Der Opel Ampera-e (1G0F) markiert seit 2017 für die Marke den Schritt vom teilweise elektrischen Modell mit Reichweitenverlängerer zum vollwertigen Batterieauto in der kompakten Klasse. Technisch eng mit dem Chevrolet Bolt verwandt, verbindet er einen kräftigen Elektromotor mit einem vergleichsweise geräumigen Innenraum auf kleiner Grundfläche.
Design und Raumgefühl
Mit rund 4.160 mm Länge und der erhöhten Dachlinie wirkt der Ampera-e wie eine Mischung aus Schrägheck und kleinem Van. Die hohen Sitze erleichtern den Einstieg und verschaffen im Verkehr einen guten Überblick, auch wenn breite Dach- und Heckpfosten die Rundumsicht beim Rangieren einschränken. Vorn fallen Kopf- und Beinfreiheit großzügig aus, hinten reicht der Platz für zwei Erwachsene, während der mittlere Platz eher als Notsitz dient. Der Kofferraum fasst 381 Liter und wächst bei umgeklappter, geteilt klappbarer Rückbank auf bis zu 1.274 Liter. Dieses Volumen genügt für Familienalltag und Freizeitaktivitäten.
Innenraum und Verarbeitung
Das Cockpit setzt auf ein großes Zentraldisplay und ein digitales Kombiinstrument, was gut zum elektrischen Anspruch passt. Bedienlogik und Menüführung erfordern etwas Eingewöhnung, danach gelingt die Nutzung weitgehend intuitiv. Zahlreiche Ablagen und Becherhalter unterstreichen den praktischen Charakter. Die Materialanmutung bleibt jedoch hinter dem hohen Neupreis zurück: Viele Hartkunststoffe und einfache Dekore wirken nüchtern, auch wenn die Montagequalität ordentlich ausfällt. Gegenüber dem flacheren Vorgänger Ampera schafft die neue Architektur ohne Mitteltunnel und Tanksystem spürbar mehr Bewegungsfreiheit im Innenraum.
Antrieb und Fahrverhalten
Mit 150 kW (204 PS) und 360 Nm wirkt der Ampera-e im Alltag lebhaft, besonders beim Anfahren und im Stadtverkehr. Der Frontantrieb hat mit dem Drehmoment gut zu tun, auf nassem Untergrund greift die Traktionskontrolle häufig ein und hält das Auto sicher in der Spur. Das Fahrwerk ist komfortorientiert abgestimmt und filtert Schlaglöcher wirksam heraus. In schnell gefahrenen Kurven macht sich das Fahrzeuggewicht von knapp 1.700 kg durch spürbare Wankbewegungen bemerkbar. Die Lenkung arbeitet ausreichend präzise, liefert aber nur begrenzt Rückmeldung. Insgesamt zeigt der Ampera-e einen eher souveränen und gelassenen als sportlichen Charakter.
Reichweite und Laden
Zentrale Komponente ist die Lithium-Ionen-Batterie mit 60,0 kWh Bruttokapazität, die im gemischten Betrieb Reichweiten von etwa 340 Kilometern erlaubt, bei zurückhaltender Fahrweise sind mehr möglich. Der Normwert von 520 Kilometern bleibt unter Praxisbedingungen meist unerreichbar, vor allem bei hohen Geschwindigkeiten steigt der Verbrauch deutlich an. Rekuperation beim Schub und Bremsen verlangsamt das Auto und speist Energie zurück, im stärkeren Modus reicht oft das Lupfen des Fahrpedals. Geladen wird per Typ 2 mit bis zu 22 kW Wechselstrom oder per CCS mit 50 kW Gleichstrom. Damit lässt sich die Batterie in einer Mittagspause deutlich auffrischen.
Alltagstauglichkeit und Kosten
Im Alltag eignet sich der Ampera-e besonders für Pendler, Stadtbewohner und kleine Familien, die gelegentlich längere Strecken fahren. Begrenzte Schnellladeleistung und die auf 150 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit machen ihn auf sehr langen Autobahnetappen weniger entspannt als einige Elektroautos mit höherer Ladeleistung. Niedrige Energiekosten und überschaubarer Wartungsaufwand wirken positiv, zumal der Hersteller eine lange Garantie auf die Hochvoltbatterie eingeräumt hat. Ein Rückruf wegen möglicher thermischer Probleme im Batteriepaket führte zu Softwarebeschränkungen des maximalen Ladezustands, die das Risiko mindern sollen.
Unterm Strich überzeugt der Opel Ampera-e (1G0F) mit kräftigem Antrieb, alltagstauglicher Reichweite und gutem Raumangebot, verlangt jedoch Kompromisse bei Innenraumwertigkeit, Schnellladen und ursprünglich hohem Preis.