Modelle mit Langzeit-Qualität

Kaufberatung: Alte Gebrauchtwagen

Abgenutzt, aber gut

Dekra-Statistik belegt: 15 Jahre alte Automodelle mit hohem Kilometerstand können durchaus etwas taugen, wenn sie gut gepflegt wurden. Die Kaufberatung stellt die haltbarsten Typen vor.

21. August 2014

Früher war alles besser? Sicher nicht alles, aber einiges schon. Von der Mode der 90er spricht (zum Glück) heute niemand mehr, auch die Weinjahrgänge dieser Dekade sind längst Geschichte – aber Autos, die damals vom Band rollten, können durchaus noch ein Thema sein.

Für Gebrauchtwagenkäufer, die aufs Geld schauen müssen, aber dennoch ein haltbares Auto fahren wollen. Denn wer für ein kleines Budget möglichst viel Auto sucht, den schrecken auch hohes Alter und noch höhere Kilometerleistung nicht.

Zu Recht: Wie die HU-Statistik zeigt, müssen auch Vielfahrer mit bis zu 200.000 km auf dem Tacho nicht zum alten Eisen gehören.
 

 
 

 

Globetrotter mit 200.000 km

Das zeigen die Hochrechnungen der Dekra: In ihrem jährlichen Gebrauchtwagenreport ermittelt die Prüforganisation seit 2013 auch die so genannten Volumen-Klassiker. Das sind Autos, die in so hohen Stückzahlen auf den Markt kamen, dass aufgrund der schieren Menge noch heute ein ausreichend großes Echo in der HU-Statistik zu finden ist.

Wir haben es mit wahren Weltreisenden zu tun: Bis zu 200.000 Kilometer Laufleistung stehen bei den Volumen-Klassikern auf dem Tacho. „Viele Leute interessieren sich nicht zwingend für ein neues und entsprechend teures Modell, für die ist diese Information gedacht“, erklärt ein Dekra-Mitarbeiter den Hintergrund.

Doch den bis zu 20 Jahre alten Massenmobilen ist die intensive Nutzung im übrigen nicht unbedingt anzusehen: Ihre Mängelquote ist mitunter kaum schlechter als bei halb so alten Pkw mit deutlich geringerem Kilometerpensum.

Ausreißer: Ein 30 Jahre altes Baumuster

Wie das möglich ist? Zum Teil zeigt sich hier gnadenlos die Qualität der Fertigung: Bei einem 20 Jahre alten Auto ist vom Glanz der Jugend nichts mehr zu spüren. Der kleinste Pfusch am Band rächt sich nun. Hinzu kommt die Pflege: „Mit zunehmendem Fahrzeugalter wird es immer wichtiger, ob Erst- und Zweiteigentümer sich um das Auto gekümmert haben“, sagt ein Dekra-Ingenieur.

Das könnte auch für das Highlight der Rangliste gelten: Der Mercedes 190 ist ein absoluter Ausreißer der Volumen-Klassiker, denn es handelt sich um ein 31 Jahre altes Baumuster!

Dennoch haben von der seinerzeit „Baby-Benz“ genannten Kompaktlimousine im Jahr 2013 zwei Drittel der Exemplare mit 150-200.000 Kilometer Laufleistung die HU im ersten Anlauf geschafft.

Dacia Logan hat schon heute mehr Mängel

190er-Modelle mit bis maximal 100.000 Kilometer auf dem Tacho waren noch solider: Knapp 80 Prozent schafften die Hauptuntersuchung ohne erhebliche Mängel.

Zum Vergleich: Der kompakte Benz, von 1982 bis 1993 gebaut, hat eine noch geringere Mängelquote als zum Beispiel der sehr preisgünstige Dacia Logan aus rumänischer Fertigung, der erst 20 Jahre später (2004) auf den Markt kam.

Bei Fahrzeugen mit Tachoständen zwischen 50.000 und 100.000 Kilometer registrierte die Dekra 21,8% Logan mit erheblichen Mängeln – beim 190er waren es nur 21%, die aufgrund der gravierenden Defekte die HU wiederholen mussten.

Auch A-Klasse kommt an 190er nicht heran

Doch was noch mehr verblüfft: Der kleine Mercedes, seinerzeit wegen seiner kompakten Abmessungen als „Baby-Benz“ verspottet, deklassiert auch deutlich jüngere Baureihen mit Stern.

Die erste A-Klasse zum Beispiel kam auf den Markt, als der 190er schon vier Jahre nicht mehr gebaut wurde, und lief erst 2004 aus – doch Fahrzeuge mit einer Laufleistung von 50-100.000 Kilometer fielen im vergangenen Jahr bei der Dekra zu 22 Prozent durch.

Desgleichen die M-Klasse von 1997, ein 20 Jahre frischeres Produkt: 21,8% Mängelquote für Exemplare des ersten Mercedes-SUV mit vergleichbaren Laufleistungen.

Haltbare Schweden bestätigen Klischee

Ein weiterer Kandidat in der Liste der Berufs-Jugendlichen ist der Saab 9-5. 1997 kam der Schwede auf den Markt, unter den Fahrzeugen mit 100-150.000 Kilometer Laufleistung erhielten 82 Prozent die Plakette. Von den 150-200.000-Kilometer-Fresser bestanden immerhin 78 Prozent auf Anhieb die HU.

Auch der Landsmann Volvo S80 samt seiner Schwestermodelle V70 und dem SUV XC70 wird dem Klischee von der schwedischen Qualitätsarbeit gerecht: Knapp 77 Prozent der HU-Kandidaten dieses Mittelklasse-Modells kam durch.

Überdurchschnittlich viel Verlass ist überdies auf den Geländewagen Subaru Forester 1. Generation: Selbst aus der Gruppe der Fahrzeuge mit maximaler Laufleistung bestanden mehr als drei Viertel die HU im ersten Anlauf – und das bei einem Auto, das von seinen Besitzern erfahrungsgemäß oft und hart 'rangenommen wird...

Auch 190ers großer Bruder hat Langzeitqualität

Auch der große Bruder des 190er, die Mercedes-Baureihe W124, ein Jahr später vorgestellt und 1995 in „E-Klasse“ umbenannt, steht in der Hochrechnung aller Hauptuntersuchungen ebenfalls gut da: Mit 18,2 Prozent erheblicher Mängel hat also noch weniger als ein Fünftel aller Prüfungskandidaten die Plakette nicht erhalten.

Wobei – das muss ehrlicherweise gesagt sein – die gesamte Klasse im Schnitt an junge Gebrauchtwagen mit hohem Qualitätsniveau nicht heranreicht. Zum Vergleich: Der Golf VI, gebaut ab 2008, erreicht mit Kilometerständen zwischen 50- und 100.000 eine Mängelquote von nur 5,1 Prozent. Aber der kostet auch erheblich mehr als ein Volumen-Klassiker.

Es gibt für kaufwillige Enthusiasten nur ein Problem: Auch der extrem haltbare 190er, einst mehr als als 1,8 Millionen mal gebaut, verschwindet mehr und mehr von unseren Straßen. Zur Jahreswende zählte das Kraftfahrtbundesamt noch exakt 63.299 Stück – wie viele davon weniger als 100.000 Kilometer auf dem Tacho haben, weiß keiner. Fest steht nur: Es dürften nicht mehr allzu viele sein.

Mehr Volumen-Klassiker in der Bildergalerie

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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