Kaufberatung: Bezahlbare Lancias

Lancia: Das bleibt von der legendären Marke

Es war einmal in Italia

Es ist so weit: Lancia gibt es nur noch auf dem italienischen Markt. Fans müssen sich verstärkt der Vergangenheit zuwenden. Aber das war ja klar: Lancias große Zeiten liegen lange zurück. Welche Modelle der einst legendären Marke werden künftig Klassiker?

 
 
24. Februar 2016

Kaum eine Marke wurde so zugrunde geritten wie der 1906 gegründete Autohersteller Lancia. Ursprünglich im eleganten Luxussegment zuhause, wurde dieses Status-Symbol des italienischen Hoch- und Finanzadels nach und nach seiner Seele beraubt.

Viele zahlungskräftige Kunden wandten sich bereits 1969 ab, als Lancia von Fiat übernommen wurde. Die einst technisch als fortschrittlich bis revolutionär geltende Technik verschwand langsam, vergleichsweise simple Fiat-Bauteile nahmen ihren Platz ein.

Auch die letzten Fans wurden schließlich vertrieben, als die Kooperation mit Chrysler ab 2009 so weit ging, dass auf die US-Autos einfach nur noch das Lancia-Logo geklebt wurde. Inzwischen gibt es nur noch 1 Modell, und das wird offiziell nur in Italien verkauft.

Nur ein kleiner Schritt zum Kultmobil

Wer also nach einem Lancia sucht, der auch wirklich ein Lancia ist, muss tief in der Geschichte stöbern – und wird schlussendlich fündig. Man muss nur wissen, auf was man sich da einlässt.

Tatsächlich wurden gerade in den 1970er- oder 1980er-Jahren bemerkenswerte Modelle wie das wunderbare Lancia Gamma Coupé gebaut – ungewöhnlich, extravagant und Zeugnis des einstigen Glanzes der Marke (siehe Bildergalerie).

Der Gamma ist ein typischer Repräsentant eines Lancia der 80er Jahre: Das ist am Design der Karosserie erkennbar oder auch am Interieur, dessen Stoffe stolz mit einem kleinen „L“ für Lancia verziert sind. Hier ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Kultmobil.

Erhaltungszustand ist besonders wichtig

Allerdings: Den Stoff für diese pittoresken Sitzbezüge gibt es schon lange nicht mehr. Sind die Sitze speckig oder verschlissen, kann man eigentlich nur noch das Interieur mit abweichendem Ersatzmaterial vom Sattler neu beziehen lassen, was 1. teuer ist und 2. den Wert senkt. Das gilt im Prinzip für so gut wie alle Lancia-Ersatzteile aus dieser Ära.

Also sollten Sie einem wenig abgenutzten, kompletten Auto im Originalzustand bei Lancia stets den Vorzug geben. Das bekräftigt auch Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Analytics: „Die Preisschere zwischen mittelmäßigen und guten Autos wird hier immer weiter aufgehen. Kaufen Sie auch zum höheren Preis den besten, den Sie finden können. Das wird sich langfristig auszahlen.“

Der Youngtimer-Preisanalyst rät grundsätzlich vor Spekulation mit der Marke ab: „Jede Marke, die nicht mehr auf dem Markt ist, hat es schwer. Sie verschwindet aus dem Gedächnis der Fans, vor allem bei diesen letzten Modellen, die nur dem Logo nach Lancia waren“. Wilke erwartet nicht unbedingt, dass alte Lancia billiger werden, aber auf jeden Fall nur in Ausnahmefällen einen Anstieg der Preise.

Mutter aller Wölfe im Schafspelz

Ein solcher Ausnahmefall ist der Lancia Thema 8.32: Für ihn gilt das 1. ungeschriebene Wertsteigerungs-Gesetz „Top-Version“ – denn hinter der bestenfalls seltsamen Zahlengruppe verbirgt sich eine Motorisierung, die seinerzeit (1987) in der oberen Mittelklasse ihresgleichen suchte: Ein Achtzylinder mit 3,2 Liter Hubraum und 215 PS. Die => Mercedes E-Klasse W124 beispielsweise hatte erst ab 1990 Achtzylinder, der BMW 5er erst 1992. Damit war der Thema ein König der Autobahn.

Wer baute so etwas? Nicht Lancia, sondern Ferrari: Der Motor stammt in den Grundzügen von der Konzernschwester Ferrari und wurde so ähnlich im Ferrari 308 und dessen Nachfolger 328 verbaut. Das gab es in dieser Form noch nie, und wahrscheinlich wird das auch nie jemand wieder wagen.

