdüsen und neuen Spangen eine eigene Optik. Das Klima-Bedienfeld verzichtet auf Tasten und Knöpfe, Eingaben nimmt es per Berührungen auf. Praktischer ist das nicht, aber hübscher. Eine verbesserte Sprachsteuerung gleicht die praktischen Schwächen aus.

Das Lenkrad im neuen Arteon trägt ebenfalls keine klassischen Knöpfe, sondern glatte Tasten. Dahinter baut VW wieder ein digitales Cockpit ein, allerdings mit kleinerem Display. Statt bisher 12,3 Zoll misst es im Arteon nur noch 10,25 Zoll. Das kleine Basis-Infotainment entfällt, in Deutschland misst der Monitor auf der Mittelkonsole künftig 8,0 oder 9,2 Zoll. Typisch Dienstwagen: Ein Navigationssystem gibt es serienmäßig im Arteon. VW verspricht außerdem eine verbesserte Interieur-Qualität mit schöneren Materialien.

Erste Bilder zeigen neue Kunstlederoberflächen mit Ziernähten sowie Zierspangen aus echtem Holz oder Aluminium. Das soll hochwertiger wirken als im Passat. Ob es sich tatsächlich besser anfühlt als im Schwestermodell, berichten wir nach der ersten Fahrt im Herbst 2020.

VW Arteon Seitenansicht
Quelle: VW Der Arteon bleibt technisch ein Passat. Optisch und inhaltlich soll er sich nun besser abgrenzen

Plug-in-Hybrid und Sport: Arteon eHybrid und Arteon R 

Ab Herbst 2020 fährt der VW Arteon endlich mit Plug-in-Hybridantrieb. Der Arteon eHybrid kombiniert einen 1,4-Liter-Turbobenziner (156 PS) mit einem Elektromotor (85 kW). Gemeinsam leisten sie 218 PS. Eine Batteriekapazität von 13 kWh genügt für eine elektrische Reichweite von 54 Kilometern. Damit qualifiziert sich der Arteon eHybrid für das E-Kennzeichen, den aufgestockten Umweltbonus und die Dienstwagen-Besteuerung mit 0,5 Prozent. Technisch entspricht die Variante dem Passat GTE.

Ebenfalls neu im Programm und nicht im Passat verfügbar: Der Arteon startet in einer sportlichen R-Variante. Ursprünglich wollte VW seiner Top-Limousine sogar einen Sechszylinder mit 400 PS einpflanzen. Der VR6-Motor schafft es aber nicht ins Modell. Stattdessen bekommt der Arteon R einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 320 PS und 420 Nm Drehmoment.

Für das neue R-Modell modifiziert VW den Allradantrieb. Der Arteon R nutzt nicht das übliche Haldex-System, sondern eine Variante mit zwei Kupplungen an der Hinterachse – ähnlich wie Ford es im letzten Focus RS löste. Der neue Allradstrang kann die Kraft besser verteilen und für ein agileres Gefühl im Heck sorgen.

VW nennt das System „Torque Splitter“. Wie beim normalen Allradstrang schickt ein Winkelgetriebe die Hälfte der Kraft an die Hinterachse. Die Steuerung der Kupplungen bestimmt dort, wie viel Moment an welches Rad gelangt. In zügig gefahrenen Kurven kann der Arteon R gezielt Kraft an das kurvenäußere Hinterrad delegieren. So soll sich das Auto dynamischer durch den Knick bewegen. In Kombination mit dem deaktivierbaren ESP sind theoretisch Drifts möglich.


Autohaus Krugel
VW Passat Variant

Der Variant ist die meistgebaute Passat-Variante.


Neue Dieselmotoren im VW Arteon 

Neben Strom und Sport gibt es im Arteon-Motorraum viel Regalware. Bei den kleinen Benzinern ändert sich nichts: In der Basis leistet ein 1,5-Liter-Turbomotor 150 PS, darüber rangiert ein 2,0-Liter-Aggregat mit 190 PS. Den stärksten Benziner ohne sportlichen Anspruch gibt VW mit 280 PS an. Zuletzt war er etwas schwächer (272 PS). Milde Hybridisierung ist im Arteon nicht verfügbar.

Bei den Dieselmotoren tut sich mehr. Der stärkste Selbstzünder entfällt, denn die bisher kräftigste Stufe existiert in der neuesten Diesel-Generation nicht mehr. Übrig bleiben zwei 2,0-Liter-Motoren mit 150 und 200 PS. Sie reinigen ihre Abgase mit zwei SCR-Katalysatoren. VW verspricht eine Reduktion der Stickoxide um bis zu 80 Prozent.

Manuelle Getriebe bietet VW im überarbeiteten Arteon nicht mehr an. Alle Motorvarianten fahren serienmäßig mit Doppelkupplungsgetrieben. Der Plug-in-Hybrid erhält eine Schaltbox mit sechs Gängen, alle anderen rüstet VW mit Siebengang-Getrieben aus. Allradantrieb gibt es für den großen Diesel optional sowie für die beiden starken Benziner serienmäßig. Die Antriebsvarianten des Arteon im Überblick:

