Was tun, wenn jetzt die Wartung fällig ist

Coronavirus-Krise: Das gilt jetzt bei Inspektionen

Autos gehören auch abseits vom TÜV regelmäßig gewartet. In Zeiten von Corona gelten für Besitzer wie für Anbieter von Inspektionen besondere Regeln.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 04/02/2020, 9:14 AM
KFZ-Service während Corona
Quelle: DPA/Picture Alliance Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19 machen auch vor Werkstätten nicht halt. Hier erfährst du alles zum Thema Inspektion in Zeiten von Corona

Normalerweise beginnt nun die klassische Jahreszeit für einen Werkstatt-Besuch. Rund um Ostern steuern viele Autobesitzer ihre Werkstätten an, um die Reifen wechseln zu lassen. Oder um den Experten einen Kontrollblick auf das Fahrzeug werfen zu lassen. Doch anno 2020 ist alles etwas anders – die Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 sind der Grund.

Inspektion in Zeiten von Corona

Der Shutdown des öffentlichen Lebens betrifft auch Autobesitzer. Was, wenn ausgerechnet jetzt die Wartung fällig wird? Viele Hersteller empfehlen, den Wagen einmal pro Jahr zur Kontrolle in eine Werkstatt zu bringen. In den meisten Autos weist zudem eine Anzeige im Cockpit darauf hin, wenn der Termin für die Inspektion naht. Die einfach zu ignorieren, ist nicht ratsam, denn bei Überschreitung kann die Garantie erlöschen. Darf und kann man jetzt sein Auto noch warten lassen - in doppelter Hinsicht des Wortes? 

Die meisten Werkstätten haben zwar, im Gegensatz zu Händlern, geöffnet. Allerdings arbeiten viele von ihnen nur noch im Notbetrieb. Bei vielen Werkstätten heißt es, derzeit würden vorrangig Einsatzfahrzeuge repariert und gewartet. Erst dann könne man sich um Privat-Pkw kümmern. Die Kette A.T.U., mit rund 600 Filialen bundesweit, schloss Mitte März ihre Tore komplett. Reifen- oder Ölwechsel sind bis Mitte April ebenso ausgeschlossen wie die Kontrolle von Verschleißteilen. Andere Werkstattbetreiber oder Autohändler halten ihre Werkstätten jedoch offen. Was also tun, wenn die Wartungs-Anzeige im Auto drängelt?


Benziner mit Euro 6

Fahrzeuge mit aktueller Schadstoffnorm tragen dazu bei, die Luftbelastung zu senken.


Corona: Ansteckungsgefahr reduzieren

Natürlich sind Werkstattbesuche weiterhin möglich und auch empfehlenswert. Schließlich geht es darum, die Verkehrssicherheit des Autos aufrechtzuerhalten. Wenn sich eine entsprechende Kontrolle nicht vermeiden lässt, sind folgende Dinge zu beachten:

  • Rechtzeitig, am besten online, um einen Termin kümmern. Aufgrund verkürzter Öffnungszeiten und Personalmangel sind viele Werkstätten im Moment nahezu komplett ausgelastet und können spontanen Aufträgen schlicht nicht nachkommen. Außerdem lassen sich so lange Wartezeiten vermeiden. Stichwort: Ansteckungsgefahr.
  • Persönlichen Kontakt auf ein Minimum reduzieren, Händeschütteln vermeiden und Sicherheitsabstand einhalten. Die empfohlene Distanz von zwei Metern gilt auch in Werkstatthallen.
  • Vor bzw. nach der Übergabe des Autos unbedingt das Wageninnere desinfizieren (lies hier unseren ausführlichen Ratgeber dazu). Das neuartige Coronavirus kann auch via Schmierinfektion übertragen werden. Bedienelemente, Lenkrad etc. sind dringend zu reinigen. Vom Mechaniker, nachdem er das Auto vom Kunden übernommen hat. Und vom Kunden, wenn er das Fahrzeug nach der Inspektion wieder abholt. Die Vergölst GmbH, die in ihren rund 450 Niederlassungen Reifen und Werkstattleistungen anbietet, stattet Lenkrad, Sitze und Schalthebel vor dem Service mit Einmal-Schutzbezügen aus, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.
KFZ-Service während Corona
Quelle: DPA/Picture Alliance Service ist wichtig: Die regelmäßigen Inspektionsabstände sollten unbedingt eingehalten werden

Unterschiedliche Inspektionsintervalle

In der Regel gilt: Einmal pro Jahr sollte das Auto, unabhängig vom TÜV, zur Kontrolle in die Werkstatt. Wurden die Intervalle früher noch mit jeweils 10.000 Kilometern beziffert, ist die Zuverlässigkeit der Fahrzeugteile heutzutage deutlich höher.

