Mercedes Viano (Serie)

Alle Modelle mit Tests, Daten, Preisen und Kosten

Bevor Mercedes die V-Klasse zu ihrer aktuellen Form reanimierte, stellten die Schwaben dem Platzhirsch unter den Kleinbussen, der VW T-Baureihe, den Viano entgegen. Das familientaugliche Modell der Baureihe 639 war wie dessen Transporter-Variante Vito von 2003 bis Anfang 2014 auf dem Markt – regulär mit Hinterradantrieb, aber auch als Allrad-Modell oder mit 224 PS starkem V6-Motor. Anfangs nicht gerade sparsam, bemühte sich Mercedes im Laufe der Bauzeit um effizientere Motoren. Auch Komfort und Sicherheitsausstattung wurden optimiert. Allerdings wurde der Viano dabei auch immer teurer.

Wie viel ist dein Auto wert?

Kostenlose Autobewertung - schnell und unverbindlich
Jetzt kostenlos bewerten
Daten

Daten

Der Kleinbus wurde in drei Längen von 4,75 Metern bis 5,22 Metern und mit zwei Radständen gebaut. Das Ladevolumen liegt bei bis zu 970 Litern, ohne dass Sitze oder Bänke ungelegt oder ausgebaut werden müssen. Unter der Motorhaube sind werksseitig Vier- und Sechszylinder montiert, die bei den Benzinern von 190 PS bis 258 PS leisten, bei den Selbstzündern von 88 PS bis 224 PS. Damit erreichte der schnellste Van etwas mehr als 200 km/h. Die genügsamsten Diesel neuerer Bauart unterbieten im Normverbrauch die 8-Liter-Grenze.

  • drei Längen
  • zwei Radstände
  • Vier- und Sechszylinder-Motoren
null
Test

Test

Mehr Platz und bequemere Sitze wurden dem Viano gegenüber dem VW T5 in Tests bescheinigt. Das Fahrwerk gilt als sicher und komfortabel, was man bei Mercedes aber auch erwarten darf. Ungewöhnlich und unvereinbar mit dem Premiumanspruch ist dagegen die eher gefühllose Lenkung. Auch die Vierzylinder-Diesel, wenn auch teils recht verbrauchsgünstig, lassen Laufkultur vermissen, was für die durstigeren V6-Maschinen natürlich nicht gilt. Schon zu Bauzeiten leicht aus der Zeit gefallen war die Automatik, weil sie nur fünf Gänge bot, deren ungenügende Spreizung bei höherem Tempo hohe Drehzahlen bescherte. Dafür kann der Viano ordentlich schleppen: Die Zuladung ist hoch, ebenso wie die Anhängelast.

  • gutes Raumangebot
  • veraltete Automatik
  • sicheres Fahrverhalten
null
Preise

Preise

Der Viano war als Neuwagen – wie jeder Mercedes – ein teures Auto und lag stets ein paar tausend Euro über einem vergleichbaren VW Bus T5, der auch noch nie ein Schnäppchen war. Zum Basispreis von 32.085 Euro auf dem Markt eingeführt, kostete die günstigste Version ab dem Facelift von 2010 schon 38.700 Euro. Auch die Extras waren seinerzeit teuer. Dazu kommt, dass die Restwertentwicklung trotz Mercedes-Image ungünstiger als beim VW-Bus ausfällt. Fixkosten aus Versicherungsbeitrag und Steuern liegen auf durchschnittlichem Niveau und variieren je nach Verbrauch und CO2-Ausstoß.

  • einst hoher Neuwagenpreis
  • mittelmäßige Restwertentwicklung
  • durchschnittliche Fixkosten
null
Beschreibung

Serienbeschreibung

Der Name geisterte schon länger durch die Medien – 2003 war es soweit: Der Mercedes Viano trat als Nachfolger der ersten Generation der seit 1996 angebotenen V-Klasse (Baureihe 638) an. Im Herbst des Jahres rollten die ersten Exemplare der in drei Längen verfügbaren Großraumlimousine zu den Händlern.


Seitenansicht
Der Kleinbus mit dem Stern war ein flotter Geselle.

Die Fahrzeuge waren wahlweise 4,75 Meter, 4,99 Meter oder 5,22 Meter lang und wurden in zwei Radständen angeboten (3,20 und 3,43 Meter). Entsprechend variierte der reguläre Stauraum bei voller Bestuhlung zwischen 430 Litern und 970 Litern. Wie für einen Kleinbus erwartbar, ließen sich die Sitzbank im Fünfsitzer und die sechs Einzelsitze längsverschieben, je nach Variante auch umklappen oder ausbauen, um Platz für mehr Ladegut zu schaffen. Das Platzangebot war gut – sogar noch etwas besser als im VW-Bus. Vor allem reiste man auf den serienmäßigen Einzelsitzen bequemer als auf der Standardbank im Wolfsburger. Auf allen Plätzen konnten selbst 1,90-Meter-Personen nicht über mangelnde Kopffreiheit klagen. 

