Das kostet die neue Kfz-Steuer

Die Kfz-Steuer ab 2021 im Überblick

Die neue Kfz-Steuer verteuert ab 2021 viele Neuwagen, denn sie orientiert sich enger am Verbrauch. Schon 2018 stieg die Steuer um ca. 40 Prozent. Alle Details.

  • Constantin Bergander
  • Veröffentlicht am 06/17/2020, 09:08 PM
  • Aktualisiert am 09/16/2020, 12:38 PM
KFZ-Steuer 2021 3
Quelle: Picture Alliance Ab 2021 ändert sich die Besteuerung von neu zugelassene Fahrzeugen in Deutschland

Die neue Kfz-Steuer bringt für Neuwagen, die im Jahr 2021 zum ersten Mal zugelassen werden, einen neuen Berechnungsschlüssel. Besonders sparsame Autos werden günstiger. Einige bleiben gleich. Bei allen anderen steigt die Steuerbelastung. Für Autos mit einem hohen Normverbrauch von deutlich mehr als acht Litern pro 100 Kilometer steigt die Steuer stark. Elektroautos sind weiterhin von der Steuer befreit. Damit ändert der Staat zum zweiten Mal in vier Jahren die Berechnung der Kfz-Steuer. 2018 wurde bereits die Messgrundlage des CO2-Teils novelliert. Dies führt bereits zu deutlichen Steuermehreinnahmen, wie erste Auswertungen des Finanzministeriums zeigen.


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Die neue Kfz-Steuer in Kürze

  • Besonders sparsame Autos werden günstiger
  • Elektroautos bleiben von der Steuer befreit
  • Ab einem CO2-Ausstoß von 96 Gramm pro Kilometer steigt die Steuerbelastung
  • Sportwagen und SUV-Modelle mit hohem Verbrauch werden deutlich höher besteuert
  • Die neue Kfz-Steuer gilt erst ab einer Erstzulassung am 1.1.2021
  • Für vorher zugelassene Fahrzeuge ändert sich nichts

So berechnet sich der neue Kfz-Steuersatz

Wie bisher knüpft der Staat die Höhe der Kfz-Steuer an den Hubraum und den CO2-Ausstoß (und damit an den Verbrauch) des Fahrzeugs. Als Berechnungsgrundlage gelten die Messergebnisse laut der realitätsnahen WLTP-Norm. Dieser Wert ist in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 (ehemals: Fahrzeugschein) im Feld „V.7“ angegeben. Den Hubraum (in ccm) findest Du im Feld „P.1“. Hersteller geben die Daten in den Prospekten, Preislisten und Konfiguratoren an. Vorsicht: Einige schreiben noch den NEFZ-Verbrauch auf – der zählt nicht.

Am ersten Teil der Berechnungstabelle ändert sich nichts. Es bleibt bei einer Pauschale für den Hubraum, die die Kraftstoffart berücksichtigt: Pro angefangene 100 Kubikzentimeter Hubraum kosten Benziner 2,00 Euro und Diesel 9,50 Euro. Gaskraftstoffe (LPG, CNG) werden wie Benzin berechnet.

Die neue Kfz-Steuer verändert den Aufschlag für den CO2-Ausstoß. Dieser Aufschlag wird nicht mehr pauschal (bisher: 2,00 Euro pro Gramm CO2) berechnet. In der neuen Preistabelle steigt der Aufschlag gestaffelt. Wie bisher gibt es für besonders sparsame Autos mit maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer keinen Aufschlag.

Im Bereich von 95 bis 115 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer kostet jedes Gramm CO2 2,00 Euro. In 20-Gramm-Schritten steigt der Preis pro Gramm auf 2,20 Euro, 2,50 Euro, 2,90 Euro und 3,40 Euro. Oberhalb von 195 Gramm beträgt der CO2-Preis pro Gramm 4,00 Euro. Hier die Berechnungstabelle für die Kfz-Steuer 2020 und 2021:

KriteriumKosten von EZ 1.1.2014 bis EZ 31.12.2020Kosten ab EZ 1.1.2021
Hubraum pro angefangene 100 ccmBenzin: 2,00 €; Diesel: 9,50 €Benzin: 2,00 €; Diesel: 9,50 €
CO2-Ausstoß bis 95 g/km0 €0 €
CO2 je g/km 96 bis 115 g/km2,00 €2,00 €
CO2 je g/km 116 bis 135 g/km2,00 €2,20 €
CO2 je g/km 136-155 g/km2,00 €2,50 €
CO2 je g/km 156-175 g/km2,00 €2,90 €
CO2 je g/km 176-195 g/km2,00 €3,40 €
CO2 je g/km > 195 g/km2,00 €4,00 €
Vergünstigung für Autos mit CO2-Ausstoß < 95 g/km-- 30,00 €

Wie viel die passende Versicherung kostet, erfährst Du hier.


