Billig UND sauber, das geht!

Warum nur gibt niemand Gas?

Sparen unter Druck

Seit der VW-Krise fragen sich viele, ob ein Diesel wirklich ein guter Kauf ist. Was kann man sonst kaufen? E-Autos sind noch zu teuer. Eine umweltfreundliche und zugleich günstige Alternative sind Gasautos – entweder mit Flüssig- oder Erdgas. Was ist zu beachten?
 

 
 
28. September 2015

Gerade jetzt, wo die VW-Krise dem Dieselmotor viel von seinem Glanz genommen hat, machen sich viele Menschen über eine günstige und zugleich umweltfreundlichere Alternative für ihr nächstes Auto Gedanken. Und tatsächlich: Es gibt diese Alternative.

Natürlich sprechen wir hier nicht vom Elektroauto es ist noch zu teuer, die Reichweite ist noch zu gering, und wirklich umweltfreundlich ist die Akkuladung auch nicht, wenn der Strom aus Kohle oder Atomenergie erzeugt wurde.

Die Alternative ist der Gasantrieb. Gas als Autokraftstoff ist bis 2018 steuerlich begünstigt, und diese Regelung wird höchstwahrscheinlich bis 2026 verlängert. Das ist wichtig für Gasautos, denn der Preis pro Liter ist günstiger: Er liegt derzeit bei (bezogen auf die Energiedichte) etwa 0,80-0,90 € (Flüssiggas) bzw. rund 0,70-0,80 € (Erdgas) im Gegensatz zu derzeit etwa 1,25 € pro Liter Benzin.

Autos mit Gasantrieb kosten mehr

Tatsächlich ist der Preisvorteil von Gasantrieb gegenüber Benzin und auch Diesel so augenfällig, dass man sich fragen muss: Warum fahren nicht mehr Autos damit in Deutschland? Denn ihr Anteil war bisher marginal: Unter fünf Prozent aller Pkw tankten Mitte 2015 entweder LPG (Flüssiggas) oder CNG (Erdgas).

Ein Grund könnten die höheren Anschaffungskosten sein. Sie verhindern, dass Gasautos vom ersten Kilometer an billiger sind. Doch dieses Problem löst sich je nach Antriebsart und Laufleistung bereits nach 2-3 Jahren in Luft auf – dann hat sich der höhere Kaufpreis amortisiert.

Wie hoch ist der überhaupt? Es kommt darauf an: Ein neues Erdgasauto kostet zwischen 3.000 und 5.000 Euro mehr als ein etwa gleichstarker Benziner. Beispiel: Der günstigste Opel Zafira Tourer, ein Kompaktvan, kostet mit 1,4 Liter großem 120-PS-Turbobenziner ab 24.900 Euro. Die billigste Ausführung mit 140 PS starkem Erdgas-Turbomotor kostet ab 28.550 Euro.

Qual der Wahl zwischen CNG und LPG

Bei Propangas ist der Preisunterschied geringer: Der Kompaktvan Ford C-Max kostet mit 1,6 Liter großem Flüssiggas-Motor, 120 PS stark, ab 24.800 Euro. Die Ausführung mit 125-PS-Benziner steht mit mindestens 21.850 Euro in der Preisliste. Und Flüssiggas (LPG) hat gegenüber Erdgas zwei weitere Vorteile: 1. Die Umrüstung lohnt auch bei Gebrauchtwagen. Sie können also Ihren alten Benziner für 2.000-3.000 Euro zum Propangas-Fahrzeug umrüsten lassen.

2. Vorteil: Die Versorgung ist flächendeckend, was sich von Erdgas leider nicht sagen lässt. Während es inzwischen 6.900 Tankstellen mit LPG-Zapfpunkt gibt, haben CNG-Nutzer bisher nur knapp 1.000 Erdgas-Füllanlagen zur Auswahl. Das ist allerdings kein großes Problem: Gasantrieb ist stets bivalent, so dass im Notfall auch mit Benzin gefahren werden kann, falls einmal keine CNG-Zapfsäule in Reichweite ist. Und auch Flüssiggas-Autos fahren notfalls mit Benzin.

Eine weitere Entscheidungshilfe ist die Frage nach dem Wiederverkauf: Haben Sie vor, das (neue) Auto nach einer gewissen Zeit, z.B. 2-3 Jahren, abzustoßen, bietet sich Flüssiggas an: Aufgrund der niedrigeren Mehrkosten des Autos sparen Sie schneller. Außerdem liegt der Bekanntheitsgrad von LPG höher: Es gibt etwa fünf mal mehr Pkw mit LPG- als mit CNG-Antrieb, was eine höhere Nachfrage bedeutet. Somit werden Sie das Auto schneller wieder los. Spielt diese Erwägung keine Rolle, weil Sie den Wagen sehr lange behalten wollen, können Sie sich für Erdgas entscheiden und den Kostenvorteil beim Spritpreis lange nutzen, also mehr sparen.

Eingeschränkte Modell-Auswahl

Wer nach einem Auto mit Gasantrieb Ausschau hält, sollte kompromissbereit sein: Nur wenige Modelle stehen als Neuwagen zur Wahl. Sportwagen und Kleinbusse mit werksseitiger Ausrüstung gibt es überhaupt keine, nur 2 Transporter (Mercedes Sprinter und Fiat Ducato) und das Angebot an Kleinwagen und Kompaktautos ist sehr eingeschränkt. Eine Übersicht zeigt die Bildergalerie

Ein Blick zeigt, dass auch gebrauchte Gasautos eher selten sind. Von aktuell rund 1,2 Millionen gebrauchten Fahrzeugen sind nur 4.263 mit Erdgas, 11.899 mit Autogas betrieben. Rechnen Sie also damit, dass Sie Ihr Wunschauto nicht unbedingt in der näheren Umgebung finden werden. Die Kosten für die Fahrt zum Wunschauto sollten Sie mit einkalkulieren.