In 8,4 Sekunden auf 100 km/h

Als Motorisierungen boten die Stuttgarter zum Markstart zwei CDI-Turbodiesel (Schadstoffklasse Euro 3) mit 88 PS und 150 PS, bei den Benzinern verrichteten zwei V6-Saugmotoren mit 190 PS oder 218 PS die Arbeit. Damit war der Kleinbus mit dem Stern ein recht flotter Geselle. Beim stärkeren Sauger gelang der Sprint auf Tempo 100 in 8,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit bezifferte Mercedes mit 191 km/h – womit der Viano zu den schnellen Kleinbussen gehörte, die mit ihrem Verhalten auf der Autobahn für reichlich Diskussionen sorgten.

Die Kraftübertragung erfolgte per 6-Gang-Handschalter oder 5-Gang-Automatik. Das Motorenprogramm baute der Hersteller später weiter aus – auch mit kräftigen Sechszylinder-Dieseln. 2005 zogen Rußpartikelfilter ein – allerdings waren sie mit knapp 700 Euro aufpreispflichtig.

Außer Konkurrenz fuhr ab 2004 die Brabus-Version, die der Bottroper Mercedes-Tuner für mehr als 130.000 Euro anbot. Der High-Performance-Van besaß einen 6,1-Liter-V8 mit 426 PS, der maximal 621 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle stemmte. Das bedeutete eine Sprintzeit von 6,2 Sekunden auf Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h.

Marco Polo vs. California

In puncto Sicherheit wusste der Viano die Zielgruppe – Familien und Shuttle-Services etwa – mit dem serienmäßig verbauten Schleuderschutz ESP und einem hydraulischen Bremsassistenten zunächst jedoch nicht so recht zu überzeugen. So gehörten nur zwei Airbags, für Fahrer und Beifahrer, zur Serienausstattung. Seitenairbags kosteten Aufpreis. Zwei Jahre nach dem Markstart bot Mercedes dann auch Airbags für die Fondpassagiere. Isofix-Kindersitzhalterungen wurden dagegen von Beginn an ab Werk geliefert.

Auf der IAA für Nutzfahrzeuge 2004 in Hannover zeigte sich der Viano als Visionär: Von ihm abgeleitet präsentierte Mercedes dort mit der Studie Viano Activity einen Vorboten der X-Klasse, die seit Ende 2017 bei den Pick-ups mitmischt. Als Konkurrenz zum VW Bus California gab es außerdem die Version „Marco Polo“ mit Wohnmobil-Ausbau, die es später, wie andere Ausführungen auch, mit Allradantrieb zu kaufen gab. Höheren Ausstattungsansprüchen sollten die Ausführungen X-Clusive (ab 2007) und Avantgarde Edition 15 (ab 2011) genügen.

2006 zog unter die Fronthaube der V6-Diesel ein. Der 3.0 CDI fuhr mit serienmäßigem Partikelfilter vor und kostete mindestens 39.085 Euro, rund 7.000 Euro mehr als das Einstiegsmodell von einst. Bei 204 PS und 440 Nm Maximal-Drehmoment lag die Beschleunigung auf 100 km/h bei 9,2 Sekunden, und er war mit bis zu 198 km/h noch schneller als die Sechszylinder-Benziner. Dagegen lag der Normverbrauch mit 9,2 Litern mehr als drei Liter unter dem des Benziners. Später folgte ein nochmals 20 PS stärkerer Selbstzünder.

Mehr Effizienz und Sicherheit

Ab 2007 legte Mercedes bei der Sicherheitsausstattung nach. Kunden konnten ein erweitertes ESP mit Anhängerstabilisierung bestellen. Mittels automatischer Bremseingriffe versprach Mercedes ein Schleudern auch dann unterbinden zu können, wenn der Hänger etwa bei Seitenwind oder plötzlichen Spurwechseln ins Schlingern geriet. Ein Jahr später ergänzte ein adaptives Bremslicht die Ausstattung, das bei Bremsmanövern durch Flackern Auffahrunfälle vermeiden helfen sollte.

Die einzige größere Modellpflege von 2010 bescherte dem Viano ein neues Frontdesign mit größeren Stoßfängern und umgestalteten Scheinwerfern, die eine LED-Leiste als Tagfahrlicht erhielten sowie ein feineres Interieur mit neuen Bedienelementen. Seine Herkunft aus der Nutzfahrzeugsparte konnte der Viano damit jedoch immer noch nicht so recht kaschieren.

Dafür gab es nochmals sparsamere Motoren. Die Vierzylinder-Diesel wurden durch eine neue Generation ausgetauscht, für die Mercedes eine Normverbrauchseinsparung von bis zu 21 Prozent versprach. Nochmals 0,5 Liter weniger Verbrauch stellte die Marke Kunden in Aussicht, die ein Blue-Efficieny-Paket mit Start-Stopp-Automatik und Leichtlaufreifen bestellten. Der bereits erwähnte 224 PS starke V6 wurde ins Programm aufgenommen. 2014 wurde der Viano durch die deutlich aufgewertete neue V-Klasse abgelöst.

Wie hilfreich waren diese Informationen für dich?