Großer Golf für kleines Geld

Der VW Golf 6 Variant in der Kaufberatung: Motoren, Preise, Probleme

Hier geht viel rein: Der VW Golf 6 Variant verstaut mehr als die Konkurrenz und bietet solide Technik. Welche Schwachstellen er hat, klärt unsere Kaufberatung.

VW Golf 6 Variant Dreiviertel-Frontansicht
Quelle: Volkswagen AG Viel Platz, solide Technik, aber auch Schwachstellen: Der VW Golf 6 Variant in der Kaufberatung

Vorn alles wie immer, hinten gibt es viel mehr Platz: Der Golf für Familien heißt Variant. Beim VW Golf 6 ist der Unterschied besonders groß: Der Variant überragt den Kompakten um 33(!) Zentimeter – bei identischem Radstand und Vorderwagen. Der gewonnene Platz vergrößert den Kofferraum von 350 auf 505 Liter. In dieser Kernkompetenz eines Familienautos überbietet der Golf 6 Variant die meisten Mittelklässler. Preislich ist er besonders interessant: Bei mobile.de starten die Angebote bereits bei 3.000 Euro. Was der Golf 6 Variant sonst noch kann und wo seine Schwächen liegen, klärt unsere Kaufberatung.

Der Golf 6 Variant in Kürze

  • Golf 6 Kombi von 2009 bis 2013
  • Umfangreiches Facelift des Golf 5 Variant
  • Fünf Sitzplätze, 505 bis 1.495 Liter Kofferraumvolumen im Golf 6 Variant
  • Manipulierte Dieselmotoren, teilweise anfällige Benzinmotoren
  • Marktlage auf mobile.de: fast 2.000 Fahrzeuge ab 3.000 Euro


VW Golf 6 Variant
VW Golf 6 Variant

Mit bis zu 1.495 Liter Fassungsvermögen überbietet der Golf-Kombi die meisten Mittelklasse-Konkurrenten.


Ende 2008 führt VW den Golf 6 ein, ein Jahr später, 2009, den Golf 6 Variant. Nominell handelt es sich um eine neue Generation. Tatsächlich ist er nur ein stark überarbeiteter Golf 5 (Variant). Er basiert auf der gleichen Plattform („PQ 35“), verändert sich aber optisch deutlich. Überarbeitete Schürzen sparen Platz: Der neue Kombi bietet identischen Raum bei zwei Zentimetern weniger Außenlänge.

Vom normalen Golf 6 unterscheidet sich der Variant erst hinter der Rückbank. Der Kofferraum fasst mit 505 Litern etwas mehr als der eines Opel Astra Sports Tourer (500 Liter) und eines Ford Focus Mk3 Turnier (490 Liter). Die Grundfläche im Laderaum misst gut einen Quadratmeter. Das genügt locker für den Familienurlaub. Mit umgeklappter Rückbank lädt der Variant Gegenstände mit bis zu 1,80 Metern Länge ein, das Fassungsvermögen wächst auf 1.495 Liter.

VW Golf 6 Variant Seitenansicht
Quelle: Volkswagen AG Das Ladevolumen des Kofferraums beträgt 505 bis 1495 Liter, was den sogenannten „Rucksack-Golf“ neben Familien auch für Gewebetreibende interessant macht

Motoren, Getriebe, Fahrleistungen, Verbrauch des VW Golf 6 Variant

Unter der Motorhaube bleibt der Golf Kombi konservativ. In Generation 6 experimentiert VW noch nicht mit hohen Leistungsstufen im Variant, das passiert erst beim Nachfolger, den es erstmals als Golf R gibt. Bis dahin steckt VW nur die Volumenmotoren in den Kombi. Die leisten 80 bis 160 PS (Benzin) bzw. 90 bis 140 PS (Diesel). Alternative Antriebe wie Erdgas oder Autogas gibt es im Variant nicht. Für Hybride ist es bei VW zu diesem Zeitpunkt noch zu früh. Der sparsamste Motor im Golf 6 Variant (1.6 TDI mit 105 PS) verbraucht laut Norm 4,2 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Im echten Leben werden daraus im Schnitt fünfeinhalb Liter.

Die meisten Benziner im Golf 6 Variant rüstet VW mit Direkteinspritzung und einem Turbolader aus. Die Kombination beider Technologien ist noch neu, im Golf gibt es sie erst seit zwei Jahren. Der stärkste Motor im Kombi bekommt zusätzlich einen Kompressor. Seine 160 PS holt er aus nur 1,4 Litern Hubraum. Er beschleunigt den Golf in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 und läuft 220 km/h Spitze. Nur zwei Saugbenziner mit 80 und 102 PS bleiben im Programm. Sie bewegen sich vergleichsweise träge und eignen sich vor allem für die Stadt. Einen Golf 6 GTI mit Kombiheck bietet VW nicht an.

