Die Steuerspar-Modelle

Kaufberatung: Klassiker für Knauserer

Spar mit dem H!

Mit 30 Jahren, da fängt das Sparen an. So alt muss ein Auto oder Motorrad mindestens sein und in gutem Zustand, dann kann man ein H-Kennzeichen beantragen. Wie man damit die Autokosten reduziert, zeigt das mobile.de Magazin.

19. Januar 2015

Kuck an, ein Klassiker: Blitzender Chrom, spiegelglatter Lack – so stellt man sich Automobilkultur vor. Natürlich nur sonntags und bei Sonnenschein. Denn wertvolle Youngtimer sind etwas zum Schönaussehen und Pflegen, aber nicht zum Benutzen. Dennoch: In Einzelfällen kann ein Youngtimer billiger sein als ein Neuwagen.

Für einen Mercedes 300 SL-Flügeltürer, der auf Auktionen bereits die 1-Million-Euro-Grenze durchstößt, trifft das natürlich nie und nimmer zu. Doch es gibt Modelle, die in Anschaffung und Unterhalt sehr günstig sind, dabei aber nach rechtlicher Definition echte Klassiker. 

Der Ausweis in den Club der Spar-Oldies ist dabei das H-Kennzeichen. Es ermöglicht im Mobilität zu einem lächerlich niedrigen Steuersatz und öffnet außerdem das Tor zu weiteren Vergünstigungen. Bedingung: Das Fahrzeug muss mindestens 30 Jahre alt sein. Doch das ist nicht weiter schwierig: 30 Jahre alte Autos gibt es bei mobile.de schon ab ein paar Tausend Euro. Also, worauf warten Sie noch?
 

 
 

 

Tabubruch oder Lebenshilfe?

Das klingt nach totalem Tabubruch: Steuer-Sparen mit dem H. Aber darum geht es ja: Das H-Kennzeichen ermöglicht es, Autos zu fahren, die auf unseren Straßen selten geworden sind, weil ihre Nutzung einfach zu teuer wurde. Eine staatliche Subvention, und die will genutzt werden.

Und, bevor jetzt jemand aufschreit: So einfach, wie das klingt, ist es natürlich auch wieder nicht. Denn das H-Kennzeichen müssen Sie erst mal kriegen. Natürlich gibt es sie: Schrottkisten mit Klassiker-Nummer, für deren Ausstellung ganz offensichtlich Schweigegeld geflossen ist. Die Regel sieht aber anders aus: Kritische Prüfung und gnadenlose Aussortierung von allem, was nicht erhaltenswert ist.

Man erwerbe also einen gut erhaltenen Youngtimer aus den frühen 1980er-Jahren, statte ihn mit besagtem H-Kennzeichen aus und – fahre anschließend so günstig wie mit einem modernen Pkw. Mit dem Unterschied, dass der Klassiker im besten Fall nicht mal ein Viertel so viel gekostet hat wie der gleichgroßer Neuwagen.

Doch wie geht das im Einzelnen und welche Modelle empfehlen sich dafür?

H-Nummer bringt 3 Vorteile

Das H-Kennzeichen weicht vom herkömmlichen Nummernschild nur in einer Hinsicht ab: Hinter der gewohnten Kombination ist der letzte Buchstabe ein H. Insgesamt dürfen auf dem Blech jedoch nicht mehr als sieben Zeichen stehen (siehe Bildergalerie). Seit dem 1. Juli 1997 gibt es das H-Kennzeichen mit folgenden drei Eigenschaften:

  • 1. Egal welche Schadstoffklasse, egal wie viel Hubraum der Wagen hat, die Steuer ist immer einheitlich (191 Euro / Jahr Autos; 46 Euro / Jahr Motorräder)
  • 2. Auch wenn der Wagen keine grüne Umweltplakette hat, darf er Umweltzonen befahren
  • 3. Anerkannte Oldtimer werden bei vielen Versicherern zu einem Sondertarif versichert.

Ob sich der reduzierte Steuersatz für den Halter rechnet, ist von mehreren Faktoren abhängig. Die herkömmliche Kfz-Steuer wird nach zwei Kriterien berechnet: Der Schadstoffklasse sowie dem Hubraum je angefangene 100 Kubikzentimeter.

Steuern steigen manchmal

Viele Oldtimer haben keinen Kat. Für einen Wagen mit 2,5 Litern Hubraum zahlt man mit H-Kennzeichen 191 Euro im Jahr, ohne ist man mit 634 Euro dabei. Bei einem Hubraum von 0,8 Litern, wie er beispielsweise in frühen Kleinwagen Verwendung fand, liegen die Kosten etwa gleich hoch: Ohne H-Kennzeichen werden 202 Euro Kfz-Steuer berechnet. Mit einem Kleinstwagen wie der BMW Isetta mit nur 300 Kubikzentimetern fällt der Steuersatz mit 76 Euro sehr gering aus, hier lohnt das H-Kennzeichen auf den ersten Blick nicht.