Was bedeutet das für mein Auto?

Bei vor dem Stichtag bereits zugelassenen Autos ändert sich nichts. Das gilt auch, wenn Du einen Gebrauchtwagen kaufst und erstmals auf Dich zulässt. Für die meisten Neuwagen dagegen steigen ab 2021 die laufenden Kosten. Nur wenige Modelle stoßen laut Norm höchstens 95 Gramm CO2 pro Kilometer aus und werden damit günstiger. Das schaffen nur Elektroautos oder Plug-in-Hybride, Benziner oder Diesel können das nicht.

Bereits moderne Kompaktwagen mit klassischen Antrieben werden teurer. Beispiel: Ein VW Golf 8 1.0 TSI mit Schaltgetriebe und 110 PS verbraucht laut Norm 5,3 Liter pro 100 Kilometer. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer. Nach dem alten Steuerschlüssel liegt die Kfz-Steuer bei 70 Euro. Mit dem neuen Satz steigt sie, wenn auch nur um einen Euro im Jahr. 

VW Golf 8 dreiviertel-frontansicht
Quelle: TeamOn GmbH Mit dem Golf 8 geht im Jahr 2020 der meistverkaufte Wagen Deutschlands in eine neue Generation

In der Mittelklasse wird es ebenfalls noch nicht kritisch. Ein BMW 330i Touring mit 258 PS stößt laut Norm mindestens 154 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Aktuell kostet er in dieser Konfiguration pro Jahr 158 Euro Steuern. Ab 2021 werden daraus 167,50 Euro. Selbst nach fünf Jahren wird daraus ein Mehraufwand von weniger als 50 Euro.

Starke Kombis aus der oberen Mittelklasse stecken die neue Steuer ebenfalls problemlos weg. Audi gibt für den A6 Avant 50 TDI einen Verbrauch von 7,0 Litern Diesel laut WLTP an. Das entspricht einem Verbrauch von 183 Gramm pro Kilometer. Aktuell kostet so ein Auto 461 Euro Steuern pro Jahr. Daraus werden 504,20 Euro. Macht nach fünf Jahren 216 Euro Mehraufwand. Ein Satz originale Dachgepäckträger kostet mehr.


Fahrzeug-Werke LUEG AG
Mercedes E300 e

Im E300 e koppelt Mercedes einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner an einen E-Motor. Systemleistung: 320 PS.


Welche Autos werden deutlich teurer?

Die neue Steuer wendet den höchsten CO2-Satz erst ab einem Norm-Ausstoß von 195 Gramm pro Kilometer an. Das entspricht einem Verbrauch von 8,2 Litern Benzin bzw. 7,4 Litern Diesel pro 100 Kilometer. So durstig sind nur wenige Modelle. Aber es gibt sie: Sportwagen und dicke SUVs verbrauchen zum Teil deutlich mehr Kraftstoff.

Beispiel Ford Mustang GT: Die jährliche Steuer für den US-Sportler mit seinem 5,0-Liter-V8 (Verbrauch: 11,7 l/100 km) liegt derzeit bei 448 Euro. Mit der Umstellung auf den neuen Berechnungsschlüssel steigt die jährliche Abgabe auf 654 Euro. Innerhalb von fünf Jahren kostet das Coupé also 1.030 Euro mehr. Für das gleiche Geld tankt der Mustang Sprit für etwa 7.000 Kilometer.

Noch teurer werden große SUV-Modelle mit starken Motoren. Der CO2-Ausstoß eines Mercedes-SUV GLS liegt im günstigsten Fall bei 209 Gramm pro Kilometer. Mit dem großen Motor (Mercedes-AMG GLS 63 4Matic+) steigt das Auto bei 286 Gramm pro Kilometer ein. Bisher beträgt die Kfz-Steuer für diesen Antrieb 462 Euro pro Jahr. Daraus werden jetzt 704 Euro. Nach fünf Jahren zahlt man also 1.210 Euro mehr – dafür gibt es zum Beispiel das „Memory-Paket“.