  • Arteon eHybrid: 1,4-Liter-Benziner, E-Motor, 218 PS, Sechsgang-DSG, Frontantrieb 
  • Arteon 1.5 TSI: 1,5-Liter-Benziner, 150 PS, Siebengang-DSG, Frontantrieb 
  • Arteon 2.0 TSI: 2,0-Liter-Benziner, 190 PS, Siebengang-DSG, Frontantrieb 
  • Arteon 2.0 TSI: 2,0-Liter-Benziner, 280 PS, Siebengang-DSG, Allradantrieb 
  • Arteon R: 2,0-Liter-Benziner, 320 PS, Siebengang-DSG, Allradantrieb 
  • Arteon 2.0 TDI: 2,0-Liter-Diesel, 150 PS, Siebengang-DSG, Frontantrieb 
  • Arteon 2.0 TDI, 2,0-Liter-Diesel, 200 PS, Siebengang-DSG, Front- oder Allradantrieb 
VW Arteon Cockpit
Quelle: VW VW verspricht eine bessere Innenraumqualität und neue Materialien

VW Arteon Shooting Brake: Preise, Marktstart 

VW hält an den Ausstattungslinien des Arteon fest. Es gibt weiterhin ein Basismodell, darüber die Varianten Arteon Elegance und Arteon R-Line. Der Arteon R ergänzt die Palette nach oben. Je nach Variante sind neue Extras verfügbar, zum Beispiel eine verbesserte Autonomie mit Stauassistenten. Schade: Ein echtes Head-up-Display passt nicht ins Auto. Der Arteon projiziert bis zum Modellwechsel weiterhin auf eine ausfahrbare Scheibe.

Arteon Facelift und Arteon Shooting Brake sind in der zweiten Juli-Hälfte bestellbar. Die Preisfindung ist noch nicht abgeschlossen. Die klassische Variante mit 2,0-Liter-Diesel wird mit reduzierter Mehrwertsteuer ungefähr 44.000 Euro kosten. Damit wäre er 500 Euro teurer als die aktuelle Variante mit voller Mehrwertsteuer.

Der Shooting Brake kostet 850 Euro Aufpreis. Zum Ausgleich gibt es eine elektrische Heckklappe und das schlüssellose Schließsystem serienmäßig. Beide Karosserieformen werden Ende Oktober 2020 ausgeliefert. Der Arteon R folgt zum Jahreswechsel.



VW Arteon und Arteon Shooting Brake (2020): Technische Daten 

Modell VW Arteon (2020)  VW Arteon Shooting Brake (2020) 
Motoren Vierzylinder-Benziner und -Diesel, ein Plug-in-Hybrid Vierzylinder-Benziner und -Diesel, ein Plug-in-Hybrid 
Leistung 150 bis 320 PS 150 bis 320 PS 
Drehmoment 250 bis 420 Nm 250 bis 420 Nm 
Antrieb Sechs- oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Front- oder Allradantrieb Sechs- oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Front- oder Allradantrieb 
Länge 4.866 mm  4.866 mm  
Breite 1.871 mm  1.871 mm  
Höhe 1.428 mm  1.447 mm 
Radstand 2.840 mm  2.840 mm  
Kofferraumvolumen 563-1.557 l 565-1.632 l 
Preis ca. 44.000 Euro (2.0 TDI, 150 PS) ca. 44.850 Euro (2.0 TDI, 150 PS) 

Der VW Arteon in Bildern

  • VW Arteon Dreiviertel-Heckansicht
    Quelle: VW Alle Motorvarianten des Arteon sind in beiden Karosserieformen erhältlich
  • VW Arteon Seitenansicht
    Quelle: VW Im VW Arteon R (2020) arbeitet ein neuer Allradantrieb mit zwei Kupplungen an der Hinterachse
  • VW Arteon Dreiviertel-Heckansicht dynamisch
    Quelle: VW Zum Facelift im Jahr 2020 bekommt der Arteon eine zweite Karosserieform: Als Shooting Brake wird er nicht viel praktischer, aber hübscher
  • VW Arteon Dreiviertel-Heckansicht
    Quelle: VW Der Arteon ist als Limousine und Shooting Brake ab Juli 2020 bestellbar. Die Auslieferungen starten im Oktober 2020
  • VW Arteon verschiedene Farben
    Quelle: VW VW Arteon Facelift (2020): R-Variante und Plug-in-Hybrid sind neu im Programm
  • VW Arteon Frontansicht
    Quelle: VW Optisch ändert sich am VW Arteon zum Facelift (2020) wenig: VW überarbeitet Schürzen und Lampen
  • VW Arteon Seitenansicht
    Quelle: VW Der Arteon bleibt technisch ein Passat. Optisch und inhaltlich soll er sich nun besser abgrenzen
  • VW Arteon Dreiviertel-Frontansicht dynamisch
    Quelle: VW Eigentlich nicht mehr üblich: Der Arteon eHybrid trägt seine Ladeklappe in der Fahrzeugfront
  • VW Arteon Dreiviertel-Heckansicht
    Quelle: VW Großes Heck, überschaubarer Nutzwert: Der Arteon Shooting Brake lädt kaum mehr ein als der nomale Arteon
  • VW Arteon Cockpit
    Quelle: VW Überarbeitetes Cockpit im VW Arteon: Das Armaturenbrett unterscheidet sich nun von dem des Passat
  • VW Arteon Dreiviertel-Frontansicht
    Quelle: VW Erstmals gibt es den VW Arteon als Plug-in-Hybrid (Arteon eHybrid)
  • VW Arteon Seitenansicht dynamisch
    Quelle: VW Der teilelektrische Arteon fährt 54 Kilometer weit rein elektrisch
  • VW Arteon Cockpit
    Quelle: VW VW verspricht eine bessere Innenraumqualität und neue Materialien
  • VW Arteon Kofferraum
    Quelle: VW Ein bisschen mehr Kapazität: bis zu 75 Liter zusätzlich passen in den Arten Shooting Brake
  • VW Arteon Frontansicht
    Quelle: VW Neues Top-Modell: VW Arteon R mit 320 PS