Kleine Motoren koppelt VW an ein manuelles Fünfganggetriebe, ab 105 PS gibt es einen sechsten Gang oder optional ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Allradantrieb ist nur im 105-PS-Diesel in Verbindung mit Schaltgetriebe verfügbar.


VW Golf VI R
Wolf im Golfs-Pelz

• Modell: VW Golf 6 R
• Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo
• Leistung: 270 PS
• 0-100 km/h: 5,7 s


Zuverlässigkeit, Probleme, Qualität des Golf 6 Variant

Obwohl der Golf 6 Variant keine komplette Neuentwicklung ist, bringt er einige Kinderkrankheiten mit. Manche von ihnen stellt VW in späteren Baujahren ab. Einige bleiben relevant. Dazu gehören spürbare Sparmaßnahmen an manchen Stellen, zum Beispiel die mangelnde Rostvorsorge im Variant: Seine Heckklappe gammelt in einigen Fällen an den Falzen. Unbehandelt wird daraus langfristig ein großes Problem.

Es bleibt der einzige Ausreißer in der Substanz des Golf 6 Variant. Bremsen und Achsen stehen im Vergleich zur Konkurrenz solide da. Generell fällt er bei der Hauptuntersuchung nicht negativ auf. Verschleißteile sind gut verfügbar und bei Drittanbietern günstig. Der Unterhalt eines Golf 6 Variant kostet also nicht viel, wenn nichts Ungeplantes dazwischenkommt.

Das kann allerdings passieren. Ausgerechnet die Volumenbenziner mit 1,2 und 1,4 Litern Hubraum machen Probleme: Verschlissene Kettenspanner und ausgeleierte Steuerketten können im schlimmsten Fall zu einem Motorschaden führen. Ein metallisches Rasseln beim Motorlauf kündigt hohe Reparaturkosten an. Ein Kaltstart des Motors gehört bei der Besichtigung unbedingt auf die Checkliste.

Ebenfalls kritisch, aber für den Besitzer weniger problematisch: Die Diesel im Golf 6 Variant gehören zu den VW-Selbstzündern, die vom Diesel-Skandal betroffen sind und ihre Abgasvorgaben nicht erfüllen. Der Verkäufer sollte nachweisen können, dass seitens VW bereits ein Update aufgespielt wurde. Sonst darf das Auto nicht mehr fahren. Positiv: Mit Defekten, die in Zusammenhang mit diesem Update stehen, geht VW kulant um. Betagte Verschleißteile an den TDI-Motoren, zum Beispiel die Ventile der Abgasrückführung, könnten also bereits neu sein.


Fritz Schnieder GmbH & Co. KG
Der VW Golf für die Familie

Als Kombi-Modell bietet der VW Golf Variant viel Stauraum.


Golf 6 Variant: Checkliste

Darauf sollten Interessenten beim Kauf eines gebrauchten Golf 6 besonders achten:

  • Die Falzen der Heckklappe sind anfällig für Rost.
  • Kettenspanner und Steuerketten leiden im Laufe der Jahre. Achte bei der Probefahrt auf rasselnde Motorengeräusche.
  • Bei den TDI-Motoren verschleißen die Ventile der Abgasrückführung im Laufe der Jahre.
  • Die Diesel im Golf 6 Variant sind Teil des Abgas-Skandals. Autos ohne aufgespieltes Update von VW dürfen nicht auf die Straße.
VW Golf 6 Variant Cockpit
Quelle: Volkswagen AG Im Golf VI Variant „Comfortline“ sind Radio, Parkpiepser, Alufelgen, Mittelarmlehne, eine asymmetrisch umklappbare Rückbank und ein Lederlenkrad immer dabei

Der beste Motor für den VW Golf 6 Variant (2009-2013)

Generell gilt: Diesel mögen keine Kurzstrecken. Auf kurzen Etappen wird die Abgasanlage kaum warm genug. Das kann auf Dauer schädlich für den Partikelfilter werden. Der braucht höhere Abgastemperaturen, um zu regenerieren. Auf Langstrecken geschieht das unmerklich. Zu viele Kurzstrecken können schlimmstenfalls in einem Werkstattbesuch enden. Deshalb: Ein Golf 6 Variant TDI eignet sich für Pendler mit längeren Arbeitswegen. Wir empfehlen die Variante mit 105 PS, weil sie den besten Kompromiss aus Verbrauch und Tempo bietet.

In den meisten Fällen eignet sich ein Turbobenziner am besten. Wir raten im Golf 6 Variant zum 1,4-Liter-Turbo mit 122 PS. Der zieht den Kombi ordentlich vorwärts und verbraucht im Schnitt rund sieben Liter pro 100 Kilometer. In den späten Modellen hat VW die Steuerkettenprobleme besser im Griff, idealerweise stammt das Auto also aus den Baujahren 2012 oder 2013. Ein älteres Auto bedeutet allerdings nicht zwangsläufig einen programmierten Motorschaden.