Je nach Motor- und Fahrzeugtyp werden Richtwerte von 15.000 bis 30.000 Kilometern angegeben. Das liegt unter anderem an den Hochleistungsölen, die deutlich länger haltbar sind als ihre Vorgänger aus den Sechzigern. Auch die Fahrweise beeinflusst die Wartungsintervalle. Je intensiver der Gasfuß, desto öfter verschleißen Reifen und Bremsen. In den neueren Fahrzeugen zeigen zudem Sensoren an, wann ein Ölwechsel fällig ist.

Danach schaut die Werkstatt bei der Inspektion

Der Fokus der Mechaniker liegt auf Verschleißteilen und Betriebsflüssigkeiten. Sie werden jeweils gegebenenfalls erneuert bzw. ausgetauscht. Üblicherweise ist der Verschleiß bei Dingen wie Bremsscheiben oder -belägen am größten. Auch Luftfilter und Zahnriemen gehören regelmäßig gewartet.

Dazu wird das Öl überprüft und kann je nach Diagnose einen größeren Posten der Inspektion ausmachen. Teuer wird es, wenn beim Ölwechsel mehrere Liter eines hochpreisigen Produkts ersetzt werden müssen.



Die erste Inspektion eines Neuwagens

Die erste Inspektion eines Neuwagens fordern viele Autobauer erst nach zwei Jahren oder 30.000 Kilometern. Andere Hersteller bitten ihre Neuwagenkunden schon nach einem Jahr oder gar nur 5.000 Kilometern zur ersten Durchsicht, um alle Funktionen sicherzustellen. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass der Zeitpunkt der ersten Inspektion von den Autoherstellern je nach Fahrzeugmodell und Motorisierung vorgegeben wird – wobei auch hier die Elektronik die Termine berechnet.  

Die Jahresinspektion

Warum ist es grundsätzlich ratsam, einmal pro Jahr zur Inspektion in die Werkstatt zu fahren? Die Bremsflüssigkeit altert beispielsweise unabhängig davon, ob das Auto steht oder fährt. Und Kurzstreckenfahrten schonen zwar den Kilometerzähler, nicht aber das Fahrzeug. Wer sein Auto kaum fährt, vielleicht nur 5.000 Kilometer im Jahr, müsste erst nach einigen Jahren wieder zur Inspektion. Doch die Hersteller empfehlen, das Fahrzeug einmal im Jahr zur jährlichen Durchsicht in die Werkstatt zu bringen.

Was kostet mich eine Inspektion?

Der Preis hängt vom Umfang der erbrachten Leistungen ab. Im Turnus von rund zwei Jahren oder alle 30.000 bis 60.000 Kilometer wird besonders aufwendig geprüft. Das Auto kommt auf die Hebebühne, damit es die Werkstattmitarbeiter aus allen Perspektiven untersuchen können: Wie geht es Motor und Getriebe? Welchen Verschleiß zeigen Achsen und Gelenke? Sind Auspuff- und Abgasanlage noch intakt? Sehen Reifen und Bremsen noch gut aus? Gecheckt werden außerdem die Elektrik, die Betriebsflüssigkeiten, Zündkerzen, Öl- und Luftfilter und Klimaanlage. Gegebenenfalls werden neben dem Motoröl auch Bremsflüssigkeit und Getriebeöl gewechselt. Der Preis variiert in der Regel zwischen 150 und 800 Euro. Das hängt nicht zuletzt auch von der Dauer der Untersuchung ab.

