mobile.de Ratgeber Autokauf

Gebrauchtwagenkauf: Probefahrt

Testen Sie auf Herz und Nieren

Bei der Probefahrt zeigt sich, ob das Auto wirklich hält, was Ihnen versprochen wurde. mobile.de hilft Ihnen, Mängel und Macken aufzuspüren.

Die Probefahrt ist keine Formsache. Es ist der wichtigste Teil der Besichtigung – denn hier zeigt sich, ob das Fahrzeug wirklich hält, was das Inserat versprochen hat. Natürlich können Sie nicht alle Mängel bei einer Probefahrt feststellen – aber wenn es bereits hier hakt, wissen Sie, dass Sie besser weitersuchen sollten.

Wenn die Besichtigung des stehenden Autos ohne böse Überraschungen verlief, können Sie also noch nicht aufatmen: Der 2. Akt ist erheblich wichtiger und Ihre größte Chance, einem gravierenden Mangel auf die Schliche zu kommen. Weil das nicht einfach ist, empfiehlt sich unterwegs ein Boxenstopp bei einer Sachverständigen-Organisation (Dekra, TÜV, KÜS, GTÜ, ADAC). Eine solch zeitaufwändige Aktion müssen Sie natürlich mit dem Verkäufer abstimmen. Aber gerade bei höherpreisigen Fahrzeugen lohnt sich diese Ausgabe – denn im Schadensfall entstehen Ihnen hohe Kosten.

Für die Probefahrt selbst hat mobile.de eine praktische Checkliste zum Download und Ausdrucken erarbeitet. Haken Sie darin einfach Punkt für Punkt ab.

Am besten unter der Woche

In Prüfzentrum oder einer guten Werkstatt wird das Auto von Experten auf Herz und Nieren überprüft. Die Gebühr dafür liegt meistens bei etwa 100 Euro und ist eine sehr sinnvolle Investition. Wenn Sie durch die Prüfung erkennen, dass der Wagen nichts taugt? Dann ist zwar Ihr Einsatz weg, aber Sie haben eine Menge dazugelernt – und sind wahrscheinlich vor erheblich größeren Ausgaben verschont geblieben. Also: Finden Sie noch vor dem Besichtigungs-Termin heraus, wo das nächste Prüfzentrum ist, und teilen Sie dem Verkäufer Ihr Vorhaben mit. Er sollte nichts dagegen haben. Achtung: Am Wochenende und nach Feierabend haben Werkstätten und Prüfzentren in der Regel geschlossen. Opfern Sie also lieber einen Urlaubstag und schauen sich den Gebrauchten unter der Woche an.

Testen Sie mehrere Modelle

"Nehmen Sie nicht den Erstbesten", rät Carsten Bräuer von Dekra. Der Experte empfiehlt Gebrauchtwagenkäufern, grundsätzlich mehrere Autos eines bevorzugten Modells auszuprobieren, bevor sie sich entscheiden. Das ist insbesondere wichtig, wenn Ihnen dieses Modell noch unbekannt ist. "Sie wissen ja anfangs nicht, wie der Motor klingen muss, wie das Lenk- und Beschleunigungsverhalten ist, wie der Wagen am Gas hängt ...", sagt Carsten Bräuer. Wer die richtige Wahl treffen will, muss vergleichen. In der Konsequenz bedeutet das: Auch wenn der Kauf noch so verlockend ist, sagen Sie dem Anbieter ein freundliches: "Danke, ich melde mich dann bei Ihnen", und gehen Sie. Will der sie dann unter Druck setzen, ist das nur ein Grund mehr zur Vorsicht. Noch einmal: Der Gebrauchtwagenmarkt von mobile.de ist voll von guten und günstigen Fahrzeugen; Sie müssen nicht sofort zuschlagen. Der Motor ist das Herz des Fahrzeugs – wenn hier etwas nicht stimmt, sind die Folgen unabsehbar. Im schlimmsten Fall muss ein Austauschmotor für mehrere tausend Euro her. Zugleich ist der Motor das heikelste Stück des Autos, weil niemand hineinschauen kann, nicht einmal die Experten im Prüfzentrum. Suchen Sie hier also schon vor dem Losfahren besonders aufmerksam nach Undichtigkeiten und Verschleiß. Bei älteren Motoren kann eine Kompressionsprüfung (in einem Prüfzentrum) helfen. Nachteil von neueren Motoren: Sie sind so "eingepackt", dass von oben kaum noch etwas von Zylinderkopf und Motorblock zu sehen ist. Gerade hier ist es wichtig, dass Sie – und besser noch ein Experte – von unten einen prüfenden Blick auf Ölwanne, Antriebswellen und Spurstangen, Getriebedichtungen, Auspuff sowie den gesamten Unterboden werfen.