VW Golf 8 Variant

Der VW Golf 8 Variant mit verlängertem Radstand und minimal größerem Kofferraum fährt komfortabel und angenehm.


Volkswagen Golf 6 Variant: Ausstattung und Sicherheit

VW rüstet den Golf 6 Variant serienmäßig mit dem Nötigsten aus. Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Außenspiegel und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung gibt es serienmäßig. Alufelgen, ein Radio oder ein Lederlenkrad kosten Aufpreis. In der Basisausstattung „Trendline“ sind viele Extras verfügbar, aber beim Neukauf teurer als in anderen Linien. Solche Gebrauchtwagen sind in der Regel nur mittelmäßig ausgestattet.

Interessanter ist der Golf 6 Variant als „Comfortline“. Hier sind Radio, Parkpiepser, Alufelgen, Mittelarmlehne, eine asymmetrisch umklappbare Rückbank und ein Lederlenkrad immer dabei. Die meisten Neuwagenkäufer bestellen zusätzliche Extras. In der Regel sind solche Autos gut ausgestattet und einen genauen Blick wert. Die Aufpreisliste gibt zu Produktionszeiten einiges her, zum Beispiel Verstellfahrwerk, Bi-Xenon, Einparkautomatik oder eine Rückfahrkamera. Modernes Infotainment mit Android Auto oder Apple CarPlay lässt sich höchstens nachrüsten.

Was für alle Varianten des Golf 6 Kombi spricht: VW verbessert zum Modellwechsel die Sicherheitsausstattung. Sieben Airbags, ESP und vier Scheibenbremsen gibt es serienmäßig. Achtung: Seitenairbags im Fond baut VW nur gegen Aufpreis ein. Die gehören in ein Familienauto, sollten also im Gebrauchtwagen vorhanden sein.

VW Golf 6 Variant Dreiviertel-Heckansicht
Quelle: Volkswagen AG Rost an den Falzen der Heckklappe ist ein häufiges Problem und sollte beim Gebrauchtwagenkauf penibel überprüft werden

VW Golf 6 Variant: Marktübersicht und Preise

Bei fast 2.000 auf mobile.de angebotenen Golf 6 Variant (Stand: Dezember 2020) sollte für jeden etwas dabei sein. Laufleistungsmeister mit mehr als 250.000 Kilometern auf dem Tacho kosten rund 3.000 Euro. Wir empfehlen eine höhere Preisklasse: Späte Modelle mit dem 122-PS-Benziner und maximal 150.000 Kilometern Laufleistung starten bei etwa 5.000 Euro. Je nach Ausstattung kommen noch 1.000 bis 2.000 Euro hinzu, mehr Luxus oder Leistung kosten extra. Das ist viel Geld für ein zehn Jahre altes Auto. Für einen gut motorisierten, praktischen und geräumigen Familienkombi, der neben viel Platz auch sehr solide Technik bietet, aber angemessen. Wer beim Kauf aufmerksam auf die genannten Schwachstellen achtet, hat lange Freude mit einem gebrauchten Golf 6 Variant.

Der VW Golf 6 Variant in Bildern

  • VW Golf 6 Variant Seitenansicht dynamisch
    Quelle: Volkswagen AG Der stärkste Golf VI Variant verfügt über 160 PS und beschleunigt in 8,4 Sekunden auf Tempo 100
  • VW Golf 6 Variant Dreiviertel-Frontansicht
    Quelle: Volkswagen AG Ebenso wie das Cabrio und die Limousinen, teilt sich auch der Variant die PQ35-Plattform mit dem Golf V
  • VW Golf 6 Variant Dreiviertel-Heckansicht
    Quelle: Volkswagen AG Der VW Golf VI Variant kommt 2009, rund ein Jahr nach der Limousine auf den Markt
  • VW Golf 6 Variant Seitenansicht
    Quelle: Volkswagen AG Das Ladevolumen des Kofferraums beträgt 505 bis 1495 Liter, was den sogenannten „Rucksack-Golf“ neben Familien auch für Gewebetreibende interessant macht
  • VW Golf 6 Variant Cockpit
    Quelle: Volkswagen AG Im Golf VI Variant „Comfortline“ sind Radio, Parkpiepser, Alufelgen, Mittelarmlehne, eine asymmetrisch umklappbare Rückbank und ein Lederlenkrad immer dabei
  • VW Golf 6 Variant Dreiviertel-Heckansicht
    Quelle: Volkswagen AG Rost an den Falzen der Heckklappe ist ein häufiges Problem und sollte beim Gebrauchtwagenkauf penibel überprüft werden
  • VW Golf 6 Variant Dreiviertel-Frontansicht
    Quelle: Volkswagen AG Viel Platz, solide Technik, aber auch Schwachstellen: Der VW Golf 6 Variant in der Kaufberatung