Hersteller empfehlen, das Fahrzeug einmal in zwölf Monaten zur jährlichen Inspektion in die Werkstatt zu bringen.
Quelle: picture alliance Hersteller empfehlen, das Fahrzeug auch bei geringer Fahrleistung einmal in zwölf Monaten zur Inspektion in die Werkstatt zu bringen

Regelmäßige Inspektion und Garantie

Es ist ratsam, die Termine zur Inspektion einzuhalten. Dafür sprechen gleich mehrere Gründe.

  1. Wer einen Wartungstermin verstreichen lässt, riskiert bei einem Neuwagen die Garantie. Die meisten Hersteller stehen nur dann für Mängel ein, wenn das Auto regelmäßig gewartet wurde. Mehr als drei Monate sollte man den vorgegebenen Termin auf keinen Fall überziehen. Manche Hersteller sind deutlich strenger und machen schon Schwierigkeiten, wenn das Intervall nur um wenige Kilometer überzogen wird.
  2. Auch mit Blick auf einen möglichen Weiterverkauf des Autos ist es ratsam, regelmäßig zur Inspektion zu fahren. Ein durchgängig und pünktlich gepflegtes Scheckheft erhöht den Verkaufspreis spürbar.
  3. Oftmals werden bei der Inspektion Verschleißerscheinungen entdeckt, die sich frühzeitig besser beheben lassen, als wenn das entsprechende Teil bereits kaputt ist. Die Kontrolle in regelmäßigen Intervallen kann also auf lange Sicht deutlich günstiger sein.

Inspektionsintervalle älterer Autos

Ältere Autos haben zwar keine Garantie mehr, die der Fahrer aufgrund versäumter Termine riskieren könnte. Die Wartungsintervalle einzuhalten, empfiehlt sich dennoch – allein wegen der Fahrsicherheit. Wer den Verschleiß beheben lässt, senkt das Unfallrisiko aufgrund müden Materials, das vor allem im Alter auftritt. Hinzu kommt, dass teure Folgeschäden unwahrscheinlicher werden.

Oft leistet auch die freie Werkstatt des Vertrauens gute Arbeit; dabei ist sie oft kostengünstiger als die Vertragswerkstatt. Vor diesem Hintergrund sollten es sich Autofahrer auch gut überlegen, ob sie die Inspektionsanzeige im Cockpit-Display zurückstellen, wenn sie die andauernde Erinnerung an den Service nervt. Hat das Werkstattpersonal nach der Inspektion dies schlicht vergessen, spricht nichts dagegen. Doch will man die Anzeige nur zurücksetzen, um den nächsten Wartungstermin zu verdrängen, sprechen allein die genannten Sicherheitsgründe dagegen.

E-Autos und Wartungsintervalle

Auch Elektroautos müssen von Zeit zu Zeit zur Inspektion. Das betrifft vor allem den Akku, für den die Hersteller oft einen Check im Jahresrhythmus empfehlen. Die Bremsen müssen genauso wie beim Verbrennerauto auf ordnungsgemäße Funktion kontrolliert werden, wenngleich sie langsamer verschleißen, da bei Stromern der Motor mitbremst, wenn Strom zurückgewonnen wird. Ebenso benötigen die Beleuchtung oder die Klimaanlage samt Pollenfilter Wartung. Allerdings besitzen Elektroautos viele Teile nicht, die die Pflege bei Pkw mit Verbrenner so aufwendig machen: Zündkerzen, Abgasanlage, Zahnriemen, Verbrennungsmotor, Motoröl. Aus diesem Grund hat sich die Elektroautomarke Tesla vor einiger Zeit von starren Serviceintervallen verabschiedet.


Ein BMWi3 steht auf einem Waldweg.
Leise und ohne Abgase

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Tricks zum Sparen

Mit der jährlichen kleinen Inspektion sinken langfristig gesehen Aufwand und Kosten. Meist findet ebenfalls ein Ölwechsel statt, auch der Luftfilter wird ausgetauscht. Zudem stellt die Werkstatt bei einer Durchsicht idealerweise fest, dass sich Elektronik, Beleuchtung, Bremsanlage und Fahrwerk in ordnungsgemäßem Zustand befinden. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Sichtprüfung, wenn auch eine fachmännische. Wer das Scheibenwischwasser vorab selbst auffüllt, spart immerhin ein paar Euro, denn die Werkstätten kassieren hier manchmal ganz schön ab.

