Einordnung und Konzept
Der 2008 angebotene Renault Grand Scénic (J9) gehört zur zweiten Generation des französischen Kompaktvans und stellt die verlängerte Variante mit optionaler dritter Sitzreihe dar. Gegenüber dem ersten Scénic wächst das Fahrzeug deutlich in Länge und Radstand und richtet sich stärker an Familien mit hohem Platzbedarf. Im Vergleich zu früheren Ausführungen des Grand Scénic überarbeitete Renault die Optik behutsam, verfeinerte die Dieselpalette und führte den Rußpartikelfilter breiter ein.
Design und Raumangebot
Die knapp viereinhalb Meter lange Karosserie wirkt sachlich und funktional, mit großer Glasfläche und steiler Heckpartie. Der lange Radstand schafft in Reihe zwei ein gutes Platzangebot, drei Einzelsitze bieten viel Bewegungsfreiheit. Der Kofferraum fasst bei fünfsitziger Nutzung 513 Liter und lässt sich durch Umklappen oder Ausbau der Sitze zu einer ebenen, bis zu 2015 Liter großen Ladefläche erweitern. Die optionalen Sitze in Reihe drei eignen sich eher für Kinder und weniger für Erwachsene. Der geringe Öffnungswinkel der Heckklappe erschwert das Beladen unter niedrigen Decken.
Innenraum und Bedienung
Im Innenraum dominieren helle Materialien und eine erhöhte Sitzposition, die eine gute Übersicht ermöglicht. Viele Ablagen und Fächer unter den Sitzen oder im Fahrzeugboden steigern den Alltagsnutzen. Die Bedienstruktur mit zentral angeordnetem Digitaldisplay, zahlreichen Schaltern in der Mittelkonsole und zusätzlicher Fernbedienung am Lenkrad wirkt teilweise verschachtelt und verlangt Eingewöhnung. Die Sitze unterstützen auch auf langen Strecken, die Einzelsitze im Fond lassen sich verschieben oder herausnehmen und machen den Van flexibel für Umzüge, Urlaubsfahrten oder den Kindertransport.
Motor, Fahrverhalten und Verbrauch
Der 1,9-Liter-Common-Rail-Diesel mit Turboaufladung liefert kräftigen Durchzug und passt gut zum eher komfortorientierten Charakter. Auch mit voller Beladung oder Anhänger bleibt genügend Leistungsreserve, die Geräuschkulisse bleibt dabei moderat. Das weiche Fahrwerk schluckt Querfugen sauber und hält den Aufbau dennoch ausreichend im Zaum, sodass der Grand Scénic sicher, aber nicht sportlich fährt. Die Lenkung könnte mehr Rückmeldung geben, arbeitet im Alltag jedoch präzise genug. Der Dieselverbrauch liegt im Klassenvergleich im Mittelfeld und profitiert auf der Langstrecke von der langen Übersetzung des Sechsganggetriebes, im Stadtverkehr steigt er allerdings spürbar an.
Sicherheit und Alltag
Die Sicherheitsausstattung mit mehreren Airbags, Isofix, Stabilitätsprogramm und Bremsassistent bietet einen hohen Schutzstandard, was auch die Crashtest-Ergebnisse belegen. Details wie die automatische Parkbremse oder die Keycard erleichtern den Alltag, optionale Einparkhilfen und das Navigationssystem unterstützen vor allem im dichten Verkehr und auf unbekannten Strecken. Unterhaltskosten und Steuer fallen aufgrund des größeren Diesels etwas höher aus, dafür bietet der Grand Scénic viel Raum pro Euro.
Fazit
Insgesamt zeigt der Renault Grand Scénic (J9) einen vielseitigen Familienvan mit hohem Nutzwert und guter Sicherheit. Der große, gut nutzbare Kofferraum, die variable Innenraumgestaltung und der komfortable Charakter sprechen für das Modell. Die etwas umständliche Bedienung, die enge dritte Sitzreihe und der nur durchschnittliche Verbrauch bleiben jedoch klare Schwächen, die bei der Entscheidung für diesen Kompaktvan eine Rolle spielen.