Konzept und Rolle
Mit dem 2024 eingeführten Renault Scenic E-TECH (J9) kehrt der bekannte Name als vollelektrischer Familien-Crossover zurück und ersetzt den früheren Kompaktvan mit Verbrennungsmotor. Die Neuauflage legt mehr Wert auf Reichweite, Effizienz und moderne Assistenzsysteme als auf maximale Variabilität mit Einzelsitzen. Ein vorderer Elektromotor steht in zwei Leistungsstufen mit 125 kW (170 PS) und 160 kW (218 PS) zur Wahl. Dazu kommen Lithium-Ionen-Batterien mit 60 und 87 kWh, die den Bedarf vom überwiegend städtischen Einsatz bis zur regelmäßigen Langstrecke abdecken. Im Markenportfolio rangiert der Scenic oberhalb des Megane E-TECH und zielt auf Familien, die ein geräumiges Elektroauto ohne ausgeprägte Sportambitionen suchen.
Design und Raumgefühl
Optisch orientiert sich der Scenic an SUV-Crossovern und bleibt mit rund 4.470 mm Länge handlich. Versenkbare Türgriffe und eine relativ flache Front verbessern die Aerodynamik und senken den Verbrauch. Im Innenraum prägen ein großes, hochformatiges Zentraldisplay und ein digitales Kombiinstrument den modernen Eindruck, auch wenn manche Untermenüs etwas verschachtelt wirken. Vorn sitzen auch große Personen bequem, im Fond reicht der Platz für vier Erwachsene, nur der Fußraum unter den Vordersitzen fällt etwas knapp aus. Der Kofferraum fasst laut Hersteller 545 Liter und wächst bei umgelegter Rückbank auf bis zu 1.670 Liter, eine hohe Ladekante und eine Stufe in der Fläche schränken den Alltagsnutzen jedoch etwas ein. Die gute Geräuschdämmung hält den Innenraum auch bei Autobahntempo angenehm ruhig.
Antrieb und Fahrverhalten
Der Elektromotor an der Vorderachse leistet je nach Ausführung 125 kW (170 PS) oder 160 kW (218 PS) und ermöglicht eine zügige, aber unaufgeregte Beschleunigung. Die stärkere Variante erreicht in unter acht Sekunden 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Vor allem die Version mit großem Akku bietet hohe Reichweite bei moderatem Verbrauch, wodurch auch längere Etappen mit wenigen Ladestopps gelingen. An Schnellladesäulen lädt der Scenic mit bis zu etwa 150 kW, an Wechselstrom-Säulen mit bis zu 22 kW, was den Alltag mit häufigem Laden vereinfacht. Beim Fahrverhalten setzt Renault klar auf Sicherheit statt Sportlichkeit. Die Lenkung reagiert direkt, das Stabilitätsprogramm ESP greift früh ein und leichte Untersteuertendenzen halten das Auto berechenbar. Auf schlechten Straßen wirkt die Hinterachse etwas straff, auf der Autobahn überzeugt der Federungskomfort.
Komfort, Bedienung und Kosten
Komfortsitze, eine effiziente Wärmepumpe und optionale Extras wie ein elektrochromes Glasdach betonen den Langstreckencharakter. Ein zentraler Tastendruck wechselt von der vollen Aktivierung der Assistenten auf ein persönliches Profil und reduziert akustische Warnhinweise. Das Android-basierte Multimediasystem mit Google-Diensten reagiert schnell, verlangt aber etwas Eingewöhnung. Die Materialqualität im Sichtbereich wirkt solide, einzelne Elemente im Fond und an der Tablet-Halterung fallen einfacher aus. Kritisch bleiben die im Wettbewerbsvergleich kurze Fahrzeuggarantie von zwei Jahren und das insgesamt hohe Preisniveau, auch wenn die Betriebskosten durch den Elektroantrieb moderat ausfallen.
Fazit
Im Ergebnis präsentiert sich der Scenic als praktischer Elektro-Crossover mit viel Platz, guter Reichweite und umfassender Sicherheitsausstattung. Er verzichtet auf sportliche Inszenierung und auf manche Van-Details des Vorgängers, bietet dafür einen ruhigen Antrieb, effizienten Betrieb und ein alltagstaugliches Ladesystem. Schwächen bei Ladeboden und Detailqualität bleiben überschaubar und ändern wenig am insgesamt ausgewogenen Gesamtbild des Modells.