So kommt die elektrische Mercedes S-Klasse

Mercedes EQS 2021: Reichweite, Leistung, Bilder

Mit dem Mercedes EQS beginnt 2021 ein neues Elektrozeitalter bei Mercedes. Die Luxuslimousine kommt mit 700 km Reichweite. Das Design erinnert an Tesla.

  • Heiko Dilk
  • Veröffentlicht am 08/05/2020, 02:26 PM
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Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Der Mercedes EQS wird das erste Auto von Daimler auf einer individuellen Elektroplattform. Er kommt 2021 auf den Markt und dreht jetzt als Erlkönig seine Runden

Für Mercedes ist dieses Auto ein Meilenstein. Bislang erzählt das Thema E-Mobilität bei Daimler noch keine große Erfolgsgeschichte. Das soll sich 2021 ändern. Dann kommt nämlich mit dem EQS der erste Daimler auf einer speziellen Elektroplattform auf den Markt.

Bis zu 700 Kilometer weit soll die Luxus-Limousine fahren, Ladeleistungen von bis zu 350 kW sind wahrscheinlich – und eine Silhouette, wie wir sie von Mercedes bislang noch nie gesehen haben, ist gesetzt. Das zeigen Bilder des Erlkönigs, den unser Fotograf jetzt vor die Linse bekommen hat.

Mercedes EQS 2021 in Kürze

  • Erstes Elektroauto von Mercedes auf eigens zugehöriger Plattform
  • Akku mit rund 100 kWh für bis zu 700 km Reichweite
  • Zwei Elektromotoren, rund 476 PS und 760 Nm Drehmoment
  • Bedienkonzept wie in der S-Klasse, MBUX neuester Generation
  • Teilautonome Fahrfunktionen nach Level 3
  • Mercedes EQS Preis und Marktstart: ab 2021 für rund 100.000 Euro


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Mercedes S-Klasse 560 e

Die teilelektrische S-Klasse ermöglicht eine elektrische Reichweite von circa 50 Kilometern.


Die neue Elektroplattform erlaubt Mercedes neue Formen. Da die Akkus komplett im Unterboden verschwinden (Skateboard-Architektur), die Antriebseinheiten kompakter ausfallen als Verbrennungsmotoren und ein Getriebe nicht gebraucht wird, bietet sich mehr Platz zur Entfaltung im Innenraum. Die A-Säulen wandern weit nach vorne, das Dach spannt sich in einem großen Bogen über einen Großteil der Fahrzeuglänge.

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Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Die A-Säulen rutschen beim EQS weit nach vorne, das Dach wölbt sich in einem großen Bogen über die Insassen

Mercedes hatte schon im Herbst 2019 auf der IAA in Frankfurt mit dem Vision EQS gezeigt, wohin die Design-Reise geht. Am Erlkönig sieht man: Ganz so radikal lässt sich das „One-Bow-Design“ in der Serie dann doch nicht umsetzen. Die wesentlichen Merkmale bleiben zwar erhalten, mehr als an die EQS-Studie erinnern die Proportionen jedoch an das Tesla Model S.



Mercedes EQS: Zwei Elektromotoren mit 350 kW

Ganz nah an der Studie werden sich jedoch die technischen Eckwerte des Mercedes EQS bewegen. Mercedes sprach schon auf der IAA von bis zu 700 Kilometern Reichweite nach WLTP. Daimler-Chef Ola Källenius bekräftigte den Wert kürzlich auf der Daimler-Hauptversammlung. Damit würde der EQS das Tesla Model S übertreffen – jedenfalls das derzeit noch aktuelle Long-Range-Modell. Updates, wie sie über die mittlerweile acht Jahre währende Bauzeit des Model S immer wieder einfließen, sind weiterhin denkbar.

Den Antrieb übernehmen zwei Elektromotoren, die je eine Achse bedienen. Die kompakten Einheiten lassen sich unabhängig voneinander ansteuern und ermöglichen so einen voll variablen Allradantrieb. Gemeinsam stellen sie etwa 350 kW (476 PS) Leistung, das Drehmoment soll bei 760 Newtonmetern liegen. Tempo 100 soll der Mercedes EQS so nach weniger als 4,5 Sekunden erreichen.

Dabei wird er offenbar recht effizient mit seiner Batterieladung umgehen. 100 kWh soll die Kapazität der Lithium-Ionen-Zellen betragen. Hier 700 Kilometer herauszuholen, erscheint aus heutiger Sicht ambitioniert. Mercedes verspricht, den „Effizienzsprung“ mit der neuesten Generation von Elektromotoren zu erreichen.

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Quelle: Daimler Im September 2019 zeigt Mercedes die Studie Vision EQS als Ausblick auf den Serien-EQS, der 2021 auf den Markt kommt

Weil so viel Akku auch wieder gefüllt werden will, erwarten wir zudem einen klaren Fortschritt bei der Ladegeschwindigkeit. Bereits bei der Studie „Vision EQS” sprach Mercedes von einer „angenommenen“ Ladeleistung von 350 kW, die eine Ladung von 0 auf 80 Prozent in weniger als 20 Minuten ermöglicht. Im serienmäßigen Mercedes EQS rechnen wir mit der Umsetzung. Zwar laden die meisten Hersteller deutlich langsamer und der Mercedes EQC nur mit maximal 110 kW. Doch Tesla ist beim Model 3 inzwischen bei 250 kW angekommen, der Porsche Taycan verträgt 350 kW.


Porsche Taycan
Porsche Taycan Turbo

Kein Verbrenner – trotzdem Turbo. Die zwei Synchronmotoren im Taycan Turbo leisten zusammen 625 PS.