Der Mercedes-AMG GLS 63 in der Frontansicht, fahrend
Quelle: Mercedes Regulär fährt der AMG-GLS 63 250 km/h in der Spitze. Wer das "Driver's Package" wählt, bekommt nochmal 30 km/h oben drauf. Dann stehen maximal 280 km/h auf dem Tacho


Welche Autos werden günstiger?

Während die neue Kfz-Steuer ab 2021 große und starke Verbrenner bestraft, haben andere Autos Vorteile. Besonders sparsame Fahrzeuge kosten weniger als bisher. Dazu gehören alle Autos, die laut WLTP weniger als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Die Steuer berechnet sich hier aus Kraftstoff und Hubraum, abzüglich 30 Euro Vorteil pro Jahr für die Sparsamkeit.

Das bedeutet, dass große und schwere Autos mit einem guten Normverbrauch bevorzugt werden. Volvo XC90 T8, Range Rover P400e Mercedes S560 e L oder BMW 745 Le fallen in diese Kategorie. Sie können halten, was die Datenblätter versprechen – aber nur, wenn die Besitzer regelmäßig elektrisch fahren.

Gut: Diesen Vorteil gibt es nicht nur für Plug-in-Hybride, sondern auch für sparsame Verbrenner. Schade nur, dass es solche Autos praktisch nicht gibt. Während es laut NEFZ noch einige Autos schaffen, wird im WLTP-Zyklus die Luft dünn. Selbst der neue, im ersten Test äußerst sparsame Toyota Yaris Vollhybrid ist mit 97 Gramm CO2 pro Kilometer angegeben.


Toyota Yaris Hybrid

Der Hybrid-Kleinwagen glänzt vor allem im Stadtverkehr


Wann sollte ich mein Auto kaufen?

Als Faustregel gilt: Große und durstige Autos lässt man besser noch 2020 zum ersten Mal zu. Das spart einige 100 Euro, bei einer längeren Haltedauer können es mehr als 1.000 Euro werden. Je nach Modell kann das Auswirkungen auf den Wiederverkaufswert haben, denn Zweitbesitzer wollen ebenfalls sparen.

Beim großen Volumen ist es beinahe egal, hier ändert sich nur wenig am Steuersatz. Liegt der CO2-Ausstoß des Autos laut WLTP-Norm bei maximal 95 Gramm pro Kilometer, lohnt sich der Aufschub ins kommende Jahr. In fünf Jahren – so lange gilt diese Vergünstigung – kommen immerhin 150 Euro zusammen. Bei einem neuen Auto dürfte aber in den meisten Fällen die Freude größer sein, als diese Summe rechtfertigt.

Neue Daten: So stieg die Kfz-Steuer seit 2018

Die Steueranpassung mit stärkerer Berücksichtigung der CO2-Emissionen ist die zweite wichtige Änderung der Kfz-Steuer in kurzer Zeit. Am 1. September 2018 stellt der Staat bereits die Berechnungsgrundlage des CO2-Anteils der Steuer für neu zugelassene Pkw um. Seitdem wird der CO2-Ausstoß nicht mehr im bisherigen NEFZ-Messzyklus, sondern im realitätsnäheren WLTP-Zyklus ermittelt.

Das führt aktuell zu höheren Kfz-Steuern. Die durchschnittliche Steuer auf neu zugelassene Pkw beträgt im August 2018  noch 152 Euro. Das war der letzte Monat nach alter Steuerberechnung. Im September 2018 steigt der Wert sprunghaft auf 187 Euro. Ende 2019 zahlen Halter neu zugelassener Pkw im Schnitt bereits 216 Euro Kfz-Steuer.

Dies ergibt eine Auswertung des Finanzministeriums für den Finanzausschuss des Bundestages, die  der Redaktion vorliegt. Demnach lag die durchschnittliche Steuerlast im August und September 2019 um 40 Prozent über den Vorjahreswerten. Seit Anfang 2020 stabilisiert sich die durchschnittliche Kfz-Steuer auf Neuwagen bei rund 200 Euro. Damit liegt sie aktuell etwa ein Drittel höher als vor Einführung des WLTP.