Lohnender sind Diesel ohne Rußpartikel-Filter durch deren erhöhten Straf-Steuersatz. Ein 1,5 Liter-Diesel wie im ersten VW Golf schlägt schon mit 581 Euro zu Buche (Benziner: 380 Euro), sofern man auf das H-Kennzeichen verzichtet.

Wer den Steuersatz seines Youngtimers selbst überprüfen möchte, dem sei der Online-Rechner des Bundesfinanzministeriums empfohlen.

Günstige Zweitwagen-Versicherung

In die Berechnung einfließen sollte auch das persönliche Nutzungsverhalten. Der geringe Steuersatz der BMW Isetta von 76 Euro nutzt nichts, wenn man mit dem katlosen Kleinstwagen auch mal in eine Umweltzone fahren möchte. Dann ist das H-Kennzeichen Pflicht, eine Katalysator-Nachrüstung für die Isetta ist nicht möglich.

Ebenso kann man mit einem 1,5-Liter-Benziner günstiger Fahren ohne H-Kennzeichen, wenn der Wagen per Saisonkennzeichen nur ein halbes Jahr angemeldet ist (Jahressteuer 380 Euro).

Neben der freien Fahrt in Umweltzonen hilft das H-Kennzeichen auch bei der Versicherung zu sparen. Viele Oldtimerversicherungen sind wesentlich günstiger als normale Verträge. Die Versicherer gehen davon aus, dass ein Oldtimer seltener und schonender bewegt wird als der Erstwagen (der ist zumeist Bedingung für den Abschluss einer Oldieversicherung). Je nach Versicherung gibt es weitere Besonderheiten zu beachten, etwa ein bestimmtes Mindestalter des Fahrers oder eine maximale Kilometerleistung pro Jahr.

H-Gutachten kostet ca. 200 Euro

Was aber ist ein Oldtimer? Das Gesetz ist ein bisschen vage. Es definiert Oldtimer als „Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind, weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sind und zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen.“ Ob ein über 30 Jahre altes Auto dieser Definition entspricht, muss der Besitzer über ein Gutachten der Prüforganisationen wie TÜV, Dekra, GTÜ, KÜS oder andere (ca. 200 Euro) nachweisen.

Da die Bestimmungen für die Zuteilung eines H-Kennzeichens eben interpretierbar sind und von den Zulassungsbehörden der Landkreise sowie der Prüforganisationen unterschiedlich ausgelegt wurden, hier ein paar Tipps:

  • Mindestalter 30 Jahre.
  • Guter Zustand. Das Auto muss nicht die Note 1 (für makellosen Zustand) bekommen, aber Roststellen, Beulen oder auch größere Lackschäden sollte es nicht geben.
  • Abweichungen von Originalzustand sind nur dann erlaubt, wenn diese Veränderungen wie beispielsweise breitere Räder auch schon zur Bauzeit des Wagens vorgenommen wurden oder werden konnten.

Umbauten sind möglich

Umbauten des Fahrzeugs, also Abweichungen vom Originalzustand, sind für das H-Kennzeichen nicht immer schlecht. Matthias Gerst, Oldtimerexperte des TÜV Süd, nennt zwei konträre Beispiele: „Wer beispielsweise seinen Golf I GTI tieferlegen möchte, der müsste das einerseits über ein damaliges Prüfzeugnis des geänderten Fahrwerks für dieses Fahrzeug und andererseits über ein heutiges Teilegutachten für dasselbe Fahrzeug nachweisen können.“

Damit sei für den Prüfer sichergestellt, dass es diese Technik schon damals gab und sie zugelassen ist. Für das gleiche Maß an Tieferlegung mit gleicher Technik (also nicht geänderte Schraubenfedern gegenüber einem Gewindefahrwerk) ist die Erteilung des H-Kennzeichens dann kein Problem. Sogar Umrüstung auf LPG-Antrieb ist möglich, sofern das zur Bauzeit des betroffenen Autotyps schon möglich war.

Aber es gibt auch Umbauten, die eher problembehaftet sind. Gerst: „Wer sein Auto von Trommel- auf Scheibenbremsen umrüstet, erzielt dadurch nicht automatisch einen Sicherheitsgewinn.“

Die Mär vom „falschen“ Oldtimer

Die gesamte Bremsanlage muss nämlich aufeinander abgestimmt sein, erklärt der Fachmann vom TÜV. Gab es diese Umrüstung für das betreffende Modell damals nicht, könnte es beispielsweise sein, dass die Bremsanlage an der Hinterachse zu stark eingreift oder auch die seinerzeit oftmals achtern verbauten Trommelbremsen nicht zu den nachgerüsteten Scheiben passen.

Ein verändertes und im Extremfall gefährliches Fahrverhalten kann die Folge sein, weshalb hierauf besonderes Augenmerk gelegt wird. Sein Rat: „Besprechen Sie eventuelle Umbauten erst mit dem Sachverständigen – das spart Zeit, Geld und vermeidet Ärgernisse“.

