VW Golf 6 (2008-2012): Gebrauchtwagen-Kaufberatung

Der VW Golf 6 als Gebrauchter: Die besten Modelle der sechsten Generation

Der VW Golf ist Deutschlands meistgekauftes Auto und gebraucht entsprechend häufig zu finden. Wie gut ist der bis 2012 gebaute Golf 6 als Gebrauchter?

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 07/29/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:06 PM
Volkswagen schraubte vor allem and er Optik. Technisch übernimmt die sechste Generation vieles vom Vorgänger
Quelle: Volkswagen Volkswagen schraubte vor allem an der Optik. Technisch übernimmt die sechste Generation Vieles vom Vorgänger

Der VW Golf war der Namensgeber einer ganzen Fahrzeugklasse und ist traditionell das in Deutschland meistgekaufte Auto. Einen Golf wird man auf der Suche nach einem Gebrauchten also stets besonders leicht finden. Der Golf 6 löste 2008 die fünfte Generation ab, innerhalb von vier Jahren verkaufte Volkswagen mehr als 2,8 Millionen Exemplare des Modells. Vom Vorgänger übernahm er einen Großteil der Technik. Beide Modelle basieren auf der Plattform PQ35, viele Bauteile konnte VW einfach weiternutzen. Das hat Vorteile: Der Golf 6 gilt als ausgereift, robust und zuverlässig.

Kinderkrankheiten gibt es trotzdem, und: nicht alle Varianten der Baureihe sind empfehlenswert. Die ADAC-Pannenstatistik stuft den Golf erst ab Baujahr 2010 im besseren Drittel seiner Klasse ein. Frühe Golf 6 leiden mitunter an defekten Kraftstoffpumpen, Zündkerzen und klemmenden Zündschlössern. Wir nennen die häufigsten Fehler und Probleme und empfehlen die besten Golf-Modelle der sechsten Generation. 



Historie und Rückrufe

Im Wesentlichen überarbeitete VW beim Golf 6 nur die Optik und viele Details. Im Innenraum kamen ein anderes Lenkrad, Radio und Klimaanlage sowie ein Knieairbag für den Fahrer hinzu. Für eine bessere Schalldämmung sorgen Dämmfolien an Frontscheibe, Türdichtungen und Seitenscheiben. Im Cockpit leuchtete die Anzeige nun weiß. 

Vor allem wollte VW mit dem neuen Modell sparen: Der fünfte Golf war zu teuer in der Herstellung. Neben dem Drei- und Fünftürer verkaufte VW den Kombi („Variant“) und den Kompakt-Van Golf Plus. Das Cabrio folgte 2011 und lief bei Karmann vom Band. Ein Facelift gab es nicht in den vier Jahren Bauzeit. 

Trotz der alten Plattform besitzt der Golf 6 einige Kinderkrankheiten. Modelle nach 2010 stehen besser da
Quelle: Volkswagen Trotz der alten Plattform besitzt der Golf 6 einige Kinderkrankheiten. Modelle nach 2010 stehen besser da

Obwohl VW auf bewährte Technik zurückgriff, mussten einige Rückrufe für den Golf 6 gestartet werden. Fehlern in der Einspritzleitung betrafen insgesamt 300.000 technisch verwandte Fahrzeuge der Typen Eos, Golf, Jetta, Passat, Scirocco, Tiguan und T5 in die Werkstätten. Fehlerhafte Ladedrucksteller bei 1,2-Liter-TSI-Motoren von 2010 und 2012 mussten behoben werden, 1.4 TSI der Baujahre 2009 bis 2011 benötigten Softwareupdates. Risse in den Kraftstoffleitungen führten zum Rückruf von 2.0 TDI gebaut zwischen Oktober 2008 und November 2010. Modelle aus den Monaten Mai bis Juli 2009 benötigten eine neue Getriebesoftware. 

Autos gebaut zwischen September 2008 und August 2009 hatten Probleme mit dem Doppelkupplungsgetriebe, bei Fahrzeugen aus den Produktionswochen KW 41 bis 46 in 2008 konnten die vorderen Fensterheber ausfallen. VW Golf von 2009 und 2010 waren von einem weiteren Softwarefehler im Motorsteuergerät betroffen, weswegen die Bremskontrolle aufleuchten konnte. Hinzu kamen ab 2016 die Pflicht-Rückrufe im Zusammenhang mit dem Dieselskandal. All diese Fehler sollten bei gebrauchten Golf behoben sein. Interessenten sollten darauf achten, dass dies belegbar ist. 


Karosserievarianten des Golf 6

VW bot den Golf in einigen Karosserievarianten an. Es gab Drei- und Fünftürer, ab 2009 den Kombi Variant, das Cabrio und den Kompakt-Van Golf Plus. Daneben lancierte VW regelmäßig Sondermodelle wie Team, Style, Match, Move, GTI adidas und GTI Edtion 35. Die allerdings meist nur beim klasssichen Schrägheck. 