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Höhere Motorlast, höhere Steuersätze

Wie kommt es zu diesen Steigerungen? Im Prüfverfahren WLTP wird u. a. mit höherer Motorlast getestet. Deshalb erzielen fast alle Autos höhere Verbräuche und damit einen höheren CO2-Wert. Lag der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller im Jahr 2019 neu zugelassenen Pkw nach NEFZ im Schnitt bei 132 g/km, sind es nach WLTP ermittelt 157 g/km.

Beispielrechnung: Ein Benziner mit 1,3 Litern Hubraum zahlt mit diesen Werten bei der Messung im alten Zyklus 100 Euro Steuer. Im WLTP-Zyklus steigt die Steuer um satte 50 Prozent auf 150 Euro. Zudem muss der WLTP-Wert für jede lieferbare Variante des jeweiligen Automodells gemessen werden. Ein Auto mit mehr Ausstattung und dadurch höherem Leergewicht kostet gegebenenfalls mehr Steuern, wenn sich ein höherer WLTP-Wert ergibt. Mehr Infos zu den geltenden Abgasnormen findest Du hier.

Die meisten zahlen mehr

Die Behörde hat die ersten 12 Monate mit der neuen Regelung nun ausgewertet. Ergebnis: Die meisten Fahrzeugbesitzer zahlen mehr. Im Zeitraum vom 1. September 2018 bis 31. August 2019 werden insgesamt 3,137 Mio. Pkw mit Verbrennungsmotor neu zugelassen. Davon kommen 98 Prozent im WLTP-Zyklus auf einen höheren CO2-Ausstoß als zuvor.

Bei knapp der Hälfte sind es plus 20 Prozent, bei weiteren 40 Prozent zwischen 20 und 30 Prozent Zunahme sowie bei 7 Prozent mehr als 30 Prozent. Nur bei 2 Prozent der Autos bleiben die Werte gleich oder sinken. Rund 20.000 Autos, etwa 0,7 Prozent der Neuzulassungen, stoßen nach der Umstellung weniger als 95 g/km CO2 aus. Das führt zur Steuerfreiheit des CO2-Anteils.

Das Finanzministerium führt aus: Die WLTP-Einführung sei nicht allein für die stark gestiegene Steuerlast bei Neuwagen verantwortlich. Gleichzeitig habe sich die Zusammensetzung der Neuwagenflotte nach Segmenten, Antriebsarten und Hubraum geändert. Im Klartext: Es werden mehr Autos mit höherem Verbrauch zugelassen. Jedoch beziffert die Behörde den WLTP-Einfluss auf immerhin 80 Prozent.

Keine höheren Steuern bei Gebrauchtwagen vor 2018

Insgesamt nahm das Finanzministerium im Jahr 2019 rund 9,37 Milliarden Kfz-Steuer ein. Das sind 3,6 Prozent mehr als 2018. Als Hauptgrund für die seit Jahren steigenden Einnahmen nennt das Ministerium den Zuwachs im Fahrzeugbestand und Veränderungen in seiner Zusammensetzung. Aber: Die Zunahme 2019 ist dreimal höher als die 2018 (1,1 %).

Nach Ansicht der Bundesbehörde ist die Besteuerung nun gerechter, da das bisherige Regelwerk „Unzulänglichkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten“ aufgewiesen habe. Viele Autos kamen also besser weg als politisch gewollt. Eine Ausweitung der Besteuerung nach WLTP auf Gebrauchtwagen müssen Autofahrer jedoch nicht fürchten. Dies könne für den „am 1. September 2018 bereits vorhandenen Fahrzeugbestand mit vertretbarem Aufwand nicht nachgeholt werden“, heißt es im Bericht. Einen ähnlichen Schnitt in der Steuerberechnung gab es zuletzt 2009: Zuvor spielte der CO2-Wert keine Rolle. Autos, die vor November 2008 erstmals zugelassen wurden, berechnet die Zollbehörde nach Hubraum und Schadstoffen. Für eine CO2-basierte Besteuerung dieser heute noch rund 17 Millionen zugelassenen Autos gebe es keine brauchbaren Daten, so das Ministerium.



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