Entscheidend für die Frage, ob man mit einem H-Kennzeichen sparen kann, ist natürlich das Auto selbst. Unter Oldtimer verstehen die meisten Menschen so ein Modell wie den eingangs erwähnten Mercedes-Flügeltürer. Dieser hat heute einen Wert von rund 800.000 Euro und ist damit mehr Spekulationsobjekt als Auto. Die Realität auf der Straße ist jedoch eine andere: Auch Autos, deren Anblick viele von uns an einen alten Gebrauchtwagen denken lässt, bekommen heute das H. Oder hätten Sie auf Anhieb vermutet, dass die frühen Exemplare der zweiten VW Golf-Generation (1983 bis 1992) schon ganz offiziell dabei sein dürfen?

Knackpunkt Ersatzteil-Versorgung

Das Gleiche gilt für den Mittelklasse-Mercedes der Baureihe W123 (1977 bis 1986). Lediglich das letzte Baujahr kann (noch) kein H-Kennzeichen tragen, obwohl davon noch viele Exemplare ihren Dienst als Taxi versehen. Ob VW oder Mercedes: Beide Modelle haben den Vorteil, dass sie vergleichsweise günstig in der Anschaffung (mit Glück weniger als 5.000 Euro für gute Exemplare) sowie im Unterhalt sind.

Das ist beileibe nicht bei jeder Marke so und kann zu ungeplanten Kosten führen: Vor allem asiatische Autohersteller verlieren schnell das Interesse an ihren einstigen Produkten, die Ersatzteillage ist meist schon wenige Jahre nach Auslaufen der Produktion schwierig. Aber auch ein deutscher Hersteller wie Audi fällt schon bei 20 Jahre alten Autos durch riesige Lücken im Lager unangenehm auf.

In der Vergangenheit geriet das H-Kennzeichen in die Diskussion. Das Wort von „H-Sparer“, also von Menschen, die sich ein altes Auto nur zulegen, um damit Geld zu sparen, machte die Runde.

Keine H-Schwemme in Deutschland

Es wurde deshalb eine Reformierung des H-Kennzeichens diskutiert. Martin Halder, Vorstandsvorsitzender der Meilenwerk AG und ehrenamtlicher Koordinator des Parlamentskreises „Automobiles Kulturgut“ beim deutschen Bundestag, kennt die Diskussion.

Er sagt: „Es gibt nach belastbaren Zahlen keine H-Schwemme in Deutschland.“ Zwar sei die Zahl der Fahrzeuge mit H-Kennzeichen im vergangen Jahr wieder von 285.000 auf 313.000 gestiegen, aber eben nicht in der Gruppe der Fahrzeuge aus dem 80er-Jahren.

„Die Zunahme liegt eher im Bereich von 40 bis 50 Jahre alten Autos, die häufig importiert werden.“ Hinzu komme, dass die jetzt 30 Jahre alt werdenden Fahrzeuge der 80er-Jahre zunehmend über einen Katalysator verfügten und daher bereits günstiger zu fahren seien – das rein wirtschaftliche Argument der Steuerersparnis werde also zunehmend schwächer.

Geschmackspolizei gibt es nicht

Gegner des H-Kennzeichens führen immer wieder den oben genannten VW Golf II an. Das sei doch kein „richtiger“ Oldtimer. Halder sieht das anders. „Auch der VW Golf II ist ein Fahrzeug mit zahlreichen Liebhabern, da sollte niemand Geschmackspolizei spielen. Außerdem sind das keine Rostlauben. Durch die H-Abnahme der Prüforganisationen ist ein entsprechender guter, historisch erhaltenswerter Zustand zugesichert“.

Seinen Beobachtungen nach ist die Frage, was denn nun ein richtiger Oldtimer wäre, auch stark vom Generationengeschmack abhängig. „Die Diskussionen was ein „echter“ Oldtimer ist gab es schon immer, zum Beispiel bei der Gründung des ersten Mercedes-Oldtimerclubs in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals war für alle Mitglieder klar, dass nur Vorkriegs-Autos als Oldtimer gelten würden.“

Schon der heute weithin anerkannte „Ponton“-Mercedes (aus den 1950er-Jahren) oder der 300 SL-Flügeltürer galten damals als zu neu. Dieses Phänomen habe man vor ein paar Jahren erneut erlebt: „Es gibt Fans der Mercedes-Baureihe W123, die diesen dank seiner Chromstoßstangen und der klassischen Form als letzten echten Mercedes bezeichnen.“ Mittlerweile habe auch der Nachfolger W124 einen festen Fankreis – übrigens wieder mit dem Argument, dies sei „der letzte echte Mercedes.“

Einige der Spar-Dosen unter den H-Kennzeichen-fähigen Autos sehen Sie in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund