Gebrauchtwagen Kaufberatung VW T5 (2003-2015)

VW T5: Bus fahren kann teuer sein

Der VW T5 ist als Gebrauchter beliebt. Entsprechend hoch sind die Preise, doch das Angebot an wirklich guten Exemplaren ist rar. Alle Details zum Transporter.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 08/02/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
Der VW T5 musste schon öfters zum Facelift. Von Schrauben bis hin zum Motor musste alles schonmal erneuert werden
Quelle: Volkswagen Der VW T5 musste schon öfters zurück in die Werkstatt. Von Schrauben bis hin zum Motor wurde alles schon Mal erneuert

Sechs Generationen in 68 Jahren - der VW Bus ist eine der ältesten Baureihen auf dem Automarkt. Und immer noch extrem beliebt. Kein Wunder, die praktischen Qualitäten sind offensichtlich: Der Bulli bietet bei gerade noch überschaubarer Länge mehr Platz als jedes SUV oder jeder Kombi. Klar, das gilt auch für die Konkurrenz. Mercedes V-Klasse bzw. Vito oder Viano, Ford Transit, Opel Vivaro, Renault Trafic oder Peugeot Traveller - sie alle kommen in der Zulassungsstatistik nicht gegen den VW-Bus an. Das Angebot an gebrauchten Bullis ist entsprechend groß.

Der T5 wurde ab 2003 verkauft, 2015 gab es ein sehr großes Facelift, seither heißt der Bulli T6. Wir kümmern uns in dieser Kaufberatung um den zwischen 2003 und 2015 gebauten Vorgänger. Der kann völlig unproblematisch sein oder ganz schwierig. Die Basis jedenfalls gilt als solide, die meisten Motoren sind langlebig. Doch schlechte und seltene Wartung macht sich bei gebrauchten Bullis deutlich bemerkbar. Der Bus ist eben ein Nutzfahrzeug, entsprechend wurde er oftmals genutzt. Teuer ist er trotzdem.

Historie, Modellwechsel, Rückrufe

Mit dem T5 rückte Volkswagen den Bus ein gutes Stück Richtung Pkw. Anders als beim Vorgänger T4 werden die Seitenteile aus einem Stück gepresst, das Armaturenbrett wurde etwas hübscher, die Dämmung deutlich besser und das Fahrverhalten insgesamt agiler. Der Motor sitzt weiterhin quer auf der Vorderachse, serienmäßig treibt er die Vorderräder an, Allrad und Automatik gab es optional.

Bis zum ersten Facelift im Jahr 2009 gab es einige Rückrufe. Mal mussten neue Schrauben am Lenkgetriebe her und ein neues Steuergerät für den Kühlerlüfter (Februar bis Dezember 2003). Bei einigen Dieseln (Zweiventiler nach Pumpe-Düse-Prinzip) besserte VW einen Schraubenbruch an der Dieselpumpe aus (März bis August 2004).

In den Modelljahren 2004 und 2005 machte die Handbremse Ärger, zwischen 2004 und 2007 die Bowdenzüge in den Sitzlehnen. Zwischen März und April gebaute  Fünfzylinder-Dieselmotoren hatten einen undichten Stopfen in der Kraftstoffleitung. Bei Erdgasfahrzeugen zwischen November und Dezember 2005 rosteten die Tanks. Der Campervan California litt von Mai 2004 bis Mai 2005 unter einer undichten Verschraubung der Gasanlage.

Ab dem Facelift gab es weniger Probleme. Bei Modellen, die im November 2009 gebaut wurden konnte sich eine Schraube am Motorhaubenschloss lösen. Die Modelljahre 2014 und 2015 fielen gelegentlich wegen undichter Erdgasbehälter auf. 2,0-Liter-Common-Rail-TDI-Motoren, die zwischen Oktober 2008 und November 2011 eingebaut wurden, mit Rissen in der Kraftstoffhochdruckleitung. Alle diese Rückrufaktionen sollten durchgeführt und dokumentiert worden sein.

Äußerlich änderten sich zum Facelift im September 2009 die Scheinwerfer, der Kühlergrill und die Außenspiegel. Viele Kinderkrankheiten wurden beseitigt, der Bulli wurde zuverlässiger. Dieselmotoren mit Common-Rail-Einspritzung sorgten für mehr Laufruhe und weniger Verbrauch.

Aus dem Programm flogen der Fünfzylinder-Diesel und der VR6-Benziner mit 235 PS. Die Diesel leisteten 84 PS bis zu 180 PS. Ein Dieselrußpartikelfilter (DPF) ist jetzt serienmäßig,  womit die Autos mindestens die Euro-4-Abgasnorm erfüllen.

Benziner fanden sich drei im Programm. Sie leisten 115, 150 oder 204 PS, für die starken Motoren gab es ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe optional.

Karosserie und Varianten

Den T5 gab es in verschiedenen Varianten und mit unterschiedlichen Radständen. Je nachdem misst er zwischen 4,89 und 5,30 Meter. Der Radstand liegt zwischen 3,0 und 3,40 Metern, die Höhe zwischen 1,93 und 2,47 Metern. Es gibt den Bulli mit Schiebe- und Ausstelldächern, mit einer oder zwei seitlichen Schiebetüren, mit Heckklappe oder Flügeltüren. Im Innenraum finden je nach Konfiguration zwischen zwei und neun Personen Platz. In den Preislisten standen (drehbare) Einzelsitze oder Rücksitzbänke.

Alle haben gemeinsam, dass sie mit Rost zu kämpfen haben. Radläufe, Motorhaube und Windschutzscheibenrahmen sind oft betroffen, die Heckklappe ebenfalls. Manche Besitzer klagen auch über Rost in den Regenrinnen oder an den Türgriffen der beiden Schiebetüren. Wenn die elektrisch funktionieren, gibt es ebenfalls häufiger Probleme. Schiebefenster können undicht sein und Türschlösser defekt. Die Heckklappen-Dämpfer werden im Laufe der Jahre müde. An Schwellern und unter den Schiebetüren gibt es oft Lackplatzer. Insgesamt gilt bei der T5-Besichtigung: viel Zeit einplanen.

Motor und Getriebe

Der Großteil der Bullis fährt mit Diesel. Bis September 2009 setzte VW 1,9-Liter-TDI und einen 2,5-Liter-Fünfzylinder mit Pumpe-Düse-Einspritzung ein. Sie laufen rau, halten bei guter Wartung jedoch lange. Löst sich beim Fünfzylinder jedoch die Beschichtung in den Zylindern, wird es teuer. Gelangt über die Einspritzanlage Diesel ins Öl wird es ebenfalls kostspielig. Manche halten den 2.5 TDI, der zwischen 2003 und 2006 ins Auto kam, wegen der Ölprobleme für problematisch. Zwischen 2006 und 2009 findet man die besten Motoren. Danach macht der 2,0-Liter-TDI mit Biturbo Probleme.

Der 1.9 TDI mit 84, 86, 102 oder 105 PS bereitet kaum Probleme. Doch in der Peripherie droht Ärger: Turbolader, Antriebswellen, Anlasser, Kupplung, Auspuff, Zweimassenschwungrad und Dieselpartikelfilter können Probleme machen. Zahnriemen und Wasserpumpe sollten regelmäßig gewechselt werden. Ab einer Laufleistung von etwa 80.000 Kilometern wird es kritisch. Ein weiteres Problem des 1.9 TDI: Er hat nur die gelbe Feinstaubplakette, mit der er nicht in die meisten Städte darf.

Ein weiterer Schwachpunkt am T5 sind die Getriebe. Wegen des hohen Fahrzeuggewicht sund der hohen Zuladung verschleißen schnell die Antriebswellen, Kupplungsscheiben, Zahnräder und Synchronringe. Das gilt für die Fünf- genauso wie für die Sechsgangschalter. Die Automatikgetriebe kommen ebenfalls selten auf eine hohe Laufleistungen.