Günstiger kommst Du auch weg, wenn Du für den Service eine freie Werkstatt statt der Vertragswerkstatt der eigenen Automarke aufsuchst. Freie Betriebe können ihre Leistungen bis zu 15 und manchmal sogar 20 Prozent günstiger anbieten. Das liegt einerseits daran, dass die Arbeitskosten niedriger ausfallen. Andererseits greifen sie oft auf günstigere Ersatzteile von Automobilzulieferern zurück, die keine Qualitätseinbußen bedeuten müssen. Außerdem haben Halter bessere Chancen, Teile auch selbst mitzubringen, sodass nur Einbaukosten fällig werden.

Vertragswerkstätten lassen sich darauf wegen der hohen Margen bei den Originalteilen selten ein. Vorsicht ist bei teuren Sportwagen und Luxuskarossen geboten: Wer hier im Scheckheft nicht durchgängig den Stempel der Markenwerkstatt vorweisen kann, muss beim Wiederverkaufspreis meist Abstriche machen.  

Manchen Autoherstellern behagt es war nicht. Dennoch gilt: Auch freie Werkstätten können den Service übernehmen, ohne dass Neuwagengarantien davon beeinträchtigt werden. Fahrzeugbesitzer, die sich dabei an alle Vorgaben des Herstellers halten, müssen keinen Verlust der Garantie fürchten. Werden Garantieansprüche an Vertragswerkstätten gebunden, so verstößt dies gegen deutsches Recht. Nur: Gerade bei modernen Autos kann es sein, dass es den freien Betrieben an Know-how und Werkzeug mangelt. So kann es zum Beispiel schon am Software-Update scheitern.

Bei einer großen Inspektion werden 30 bis 40 verschiedene Teile am Auto überprüft – zum Beispiel die Reifen und die Elektrik.
Quelle: picture alliance / Panther Media Bei einer großen Inspektion werden 30 bis 40 verschiedene Teile am Auto überprüft – zum Beispiel die Reifen und die Elektrik

Das Vorgespräch ist wichtig

Doch auch in der Vertragswerkstatt gibt es Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren. Vermieden werden sollte es, dem Betrieb einen Freibrief zu erteilen nach dem Motto: „Setzen Sie alles instand, was Sie für notwendig halten.“ Für den Abgabetermin des Autos sollte Zeit mitgebracht werden, um die einzelnen Posten durchzusprechen. Muss der Ölwechsel jetzt schon sein oder genügt es erst einmal nachzugießen? Eine kostensenkende Vorgabe an die Werkstatt ist: „Machen Sie bitte nur das, was dringend notwendig ist.“

Grundsätzlich sollte der Halter einen Kostenvoranschlag fordern – wenn er nicht ohnehin einen Festpreis vereinbart. Dann wird die Endrechnung immerhin gedeckelt. Beim Kostenvoranschlag handelt es sich zwar um eine unverbindliche Vorausberechnung. Doch um mehr als ein Viertel werden die meisten Werkstätten ihn ohne Kundenabsprache nicht überschreiten. Gemäß aktueller Rechtsprechung dürften Gerichte andernfalls im Sinne des Verbrauchers entscheiden. Anders liegt der Fall nur, wenn Reparaturen an sicherheitsrelevanten Bauteilen dringend notwendig werden. Diese dürfen ungefragt repariert werden. Für Klarheit sorgt, wenn der Kunde in der Werkstatt grundsätzlich um einen Rückruf für den Fall bittet, dass weitere Arbeiten am Auto anfallen.

Einen Trugschluss sollten Halter vermeiden: Dass die Pflege von Auto und Scheckheft mit dem Autoalter weniger wichtig wird, nur weil es keine Herstellergarantie mehr zu verlieren gibt. Das Gegenteil ist der Fall. Je älter das Auto ist, desto teurer wird die Wartung in der Regel, weil der Verschleiß sich stärker bemerkbar macht. Das allerdings macht den Service im Sinne der Verkehrssicherheit umso wichtiger.