VW Sharan (Serie)

Alle Modelle mit Tests, Daten, Preisen und Kosten

Der VW Sharan, ein echter Klassiker. Seit 1995 ist die Großraumlimousine auf dem Markt und – jedenfalls für den flüchtigen Betrachter – über all die Jahre äußerlich nahezu unverändert. Seine Bauform erinnert manche an einen ICE-Triebkopf, wobei der Familien-Van von Volkswagen im Innenraum immer um ein Vielfaches variabler war als der Paradezug der Deutschen Bahn. Mit seinem Komfort und großen Platzangebot ist der VW Sharan einer der beliebtesten Sieben-Sitzer in Europa. Allerdings nehmen ihm die SUV und auch die Konkurrenz im eigenen Hause, vor allem der VW Touran, zunehmend die Marktanteile weg.

Daten

Daten

Die Motorenpalette des VW Sharan ist im Laufe der Jahre immer wieder angepasst worden, je nachdem, was die Volkswagen-Welt zu bieten hatte und die Kundschaft verlangte. Die jüngste Modellgeneration bietet zwei Benzin- (150 PS/220 PS) und zwei Dieselmotoren (150 PS/184 PS). Der kleine Selbstzünder mit 115 PS wurde aus dem Programm genommen. Alle vier Aggregate lassen sich mit dem automatischen 6-Gang-Doppelkupplung DSG kombinieren, beim großen TSI-Motor ist das Direktschaltgetriebe serienmäßig. Alle neuen Turbomotoren erfüllen die Euro-6-Norm. Laut Hersteller sind die Triebwerke um mehr als 14 Prozent sparsamer als die Vorgängermodelle, weil die Motoren beim Gaswegnehmen in den „Segel-Betrieb“ wechseln. Gas-Antriebe, wie bei der Konkurrenz verfügbar sind, fehlen beim VW Sharan.

  • vier TDI- und TSI-Motoren
  • neue Motoren erfüllen Euro-6
  • keine Gas-Antriebe
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Test

Test

Volkswagen wirbt mit dem geringen Durchschnittsverbrauch seiner Motoren – im Praxistest ließen sich diese Werte nicht halten. Statt 5 Liter verbrauchte die bis zu knapp zwei Tonnen schwere Großraum-Limousine mehr als 7 Liter. Das Gewicht ist auch der Grund dafür, dass das Fahrwerk hohen Belastungen ausgesetzt ist – hier lohnt ein zweiter Blick. Ansonsten bekam der VW Sharan von Fachleuten viel Lob: Verarbeitung, Variabilität, Platzangebot – in diesen Kategorien setzt der Van Maßstäbe in seiner Klasse. Fahreigenschaften und Sicherheitssysteme wurden als gut bewertet. Im Gegensatz zum Sharan I, der im NCAP Crashtest nur mäßig abschnitt, erreichte der Sharan II dort die maximale Punktzahl von fünf Sternen.

  • Spritverbrauch über Werksangaben
  • Variabilität und Platzangebot überdurchschnittlich
  • überzeugendes Sicherheitskonzept
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Preise

Preise

Verglichen mit der direkten Konkurrenz aus Rüsselsheim ist der VW Sharan teuer, je nach Ausstattung fallen Mehrkosten im höheren vierstelligen Bereich an. Die Preisliste für das Modelljahr 2018 nennt 32.800 Euro als Summe für den Einstiegs-Sharan (150 PS/Trendline). Am anderen Ende der Preis-Skala rangiert der 184-PS starke Diesel mit 7-Gang-DSG und Allradantrieb in der Highline-Ausführung für 47.400 Euro. Man bekommt dafür zwar auch viel Auto, aber es kostet auch. Ein großer Teil der zur Verfügung stehenden Assistenzsysteme kostet zudem extra oder ist lediglich in den Ausstattungslinien Comfortline oder Highline enthalten. Die Wertstabilität auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist beim Sharan durchschnittlich. Zweijährige mit hoher Laufleistung werden schon zu Preisen um 15.000 Euro gehandelt.

