VW Touareg (Serie)

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Es war wie immer bei VW: Erst haben die Niedersachsen lange tatenlos zugesehen und dann den Markt von hinten aufgerollt. Denn als sie 2002 den Touareg in den Handel gebracht haben, waren Konkurrenten wie die Mercedes M-Klasse (heute GLE) und der BMW X5 längst auf dem Markt. Dass der vornehme Geländewagen aus Wolfsburg nicht ganz so erfolgreich wurde wie sein kleiner Bruder Tiguan, liegt nicht allein am hohen Preis und der mäßigen Akzeptanz einer Volumenmarke im Premium-Segment. Sondern schuld daran war die selbst gemachte Konkurrenz. Schließlich hat erst der Touareg Plattformbrüder wie den Porsche Cayenne und den Audi Q7 ermöglicht. In der zweiten Generation kam auch noch der Bentley Bentayga dazu.

Daten

Daten

Großes Auto, kleine Auswahl: Kurz vor dem Modellwechsel sind die Zeiten einer breiten Motorenpalette für den Touareg lange vorbei. Es gibt keinen Benziner mehr und keinen Hybriden, von einer Plug-in-Variante ganz zu schweigen. Stattdessen bietet VW seinen nach dem Wegfall des Phaeton gar vollends zum Flaggschiff aufgestiegenen Geländewagen nur noch mit einem V6-Diesel in zwei Leistungsstufen an. Der immer mit Achtgang-Automatik und Allradantrieb kombinierte Dreiliter-Motor kommt auf 204 oder 264 PS. Damit verbraucht der Touareg zwar nur 6,6 bis 6,9 Liter, erreicht aber dafür auch nur wenig konkurrenzfähige Spitzengeschwindigkeiten von 206 bis 225 km/h. Die einstigen Konkurrenten der Nobelmarken dagegen kommen zumindest in einigen Varianten mühelos auf die standesgemäßen 250 km/h.

  • nur noch ein Motor in zwei Leistungsstufen verfügbar
  • 204 oder 264 PS
  • Immer mit Achtgang-Automatik und Allrad
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Test

Test

Der Touareg wird vor allem für seinen Innenraum gelobt: Er ist nicht nur geräumig und mit der verschiebbaren Rückbank variabel, sondern erfüllt auch jenen Premium-Anspruch, den die Motorenpalette seit dem Generationswechsel und erst recht seit dem Facelift nicht mehr einhalten können. Außerdem beeindruckt das SUV als entspannter Reise- und kräftiger Zugwagen und schlägt sich für sein stattliches Format auch im Stadtverkehr sehr wacker. Denn als die zweite Generation 2010 auf den Markt kam, war sie eine der ersten mit einer sehr gründlichen Kamera-Überwachung.

Fahrdynamisch allerdings kann der Touareg trotz Luftfederung und Leuchtbau mit der durch die Bank weg jüngeren Konkurrenz nur schwerlich mithalten. Dafür sind die beiden verbliebenen Motorvarianten zu schwach und die Abstimmung zu komfortabel.

  • variabler und vornehmer Innenraum
  • umfangreiche Elektronik-Ausstattung
  • schwache Motoren
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Preise

Preise

Die Preise für den Touareg beginnen bei 54.400 Euro für den V6-Diesel mit drei Litern Hubraum und 262 PS und 58.100 Euro für den gleichen Motor mit 262 PS. Zwar bietet die Motorenpalette keine weiteren Möglichkeiten zum Aufstieg, doch hat VW zahlreiche Ausstattungsoptionen im Angebot. Schon die „Exclusive“-Variante schlägt mit jeweils 11.100 Euro zu Buche und mit ein paar weiteren Extras bringt man das Flaggschiff aus Wolfsburg noch weiter in die Nähe sechsstelliger Preise.

Zumindest in dieser Disziplin steht der Touareg auch in der zweiten Generation der Premium-Konkurrenz in nichts nach: Einen BMW X5 zum Beispiel gibt es für 55.500 Euro, dann sogar mit 231 Diesel-PS, allerdings nur mit Heckantrieb. Und für den GLE 250d mit 204 PS verlangt Mercedes 54.205 Euro.

  • Grundpreis 54.400 Euro
  • Zahlreiche Ausstattungsoptionen
  • Kein Preisvorteil gegenüber BMW und Mercedes
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Beschreibung

Serienbeschreibung

Sieht man einmal vom exotischen Golf Country und ein paar Entwicklungen für das Militär ab, war der Touareg der erste Geländewagen von VW. Und mal wieder waren die Niedersachsen spät dran: Erst im Herbst 2002 wurde das nach einem afrikanischen Wüstenvolk benannte SUV präsentiert – lange nach dem damals noch als M-Klasse geführten Mercedes und dem X5 von BMW.