Auch für eine Umrüstung sind längst nicht alle Fahrzeuge geeignet. In der Regel bietet sich die Umrüstung für schwere Wagen der Mittelklasse bzw. Vans oder SUV an, denn diese haben genügend Platz und zulässiges Gesamtgewicht, um die Flaschen aufnehmen zu können.

Gebrauchte Gasautos prüfen

Wenn Sie ein gebrauchtes Gasauto kaufen wollen: Zu den normalen Prüfkriterien, die an jedem gebrauchten Auto zu berücksichtigen sind, kommt eine Begutachtung der Gasanlage. Sie muss bei Umrüstungen nachträglich in die Fahrzeugpapiere eingetragen sein. Die Gasanlage muss alle zwei Jahre auf Dichtigkeit überprüft werden, auch dies sollte in den Papieren dokumentiert sein.

Fand die Umrüstung nach der letzten HU statt, könnte eine solche Prüfung fehlen – dann wissen Sie nicht, ob die Arbeiten wirklich in der notwendigen Qualität ausgeführt wurden. Da immer mal wieder mangelhafte Umrüstungen von Dumping-Werkstätten gerügt werden, sollten Sie in diesem Falle sicher gehen und die Gasanlage zusätzlich bei einer Gutachterorganisation wie TÜV, Dekra, KÜS oder in einem ADAC Prüfzentrum checken lassen.

Die Dichtigkeitsprüfung ist zusätzlich zur HU alle zwei Jahre fällig, die kostet eine geringe Gebühr von jeweils 25 Euro. Außerdem müssen alle 20-25.000 Kilometer die Tanks auf Schäden untersucht werden, dies kostet etwa 150 Euro. Wichtig: Bei Fahrzeugen bis Schadstoffnorm Euro 2 müssen die Erdgasflaschen nach zehn Jahren für eine Druckprüfung (teuer) ausgebaut werden, ab Euro 3 ist eine Druckprüfung erst nach 20 Jahren notwendig.

Gebrauchtwagen auf LPG umrüsten

Wollen Sie Ihren Benziner auf LPG umrüsten (Umrüstung auf CNG ist in der Regel nicht möglich bzw. zu teuer)? Dann müssen Sie lediglich eine fähige Werkstatt finden. Verkneifen Sie sich billige Umrüster im grenznahen Ausland – geht etwas schief, müssen Sie mit Sprach- und Rechtsproblemen kämpfen.

Innerhalb Deutschlands existieren zwar Standards, doch leider gibt es kaum zertifizierte Werkstätten. Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen großen Betrieb zu beauftragen, der bereits langjährige Erfahrung hat und für Reklamationen etc. bequem erreichbar ist.

Manche Hersteller lehnen eine nachträgliche Umrüstung ihrer Produkte wegen der Gefahr von Motorschäden ab. Lassen Sie sich daher stets vor der Arbeit eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Umrüster aushändigen – im Schadenfall kommt er dann um die Haftung nicht herum.

Zuschuss für Erdgasautos

Der Kaufpreis für ein neues oder gebrauchtes Erdgasauto lässt sich manchmal drücken: Einige Energieversorger bieten eine einmalige Subvention an, die bis zu 1.000 Euro beträgt. Sie wird entweder in Form eines Tankgutscheins bei dem Energieversorger oder als Zuschuss gewährt.

Bedingung: Der Wohnsitz des Halters muss im Versorgungsgebiet liegen bzw. er muss einen bereits existierenden Kundenvertrag mit dem Energieversorger. haben. Außerdem wird oft verlangt, dass über einen gewissen Zeitraum (zumeist 1 Jahr) ein Werbeaufkleber am Gasauto angebracht wird. Es ist zu beobachten, dass die Höhe der Zuschüsse allgemein zurückgeht.

Weitere Sparmöglichkeiten bieten Gasautos leider nicht: Die Kfz-Steuer wird weder für den einen noch für den anderen Antrieb reduziert; maßgeblich ist der nach wie vor intakte Benzinmotor mit den bereits in der Typgenehmigung festgelegten Verbrauchswerten.

Auslandsreisen mit Gasauto

Einschränkungen gibt es für Gasautos nur in wenigen europäischen Ländern: Wer CNG (Erdgas) tankt, wird in Großbritannien, Belgien und Spanien ähnliche Verhältnisse vorfinden wie in Deutschland. Italien, die Schweiz und Österreich hingegen haben ein dichtes Netz von Erdgastankstellen.

Flüssiggas zum Tanken gibt es inzwischen auch in Europa flächendeckend. In Polen und Tschechien ist die Infrastruktur vorzüglich, in Spanien dagegen müssen LPG-Fahrer streckenweise Benzin tanken.

Bei umgerüsteten Flüssiggas-Autos befindet sich der Tank zumeist in der Reserveradmulde. Wollen Sie auf das Ersatzrad nicht verzichten, geht das also auf Kosten der Ladekapazität. Bei älteren Umrüstungen (zehn Jahre und älter) befinden sich Flüssiggas- oder Erdgastanks häufig platzraubend im Kofferraum. Neue Erdgasautos führen den flüchtigen Brennstoff stets in Druckflaschen unter dem Fahrzeugboden, so dass es keine Platzprobleme gibt.

Einen kleinen Marktüberblick derzeit angebotener Gasautos (Umrüstung ab Werk) zeigt die Bildergalerie.

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Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund