Das Wichtigste: Fahrstufe N einlegen

Automatik-Auto abschleppen: Worauf musst Du achten?

Beim Abschleppen eines Autos mit Automatikgetriebe gilt besondere Vorsicht. Die Schaltbox kann unter Umständen kaputtgehen und eine neue ist ziemlich teuer.

  • Fabian Hoberg
  • 0
  • Veröffentlicht am 01/29/2020, 1:11 PM
Ein Saab hängt am Abschleppseil.
Quelle: dpa / Picture Alliance Wenn ein Pkw mit Automatik im falschen Gang oder über eine zu lange Strecke gezogen wird, kann das Getriebe kaputtgehen

Der Motor orgelt müde, aus dem Auspuff kommt nur ein laues Lüftchen. An Fahren ist nicht mehr zu denken. Da hilft nur, den Pannendienst zu rufen oder das Auto bis zur nächsten Werkstatt abzuschleppen. An sich kein Problem. Hat das Auto allerdings am Motor ein Automatikgetriebe oder ein Doppelkupplungsgetriebe angeflanscht, wird es komplizierter. Die Automaten verlangen mehr Rücksicht als manuelle Getriebe. Wir sagen Dir, wie Du ein Auto mit Automatikgetriebe richtig abschleppen kannst.



Welche Besonderheiten gibt es beim Abschleppen mit Automatikgetriebe?

Automatik oder Doppelkupplungsgetriebe verfügen je nach Hersteller und Modell über einen Drehmomentwandler oder eine Ölbadkupplung, die permanent mit Öl versorgt werden muss. In der Regel wird vom Motor eine entsprechende Pumpe am Getriebe angetrieben. Läuft der Motor nicht, kann die Pumpe nicht arbeiten, keinen Druck aufbauen und das Getriebe kann an einigen beweglichen Teilen nach wenigen Kilometern trocken laufen. Falls der Motor noch anspringt, sollte er beim Abschleppen deshalb im Leerlauf mitlaufen.

Welche Einstellungen sind wichtig?

Um ein Auto mit Automatik an den Haken nehmen zu können, musst Du die Fahrstufe N (für Neutral) einlegen. Nur so lässt sich das Fahrzeug mit diesem Getriebe abschleppen. Bei P bleibt das Getriebe in der Parkposition und sperrt die Räder.

Eine Hand bedient einen Automatikwählhebel und schaltet ihn auf "N".
Quelle: dpa / Picture Alliance Um ein Auto mit Automatik an den Haken nehmen zu können, musst Du die Fahrstufe N (für Neutral) einlegen

Was passiert, wenn ein Automatik-Auto falsch abgeschleppt wird?

Wenn der Pkw mit Automatik in den falschen Gängen oder über eine zu lange Strecke gezogen wird, kann das Getriebe kaputtgehen. Je nach Marke und Modell kann ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe oder Doppelkupplungsgetriebe bis zu 80 Kilometer mit einem Seil oder einer Stange gezogen werden. Genaue Angaben stehen in der Bedienungsanleitung. Daran solltest Du Dich unbedingt halten, denn ansonsten verlierst Du Deinen Anspruch auf Gewährleistung oder Garantie für die Reparatur eines Getriebe-Defektes – und diese Reparatur oder gar ein neues Automatikgetriebe sind sehr teuer (mindestens 2.000 Euro).


Ein Citroen C3 steht vor einer Wand mit Graffiti.
Sparsame Benziner

Mit diesen Autos sparst Du an der Tankstelle, denn sie verbrauchen maximal 5 Liter Benzin pro 100 km


Worauf musst Du generell beim Abschleppen achten?

Je nach Marke und Modell kannst Du ein Fahrzeug mit Automatik mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h ziehen. Sicherer bist Du unterwegs, wenn Du nur 40 km/h fährst, ganz gleich, ob mit Seil oder Abschleppstange. Schneller als 50 km/h solltest Du auf keinen Fall fahren, weil sonst einzelne Bauteile ohne ausreichend Ölversorgung heiß laufen und kaputtgehen können.

Ein Automatikwählhebel von BMW zeigt an, dass er in der Parkposition steht.
Quelle: dpa / Picture Alliance Auf keinen Fall solltest Du abschleppen, wenn das Getriebe in der Parkposition steht

Abfahrt von der Autobahn

Wenn der Pkw mit Automatikgetriebe auf der Autobahn liegengeblieben ist, darfst Du ihn abschleppen. Allerdings musst Du auf dem kürzesten Weg die Autobahn verlassen, am besten an der nächsten Ausfahrt (StVO § 15a). Schleppst Du Dein Auto auf der Autobahn ab, gilt wie auf der Landstraße auch die maximale Geschwindigkeit, die Du mit dem Automatik-Fahrzeug laut Bedienungsanleitung fahren darfst. Dies ist einer der Gründe dafür, warum Du die Autobahn so schnell wie möglich verlassen solltest. Mit einer Geschwindigkeit von rund 40 km/h stellst Du sogar auf dem Standstreifen eine Gefahr für den übrigen Verkehr dar. Mit dem Abschlepp-Gespann darfst Du übrigens unter keinen Umständen auf die Autobahn auffahren.

Womit abschleppen?

Zum Abschleppen des Autos mit Automatikgetriebe benötigst Du ein Abschleppseil oder besser eine Abschleppstange. In den meisten Autos liegt ein Seil, weil es klein und kompakt in den Kofferraum des Wagens passt. Praktischer als Abschleppseile sind Abschleppstangen, da die starre Stange für einen konstanten Abstand zwischen beiden Autos sorgt und verhindert, dass der Hintermann versehentlich auffährt.

Weitere Hinweise

Beim Abschleppen gelten für beide Fahrzeuge strenge Regeln. Generell ist das Abschleppen von Pkw nur in Notsituationen erlaubt, etwa dann, wenn ein Defekt vorliegt. Ein leerer Tank zählt dazu nicht. Beide Fahrzeuge müssen beim Abschleppen die Warnblinkanlage einschalten. Funktioniert diese nicht, darfst Du das Fahrzeug nicht abschleppen.



Der Zündschlüssel muss in der Position „Zündung an“ stehen, ansonsten kann das Lenkradschloss einrasten – und das Lenken unmöglich machen. Wenn der Motor nicht läuft, funktionieren auch Bremskraftverstärker und Servolenkung nicht. Der Fahrer im havarierten Auto muss deshalb frühzeitig und fester Bremsen als gewohnt, dazu verlangt das Lenkrad höhere Lenkkräfte.

Deshalb ist es sinnvoll, wenn beide Fahrer vor dem Abschleppen Handzeichen vereinbaren, um sich vor Bremsmanöver und Richtungswechsel besser verständigen zu können. Generell empfehlen wir aber, das Auto mit Automatikgetriebe von einem professionellen Abschleppunternehmen zur nächsten Werkstatt bringen zu lassen.

Bei einigen Fahrzeugmodellen kann die Verbindung zwischen Antriebsachse und Getriebe gekappt werden, so dass Schäden minimiert oder ausgeschlossen werden können.

Abschleppen von Elektroautos mit Automatikgetriebe

Elektroautos, die fast ausschließlich mit einem Ein- oder Zweigang-Automatikgetriebe ausgestattet sind, können nicht abgeschleppt werden. Denn häufig wird über eine Achse Energie erzeugt (Rekuperation), die den Akku lädt. Kann diese Energie nicht durch andere Verbraucher abfließen, kann die Batterie überhitzen und kaputtgehen. Daher sollten havarierte Elektroautos immer von professionellen Abschleppunternehmen an den Haken genommen werden.


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