VW Scirocco (Serie)

Alle Modelle mit Tests, Daten, Preisen und Kosten

Ein Sportcoupé zum erschwinglichen Preis – so positionierte Volkswagen über viele Jahre den VW Scirocco. Die ersten beiden Generationen des Scirocco (1974-1981 und 1981-1992) wurden mit dieser Strategie zunächst auch sehr erfolgreich verkauft, die 3. Generation des VW-Flitzers (ab 2008) wurde mit zunehmendem Alter jedoch immer mehr zum Nischenmodell. 2016 wurden deutschlandweit weniger als 2000 Fahrzeuge neu zugelassen. Einer der Gründe: Als bezahlbares Spaßauto ist der Scirocco mittlerweile recht teuer geworden.

Daten

Daten

In der Basisversion ist der VW Scirocco III mit einem 1,4-Liter-TSI-Motor ausgestattet. Der Turbo-Twincharger leistet bis zu 160 PS und kommt bei Scirocco-Fans gut an. In der zweiten Hälfte der Modellgeneration ab 2014 setzte Volkswagen zunehmend auf seine 2-Liter-Triebwerke, beispielsweise auf die 150 und 184 PS starken Diesel oder den größeren Ottomotor mit 180 PS. Topmodell der Reihe ist die Scirocco R-Edition mit einer Leistung von zunächst 265 PS. Die spätere 280-PS-Version ist der schnellste Scirocco aller Zeiten. Insgesamt werden im Scirocco ab 2014 sechs Turbo-Motoren verbaut, die laut Hersteller knapp 20 Prozent verbrauchsärmer sein sollen als die Vorgängeraggregate. Serienmäßig sind die Modelle mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe ausgestattet, für die leistungsstärkeren Motoren steht zusätzlich das Direktschaltgetriebe mit Doppelkupplung (DSG) zur Wahl. Alternative Antriebe sucht man, wie bei einem Sportcoupé üblich, auch beim Scirocco vergeblich.    

  • sechs TDI- und TSI-Motoren
  • maximal 280 PS
  • keine alternativen Antriebe
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Test

Test

Eine sehr direkte Lenkung, gute Fahrstabilität, hohe Laufruhe der 2-Liter-Motoren, dazu die einfache, weil vertraute Bedienung – auf der Straße macht der Scirocco III nach Meinung der meisten Tester eine überaus gute Figur. An der Verarbeitung gab es ebenfalls nichts auszusetzen. Die aktiven und noch mehr die passiven Sicherheitssysteme bekamen viel Lob, im Euro-NCAP-Crashtest erreichte der Scirocco 2009 die maximale Punktzahl von fünf Sternen. Kritik gab es, wenn überhaupt, am eingeschränkten Platzangebot für die hinteren Passagiere und das Gepäck sowie an den relativ hohen Verbrauchswerten. Die optionale adaptive Fahrwerksregelung DCC wurde von den Experten wiederholt als sinnvolle Ergänzung gesehen. 

  • gute Fahreigenschaften
  • passive Sicherheit überdurchschnittlich
  • eingeschränktes Platzangebot
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Preise

Preise

Ursprünglich als erschwinglicher Sportwagen für Jedermann gedacht, ist der Scirocco mit den Jahren doch recht teuer geworden. Der günstigste Scirocco steht mit 24.950 Euro in der Preisliste, die R-Edition klettert über 38.000 Euro. Durchschnittlich ausgestattet kostet ein neuer Scirocco im Normalfall um die 30.000 Euro. Das mag viel sein für ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse, für ein solides Sportcoupé ist das jedoch akzeptabel – vergleichbare Modelle wie der dreitürige BMW 116i sind jedenfalls auch nicht günstiger. Auf der anderen Seite attestierten Autozeitschriften dem Scirocco besondere Wertstabilität. Drei Jahre nach Kauf erziele er durchschnittlich noch fast 56 Prozent des Neupreises. Tatsächlich hat der Scirocco unter Autoliebhabern immer viele Freunde gehabt, was die Preise für Gebrauchte recht hoch hält. Und: Ab einem bestimmten Baujahr wurden nur noch wenige Neuwagen dieses Typs zugelassen. Verkäufer dürften davon eines Tages profitieren. 