Letztendlich entscheiden Bedarf, Geschmack und Verfügbarkeit über die Karosserie. Am günstigsten und häufigsten findet man die Drei- und Fünftürer. Sie bieten ein passables Raumangebot und 350 Liter Kofferraumvolumen. Kombis und Cabrios sind vergleichsweise teuer, den Golf Plus bekommt man dagegen auch recht günstig. 


Motoren und Getriebe

VW setzte im Golf 6 Vierzylinder-Benziner mit 1,2 bis 2,0 Litern Hubraum sowie einer Leistungsspanne von 80 bis 270 PS ein. Bemerkenswert sind die GTI mit 210 und 235 PS sowie der seltene 1,8-Liter-Turbobenziner mit 160 PS. Diesen Motor hat VW zwar verkauft, aber nie offiziell beworben. 

Dieselmotoren kamen mit 1,6 bis 2,0 Litern Hubraum und leisteten 90 (nur Export) bis 170 PS. Insgesamt gelten sie als robust und langlebig, bei normaler Pflege. Vorteil bei den großen Dieseln: Sie sind kräftiger und verfügen über ein Sechsgang-Getriebe. Die 1,6-Liter-Diesel fahren nur mit fünf Gängen, die zudem sehr weit gespreizt sind.

Der stärkste seine Generation ist der Golf 6 R. Allrad, vier Zylinder und 270 PS stehen hier auf dem Datenblatt
Quelle: Volkswagen Der stärkste seiner Generation ist der Golf 6 R. Allrad, vier Zylinder und 270 PS stehen hier auf dem Datenblatt

Bei den Benzinern wird es schwieriger mit den Empfehlungen. Der 1.4 MPI ohne Turboaufladung arbeitet zuverlässig, leistet aber nur grenzwertig schwache 80 PS. Besser fahren die 1.2-TSI- und 1.4-TSI-Motoren, die aber oft an Problemen mit längenden Steuerketten leiden. Lautes Rasseln bei der Probefahrt ist dafür ein klares Indiz. Es droht eine teure Reparatur und im schlimmsten Fall ein Motorschaden. Am wenigsten empfehlenswert erscheint nach Nutzerberichten der 1.4 TSI mit 160 PS. Wenn es ein TSI-Modell sein soll, dann nur mit neuer Steuerkette, um späteren Ärger zu vermeiden. Nicht betroffen und recht zuverlässig sind der 1,6-Liter-Saugbenziner mit 102 PS und die GTI-Modelle. Den 1,6-Liter-Motor bot VW auch in einer Autogas-Version an. Generell ist das Angebot mit diesem Motor aber klein.

Das beste Getriebe im VW Golf schaltet manuell: Die Handschalter arbeiten angenehm und sind haltbar, zudem kosten sie weniger. Das Doppelkupplungsgetriebe DSG schaltet zwar komfortabel und senkt den Verbrauch, ruckelt aber beim Anfahren und ist anfälliger für Verschleiß. Das gilt besonders bei kleinen Motoren im Stadtverkehr. Ein häufiges Problem dieser Getriebe (DQ200, bei Motoren bis 250 Nm) sind Rasselgeräusche. VW sieht dies nicht als Mangel. 


Fahrwerk

Beim Fahrwerk machte VW vieles richtig, bei der HU gibt es meist weniger zu bemängeln als bei vergleichbaren Fahrzeugen. Das gilt für die Achsaufhängung, Lenkung und Bremse. Probleme gibt es eher bei Federn und Dämpfern. Mit und ohne Adaptivdämpfer fährt der Golf prinzipiell komfortabel, auch wegen der aufwändigen Mehrlenker-Hinterachse. Mitunter können die Domlager ausschlagen, manchmal gibt es Probleme an Lenkung und Lenkgetriebe. 


Ausstattung und Sicherheit

Bei der Ausstattung bietet der sechste Golf deutlich mehr als sein Vorgänger, das gilt vor allem für die Sicherheit. Zur Basis zählen zwei Frontairbags, zwei Seitenairbags vorn und Kopf-Schulter-Airbags für die Seite sowie ein Knie-Airbag für den Fahrer. Gegen Aufpreis bot VW Seitenairbags hinten an. Ebenfalls optional waren ein Parkassistent, eine Rückfahrkamera, das adaptive Fahrwerk DCC, ein Reifendruckkontrollsystem, Bi-Xenonscheinwerfer und Rückleuchten mit LED-Technik bestellbar - teilweise gehörten sie auch zum Serienumfang. 

Den Golf 6 stattete Volkswagen mit einem Knieairbag aus
Quelle: Volkswagen Den Golf 6 stattete Volkswagen mit einem Knieairbag aus

Klimaanlage und elektrische Fensterheber stecken in jedem Golf 6, mit der Ausstattung „Comfortline“ kommen Sitze mit Lendenwirbelstütze und Höheneinstellung, Einparkhilfe und CD-Radio dazu. Die Top-Ausstattung „Highline“ umfasst zusätzlich Sportsitze, Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer mit Kurvenlicht und 17-Zoll-Leichtmetallräder.