Die meisten 2,0-TDI-Motoren, die VW ab September 2009 verbaute laufen problemlos. Sie fahren mit Common-Rail-Einspritzung, Partikelfilter und Euro-5-Norm, die Leistung liegt bei 84 PS, 102 PS, 114 PS, 140 PS und 180 PS. Der BiTurbo mit 180 PS verbrennt allerdings gern Öl. Manche Besitzer berichten von bis zu 1,9 Liter auf 1.000 Kilometer.

Die Pkw-Basisversion VW Caravelle ist sparsamer ausgestattet
Quelle: Volkswagen Die Pkw-Basisversion VW Caravelle ist sparsamer ausgestattet

Fahrwerk

Wegen des hohen Gewichts von mindestens 2,2 Tonnen und einem maximal zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen gibt es beim Bulli oft Probleme am Fahrwerk. So können beim T5 Federn brechen. Traggelenke, Buchsen und Lager schlagen schnell aus, Dämpfer verschleißen regelmäßig.

Das spiegelt sich im Dekra-Report wider. Hier schneidet der T5 unterdurchschnittlich ab. Oft werden Karosserie, Rahmen, Fahrgastraum und Elektrik, Elektronik und Licht bemängelt. Fahrzeuge mit mehr als 100.000 Kilometern auf dem Tacho verdienen Aufmerksamkeit an Bremsen und Bremsschläuchen. Wer einen T5 besichtigt, sollte ihn auf eine Hebebühne fahren. Nur so lässt sich zuverlässig Rost am Rahmen feststellen und der Zustand des Unterbodens beurteilen.

Fahrzeuge mit Anhängerkupplung verdienen besondere Aufmerksamkeit, denn ein schwerer Anhänger bedeutet erhöhten Stress für Technik und Karosserie.

Ausstattung und Sicherheit

VW bot den T5 in insgesamt drei Pkw-Varianten an, als Caravelle, Multivan und als California (Wohnmobil). Die Caravelle fährt in der Basis (Trendline) mit unlackierten Stoßfängern und Außenspiegeln, am Heck gibt es Flügeltüren. Im Inneren dominiert robustes Hartplastik. Weitere Ausstattungslinien wie Startline, Comfortline und Highline bringen gegebenenfalls etwas mehr Luxus in den Innenraum. Viele Sondermodelle (Twenty, Cruise, Atlantis, Biker etc.) machen das Angebot etwas unübersichtlich. Insgesamt gibt es rund 20 Modelle. Bei Familien sind vor allem Multivans beliebt, sie bieten viele praktische Details für den Alltag. Die Sitzverstellung ist allerdings nervig.

Zahlreiche Extras standen über die Jahre in der Preisliste. ESP, Seiten- und Vorhangairbags oder elektrische Fensterheber mussten je nach Modell extra bezahlt werden. Nicht jeder T5 fuhr zudem mit Klimaanlage oder Radio vom Hof.

Käufer sollten darauf achten, dass zumindest die besser leuchtenden Xenonscheinwerfer und eine Klimaanlage verbaut sind. Modelle mit vielen Sitzplätzen sollten einen zweiten Verdampfer für hinten haben. Verstellbare Sitze sind empfehlenswert, genau wie ein Regensensor. Ein Navi braucht der T5 sicher nicht an Bord zu haben, es ist mittlerweile ohnehin veraltet. Die ab Werk verbauten Radios stellt jedes Gerät aus dem Elektronikmarkt in den Schatten.

Die erste Priorität sollte dem Motor gelten, dann ist die Frage nach der Zahl der Sitzplätze relevant, dazu die nach Heckklappe oder Flügeltüren. Wer sich nicht zu sehr auf eine bestimmte Ausstattung fixiert, findet ein breiteres Angebot.

