Autohandel in Zeiten der Corona-Pandemie

Corona: Alles Wissenswerte zum Autokauf und -verkauf

Das Coronavirus hat Deutschland in den Ausnahmezustand versetzt. Das betrifft auch den Automarkt. Was Käufer und Verkäufer in Zeiten von Covid-19 wissen müssen.

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  • Veröffentlicht am 03/18/2020, 5:51 PM
  • Aktualisiert am 04/07/2020, 3:34 PM
Symbolhaft schwebt ein Modell des Coronavirus im Verkaufsraum eines Autohauses.
Quelle: CDC & milan csizmadia via unsplash.com Der Coronavirus hält Deutschland im Griff. Damit hat jetzt auch der Automobilmarkt zu kämpfen

Die Corona-Krise hat bisher ungekannte Auswirkungen auf das öffentliche Leben in Deutschland und damit auch auf mobile.de. Deutschlands größte Automobilbörse im Internet bringt seit 1996 Autokäufer und Autoverkäufer, Autohändler und Autofahrer zusammen. Genau dafür aber gelten, wie in vielen Branchen, in der nächsten Zeit starke Einschränkungen und Sicherheitsvorkehrungen. Das Bundesministerium für Gesundheit hat dazu die Webseite "Zusammen gegen Corona" eingerichtet. Wir als mobile.de unterstützen alle Maßnahmen, die zum Eindämmen von Corona führen können.

Wie ist die Lage aktuell?

  • Das Öffnen eines gewerblichen Autohandels ist (je nach Bundesland) seit dem 18.3.2020 vorerst untersagt
  • mobile.de unterstützt seine Händler massiv und erhebt u.a. im April keine Inseratsgebühren
  • Der Werkstattbetrieb darf fortgeführt werden, er zählt ebenso wie Tankstellen zur Grundversorgung
  • Deutschlandweit gilt eine Kontaktsperre für mehr als zwei Personen. Im Detail weichen die Regeln je Bundesland ab. Der private Autokauf und -verkauf ist nicht explizit untersagt
  • Neuzulassungen sind nur in begründeten Sonderfällen möglich

Experten rechnen zwar im Autohandel mit hohen Rabatten in den kommenden Monaten, um den Absatz wieder anzukurbeln. Unter den aktuellen Voraussetzungen ist jedoch Augenmaß gefragt. Entscheidend für Käufer und Verkäufer ist, nicht sorglos vorzugehen und einige Dinge zu beachten. Wir bei mobile.de unterstützen zudem unsere Händler und Kunden mit einigen Maßnahmen. Welche, das liest Du hier.

Viel Zeit zum online nach Autos stöbern? mobile.de bleibt geöffnet!

Wie läuft jetzt ein Autokauf ab?

Basis des Autokaufs ist in der Regel ein persönlicher Kontakt. Hier wird es in Zeiten von Corona schwierig. Die Bundesregierung hat dazu aufgefordert, persönliche Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Wenn es trotzdem sein muss, sind zwingend folgende Dinge zu beachten:

  • Abstand zum Gegenüber halten. Covid-19 wird in der Regel per Tröpfcheninfektion übertragen. Je weiter man vom potenziellen Geschäftspartner entfernt bleibt, desto geringer ist das Risiko, auf diesem Wege infiziert zu werden.
  • Händewaschen. Schmierinfektionen sind mittels Kontakt der Hände mit kontaminierten Gegenständen möglich. Zudem solltest Du vermeiden, Dir ins Gesicht zu fassen, soweit möglich. Das reduziert das Risiko, den Virus auf die Schleimhäute aufzubringen (Mund, Augen, Nase).
  • Vor und nach einer Probefahrt solltest Du als Verkäufer sensible Bereiche des Autos desinfizieren: Lenkrad, Schaltknauf, Spiegel, Griffe, Touchscreen. An diesen Stellen können Viren hinterlassen werden. Hier findest Du einen ausführlichen Ratgeber zum Desinfizieren von Autos
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Quelle: Picture Alliance Autohändler dürfen seit dem 18. März nur noch ihren Werkstattservice anbieten

Grundsätzlich erfordert der Autokauf im Angesicht des Coronavirus Vertrauen. Jana Parmova, Betriebsärztin beim tschechischen Autohersteller Skoda, empfiehlt: „Fahren Sie, wenn möglich, allein mit dem Auto.“ Für Käufer auf Probefahrt ist das ohnehin ratsam, doch nicht immer wollen Verkäufer das zulassen. Parmova rät: „Wenn Sie unbedingt jemanden mitnehmen müssen, dann stellen Sie sicher, dass diese Person keine akuten Symptome einer Atemwegserkrankung aufweist. Verwenden Sie eine Atemschutzmaske oder zumindest eine Gesichtsmaske. Stellen Sie sicher, dass Sie die Kontaktdaten aller anderen Passagiere haben, damit sie sie im Falle einer Infektion identifizieren können.“

Was müssen Privatverkäufer beachten?

Klar, wer es vermeiden kann, sollte zu Hause bleiben. In Einzelfällen mag der Autoverkauf von privat ein „triftiger Grund“ sein, wie ihn manche Länder für die Zusammenkunft zweier Personen fordern. In aller Regel dürfte das jedoch nicht gelten. Trotzdem können Inserenten die Zeit jetzt nutzen. 

