Das kostet die neue Kfz-Steuer

Die Kfz-Steuer ab 2021 im Überblick

Die neue Kfz-Steuer macht ab 2021 viele Neuwagen teurer: Sie knüpft sich enger an den Verbrauch und bestraft großen Durst. Hier findest Du alle Details.

  • Constantin Bergander
  • Veröffentlicht am 06/17/2020, 09:08 PM
KFZ-Steuer 2021 3
Quelle: Picture Alliance Ab 2021 ändert sich die Besteuerung von neu zugelassene Fahrzeugen in Deutschland

Die neue Kfz-Steuer ist beschlossen. Für Neuwagen, die im Jahr 2021 zum ersten Mal zugelassen werden, gilt ein neuer Berechnungsschlüssel. Besonders sparsame Autos werden günstiger als bisher. Einige kosten so viel wie bisher. Bei allen anderen steigt die Steuerbelastung. Bei einem Normverbrauch von deutlich mehr als acht Litern pro 100 Kilometer steigt die Steuer stark. Elektroautos sind weiterhin von der Steuer befreit.

Wichtig: Für bereits zugelassene Fahrzeuge, also alle Gebrauchtwagen, und für Neuwagen, die bis Ende 2020 erstmalig zugelassen werden, gilt die neue Kfz-Steuer nicht. Sie werden weiterhin nach der alten Tabelle besteuert. Unter Umständen lohnt es sich also, einen Fahrzeugkauf noch 2020 abzuwickeln, um langfristig die laufenden Kosten des Autos zu senken – zumal die temporär niedrigere Mehrwertsteuer ohnehin den Fahrzeugmarkt interessant macht.

Die neuen Steuersätze sollen Neuwagenkäufer animieren, sparsamere Autos zu kaufen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Während sich die Autoindustrie über einen „fairen Kompromiss“ freut, bemängeln die Grünen „Symbolpolitik“ – richtig teuer werden nur wenige Autos. Bei den meisten dieser Modelle spielt Geld für die Käufer ohnehin keine entscheidende Rolle.


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Die neue Kfz-Steuer in Kürze

  • Besonders sparsame Autos werden günstiger
  • Elektroautos bleiben von der Steuer befreit
  • Ab einem CO2-Ausstoß von 96 Gramm pro Kilometer steigt die Steuerbelastung
  • Sportwagen und SUV-Modelle mit hohem Verbrauch werden deutlich höher besteuert
  • Die neue Kfz-Steuer gilt erst ab einer Erstzulassung am 1.1.2021
  • Für vorher zugelassene Fahrzeuge ändert sich nichts

So berechnet sich der neue Kfz-Steuersatz

Wie bisher knüpft der Staat die Höhe der Kfz-Steuer an den Hubraum und den CO2-Ausstoß (und damit an den Verbrauch) des Fahrzeugs. Als Berechnungsgrundlage gelten die Messergebnisse laut der realitätsnahen WLTP-Norm. Dieser Wert ist in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 (ehemals: Fahrzeugschein) im Feld „V.7“ angegeben. Den Hubraum (in ccm) findest Du im Feld „P.1“. Hersteller geben die Daten in den Prospekten, Preislisten und Konfiguratoren an. Vorsicht: Einige schreiben noch den NEFZ-Verbrauch auf – der zählt nicht.

Am ersten Teil der Berechnungstabelle ändert sich nichts. Es bleibt bei einer Pauschale für den Hubraum, die die Kraftstoffart berücksichtigt: Pro angefangene 100 Kubikzentimeter Hubraum kosten Benziner 2,00 Euro und Diesel 9,50 Euro. Gaskraftstoffe (LPG, CNG) werden wie Benzin berechnet.

Die neue Kfz-Steuer verändert den Aufschlag für den CO2-Ausstoß. Dieser Aufschlag wird nicht mehr pauschal (bisher: 2,00 Euro pro Gramm CO2) berechnet. In der neuen Preistabelle steigt der Aufschlag gestaffelt. Wie bisher gibt es für besonders sparsame Autos mit maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer keinen Aufschlag.

Im Bereich von 95 bis 115 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer kostet jedes Gramm CO2 2,00 Euro. In 20-Gramm-Schritten steigt der Preis pro Gramm auf 2,20 Euro, 2,50 Euro, 2,90 Euro und 3,40 Euro. Oberhalb von 195 Gramm beträgt der CO2-Preis pro Gramm 4,00 Euro. Hier die Berechnungstabelle für die Kfz-Steuer 2020 und 2021:

KriteriumKosten von EZ 1.1.2014 bis EZ 31.12.2020Kosten ab EZ 1.1.2021
Hubraum pro angefangene 100 ccmBenzin: 2,00 €; Diesel: 9,50 €Benzin: 2,00 €; Diesel: 9,50 €
CO2-Ausstoß bis 95 g/km0 €0 €
CO2 je g/km bis 115 g/km2,00 €2,00 €
CO2 je g/km 116-135 g/km2,00 €2,20 €
CO2 je g/km 136-155 g/km2,00 €2,50 €
CO2 je g/km 156-175 g/km2,00 €2,90 €
CO2 je g/km 176-195 g/km2,00 €3,40 €
CO2 je g/km > 195 g/km2,00 €4,00 €
Vergünstigung für Autos mit CO2-Ausstoß < 95 g/km-- 30,00 €


Was bedeutet das für mein Auto?

Für die meisten Fahrzeuge auf dem Markt steigen die laufenden Kosten. Nur wenige Modelle stoßen laut Norm höchstens 95 Gramm CO2 pro Kilometer aus und werden damit günstiger. Das schaffen nur Elektroautos oder Plug-in-Hybride, Benziner oder Diesel können das nicht.