Vorderansicht - schräg
Mit dem Touareg hat VW seine Premium-Phantasien ausgelebt.
Seitenansicht

Ungewöhnlich für VW war die Positionierung am oberen Ende der Modellpalette, die sich in einem Startpreis von knapp 40.000 Euro für den 220 PS starken V6-Benziner manifestierte. Das lag nicht allein an den damaligen Aufstiegs-Absichten der Niedersachsen, sondern auch an der Kooperation mit einem ungewöhnlichen Partner: Denn zeitgleich mit dem 4,76 Meter langen VW Touareg wurde auf der identischen Basis auch der Porsche Cayenne entwickelt. Später hat sich diesem Verbund auch noch Audi angeschlossen und die Plattform als Basis für die erste Generation des Q7 genutzt.

Mit dem Touareg hat VW auch seine Premium-Phantasien ausgelebt und dabei mehr Erfolg gehabt als mit dem glücklosen Flaggschiff Phaeton. Während sich die Limousine immer schwergetan hat und nie als ebenbürtiger Konkurrent von Mercedes S-Klasse oder BMW 7er akzeptiert wurde, konnte das große SUV die Platzhirsche aus Süddeutschland teilweise sogar deutlich übertrumpfen. Denn auf den V10-TDI-Motor mit bis zu 351 PS gab es in X5 und M-Klasse genauso wenig eine Antwort wie auf den W12-Benziner, der es auf 450 PS brachte. Selbst als Sportwagen hat sich der Touareg behauptet – und über viele Jahre die Rallye Dakar dominiert.

Zweite Generation ab 2010

Nach einem Facelift im Herbst 2006 wurde der Touareg bis 2010 gebaut. Dann haben die Niedersachsen die zweite Generation ins Rennen geschickt – wieder gemeinsam mit Porsche und Audi, diesmal aber optisch deutlich eigenständiger. Obwohl der Touareg dabei noch einmal etwas gewachsen ist und sich seitdem auf 4,80 Meter streckt, hat das Auto beim Genrationswechsel 200 Kilogramm abgespeckt und ist entsprechend sparsamer geworden. Dazu haben auch zwei technologische Errungenschaften beigetragen, die in dem Geländewagen ihre Premiere im VW-Konzern gegeben haben. So war der Touareg seinerzeit der erste mit einer Achtgang-Automatik und einem Hybrid-Antrieb. Die Kombination aus einem 333 PS starken V6-Bnziner und einer 47 PS starken E-Maschine konnte zumindest ein paar Kilometer weit elektrisch fahren und hat den Verbrauch des Luxusliners auf 8,5 Liter gedrückt. In Zeiten, in denen von Plug-In-Hybriden bei den deutschen Herstellern noch keine Rede war, ein respektables Ergebnis. Und das war nicht der einzige Vernunftsbeweis: mit dem Generationswechsel hat VW auch den V12-Diesel und den W12-Benziner aus dem Programm genommen. Stattdessen gab es nur einen 3,6-Liter Benziner mit 280 PS, sowie Diesel mit sechs oder acht Zylindern und 240 oder 340 PS.

Zwar hat VW den Touareg beständig gepflegt und vor allem beim Interieur immer wieder Maßstäbe gesetzt. Zumal die zweite Auflage mit ihrer um 16 Zentimeter verschiebbaren Rückbank vor allem im Fond deutlich wohnlicher war. Doch die dominierende Position der ersten Generation konnte die zweite Auflage nicht mehr erreichen. Denn die Konkurrenz wurde mit Autos wie dem Range Rover Sport, dem Volvo XC90 und den noblen Japanern von Lexus und Infiniti immer größer und aus den eigenen Reihen wurde der Touareg vom kleinen Bruder Tiguan bedrängt. Deshalb hat VW auch nicht mehr viel Aufwand für das einstige Aushängeschild betrieben und anders als Porsche zum Beispiel keine Plug-in-Hybrid für die Baureihe angeboten.

Im Gegenteil: Die Niedersachsen haben die Motorenpalette immer weiter reduziert und seit dem Facelift im Jahr 2014 nur noch einen V6-Diesel mit drei Litern Hubraum und zwei Leistungsstufen mit 204 und 262 PS im Angebot. Obwohl der Touareg seit dem Ende des Phaetons bei Preis und Prestige die Modellpalette anführt, müssen das Ringen mit BMW und Mercedes jetzt die Plattformbrüder übernehmen.

Dritte Auflage in den Startlöchern

Nachdem Partner Audi den Generationswechsel für den Q7 schon vollzogen und Bentley das Angebot mit dem Bentayga ergänzt hat, fährt im Sommer 2017 auch die zweite Generation des Touareg auf der Zielgeraden. Wie beim Porsche Cayenne gibt es auch bei VW Anfang 2018 einen Nachfolger für das SUV – und noch einen weiteren Bruder. Denn dann nutzt auch Lamborghini die Plattform und baut darauf die Serienfassung der SUV-Studie Urus.