  • Neuwagenpreise akzeptabel
  • Konkurrenzprodukte nicht günstiger
  • besondere Wertstabilität
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Beschreibung

Serienbeschreibung

Mit dem Scirocco hat Volkswagen immer eine bestimmte Zielgruppe im Auge gehabt: jung, männlich, mit Interesse an einem ebenso sportlichen wie bezahlbaren Auto.


Vorderansicht - schräg
Ein für alle erschwingliches Sportcoupé – der Plan ging zunächst auf!
Seitenansicht

Das Coupé sah über alle drei Generationen stets dynamischer aus als anderen VW-Modelle. Wer die Wahl zwischen einem Golf GTI und einem Scirocco mit gleicher Motorisierung hatte, entschied sich nicht selten für das Sportcoupé, auch wenn rationale Gründe wie etwa das Platzangebot stets deutlich für den Golf sprachen. Das Problem: Als Einstiegs-Sportwagen ist der VW Scirocco mit Listenpreisen ab rund 25.000 Euro für die Modellgeneration 2018 recht teuer. Was sich trotz der in Umfragen dokumentierten anhaltenden Beliebtheit des Modells auch in den Zulassungszahlen niederschlägt. Zwischen 2000 bis 3000 neue Scirocco pro Jahr – für ein Modell aus dem Hause Volkswagen alles andere als ein Spitzenwert. Beim Scirocco I (1974-1981) waren es in den Spitzenjahren 1977 und 1978 noch jeweils über 87.000 Einheiten, der Scirocco II (1981-1992) brachte es insgesamt auf über 290.000 Verkäufe. Der nach einer längeren Produktionspause 2008 vorgestellte Scirocco III konnte an diese Zahlen nie anknüpfen. Aufgrund der geringen Zulassungszahlen des Kompaktcoupés könnte der VW Scirocco für Sportwagen-Fans noch etliche Jahre ein gefragtes Objekt auf den Gebrauchtwagenmarkt sein. 

Es war ein schweres Erbe, das der Scirocco seinerzeit bei Volkswagen antrat: Gesucht wurde ein Nachfolger für den formschönen Sportwagen-Klassiker Karman Ghia Typ 14. Wenige Wochen vor dem ersten Golf stellte VW dann 1974 den Scirocco vor. Das frontgetriebene Sportcoupé sollte vor allem junge Menschen für einen Volkswagen begeistern und zudem für alle erschwinglich sein. Rückblickend kann man sagen: Der Plan ging zunächst auf. Zwischen 1974 und 1981 wurden mehr als 500.000 Exemplare der ersten Scirocco-Generation hergestellt. Entwickelt und produziert wurde der Verkaufsschlager ausschließlich bei Karmann in Osnabrück. 

 

Großer Verkaufserfolg

 Aufgrund seines geringen Leergewichts von lediglich 800 Kilogramm und seiner flachen, aerodynamischen Form war der erste VW Scirocco vor allem eins: wendig und schnell. Selbst der erste 50-PS-Motor aus dem Jahre 1974 erlaubte eine für damalige Verhältnisse dynamische Fahrweise. Ab 1976 festigte der 110-PS-Motor im Scirocco GLi und GTI endgültig den Ruf des attraktiven Sportwagens zum überschaubaren Preis. In den Folgejahren 1977 und 1978 gelang es Volkswagen, jeweils mehr als 87.000 Scirocco abzusetzen. Das auf Basis des Golf I gebaute Kompakt-Coupé war für den Hersteller ein so großer Verkaufserfolg, dass sehr schnell entschieden wurde, den Scirocco weiterzuentwickeln. Der Scirocco II wurde im Frühjahr 1981 auf den Markt gebracht.  

