mobile.de Ratgeber Autokauf

Gebrauchtwagenkauf: Besichtigung

Prüfen Sie Punkt für Punkt

Im Auto, unter dem Auto und um das Auto herum: Wenn Sie neuen Gebrauchtwagen besichtigen, gibt es viel zu beachten. Damit Sie keinen wichtigen Punkt vergessen, hat mobile.de einen ausführlichen Artikel und eine Checkliste für Käufer vorbereitet.


Ein potenzielles Wunschauto hat Ihr Interesse geweckt? Dann geht es jetzt in Runde zwo: Bei der Besichtigung muss der Wagen zeigen, dass er hält, was er verspricht.

Für die Prüfung der wichtigsten Punkte hat mobile.de eine Checkliste vorbereitet. Drucken Sie die Liste aus, und haken Sie diese bei jeder Besichtigung Punkt für Punkt ab. Und beschummeln Sie sich nicht selbst, so gut Ihnen das Auto auch gefallen mag. Denn übersehene oder ignorierte Mängel können kostspielig sein. Auch wenn dann Vorbereitung, Anfahrt und vielleicht sogar ein Urlaubstag für die Katz sind – besser so, als nachher durch teure Reparaturen draufzahlen.

Zur Checkliste

 

Vor der Besichtigung

Entsprechen Wagen und Preis(rahmen) laut Inserat Ihren Vorstellungen, können Sie zum Telefon greifen und einen Besichtigungstermin ausmachen. Doch schon vor diesem Termin können Sie einiges richtig machen:

  • Termin: Vereinbaren Sie einen Termin bei Tageslicht, um alle Details gut erkennen zu können. Nehmen Sie zusätzlich eine Taschenlampe mit, um den Unterboden zu inspizieren.
  • Details: Klären Sie alle Details, die im Inserat nicht genau beschrieben wurden und die Ihnen wichtig sind (z. B. Unfallwagen, Rost o. ä.), bevor Sie Ihre Zeit verschwenden.
  • Dauer: Planen Sie großzügig genug, um Zeit für Besichtigung und Probefahrt zu haben, und teilen Sie dies dem Verkäufer mit. Vermeiden Sie zu viele Besichtigungstermine an einem Tag.
  • Unterlagen: Weisen Sie den Verkäufer darauf hin, dass Sie alle relevanten Unterlagen sehen möchten: Fahrzeugschein und -brief, Prüfprotokoll der letzten HU, Inspektions-Scheckheft sowie ggf. Belege über Reparaturen und Wartungsarbeiten.
  • Kaltstart: Sagen Sie dem Verkäufer, dass der Wagen nicht warm gefahren sein soll. Denn nur bei einem Kaltstart können Sie den Motor im kalten Zustand beurteilen.
  • Gutachten: Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, z. B. bei höherpreisigen Fahrzeugen empfiehlt, können Sie ein Gutachten oder einen Zustandsbericht anfertigen lassen. Holen Sie in diesem Fall die Zustimmung des Verkäufers ein.
  • Unterstützung: Vier Augen sehen mehr als zwei! Fragen Sie rechtzeitig einen technisch versierten Bekannten, ob er Ihnen assistiert.
  • Teststrecke: Nutzen Sie Karte oder Stadtplan, um eine geeignete Teststrecke zu finden, die auch schnellere Fahrten ermöglicht.
  • Inserats-Ausdruck: Drucken Sie sich das Inserat aus, damit es keine Missverständnisse über Detailangaben gibt.


Wenn bis hierher alles zu Ihrer Zufriedenheit ist, kann es losgehen. Idealerweise haben Sie drei Quellen, die weitgehend übereinstimmen müssen – tun sie es nicht, besteht der Verdacht, dass etwas nicht in Ordnung ist.

  1. Die Papiere (Zulassung, Serviceheft usw.) sollten die Vita des Autos weitgehend widerspiegeln. Vorsicht beim Serviceheft: Erfolgten alle Eintragungen in ein- und derselben Handschrift und mit dem gleichen Stift, ist eine nachträgliche "Rekonstruktion" wahrscheinlich.
  2. Auch im Motorraum gibt es meist schriftliche Zeugnisse: So wird der Kilometerstand beim letzten Ölwechsel von guten Werkstätten durch einen Prüfzettel dokumentiert. Gibt es dagegen keinerlei Dokumente, steigt das Risiko erheblich.
  3. Das Auto spricht für sich: Alter, Abnutzungsgrad und Pflegezustand lassen sich an vielen Stellen gut ablesen und zur dokumentierten Vita ins Verhältnis setzen. Nachträglich eingebaute Teile sind oft daran zu erkennen, dass sie sauberer sind. Eine deutliche Sprache spricht zum Beispiel der Abnutzungsgrad der Pedalgummis, der Sitze und der Gurte.

 