Ein Problem im Innenraum: Bei VW Golf aus den Baujahren 2009 und 2010 sind bereits nach nach kurzer Zeit die Sitze verschlissen. Die Fusselbildung und die aufgeplatzten Nähte sind kaum zu übersehen. Über den gesamten Bauzeitraum zeigen sich außerdem die Klimaanlagen des Zulieferers Delphi anfällig für Defekte.


Marktsituation und Preise

Zwar gelang es VW erst ab dem Baujahr 2010, die meisten Kinderkrankheiten des sechsten Golf abzustellen. Das heißt jedoch nicht, dass ältere Exemplare zwangsläufig ein Problem haben - wenn die Rückrufe durchgeführt wurden und bei regelmäßigen Wartungen die jeweiligen Updates erfolgt sind. Gefährdete Benziner sollten aber auf jeden Fall eine neue Steuerkette haben.

Das Angebot bei mobile.de ist jedoch groß, die meisten VW Golf 6 werden zudem als scheckheftgepflegt inseriert. Mehr als 5.000 Fahrzeuge ab Baujahr 2010 bis 150.000 Kilometer Laufleistung stehen zur Auswahl. Modelle mit einfacher Ausstattung und Basismotor starten bei rund 5.000 Euro, 122-PS-Modelle kosten bereits etwa 8.000 Euro. Eine Nachwirkung des Dieselskandals: Die Preise für populäre Benzinmodelle sind eher gestiegen als gefallen.


VW Golf 6: Fazit und Empfehlung

Es wird nicht schwer fallen, einen gebrauchten Golf 6 in gutem Zustand zu finden. Allerdings wird es schon schwerer, einen Golf wirklich sorglos zu kaufen: Der Einstiegsbenziner ist schwächlich, die Dieselmotoren erfüllen lediglich die Abgasnorm Euro 5 - und könnten daher von Fahrverboten betroffen sein. Ist das im Einsatzgebiet nicht relevant, empfiehlt sich ein 2.0 TDI ab Baujahr 2010. Dafür muss man um die 9.000 Euro einplanen. Unsere Benziner-Alternative ist ein 1.4 TSI mit 122 PS und neuer Steuerkette, gern in Highline-Ausstattung und bitte mit vollständiger Historie. Hier wird es frühestens ab 8.000 Euro interessant.  Der Golf ist eben sehr wertstabil.


VW Golf 6 Gebrauchtwagen Kaufberatung

  • Aufgrund des geringeren Verschleißes, empfiehlt sich beim Gebrauchten Golf 6 das manuelle Schaltgetriebe
    Quelle: Volkswagen Aufgrund des geringeren Verschleißes, empfiehlt sich beim Gebrauchten Golf 6 das manuelle Schaltgetriebe
  • Die sechste Generation wurde leiser. Dämmfolien an Front- und Seitenscheiben sorgen für bessere Akustik
    Quelle: Volkswagen In der sechsten Generation wurde der Golf leiser. Innen zumindest. Dämmfolien an Front- und Seitenscheiben sorgen für bessere Akustik
  • Auch den Golf 6 gibt es als "Langversion". Der Golf 6 Variant
    Quelle: Volkswagen Auch den Golf 6 gibt es als "Langversion". Der Golf 6 Variant
  • Bei der Probefahrt gilt: Auf lautes Rasseln achten! Die 1.2-TSI- und 1.4-TSI-Motoren haben oft Probleme mit den Steuerketten
    Quelle: Volkswagen Bei der Probefahrt gilt: Auf lautes Rasseln achten! Die 1.2-TSI- und 1.4-TSI-Motoren haben oft Probleme mit den Steuerketten
  • Volkswagen schraubte vor allem and er Optik. Technisch übernimmt die sechste Generation vieles vom Vorgänger
    Quelle: Volkswagen Volkswagen schraubte vor allem an der Optik. Technisch übernimmt die sechste Generation Vieles vom Vorgänger
  • Die Cabrio-Variante des Golf 6 lief bei Karmann in Osnabrück vom Band
    Quelle: Volkswagen Die Cabrio-Variante des Golf 6 lief bei Karmann in Osnabrück vom Band
  • Trotz der alten Plattform besitzt der Golf 6 einige Kinderkrankheiten. Modelle nach 2010 stehen besser da
    Quelle: Volkswagen Trotz der alten Plattform besitzt der Golf 6 einige Kinderkrankheiten. Modelle nach 2010 stehen besser da
  • Der stärkste seine Generation ist der Golf 6 R. Allrad, vier Zylinder und 270 PS stehen hier auf dem Datenblatt
    Quelle: Volkswagen Der stärkste seiner Generation ist der Golf 6 R. Allrad, vier Zylinder und 270 PS stehen hier auf dem Datenblatt
  • Für mehr Platz im Golf steht der Kompakt-Van. Der Golf Plus
    Quelle: Volkswagen Für mehr Platz im Golf steht der Kompakt-Van. Der Golf Plus
  • Den Golf 6 stattete Volkswagen mit einem Knieairbag aus
    Quelle: Volkswagen Den Golf 6 stattete Volkswagen mit einem Knieairbag aus