Design und Karosserie
Der 2020 eingeführte Toyota Mirai (JPD20) tritt als fast fünf Meter lange Limousine der oberen Mittelklasse an und orientiert sich stärker an klassischen Premium-Limousinen als das kantige erste Modell. Die Proportionen mit langer Motorhaube, flachem Dach und kurzem Heck strecken die Silhouette, der Luftwiderstand bleibt trotz markanter Linien gering und unterstützt die Reichweite. Die voluminöse Heckschürze verrät die untergebrachten Wasserstofftanks, fügt sich aber stimmig ins Gesamtbild ein. Im Markenportfolio übernimmt der Mirai die Rolle eines Technik-Flaggschiffs unterhalb der Lexus-Modelle und bleibt ein bewusst exklusives Angebot.
Innenraum und Platzangebot
Im Innenraum wirkt die Limousine deutlich erwachsener als der viersitzige Vorgänger. Längerer Radstand und das neue Heckantriebskonzept schaffen vorne und hinten mehr Beinfreiheit, sodass fünf Personen grundsätzlich Platz finden. Der mittlere Fondsitz fällt wegen Kardantunnel und breiter Mittelkonsole jedoch weniger bequem aus. Vorne sitzt der Fahrer angenehm tief, das leicht zum Fahrer orientierte Cockpit mit digitalen Instrumenten und großem Zentralbildschirm erscheint übersichtlich. Materialien und Verarbeitung wirken solide, im unteren Bereich bleiben einfache Kunststoffe sichtbar. Der Kofferraum schrumpft durch die drei Hochdrucktanks spürbar, die starre Rückbank ohne Durchlade- oder Umklappmöglichkeit begrenzt den Nutzwert zusätzlich.
Antrieb, Fahrgefühl und Effizienz
Die Technik des Mirai basiert auf einer Polymerelektrolyt-Brennstoffzelle, die Wasserstoff in elektrische Energie wandelt, und einem permanenterregten Synchronmotor an der Hinterachse. Die Leistung von 134 kW (182 PS) genügt für flüssiges Vorankommen im Alltag, ohne den Charakter in Richtung Sportlichkeit zu treiben. Der Antrieb arbeitet nahezu vibrationsfrei, Wind- und Abrollgeräusche bleiben gut gedämmt, was den Langstreckenkomfort stärkt. Das weich abgestimmte Fahrwerk mit Mehrlenkerachsen rundum bügelt Unebenheiten sauber weg und hält den Aufbau trotzdem stabil. Das Gewicht von rund 1.900 kg fällt beim Beschleunigen und in engen Kurven auf, wirkt dank niedrigem Schwerpunkt und der im Vergleich zum ersten Mirai verbesserten Balance jedoch gut kontrollierbar.
Reichweite, Tanken und Alltagstauglichkeit
Ein zentrales Argument für den Mirai bleibt die Reichweite. Drei Kohlefaser-Tanks speichern zusammen 5,6 kg Wasserstoff, was nach Prüfzyklus etwa 650 Kilometer und in der Praxis oft deutlich über 500 Kilometer ermöglicht. Der Verbrauch liegt bei rund 0,8 kg Wasserstoff auf 100 Kilometer. Das Tanken an 700-bar-Stationen dauert nur wenige Minuten und ähnelt einem herkömmlichen Verbrenner, hängt in der Praxis aber stark von der Leistungsfähigkeit der jeweiligen Anlage ab. Die sehr dünne Wasserstoff-Infrastruktur beschränkt den Einsatz derzeit im Wesentlichen auf bestimmte Korridore und Ballungsräume. Als direkte Alternative tritt vor allem der Hyundai Nexo auf, der als SUV andere Schwerpunkte setzt. Für Pendler mit fester Tankstelle oder Flotten in Metropolregionen kann das Konzept funktionieren, spontane Langstrecken quer durch Europa erfordern dagegen weiterhin Planung.
Fazit
Der Toyota Mirai (JPD20) präsentiert sich als leise, komfortable und technisch anspruchsvolle Limousine für eine kleine, spezialisierte Zielgruppe. Stärken liegen im angenehmen Fahrkomfort, der umfangreichen Sicherheitsausstattung und der im Vergleich zu batterieelektrischen Fahrzeugen kurzen Tankdauer bei gleichzeitig großer Reichweite. Dagegen wirken der eingeschränkte Kofferraum, die geringe Variabilität und vor allem das dünne Netz an Wasserstofftankstellen, das die Alltagstauglichkeit stark vom Wohnort abhängig macht. Bei vorhandener Wasserstoff-Infrastruktur bietet der Mirai einen lokal emissionsfreien Antrieb ohne lange Ladepausen und ordnet sich mit Konzept und Auftritt in der oberen Mittelklasse ein, bleibt aber weiterhin ein bewusstes Nischenangebot.