  • Neuwagenpreise hoch
  • Assistenzsysteme aufpreispflichtig
  • Wertstabilität durchschnittlich
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Beschreibung

Serienbeschreibung

Der VW Sharan ist seit 1995 einer der beliebtesten Familien-Vans in Deutschland. Er ist überaus komfortabel und variabel sowie ab der 2. Generation auch überdurchschnittlich gut verarbeitet.


Vorderansicht - schräg
Größer als der Touran - aber immnoch kein VW-Bus.
Seitenansicht

Ob als Fünf-, Sechs- oder Sieben-Sitzer, mit mehr oder weniger Stauraum – der VW Sharan lässt sich den individuellen Bedürfnissen nahezu perfekt anpassen. Sein Sicherheitskonzept überzeugt, Technik und Ausstattung hielten sich über die gesamte Modellhistorie stets auf hohem Niveau. Seine hohe Alltagstauglichkeit ist unbestritten, solange man nicht allzu häufig durch schmale Gassen oder in enge Parkhäuser fahren muss. Zur Markteinführung 1995 gab es die Großraumlimousine gleich dreifach: Die Modelle VW Sharan, Seat Alhambra und Ford Galaxy erschienen in Zusammenarbeit nahezu baugleich. 2006 stieg Ford aus der Kooperation mit Volkswagen aus, fortan liefen nur noch die Schwestermodelle Sharan und Alhambra im portugiesischen Palmela vom Band. Die Produktionszahlen waren trotz des wachsenden Drucks durch SUV und vergleichbare VW-Modelle stets gut, so dass Volkswagen den Sharan über die Jahre nur moderat verändern musste. Für flüchtige Betrachter sieht das aktuelle Modell im Großen und Ganzen aus wie der VW Sharan der ersten Generation (1995-2010). 

Eine Großraumlimousine für junge Familien und Vielfahrer – die Zielgruppe war klar definiert. Allerdings verfügte Volkswagen Anfang der 90er-Jahre über wenig Erfahrung im Van-Segment. So beschlossen die Wolfsburger eine Kooperation mit Ford, um die Kosten und Risiken überschaubar zu halten. Das Ergebnis war ein automobiles Trio, drei nahezu baugleiche Modelle – der VW Sharan, der Seat Alhambra und der Ford Galaxy. 2006 beendete Ford die Zusammenarbeit, die beiden Vans des Volkswagen-Konzerns werden bis heute im portugiesischen Werk Palmela hergestellt. Im Laufe seiner bis ins Jahr 1995 zurückreichenden Modellhistorie wurde der vielseitige VW Sharan stets nur moderat dem Zeitgeist und den technischen Möglichkeiten angepasst. 

Viel Platz und Variabilität

Zum Marktstart war man sich bei Volkswagen nicht sicher, ob mit dem VW Sharan der Nerv der Kundschaft getroffen würde. Fünf Jahre später war klar, dass die Großraumlimousine ein langfristiger Erfolg sein würde. Allein zwischen 1995 und 2000 konnte VW rund 250.000 Fahrzeuge absetzen. Der Van hatte seine Anhängerschaft gefunden, im Wesentlichen junge Familien mit mehreren Kindern.

Der größte Pkw im VW-Produktportfolio punktete vor allem mit viel Platz und einer zuvor im Pkw-Bereich nicht gekannten Variabilität im Innenraum. Der Sharan konnte Fünf-, Sechs- oder Siebensitzer sein, die vorderen Sitze ließen sich um 180 Grad drehen, die hinteren umgruppieren, umklappen oder komplett entfernen. Ab der 2. Sharan-Generation konnten die Einzelsitze der dritten Reihe sogar komplett im Boden versenkt werden, die zweite Reihe ließ sich einfach umklappen. Zwei Maßnahmen, die die maximale Zuladung zwar leicht verringerten, aber wesentlich praktischer als das ursprüngliche System waren.