Motor immer kalt starten

Tipp für den ersten Motor-Check: Schauen Sie gleich nach dem Eintreffen unter die Haube. Ist die Maschine bereits warmgelaufen, könnte ein Manipulationsversuch vorliegen. Das heißt: Möglicherweise startet der Motor in kaltem Zustand schlecht, die Ursachen können vielfältig und komplex sein. Eine aufwändige und für Sie sehr teure Überholung ist unter Umständen die Folge. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, müssten Sie jetzt abwarten, bis die Maschine wieder abgekühlt ist – das kann aber je nach Jahreszeit bis zu drei Stunden dauern. Bestehen Sie also schon bei der Terminvereinbarung am Telefon darauf, dass der Gebrauchtwagen mit kaltem Motor auf Sie wartet und machen Sie dem Verkäufer freundlich, aber unmissverständlich klar, dass Sie ansonsten vom Kauf unbedingt Abstand nehmen werden. Tipp: Ganz gewiefte Käufer planen ihre Anreise so, dass sie 30 Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt eintreffen. Finden Sie dann das Auto mit laufendem Motor auf dem Hof vor, können Sie auf dem Absatz gleich wieder umkehren – denn dann ist ein Manipulationsversuch sehr wahrscheinlich. Ein stark verschmutzter Motor ist nicht schön, aber ehrlich. Wurde die Maschine hingegen vor dem Besichtigungstermin gewaschen und glänzt jetzt wie am ersten Tag, kann es sich um Manipulation handeln, um Öllecks o. Ä. zu verschleiern. Besonders argwöhnisch sollten Sie sein, wenn das Auto ansonsten einen überwiegend ungepflegten Eindruck macht. Natürlich könnte aber auch besondere Sorgfalt des Verkäufers vorliegen, der den Wagen im sauberen Zustand präsentieren möchte. Einerseits kann die Motorwäsche ein Vorteil sein, denn nach einer ausgiebigen Probefahrt sind Öl- und Wasserflecken auf einem sauberen Motor viel leichter zu entdecken. Auch Rost sowie Verschleiß an Kabeln, Schläuchen und Plastikteilen im Motorraum sind leichter erkennbar, wenn zuvor alle Dreckkrusten entfernt wurden. Andererseits können undichte Stellen so winzig sein, dass austretendes Öl oder Wasser erst nach 500 Kilometern sichtbare Spuren hinterlässt. Den besten Eindruck macht ein nur geringfügig verschmutzter Motor – denn dann ist davon auszugehen, dass der Vorbesitzer das Auto regelmäßig gründlich gereinigt hat (was wiederum auf den grundsätzlichen Pflegezustand des Fahrzeugs schließen lässt).

Die Probefahrt beginnt im Stand

Jetzt geht es los: Der Motor ist noch aus, Sie setzen sich hinters Steuer, der Verkäufer nimmt auf dem Beifahrersitz Platz. Starten Sie noch nicht; machen Sie sich erst mit allem vertraut. Die Probefahrt beginnt bereits im Stehen. Der Verkäufer erklärt Ihnen, wo Feststellbremse, Sitzverstellung, Licht und Hupe bedient werden. Ziehen Sie an allen Knöpfen, probieren Sie alles aus. Nichts ist stressiger, als während der Fahrt eine wichtige Funktion suchen zu müssen, nur weil Sie das Auto nicht kennen. Wenn Sie nun am Zündschlüssel drehen, springt der Motor hoffentlich sofort an. Spätestens zwei Sekunden danach müssen alle Kontrollleuchten auf der Instrumententafel ausgegangen sein. Tun sie das nicht, liegt mindestens ein Defekt am Schalter vor. Es kann aber auch weit teurer sein. Nun kommt der Funktionstest für die elektrische Ausstattung: Führen Sie alles aus, was möglich ist; von den elektrischen Fensterhebern (sofern vorhanden) über Schiebedach, Lichthupe, Radio etc. Schalten Sie das Radio aber anschließend unbedingt wieder aus! Es lenkt bei der Probefahrt unnötig ab und überdeckt verdächtige Geräusche, die auf Mängel hinweisen. Der erste Test gilt der Kupplung: Ziehen Sie die Feststellbremse bis zum äußersten Punkt an, schalten Sie in den 2. oder 3. Gang. Lassen Sie nun bei einem Auto mit Schaltgetriebe die Kupplung langsam kommen, wird der Motor abgewürgt. Läuft er dagegen weiter, rutscht die Kupplung durch, ist der Kraft des Motors also nicht mehr gewachsen und muss vermutlich bald und teuer erneuert werden. Bei einem Wagen mit Automatikgetriebe nehmen Sie nach dem Anziehen der Feststellbremse den Fuß vom Bremspedal und geben vorsichtig Gas – der Effekt muss der Gleiche sein, der Motor stirbt ab. Dieses Experiment zeigt den Zustand der Motorlagerung: Poltert der Motor vor dem Abwürgen fühlbar, "fällt" er aus dem Lager. Die Erneuerung verschlissener Motorlager kann ebenfalls sehr teuer werden.

