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Betrug beim Auto-Verkauf

Vorsicht, gefälschter Kilometerstand!

Es kommt leider vor: Tacho-Fälscher drehen den Kilometerzähler heimlich zurück und lassen Gebrauchtwagen auf diese Weise jünger aussehen. Das ist strafbar, aber schwer nachzuweisen.

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Im Kampf gegen Tachomanipulierer durchsuchte die Münchner Polizei im März 2011 in einer groß angelegten Razzia mehr als 150 Kfz-Betriebe und Privatwohnungen.

Ergebnis: 26 Festnahmen und 300 sichergestellte Fahrzeuge. An rund 30 Prozent der Gebrauchtwagen in Deutschland ist der Kilometerstand manipuliert, schätzt die Polizei.

Das klingt übertrieben. Grundsätzlich ist Tachofälschung ein ernstes Problem. Aber es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie sich als Käufer vor den Fälschern zu schützen.
 

Dabei sollte eines klar sein: Tachomanipulation ist seit 2005 gesetzlich verboten und wird mit bis zu 1 Jahr Gefängnis bestraft! Trotzdem lassen sich dubiose Händler und Privatleute auf der Jagd nach dem schnellen Geld immer wieder auf das kriminelle Spiel ein.

Kein Wunder, ist die Laufleistung eines Fahrzeugs doch einer der wichtigsten Punkte bei der Preisermittlung. Leider ist die Manipulation des Kilometerstandes für Spezialisten meist eine Sache von wenigen Minuten – ein Laptop und die passende Software genügen.

Tachomanipulation ist erst seit 2005 strafbar

Nach Angaben des ADAC beginnen die Kosten für das "Zurückdrehen“ des Tachos je nach Modell bei 50 Euro und enden in einigen wenigen Fällen bei mehr als 1000 Euro. Denn es gibt inzwischen einige Hersteller, die den Fälschern ihre Arbeit deutlich erschweren.

Denn die Kilometerstände werden in den meisten modernen Autos nicht nur im Tachometer, sondern in verschiedenen anderen Geräten im Auto gespeichert.

BMW etwa nutzt dazu seit Ende der 90er-Jahre unter anderem den elektronischen Zündschlüssel. Auch Audi führte mit dem A5 Coupé 2007 einen "Service Key" ein. Diese elektronischen Schlüssel speichern Daten wie die Laufleistung und lassen sich in der Vertragswerkstatt auslesen.

Der Kilometerstand wird auch im Schlüssel gespeichert

Außerdem ist der Kilometerstand etwa in Steuergeräten, elektronischen Zündschlössern, elektronischen Wegfahrsperren und teilweise in Fehlerspeichern oder ABS-beziehungsweise ESP-Modulen abgelegt. Von Fachleuten sind sich diese gespeicherten Kilometerstände abrufbar und mit der Anzeige im Tachometer vergleichen.

Zwar können Fälscher auch diese Werte manipulieren – aber viele begnügen sich aus Zeit- und Kostengründen mit dem Tacho. Haben Sie einen Gebrauchtwagen gekauft und es besteht nur der geringste Zweifel an der abgebildeten Laufleistung, lassen sie die einzelnen Daten abgleichen. Bei einer Differenz sollte der Rückgabe des Autos nichts im Wege stehen.

Tabellarischer Lebenslauf: das Serviceheft

Aber auch ohne Hilfe der Werkstatt lassen sich bereits bei der Besichtigung eines Gebrauchtwagens Indizien für einen Kilometer-Schwindel entdecken.

Das Vorhandensein eines korrekt geführten Serviceheftes ist noch immer einer der wichtigsten Punkte beim Gebrauchtwagenkauf. Denn dadurch können Kilometerstände und Wartungsarbeiten nachvollzogen werden.

Aber selbst Servicehefte werden gefälscht und sollten deshalb genau unter die Lupe genommen werden: Wurde bei allen Einträgen der gleiche Kugelschreiber verwendet? Tauchen immer die gleichen Unterschriften auf? Sehen die Stempel korrekt aus?

Bei Zweifeln hilft ein Anruf in der betreffenden Werkstatt oder beim Vorbesitzer (steht im Fahrzeugbrief). Wenn das Heft gänzlich fehlt, ist immer Skepsis angebracht.

Auf dem Servicezettel im Motorraum notieren Werkstätten Kilometerstand sowie Zeitpunkt der letzten und nächsten Inspektion. Manche Werkstätten kleben einen Zettel zusätzlich an den Holm (A- oder B-Säule) hinter der Fahrertür.

Häufig übersehen Tachofälscher diese Zettel. Bei höherer Laufleistung sind auch Aufkleber über einen eventuell bereits erfolgten Zahnriemenwechsel im Motorraum aufschlussreich.

Verbrauchtwagen: Wie sieht der Innenraum aus?

Auch der Zustand des Innenraumes kann einen guten Aufschluss über die Laufleistung des Fahrzeugs geben. Abgegriffene Lenkräder und Schalthebel sowie verschlissene oder durchgesessene Sitze passen einfach nicht zu geringen Kilometerleistungen.

Auch ein Blick in den Fußraum lohnt sich. Wie sehen Kupplungs-, Brems- und Gaspedal aus? Sind die Gummis bei niedrigem Kilometerstand schon deutlich abgenutzt, sollte man den Verkäufer darauf ansprechen und nach den Einsatzbedingungen fragen.

Denn häufig im Kurzstreckenverkehr eingesetzte Autos verschleißen schneller als Langstreckenfahrzeuge.

Bei Zweifeln an der Richtigkeit der Angaben können sich Käufer natürlich auch an Sachverständige von Dekra, TÜV oder KÜS wenden. Auch Automobilclubs wie der ADAC oder AvD sind dafür die passenden Ansprechpartner.

Zukunft: Auto-Historie zentral in der Datenbank

In Zukunft könnte sich die Lage der Käufer allerdings grundsätzlich verbessern: In den USA sammelt die Firma Carfax bereits seit 20 Jahren Zulassungs-, Unfall- und Reparaturdaten aller Autos mit den jeweiligen Kilometerständen.

Potenzielle Gebrauchtwagenkäufer können sich den umfassenden Report unter Angabe der Fahrgestellnummer im Internet herunterladen und so auf Nummer sicher gehen.

In Deutschland ist dieses Verfahren bislang noch nicht zugelassen. Immerhin unterstützt der Verband der Automobilindustrie (VDA) die Einführung auch bei uns.