Vorsicht vor gefälschten Tachoständen: Das solltest Du beachten

Tachobetrug - Vorsicht beim Auto-Kauf

Das Angebot klingt verlockend: Ein gebrauchtes Auto mit unterdurchschnittlicher Laufleistung zu einem niedrigen Preis. Ein Schnäppchen oder ein mieser Trick?

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
In unserem Ratgeber wollen wir Dir helfen, Dich beim Autokauf besser vor Tachobetrug zu schützen
Quelle: Picture-Alliance In unserem Ratgeber wollen wir Dir helfen, Dich beim Autokauf besser vor Tachobetrug zu schützen

Immer wieder kommt es vor, dass Betrüger den Tacho eines Autos manipulieren. Sie drehen den Kilometerzähler zurück: Bei ganz alten Autos mechanisch, bei neueren elektronisch. Zusätzlich hübschen sie den Innenraum auf, wechseln die Gummis der Pedale und vielleicht noch den Schaltsack. Damit sieht das Auto weniger gebraucht aus, als es tatsächlich ist – und bringt deutlich mehr Geld. Denn die Laufleistung zählt neben dem Fahrzeugalter zu den wichtigsten Faktoren bei der Preisermittlung. Fällt sie niedriger aus, erhöht sich der Verkaufspreis.

Elektronik- und Computerspezialisten erledigen die Tachomanipulation innerhalb weniger Minuten. Sie schließen lediglich einen Computer an den OBD-II-Anschluss des Autos und hacken sich mit einer speziellen Software in die Motorsteuerung ein. Kilometerstände werden in den meisten modernen Autos im Tachometer und in verschiedenen Steuergeräten gespeichert. Diese Daten ändern Hacker.

Zwar versuchen Hersteller, die Daten des Autos zu schützen und sichern sie stetig besser ab. Doch Hacker finden immer neue Wege, an diese heranzukommen. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hersteller und Betrüger. Polizei und ADAC schätzen, dass bei gut einem Drittel aller verkauften Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert ist. Das ist schwer nachzuvollziehen, aber es möglich. 

Tachomanipulationen sind gefährlich

Tachomanipulationen sind für den Käufer nicht nur teuer, sie können auch Motorschäden nach sich ziehen. Das kann passieren, wenn eine anstehende Wartung oder ein Bauteilwechsel versäumt wird. Motoren mit Zahnriemen für den Ventiltrieb benötigen nach einer vorgeschriebenen Zeit einen neuen Riemen, auch ein Ölwechsel folgt bestimmten Zeit- und Kilometer-Intervallen. Deshalb zählen Tachomanipulationen seit über zehn Jahren als Straftat. 

Unbedingt das Scheckheft kontrollieren

Bei jedem Autokauf solltest Du unbedingt das Scheckheft kontrollieren. Ist es korrekt ausgefüllt, stimmen die Daten mit den Laufleistungen überein oder gibt es einen seltsamen Bruch? Wenn das Fahrzeug pro Jahr rund 12.000 Kilometer fährt und in einem Jahr nur 3.000 Kilometer, dann ist das zumindest ungewöhnlich. Du solltest den Verkäufer danach fragen. Außerdem ratsam: Überprüfe alle alten HU-Prüfberichte, Rechnungen und Wartungsaufträge und liste die darauf notierten Kilometerstände auf. Auch kleine Kärtchen im Motorraum oder Aufkleber in der A- oder B-Säule geben Hinweise auf Inspektion, Kilometerstand sowie Datum. Bei Autos mit einer höheren Laufleistung jenseits der 100.000 Kilometer kleben häufig vorne am Motor Aufkleber vom letzten Zahnriemenwechsel. Oft übersehen Fälscher diese wichtige Information. So lässt sich die Historie des Autos genau nachverfolgen und der tatsächliche Kilometerstand feststellen.