Nehmen Sie sich Zeit

Jetzt können Sie (endlich) losfahren. Doch eine gründliche Probefahrt dauert nicht bloß ein paar Minuten: Sie müssen das Auto in möglichst allen Situationen erleben. Während der Fahrt sollten Sie folgendes nacheinander abprüfen:

  • Nach dem Warmfahren des Motors suchen Sie eine Strecke, auf der es schnurgeradeaus geht. Lassen Sie nun das Lenkrad los, muss der Wagen unbeirrt weiter fahren. "Zieht" er nach recht oder links, kann die Spur falsch eingestellt sein, es kann aber auch ein gravierender Unfallschaden vorliegen.
  • Testen Sie vorsichtig die Wirkung der Bremsen: Sie müssen auf gerade Strecke gleichmäßig verzögern. "Zieht" das Auto beim Bremsen nach rechts oder links, müssen die Bremsen eingestellt werden. Ein Routine-Eingriff in der Werkstatt, der aber mindestens seine 100 Euro kostet.
  • Schalten Sie nun alle Gänge durch; vom 5. in den 3. oder vom 1. direkt in den 4. Alle Kombinationen müssen sauber und ohne großes Gezerre funktionieren. Achten Sie vor allem darauf, dass jeder Schaltvorgang hinsichtlich der Haptik dem anderen ähnelt. Schaltet sich ein Gang auffällig schlechter, kann ein Synchronring schadhaft sein.
  • Nehmen Sie nun auf einer wenig befahrenen Landstraße einige schnelle Lastwechsel (Wechsel zwischen starkem Beschleunigen und niedrigtouriger Fahrt) vor und beobachten Sie durch den Rückspiegel. Quellen beim Gaswegnehmen oder kontinuierlich bei Vollgasfahrt auffällige schwarze Rauchwolken aus dem Auspuff, verbrennt der Motor übermäßig Öl – dann sind möglicherweise Kolbenringe oder Kurbelwellendichtringe verschlissen.
  • Nun folgt eine Etappe mit hohem Tempo oder Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn. Dabei beobachten Sie die Temperaturanzeige des Kühlwassers. Sie darf etwas ansteigen (natürlich NICHT in den roten Bereich), muss aber bei langsamerer Fahrt schnell wieder absinken. Ansonsten könnte der Thermostat (Temperaturregler) defekt sein.
  • Unmittelbar nach der Schnellfahrt halten Sie am Fahrbahnrand, schalten in den Leerlauf ("Neutral" bei Automatikwagen) und beobachten die Öldruckkontrollanzeige (sofern vorhanden). Fällt der Öldruck drastisch ab, ist der Motor bereits stark verschlissen – das ist zwar kein akutes Warnsignal, erlaubt aber einen Rückschluss auf seine voraussichtliche Lebensdauer.
  • Testen Sie nun das Anti-Blockier-System (ABS) am besten auf einem geraden, ebenen Feld- oder Waldweg. Hier machen Sie bei niedrigem Tempo (30-40 km/h) eine Vollbremsung. Blockieren die Räder (leicht durch eine Schleifspur erkennbar), hat das ABS einen Defekt. Bedenken Sie: Ein nicht funktionierendes ABS wird bei der Hauptuntersuchung moniert, die Reparatur kann sehr teuer werden.
  • Fahren Sie schließlich bei langsamer Fahrt (zum Beispiel auf einem unbefahrenen Großparkplatz oder Verkehrsübungsplatz) einige enge Kurven am Lenkanschlag. Horchen Sie dabei auf das Lenkgetriebe: Sind knackende oder mahlende Geräusche zu hören? Hat die Lenkung Spiel? Bei einem Gebrauchtwagen darf das nicht sein, sonst muss das Lenkgetriebe eingestellt und eventuell erneuert werden.


Zuviel der Mühe? Keineswegs, sagt der Experte: "50 Prozent der Verkäufer wissen, dass demnächst größere Reparaturen anfallen", sagt Carsten Bräuer von der Dekra. Das bedeutet nicht, dass Sie niemandem mehr über den Weg trauen sollten – aber Vorsicht ist stets angebracht.