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Motoröl-Analyse

Ich schau' Dir ins Öl, Kleines

Ein guter Motor? Oder bloß Schrott, der bald zusammenbricht? Wer wissen will, wie gut das Auto-Herz funktioniert, lässt das Motoröl analysieren. mobile.de machte den Praxistest

Da hilft nur ein Blick in die Kristallkugel: Wer einen Gebrauchtwagen kauft, kann nicht in den Motor schauen und weiß daher nicht, ob die Maschine wirklich was taugt. Oder doch?

Verschiedene Dienstleister bieten genau diesen Service an: den Blick in den Motor! Natürlich nicht mit Schwarzer Magie – sondern über eine Öl-Analyse im Labor. Einer der wenigen, hoch spezialisierten Anbieter ist Oelcheck in Oberbayern.

Der Vergleich haut hin: Wenn der Motor das Herz eines jeden Fahrzeugs ist, so ist das Öl das Blut. Und gibt Aufschluss über Krankheiten, Verschleiß, gesunde oder ungesunde Lebensweise.

mobile.de hat die Probe aufs Exempel gemacht: Von drei älteren Gebrauchtwagen in unterschiedlichem Pflegezustand (von gut bis miserabel) wurde Öl entnommen und zur Probe geschickt.

Drei Kandidaten – doch nur einer kam durch

Der erste Kandidat, ein VW Polo Baujahr 1989, 170.000 Kilometer Laufleistung, macht schon auf den ersten Blick einen erbärmlichen Eindruck: Außen wie innen vollkommen ungepflegt, im Motorraum geradezu verwahrlost. Ob das Öl im Labor überhaupt als Öl erkannt wird?

Das Ergebnis ist höchst aufschlussreich: Man sollte offenbar auch Autos nicht nach ihrem Aussehen allein bewerten. Denn das Zertifikat von Oelcheck, schon nach wenigen Tagen per E-Mail eingetroffen, stellt fest: "Die Verschleißwerte liegen innerhalb des normalen Bereiches."

Einzig einen erhöhten Siliziumgehalt kann das Labor in der Probe entdecken. "Siliziumhaltiger Staub kann eine Ursache für Verschleiß werden." Kann – muss aber nicht. Für den Eigentümer jedenfalls ist der Befund erfreulich.

Der VW Passat überlebt die Öl-Analyse nicht

Der zweite Kandidat dagegen übertrifft alle Erwartungen: ein altgedienter VW Passat Variant, Baujahr 1992, mit 100.000 Kilometern auf der Uhr. Der Kombi sieht zwar auch nicht gerade lecker aus, doch sollte die Laufleistung bei einem solchen Kilometerfresser noch keinen Anlass zur Sorge geben.

Weit gefehlt: Noch während die Ölprobe nach Brannenburg unterwegs ist, brennt die Zylinderkopfdichtung durch. Der Eigentümer entscheidet sich dafür, den Wagen wegen des geringen Restwerts zu verschrotten.

Oelcheck liefert sozusagen posthum die Diagnose: "Achtung!", so warnt das Labor in seinem Prüfbericht eindringlich. Die Werte von Kupfer und Blei im Öl sind "deutlich erhöht", was auf vermehrten Gleitlagerverschleiß hindeutet. Auch der Wasseranteil im Öl ist leicht erhöht.

Das war ein deutlicher Hinweis auf die bereits undichte Kopfdichtung, durch die Kühlwasserdampf ins Motoröl gelangte. Für das Auto kommt die Warnung zu spät. Aber für das Resümee ist sie natürlich ein starkes Argument: Von außen hätte dieser Befund niemals erbracht werden können.

Auch der Musterknabe ist nicht makellos

Auch der dritte Kandidat hat eine kleine Überraschung im Blut: Äußerlich ein attraktiver Gebrauchtwagen: Ein Mercedes 190 des Baujahrs 1993, aber mit nur 70.000 gefahrenen Kilometern – ein richtiger Rentner-Benz, immer in der Vertragswerkstatt gepflegt, mit tadellos ausgefülltem Scheckheft.

Doch dann das: Oelcheck platziert eine "Warnung!" im Testzertifikat des 190er-Lebenssafts. "Der Wassergehalt ist höher als normal." Sollte auch hier die Zylinderkopfdichtung undicht geworden sein? Schwer vorstellbar, da eine Bäckersfrau den Benz jahrelang mit zartem Gasfuß durch die Gegend schob.

Doch Oelcheck sieht alles: "Kondensatbildung z.B. durch Kurzzeitbetrieb" nennt der Laborbericht als mögliche Ursache für den hohen Wassergehalt im Öl. Alles klar: Die Rentnerin ist mit dem 190er überwiegend Kurzstrecken gefahren, so dass die Maschine nur selten Betriebstemperatur erreichte. Auch das ist schlecht fürs Öl.

Die Öl-Analyse ist ihr Geld tatsächlich wert

Die Schlussfolgerung aus dem Test: Eine Ölanalyse, die beim gewählten Anbieter ab 41 Euro (plus 18% Mehrwertsteuer) kostet, ist für jeden Autokäufer ein Vielfaches wert.

Nachteil: Ein Tropfen ist zu wenig – es genügt also nicht, den Ölpeilstab abzuwischen und beim Verkäufer den Laborbericht abzuwarten. Doch wer unmittelbar nach dem Autokauf die Analyse durchführen lässt, kann bei einer bösen Überraschung das Auto innerhalb der Garantiefrist zurückgeben. Und ist das Problem damit wieder los.