  

Ein Produkt des Windkanals

Die zweite Generation (1981-1992) wurde von Volkswagen damals mit dem Werbespruch „Der neue Scirocco. Aufregend vernünftig“ beworben. Tatsächlich neu war das gegenüber dem Vorgänger völlig veränderte Erscheinungsbild des Scirocco II, sichtbar ein Produkt des Windkanals. Es war deutlich runder und die Keilform noch ausgeprägter, wodurch der Scirocco in Summe stromlinienförmiger wurde – und ganz nebenbei der Benzinverbrauch gesenkt werden konnte. Zusätzlich bot er, weil die Konstrukteure ihn knapp 20 Zentimeter länger anlegten als den Vorgänger, mehr Kopffreiheit für Passagiere und mehr Platz für Gepäck. Unter der Karosserie blieb hingegen vieles unverändert. Das Modell wurde weiterhin von Karmann in Osnabrück auf Basis des Golf produziert, Antriebstechnik und Fahrverhalten veränderten sich ebenso kaum.

Als Einstiegsmodell für den Scirocco II wählte Volkswagen die höherwertige L-Version – die beim Vorgänger für Luxusausstattung stand – ein Fehler mit Folgen. Der günstigste Scirocco mit 60 PS stand beim Verkaufsstart erst ab 16.755 DM bei den Händlern, was den Kunden vielfach schlicht zu teuer war. Die Nachfrage blieb rund ein Viertel hinter den Erwartungen des Herstellers, obwohl Volkswagen den Absatz immer wieder mit verschiedenen Sondermodellen zu beleben versuchte. Auch ein Facelift im Jahre 1988 brachte nicht den erhofften Erfolg. 1992 wurde die Produktion in Osnabrück eingestellt. Einen direkten Nachfolger des Scirocco hatte Volkswagen fortan – zumindest unter dem Wüstenwind-Namen – viele Jahre nicht mehr im Portfolio. Stattdessen bediente ein anderes Modell die motorsportaffine Zielgruppe: der VW Corrado.  

  

Corrado ersetzt den Scirocco

Eigentlich sollte der bereits 1989 vorgestellte VW Corrado der legitime Nachfolger des Scirocco II werden. Im Laufe der Entwicklung stellte sich aber heraus, dass er so wenig mit dem bekannten Scirocco gemein haben würde, dass man bei Volkswagen beschloss, dem Modell einen eigenständigen Namen zu geben und den Scirocco auslaufen zu lassen. Nach dem Ende des Corrado 1995 verzichtete Volkswagen mehr als eineinhalb Jahrzehnte auf ein Sportcoupé in der Kompakt- und Mittelklasse. Erst 2008 nahm der Scirocco III diese Tradition wieder auf.

Fahrspaß vor Funktionalität

Die dritte Generation des zweitürigen Sportcoupés wurde nicht mehr in Deutschland, sondern von Volkswagen Autoeuropa im portugiesischen Werk Palmela produziert, wo unter anderem auch der VW Eos entstand. Zunächst brachte VW den Scirocco III mit drei Benzinern und einem Dieselmotor auf den Markt. Die Preise rangierten 2008 zwischen 21.750 Euro und 27.400 Euro. Technisch basierte der Sportwagen auf der Plattform des Golf VI. Die Innenausstattung war größtenteils mit dem VW Eos identisch und wurde von Testern immer wieder als überdurchschnittlich gelobt. Zu seinen besten Zeiten, 2009 und 2010, rollten in Palmela jährlich deutlich mehr als 40.000 Scirocco vom Band.

Der Scirocco III ist breit, die Karosserie ist markant gezeichnet und mit seinem Sportfahrwerk liegt er tief auf der Straße – ein echtes Sportcoupé eben. Innen punktet der Golf-Flachmann mit gut geformten Sportsitzen. Allzu viel Platz auf der Rückbank oder fürs Gepäck darf man bei dieser Bauweise mit nach hinten abfallender Dachkante erfahrungsgemäß nicht erwarten. Von Beginn an setzte Volkswagen beim Scirocco III auf Motoren mit hoher Leistung. Zeitweise sollen mehr als ein Fünftel aller Scirocco-Kunden Modelle mit 200 PS oder mehr geordert haben. Fahrspaß rangierte beim Scirocco stets vor der Funktionalität. 2014 wurde der Scirocco leicht überarbeitet, 2017 wird die Produktion des Modells voraussichtlich eingestellt.

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