 Misstrauisch solltest Du werden, wenn das Scheckheft neu aussieht und alle Stempel, Daten und Unterschriften mit der gleichen Handschrift und dem gleichen Kugelschreiber ausgefüllt sind. Dann hat sich ein Betrüger wenig Mühe gemacht, das Inspektionsheft gründlich zu fälschen.

 Wenn der Verkäufer allerdings keine Unterlagen wie Inspektionsheft oder alte Rechnungen besitzt, wird es bei der Kontrolle schwierig. Wenn Du Zweifel hast, rufe bei der betreffenden Werkstatt an, denn die haben die Daten mit dem korrekten Kilometerstand im Computer gespeichert. Du kannst aber auch den Vorbesitzer Deines Autos kontaktieren und ihn nach dem letzten Kilometerstand fragen. Der Name steht in der Zulassungsbescheinigung I, dem Fahrzeugbrief. Digitale Hilfsmittel wie spezielle Adapter mit App können ebenso ein paar Daten auslesen, darunter gespeicherte Kilometerstände und den aktuellen Kilometerstand. 

Daten lesen Fachwerkstätten aus

Bei starken Zweifeln fährst Du zu einer Fachwerkstatt und lässt das Steuergerät von einem Profi auslesen. Die Fachwerkstatt kann meist den tatsächlichen Kilometerstand feststellen. Manche Hersteller legen die Daten zusätzlich in den Zündschlüssel. Die werden nicht von allen Hackern geändert, aus Zeit- und Kostengründen. Selbst den Produktionszeitraum von Tacho und Steuergeräten ermittelt die Werkstatt. Sind sie jünger als der Produktionstag (nicht Tag der ersten Zulassung) des Autos, kann etwas nicht stimmen. Bei Zweifeln an der Richtigkeit der Angaben kannst Du Dich an Sachverständige von Dekra, TÜV oder KÜS wenden. Auch diese Institutionen können meist die Daten auslesen.  

Genaue Kontrolle des Innenraums

Einen Eindruck der Laufleistung kannst Du auch mit Blick in den Innenraum bekommen. Autos mit vielen Kilometern auf dem Blech zeigen an vielen Stellen ihren Verschleiß. Oft sind die Pedalgummis abgenutzt, ebenso der Schaltsack am manuellen Getriebe oder Radio- und Lüftungsschalter. Diese Teile lassen sich allerdings leicht und günstig wechseln, so dass Profi-Fälscher das häufig tun. Dann fallen diese allerdings mit dem Neuzustand ebenso auf. Gute Anhaltspunkte sind aber Fahrersitze und Lenkrad. Sind die Sitzwangen verschlissen und das Polster lasch und eingedrückt, saß der Fahrer darin sehr oft und lange. Auch stark abgegriffene Lenkräder zeugen von sehr häufiger Benutzung. 

Kilometerangabe bestätigen lassen

Wenn Du Dich für einen Gebrauchtwagenkauf entscheidest, lass Dir auf jeden Fall den Kilometerstand und seine Richtigkeit im Kaufvertrag als „tatsächliche Laufleistung“ bestätigen. Sicherer ist der Kauf eines geprüften Gebrauchtfahrzeugs im Kfz-Innungsbetrieb. Der Händler steht für zuverlässige Autos mit gesetzlicher Leistung im Rahmen der Sachmängelhaftung. 

Bei Zweifel das Auto besser zurückgeben

Hast Du bei Deinem gekauften Gebrauchtwagen Zweifel an dem korrekten Kilometerstand, lass es von einer Fachwerkstatt oder einem Gutachter prüfen und die Daten abgleichen. Wenn Du Beweise hast, dass an Deinem Tacho „gedreht“ wurde, gib Dein Auto besser zurück. Denn wer weiß, was bei dem Auto noch nicht stimmt. Allerdings musst Du als Käufer den Nachweis führen, dass der Verkäufer von der Fälschung des Tachos vor dem Verkauf Kenntnis hatte.