Die Mutter aller Wölfe im Schafspelz hat zwar sehr hohe Unterhalts-, doch vergleichsweise geringe Einstiegskosten. Classic Analytics sieht den 8.32 derzeit in gepflegtem Zustand bei nur 18.600 Euro, da er von Ferrari-Sammlern noch nicht entdeckt wurde. Was sich aber jederzeit ändern kann, und dann werden die Preise des nur 3.284 Mal gebauten Wagens sicher steigen.

Vielfalt im Lancia Beta

Die meisten Lancias in unserer => Bildergalerie stammen aus der Fiat-Ära. Das mag man bedauern, aber es bedeutet eben auch eine vergleichsweise gute Versorgung mit Technikteilen. Beispielsweise beim Lancia Beta. Den gibt es in vier verschiedenen Karosserievarianten. Neben der speziellen Schrägheck-Limousine auch als kantiges Coupé mit ungewöhnlicher Karosserieform, als zweitürigen Sportkombi sowie als Targa-Version, „Spider“ genannt, mit zusätzlichem Klappverdeck.

Während es Limousinen schon unter 1.000 Euro gibt, kommen auch Coupés (ab 4.000) und der Spider (ab 6.000) auf geringe Einstandskosten. Vergleichbare Alfa Romeo liegen teilweise deutlich darüber.

Wie sehr man hier sparen kann, macht ein weiterer Vergleich deutlich. Lancia brachte 1965 das höchst elegante Fulvia Coupé auf den Markt. Mit seinem fast schwebenden Dachaufbau durch die extrem schmalen A- und B-Säulen hat es sich einen festen Fankreis erobert. Selbst gute Exemplare kosten nicht mal 20.000 Euro.

Lancia war im Motorsport sehr erfolgreich

Konkurrent der zweitürigen Fulvia war Alfa Romeos Giulia als Coupé, bei uns besser bekannt unter seinem Spitznamen „Bertone“. Das vom gleichnamigen Stardesigner geschaffene Coupé ist zweifellos wunderschön, verfügt über hochkarätige Technik und kostet in gutem Zustand als beliebte 2,0-Liter-Version um die 30.000 Euro. Er liegt also mehr als ein Drittel höher als der Lancia.

Bleibt nur noch eines zu erwähnen: Lancia ist im Sport, vor allem im Rallyesport, sehr erfolgreich gewesen. Der Lancia Delta Integrale gilt als das erfolgreichste Rallyeauto aller Zeiten. 13 Mal siegte ein Lancia bei der berühmten Monte Carlo, neunmal errangen die Italiener die Weltmeisterschaft.

Diesen Anspruch, dynamischer und rasanter zu sein als die anderen, ist älteren Lancia-Modelle stets schon äußerlich anzumerken. Vorbei war es (auch) damit am 18. Dezember 1991: Fiat wollte seine Tochter Alfa Romeo sportlicher positionieren und zog dafür leider bei der so erfolgreichen Lancia-Sportabteilung den Stöpsel.

Zeit für die Ersatzteilsuche einplanen

Es gibt also durchaus Gründe, sich einen alten Lancia in die Garage zu stellen. Sicherlich reichen die historischen Modelle der Marke, die im bezahlbaren Bereich liegen, nicht an den Glamour von Alfa heran, und auch die Qualität liegt (sogar noch) darunter. Dennoch gibt es ein paar Exemplare dieser Marke, deren Pflege den Eigentümer nicht ruiniert – sofern die Substanz gut war.

Der Besitz eines Lancia kann trotz Fertigungsmängeln und Fiat-Teilen also Spaß machen. Allerdings sollte man darauf verzichten, ihn im harten Alltag einzusetzen, da das Material sonst schnell altert. Dann bleibt auch mehr Zeit für die Ersatzteilsuche…

Diese Lancia sind gut & günstig: Preisbeispiele und Hinweise zu den Schwachpunkten der jeweiligen Modelle finden Sie in der Bildergalerie.

Lancia-Suche bei mobile.de

Lancia fahren, das ist genussvolles Inseldasein: Modelle dieser Marke genießen den Status von Exoten. Derzeit werden bei mobile.de insgesamt nur rund 4.000 Lancia angeboten, davon steht ein gutes Viertel in Deutschland.

Beschränkt man die Suche auf Fahrzeuge bis zum Baujahr 2009 (als Lancia weitestgehend zum Zweitverwerter von Chrysler degradiert wurde), sind es insgesamt lediglich knapp 2.000 – aber was für welche:

Günstige Lancia bei mobile.de

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tests & Vergleiche bei mobile.de