  • Inserat online halten: Es gibt keinen Grund, das Inserat jetzt stillzulegen. Viele (potenzielle) Autokäufer haben sogar mehr Zeit als üblich, das Angebot zu sichten und beispielsweise auf dem mobile.de Parkplatz zu parken – für die Zeit danach. Wer hier als Verkäufer sichtbar bleibt, gibt dem Käufer die Chance, sich auf das neue Auto zu freuen. 
  • Schöne Fotos: Du kannst zum Beispiel mehr und schönere Bilder machen und hochladen. Dadurch gewinnen Interessenten einen besseren Eindruck vom angebotenen Auto, außerdem wirken scharfe, saubere Bilder professioneller. Hier findest Du unseren Ratgeber wie Dir gute Auto-Fotos gelingen
  • Aussagekräftige Beschreibung: Unter Umständen lohnt es sich, den Inseratstext zu optimieren. Stehen alle Extras und sämtliches Zubehör im Text und hast Du sie bei der Inseratserstellung ausgewählt? Hast Du vermerkt, dass es sich um ein Nichtraucherfahrzeug handelt? Steht die Anzahl der Vorbesitzer im Text? Eventuell willst Du eine persönliche Beschreibung hinzufügen? Worauf Du bei Deinem Inserat achten solltest, haben wir für Dich in einem Ratgeber zum Auto inserieren auf mobile.de zusammengestellt.
Ein gutes Inserat ist die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Autoverkauf
Quelle: Peter Besser Ein gutes Inserat ist die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Autoverkauf

Wie funktioniert eine virtuelle Besichtigung?

Eine Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten, ist der Videochat. Viele nutzen das jetzt, um Freunde oder die Familie zu treffen. Das geht auch mit potenziellen Autokäufern. Diverse Chat-Programme mit Videofunktion eignen sich für virtuelle Besichtigungen. Als Verkäufer kannst Du um das Auto herumlaufen, hindurchkriechen, sogar der Unterboden lässt sich begutachten. Potenzielle Käufer können sich alle neuralgischen Stellen zeigen lassen, den Zustand der Innenausstattung, Roststellen usw. Beliebte Programme dafür sind: 

  • WhatsApp 
  • Google Hangouts 
  • Google Duo 
  • Skype 
  • FaceTime (nur Apple) 
  • Facebook Messenger 
  • Zoom 
  • ICQ 
  • Lifesize 
  • Houseparty 

Die verschiedenen Apps lassen sich einfach aufs Smartphone herunterladen und meist kostenlos nutzen. Für Einzelbesichtigungen mit Video sind sie alle geeignet. Wer mehrere Interessenten gleichzeitig bedienen will, muss bei der einen oder anderen App Einschränkungen hinnehmen. WhatsApp oder ICQ etwa funktionieren nur für maximal vier Teilnehmer, Google Hangouts erlaubt bis zu 100 Verbindungen – mehr als genug. Als Verkäufer solltest Du möglichst viele Optionen und lieber Einzelbesichtigungen anbieten, bei denen Du auf die persönlichen Bedürfnisse des Käufers eingehen kannst. Wer weiß, vielleicht führt die virtuelle Besichtigung ja zu einem Kaufvertrag. Zumindest aber hast Du schon mal Kontakte zu Kunden aufgebaut, die sich nach der Krise auszahlen können.

Sind die Zulassungsstellen geöffnet?

Regeln für Privatkunden: Vom Stillstand des öffentlichen Lebens sind auch Zulassungsstellen betroffen. Die Berliner Zulassungsbehörde etwa teilt mit, dass Anliegen von Privatkunden nur in Ausnahmefällen bearbeitet werden. Dafür braucht es einen schriftlichen Antrag samt Begründung des Anliegens. Dann entscheidet die Behörde, ob sie aktiv wird. Grundsätzlich gilt: „Die Bearbeitung von Außerbetriebsetzungen, Kurzzeit- und Ausfuhrkennzeichen ist nicht möglich.“

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Quelle: Picture Alliance In Berlin ist die Zulassung von Pkw für Privatpersonen nur noch in Ausnahmefällen möglich

Das müssen gewerbliche Zulassungsdienste beachten: Für gewerbliche Autokäufe und Zulassungen gelten auch in Zeiten der Coronavirus-Krise Sonderregeln. So erfolgt in Berlin eine Bearbeitung von Zulassungen erst ab jeweils 50 gesammelten Vorgängen. Auch hier bedarf es eines ausgefüllten Online-Formulars samt schriftlicher Bestätigung.

Allerdings weist die Berliner Behörde ausdrücklich darauf hin, dass eine Bearbeitung derzeit nur im Rahmen der personellen Möglichkeiten erfolgt. Notwendig ist eine konkrete Einladung mit Termin, an dem die Vorgänge entgegengenommen oder ausgegeben werden. Lange Aufenthalte mehrerer Kunden in Warteräumen sollen unbedingt vermieden werden. Über die Regelung in Deiner Stadt informierst Du Dich am besten auf der Homepage Deiner Verwaltung.

Was sollten Händler wissen?

Seit dem 18. März 2020 dürfen Autohändler in Deutschland nur noch Werkstattservice anbieten. Der Verkauf im Showroom ist untersagt, denn das zählt nicht zur Grundversorgung. Der Verkauf oder die Verkaufsvorbereitung per Telefon oder Internet sind jedoch nicht betroffen.

Wer seinen Gebrauchtwagen verkauft, sollte ihn vorher noch gründlicher reinigen als sonst. Jana Parmova sagt: „Das Desinfizieren von Lenkrad, Schalthebel, Handbremse und Infotainment-Steuerung würde jedem einfallen. Aber vergessen Sie nicht Dinge wie die Hebel für Blinker und Scheibenwischer sowie die Ellenbogenstützen oder die Sitzeinstellung.“

Genau wie für Käufer gelten die gleichen Regeln des „Social Distancing“ auch für Verkäufer: Ellenbogengruß statt Händeschütteln, Abstand zum Gegenüber einhalten, Handhygiene. So schade wie logisch: Damit ist der symbolische Handschlag zur Besiegelung des Verkaufs leider tabu.