Rund um das Auto

  • Auspuff: Der Auspuff muss fest sitzen und darf bei Betrieb nicht zu laut sein. Test: Drücken Sie bei laufendem Motor einen Lappen vor den Auspuff. Finden die Abgase an anderer Stelle den Weg ins Freie, ist der Auspuff undicht.
  • Beleuchtung: Die Reflektoren der Scheinwerfer und Blinker dürfen weder angerostet noch angelaufen sein. Auch von innen beschlagene Scheinwerfer sind nicht erlaubt.
  • Bremsen: Wenn die Bremsscheiben zu sehen sind, kontrollieren Sie sie auf Riefen oder Rost. Werden Felgen während der Probefahrt heiß, kann das an einer schwergängigen Bremsmechanik liegen.
  • Dichtungen: Die Gummidichtungen an Scheiben und Türen dürfen nicht porös oder rissig sein.
  • Felgen: Breitere Felgen müssen in Brief und Schein eingetragen sein. Beschädigungen können auf Folgeschäden an der Radaufhängung oder der Lenkung hinweisen. Hochwertige, teure Felgen sollten Sie mit in den Vertrag aufnehmen.
  • Rost: Untersuchen Sie das Auto auf Roststellen. Hinweise auf übermalte Problemzonen können Farbunterschiede (achten Sie daher auf gutes Licht) oder Lackreste auf Fenstergummis oder Zierleisten sein.
  • Reifen I: Achten Sie auf Risse im Gummi oder abgefahrenes Profil. Bei zu geringer Profiltiefe steht Ihnen eine baldige Neuanschaffung bevor. Versuchen Sie, diese Tatsachen beim Kaufpreis anzurechnen.
  • Reifen II: Ungleichmäßig abgefahrene Reifen deuten darauf hin, dass sie fehlerhaft ausgewuchtet sind oder die Spur verzogen ist.
  • Türen: Ungleichmäßige, zu enge oder zu große Fugen zwischen Türen/Hauben und Karosserie weisen auf einen Unfall hin. Alle Türen sollten gut schließen.
  • Unterboden: Achten Sie auf Roststellen. Ein neuer Unterbodenschutz könnte zahlreiche Roststellen verbergen; hier sollten Sie sehr kritisch sein.
  • Windschutzscheibe: Ein Sprung in der Scheibe ist nicht erlaubt. Eine verkratzte Scheibe wird zwar tagsüber (wenn Sie den Wagen besichtigen) wenig stören, verursacht nachts aber ein irritierendes Streulicht.


Der Innenraum

  • Ausstattung I: Prüfen Sie, ob Bedienungshandbuch, Reserverad, Wagenheber, Radschraubenschlüssel sowie Verbandskasten vorhanden sind.
  • Ausstattung II: Wenn zum Fahrzeug teure Ausstattungsgegenstände (Reifen/Felgen, Navi, hochwertiges Radio, Boxen o.ä.) gehören, nehmen Sie diese mit in den Vertrag auf; vor allem dann, wenn die Übergabe nicht sofort erfolgt, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.
  • Elektrik: Überprüfen Sie die Funktion von allen Beleuchtungseinrichtungen, Scheibenwischern, Heizung/Klimaanlage, Hupe, Radio, elektrischen Fensterhebern/Spiegeln.
  • Feuchtigkeit: Wenn es unter Fußmatten/Bodenteppichen oder im Kofferraum feucht ist, kann das auf ein Loch in der Karosserie hindeuten.
  • Sicherheitsgurte: Sie dürfen keine Scheuer- oder Schnittstellen aufweisen und nicht ausgefranst sein. Der Gurt-Automat sollte problemlos aufrollen.
  • Sitze: Die Sitze dürfen nicht locker oder wackelig sein und sollten sich problemlos verstellen lassen. Ein durchgesessener Fahrersitz deutet auf ein vielbenutztes Auto hin (Schonbezüge abnehmen). Testen Sie auch Beifahrersitz und Rücksitz, da Sie den Wagen nicht immer alleine nutzen werden.
  • Tacho: Elektronische Tachos können mit geeignetem Gerät manipuliert werden. Wenn Sie Zweifel an der angegebenen Kilometerleistung haben und/oder es um einen hohen Kaufpreis geht, sollten Sie den Wagen in einer Fachwerkstatt daraufhin überprüfen lassen. Ein Indiz für eine hohe Laufleistung können abgenutzte Pedalgummis sein.


Der Motorraum

  • Batterie: Die Pole dürfen nicht angerostet sein.
  • Kühler: Wenn bei laufendem Motor das Kühlwasser sprudelt, ist die Zylinderkopfdichtung defekt. Die Kühlflüssigkeit darf nicht ölig oder rostig sein.
  • Motor, Getriebe: Achten Sie bei Bremsanlage, Stoßdämpfer, Ölwanne und Getriebe darauf, dass weder Öl noch Bremsflüssigkeit austreten (allerdings ist ein leicht verölter Motor bei älteren Autos noch kein Zeichen für einen Motorschaden). An Schläuchen bzw. Schlauchanschlüssen darf keine Flüssigkeit austreten. Prüfen Sie diese Punkte noch mal nach der Probefahrt (Vorsicht, Verbrennungsgefahr).
  • Motoröl: Öffnen Sie den Einfülldeckel für das Motoröl – wenn sich unter dem Deckel weißer Schleim befindet, deutet dies auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hin.
  • Motorraum: Ein makelloser Motorraum deutet auf eine kürzliche Motorwäsche hin – undichte Stellen sind so nicht mehr zu erkennen. Seien Sie in diesem Fall kritisch.
  • Ölstand: Kontrollieren Sie den Ölstand und fragen Sie nach dem Zeitpunkt des letzten Ölwechsels. Überprüfen Sie, ob sich der Kilometer-Stand auf dem Ölwechsel-Anhänger mit dem Tachostand in Einklang bringen lässt.
  • Zahnriemen: Fragen Sie unbedingt, ob bzw. wann der Zahnriemen zuletzt erneuert wurde, da das Reißen des Riemens während der Fahrt einen Motorschaden zur Folge haben kann. 


Nutzen Sie die mobile.de Checkliste für die Besichtigung, damit Sie nichts vergessen. Stellen Sie zudem klare Fragen nach dem Zustand und protokollieren Sie die Aussagen des Verkäufers – am besten schon während der Besichtigung. Denn spätestens nach der dritten Besichtigung wird's unübersichtlich.
Und: Lassen Sie sich beim Kauf auf keinen Fall unter Druck setzen – ein Verkäufer, der um die Qualität seines Autos weiß, hat dies nicht nötig.