MBUX neuester Generation, Autonomie nach Level 3

Der Mercedes EQS soll keine elektrische S-Klasse sein und bei der Antriebstechnik hat er tatsächlich wenig mit dem Klassiker zu tun. Schließlich steht er auf einer eigenen Elektroplattform. Doch beim Infotainment und bei den Assistenten lohnt ein Blick auf die Anfang September 2020 startende S-Klasse. Vieles, was sie bietet, wird der EQS übernehmen. Bei manchem darf man eine Weiterentwicklung erwarten.

Schon das Innenraumkonzept wird sich an der kommenden S-Klasse orientieren. Die trägt statt des Widescreen-Displays, das Instrumente und Infotainmentbildschirm unter einem Deckglas vereint, einen zentralen Bildschirm auf der Mittelkonsole und ein separates Display für die Instrumentenanzeige. Beim EQS rechnen wir gemäß der Studie mit einem etwas fließenderen Design. Bei der S-Klasse kommt noch ein großer, rechteckiger Bildschirm zum Einsatz. Ob Mercedes auch die kleineren separaten Displays in den Türen bringt, über die sich diverse Funktionen steuern lassen, ist offen.

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Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Wegen der kompakten Bauweise von Elektromotor und Leistungselektronik kann die Nase des Mercedes EQS flacher ausfallen als bei einem Auto mit Verbrenner

Das MBUX genannte Infotainment in zweiter Generation kommt ebenfalls bereits in der S-Klasse, im EQS ist es folglich gesetzt. Neben der weiterentwickelten Sprachsteuerung wird es noch lernfähiger sein, stärker mit dem Fahrzeug vernetzt werden und so einen erweiterten Funktionsumfang bieten. Den Fahrer erkennt es per Gesichts- oder Spracherkennung sowie über den Fingerabdruck.

Dazu wird wie in der S-Klasse ein neues Head-up-Display Einzug halten. Das wird größer als bisher bekannte Systeme und in der Lage sein, Zusatzinformationen so in die Windschutzscheibe einzublenden, dass sie dem Fahrer direkt im Straßenbild erscheinen („Augmented Reality“).

Sollten die regulatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen zum Marktstart endlich so weit sein, wird der EQS teilautomatisierte Fahrfunktionen nach Level 3 beherrschen. Das heißt, der Fahrer darf sich dann in bestimmten Verkehrssituationen (bspw. bei nicht zu schneller Fahrt auf der Autobahn) vom Verkehrsgeschehen abwenden und etwa auf dem Infotainmentsystem des Autos einen Film anschauen, E-Mails checken oder Nachrichten lesen. Auch das hat Mercedes bereits für die S-Klasse 2020 angekündigt.


E-Tron
Elektro-Vorführwagen

Vorführwagen werden von Händlern meist zur Ausstellung oder für Probefahrten genutzt.


Mercedes EQS 2021: Preise, Marktstart

Für Preise ist es ein gutes Jahr vor dem Marktstart noch zu früh. Wo es ungefähr hingeht, ist jedoch kein Geheimnis. Wie schon den EQC wird Mercedes den EQS preislich nah am vergleichbaren Verbrenner-Modell positionieren. Der Mercedes S 560 4Matic mit langem Radstand dürfte in etwa passen. Der kostet aktuell bei 16 Prozent Mehrwertsteuer knapp 120.000 Euro. Der EQS wird sich in ähnlichen Regionen bewegen, wenn er 2021 in Sindelfingen vom Band läuft.

Zu viel für einen elektrischen Daimler? Günstigere Elektroautos von Mercedes stehen noch vorher an. So wird Mercedes noch einen Mercedes EQA bringen und einen EQB. Beide basieren jedoch noch auf der modifizierten Frontantriebsplattform von Mercedes. Ihren Genen nach sind sie also noch Verbrenner. Rund 400 Kilometer Reichweite sollen trotzdem drin sein.

Mercedes EQS und EQS Vision in Bildern

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    Quelle: Daimler Das „One-Bow-Design“, bei dem sich das Dach wie eine Kuppel über den Innenraum wölbt, ist bei der Studie besonders ausgeprägt
  • Mercedes_Vision_EQS_07
    Quelle: Daimler Im September 2019 zeigt Mercedes die Studie Vision EQS als Ausblick auf den Serien-EQS, der 2021 auf den Markt kommt
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    Quelle: Daimler Ganz so futuristisch wie die Studie Vision EQS wird der Mercedes EQS in der Serie nicht. Viele Merkmale findet man jedoch wieder
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    Quelle: Daimler Den Innenraum des Vision EQS wird Mercedes in der Serie nicht so konsequent umsetzen. Das Bedienkonzept mit dem großen Bildschirm auf der Mittelkonsole jedoch kommt
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    Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Der Mercedes EQS wird das erste Auto von Daimler auf einer individuellen Elektroplattform. Er kommt 2021 auf den Markt und dreht jetzt als Erlkönig seine Runden
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    Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Zwei Elektromotoren mit etwa 350 kW (476 PS) treiben den Mercedes EQS an. Ein Motor sitzt an jeder Achse
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    Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Wegen der kompakten Bauweise von Elektromotor und Leistungselektronik kann die Nase des Mercedes EQS flacher ausfallen als bei einem Auto mit Verbrenner
  • Mercedes_EQS_2021_Erlkönig_04
    Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Die A-Säulen rutschen beim EQS weit nach vorne, das Dach wölbt sich in einem großen Bogen über die Insassen
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    Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Die Bilder des Erlkönig-EQS machen deutlich: Hintensitzer werden sich nicht über zu wenig Platz beschweren können
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    Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Der Akku im Unterboden des Mercedes EQS verfügt über eine Kapazität von etwa 100 kWh und soll für ca. 700 Kilometer Reichweite nach WLTP gut sein