Der T5 mit Türen am Heck. Alternativ gibt es ihn auch mit Heckklappe
Quelle: Volkswagen Der T5 mit Türen am Heck. Alternativ gibt es ihn auch mit Heckklappe

Marktsituation und Preise

Auf mobile.de werden derzeit mehr als 6.000 T5 angeboten (Stand: 06/2019). Bei rund zwei Drittel davon ist laut den Anbietern das Scheckheft ausgefüllt. Wer nach Modellen mit mindestens 12 Monaten gültiger HU sucht, kann aus etwa 2.000 Angeboten wählen, weniger als 150.000 Kilometer Laufleistung haben immer noch gut 1.600 Autos.

Für weniger als 10.000 Euro gibt es ausschließlich die Nutzfahrzeugvariante Transporter, gegebenenfalls als Kombi mit neun Sitzplätzen. Caravelle und Multivan findet man ab etwa 14.000 Euro mit höchstens 150.000 Kilometern, 12 Monate gültiger HU und ausgefülltem Scheckheft. Ab 20.000 Euro wird das Angebot gut, Ausstattung und Laufleistung stimmen dann häufig.

Käufer sollten in jedem Fall darauf achten, dass viele der älteren TDI-Motoren nicht mehr in Innenstädte dürfen. Zwar lassen sich die Motoren mit Partikelfilter oft umrüsten, das kostet jedoch und sollte bei den Preisverhandlungen berücksichtigt werden. Eine bessere Abgasnorm als Euro 5 lässt sich in keinem Fall erreichen. Erst der T6 schafft Euro 6 mit der neue Motorengeneration „EA288“ ab Mitte 2015. Die Fahrzeuge kosten jedoch deutlich mehr.

Fazit zum VW T5 und Empfehlung

Auf den ersten Blick sieht das T5-Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt riesig aus. Wer genauer hinsieht und präzise Vorstellungen hat, sieht es jedoch zügig schrumpfen. Uns gefällt der Multivan nach dem Facelift (ab 2009) mit 140-PS-TDI und manuellem Getriebe. Davon gibt es auf mobile.de aktuell (06/2019) nur knapp 140 Exemplare ab etwa 20.000 Euro. Viel Geld fürs Bus fahren.



VW T5 Gebrauchtwagentest (2003 - 2015)

  • Auf Xenonscheinwerfer und Klimaanlage sollte geachtet werden beim Kauf des Gebrauchtwagens
    Quelle: Volkswagen Auf Xenonscheinwerfer und Klimaanlage sollte geachtet werden beim Kauf des Gebrauchtwagens
  • Quelle: Volkswagen Der T5 misst je nach Modell zwischen 4,89 und 5,30 Mete in der Länge, die Höhe liegt zwischen 1,93 und 2,47 Metern
  • Der T5 mit Türen am Heck. Alternativ gibt es ihn auch mit Heckklappe
    Quelle: Volkswagen Der T5 mit Türen am Heck. Alternativ gibt es ihn auch mit Heckklappe
  • Der VW T5 musste schon öfters zum Facelift. Von Schrauben bis hin zum Motor musste alles schonmal erneuert werden
    Quelle: Volkswagen Der VW T5 musste schon öfters zurück in die Werkstatt. Von Schrauben bis hin zum Motor wurde alles schon Mal erneuert
  • Der VW T5 schneidet schlecht beim Dekra-Report ab. Zu hohes Gewicht führt oft zu Schäden an Federn, Tragegelenken und Buchsen
    Quelle: Volkswagen Der VW T5 schneidet schlecht beim Dekra-Report ab. Zu hohes Gewicht führt oft zu Schäden an Federn, Tragegelenken und Buchsen
  • Mit rund 20 Modelle lässt sich leicht der Überblick verlieren. Der Motor sollte prinzipiell als erstes geprüft werden
    Quelle: Volkswagen Mit rund 20 Modellen lässt sich leicht der Überblick verlieren. Der Motor sollte prinzipiell als erstes geprüft werden
  • Die Pkw-Basisversion VW Caravelle ist sparsamer ausgestattet
    Quelle: Volkswagen Die Pkw-Basisversion VW Caravelle ist sparsamer ausgestattet
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