Baugleiches Trio

 Bereits die 1. Generation des VW Sharan (1995-2010) ließ Volkswagen in Palmela fertigen, und zwar über einen Zeitraum von 15 Jahren, was für einen Pkw ein überaus langer Produktionszyklus ist. Das Besondere: Neben dem VW Sharan waren die nahezu baugleichen Seat Alhambra und (bis 2006) Ford Galaxy am Markt. Die drei Modelle unterschieden sich vor allem an zwei Dingen: am Markenlogo und am Preis. Bei gleicher Ausstattung war der VW Sharan bis zu 2.500 Euro teurer als seine beiden Schwestermodelle – und verkaufte sich in Deutschland dennoch besser. Der Markenname Volkswagen rechtfertigte aus Kundensicht offensichtlich den Preisaufschlag. Im restlichen Europa zog das für Volkswagen geldwerte Markenimage nicht. In Großbritannien beispielsweise fand der Ford Galaxy mehr Käufer als der VW Sharan.

Anfälliges Fahrwerk

Volkswagen setzte beim VW Sharan I über die Jahre auf kleinere Verbesserungen und Erweiterungen wie etwa eine Vergrößerung der zur Verfügung stehenden Motorenpalette. Schon 1996 kamen ein VR6-Motor mit Allrad sowie ein Dieseltriebwerk mit 150 PS ins Angebot. Größere Modellpflege betrieb Volkswagen beim VW Sharan in den Jahren 2000 und 2004, in dem Zeitraum wurden die Motoren angepasst und die neuen Modelle mit geänderten Rückleuchten und Seitenblinkern in den Außenspiegeln ausgestattet wurden.

 In den Werkstätten machte die erste Sharan Generation mit einer Reihe von Qualitätsmängeln negativ auf sich aufmerksam. Die schwere Großraumlimousine basierte technisch auf kleineren Marken-Modellen wie Golf und Passat, was zu höherem Verschleiß an Fahrwerksteilen wie etwa den vorderen Radaufhängungen führte. Ab 2003 bekam der VW Sharan mit dem Touran Konkurrenz aus dem eigenen Hause, ebenso wie die zunehmende Zahl an SUV generell dem Van-Segment zu schaffen machte. Ab 2006 ergänzte ein Sharan mit LPG-Gasanlage die Modellpalette. 2010 stellte Volkswagen den Nachfolger des VW Sharan I vor.

Kleiner Bruder des Bulli

Auch der VW Sharan II und sein baugleiches Schwestermodell Seat Alhambra II werden in Palmela gefertigt. Der neue Sharan basiert auf dem VW Passat B6 und vereinigt Stilelemente des Touareg und des Touran. Augenfälligste Neuerung: die hintere Schiebetür statt der bisherigen Klapptür, die es optional auch elektrisch betrieben gibt und die in der Ausstattungsvariante Highline serienmäßig verbaut ist. Der neue Sharan ist rund 20 Zentimeter länger und knapp zehn Zeitmeter breiter, womit der variable Van maximal bis zu 2430 Liter Stauraum bietet und damit als kleiner Bruder des T6-Bullis gilt. Zusätzlich finden sich bis zu 33 kleinere Ablagemöglichkeiten. Die überwiegende Zahl der Käufer entscheidet sich beim Sharan für einen Diesel, zwischen 2010 und 2015 waren es über 80 Prozent. In Deutschland als „Mama-Mobil“ für die Großfamilie belächelt, findet das Modell in Europa auch bei Hobby-Sportlern und Geschäftsleuten Anklang. In Asien ist der Sharan bei Geschäftsleuten ein beliebter Business-Van, häufig in der Version mit sechs Sitzen in drei Reihen. Während andere Hersteller wie beispielsweise Renault dem Van-Segment skeptisch gegenüberstehen und ihre Großraumlimousinen zu Crossover-SUVs umrüsten, machte Volkswagen 2015 den bis dahin insgesamt über 800.000 Mal verkauften Sharan mit einem Facelift zukunftstauglich. Die neuen Verkaufsargumente: verbrauchsärmere Motoren und moderne Infotainment-Systeme. Dass der VW Sharan auch nach der Produktaufwertung nicht mehr an die Verkaufszahlen der 90er-Jahre anknüpfen kann, liegt weniger an langjährigen Mitbewerbern wie dem Opel Zafira als an der hausgemachten Konkurrenz. Seit einigen Jahren dominiert jetzt der VW Touran die Klasse der Vans.