Bereits moderne Kompaktwagen mit klassischen Antrieben werden teurer. Beispiel: Ein VW Golf 8 1.0 TSI mit Schaltgetriebe und 110 PS verbraucht laut Norm 5,3 Liter pro 100 Kilometer. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer. Nach dem alten Steuerschlüssel liegt die Kfz-Steuer bei 70 Euro. Mit dem neuen Satz steigt sie, wenn auch nur um einen Euro im Jahr. 

In der Mittelklasse wird es ebenfalls noch nicht kritisch. Ein BMW 330i Touring mit 258 PS stößt laut Norm mindestens 154 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Aktuell kostet er in dieser Konfiguration pro Jahr 158 Euro Steuern. Ab 2021 werden daraus 167,50 Euro. Selbst nach fünf Jahren wird daraus ein Mehraufwand von weniger als 70 Euro.

Starke Kombis aus der oberen Mittelklasse stecken die neue Steuer ebenfalls problemlos weg. Audi gibt für den A6 Avant 50 TDI einen Verbrauch von 7,0 Litern Diesel laut WLTP an. Das entspricht einem Verbrauch von 183 Gramm pro Kilometer. Aktuell kostet so ein Auto 461 Euro Steuern pro Jahr. Daraus werden 504,20 Euro. Macht nach fünf Jahr 216 Euro Mehraufwand. Ein Satz originale Dachgepäckträger kostet mehr.


Fahrzeug-Werke LUEG AG
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Im E300 e koppelt Mercedes einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner an einen E-Motor. Systemleistung: 320 PS.


Welche Autos werden deutlich teurer?

Die neue Steuer wendet den höchsten CO2-Satz erst ab einem Norm-Ausstoß von 195 Gramm pro Kilometer an. Das entspricht einem Verbrauch von 8,2 (Benzin) bzw. 7,4 Litern (Diesel) pro 100 Kilometer. So durstig sind nur wenige Modelle. Aber es gibt sie: Sportwagen und dicke SUVs verbrauchen zum Teil deutlich mehr Kraftstoff.

Beispiel Ford Mustang GT: Die jährliche Steuer für den US-Sportler mit seinem 5,0-Liter-V8 (Verbrauch: 11,7 l/100 km) liegt derzeit bei 448 Euro. Mit der Umstellung auf den neuen Berechnungsschlüssel steigt die jährliche Abgabe auf 654 Euro. Innerhalb von fünf Jahren kostet das Coupé also 1.030 Euro mehr. Für das gleiche Geld tankt der Mustang Sprit für etwa 7.000 Kilometer.

Noch teurer werden große SUV-Modelle mit starken Motoren. Der CO2-Ausstoß eines Mercedes-SUV GLS liegt im günstigsten Fall bei 209 Gramm pro Kilometer. Mit dem großen Motor (Mercedes-AMG GLS 63 4Matic+) steigt das Auto bei 286 Gramm pro Kilometer ein. Bisher beträgt die Kfz-Steuer für diesen Antrieb 462 Euro pro Jahr. Daraus werden jetzt 704 Euro. Nach fünf Jahren zahlt man also 1.210 Euro mehr – dafür gibt es zum Beispiel das „Memory-Paket“.

Welche Autos werden günstiger?

Während die neue Kfz-Steuer ab 2021 große und starke Verbrenner bestraft, haben andere Autos Vorteile: Besonders sparsame Fahrzeuge kosten weniger als bisher. Dazu gehören alle Autos, die laut WLTP weniger als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Die Steuer berechnet sich hier aus Kraftstoff und Hubraum, abzüglich 30 Euro Vorteil pro Jahr für die Sparsamkeit.

Das bedeutet, dass große und schwere Autos mit einem guten Normverbrauch bevorzugt werden. Volvo XC90 T8, Range Rover P400e Mercedes S560 e L oder BMW 745 Le fallen in diese Kategorie. Sie können halten, was die Datenblätter versprechen – aber nur, wenn die Besitzer regelmäßig elektrisch fahren.

Gut: Diesen Vorteil gibt es nicht nur für Plug-in-Hybride, sondern auch für sparsame Verbrenner. Schade nur, dass es solche Autos praktisch nicht gibt. Während es laut NEFZ noch einige Autos schaffen, wird im WLTP-Zyklus die Luft dünn. Selbst der Toyota Yaris Vollhybrid ist mit 108 Gramm CO2 pro Kilometer angegeben.


Toyota Yaris Hybrid

Der Hybrid-Kleinwagen glänzt vor allem im Stadtverkehr


Wann sollte ich mein Auto kaufen?

Als Faustregel gilt: Große und durstige Autos lässt man besser noch 2020 zum ersten Mal zu. Das spart einige 100 Euro, bei einer längeren Haltedauer können es mehr als 1.000 Euro werden. Je nach Modell kann das Auswirkungen auf den Wiederverkaufswert haben, denn Zweitbesitzer wollen ebenfalls sparen.

Beim großen Volumen ist es beinahe egal, hier ändert sich nur wenig am Steuersatz. Liegt der CO2-Ausstoß des Autos laut WLTP-Norm bei maximal 95 Gramm pro Kilometer, lohnt sich der Aufschub ins kommende Jahr. In fünf Jahren – so lange gilt diese Vergünstigung – kommen immerhin 150 Euro zusammen. Bei einem neuen Auto dürfte aber in den meisten Fällen die Freude größer sein, als diese Summe rechtfertigt.



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