Design und Karosserie
Das Maserati GranCabrio (M145) entstand im Designstudio von Pininfarina und orientiert sich optisch eng am GranTurismo Coupé. Die rund 4.900 mm lange Karosserie mit langer Motorhaube und kurzem Heck betont eher elegante Gran-Turismo-Proportionen als eine reine Rennstreckenoptik. Gegenüber dem deutlich kürzeren Spyder wächst das Cabriolet spürbar, um zwei voll nutzbare Rücksitze aufzunehmen und den Radstand zu strecken. Das Stoffdach fügt sich geschlossen harmonisch in das Profil ein und legt sich geöffnet kompakt hinter die Rückbank. Dadurch bleibt die Linienführung weitgehend erhalten, der Heckabschluss wirkt jedoch etwas voluminöser.
Innenraum und Platzangebot
Im Innenraum prägt handwerklich anmutendes Leder in vielen Farbkombinationen den Charakter, ergänzt durch Zierelemente aus Holz oder Aluminium. Vorn sitzen Fahrer und Beifahrer tief und relativ weit hinten, was zusammen mit der langen Motorhaube ein ausgeprägtes Coupé-Gefühl vermittelt. Die beiden Einzelsitze im Fond bieten brauchbare Beinfreiheit und eignen sich für Erwachsene auf mittleren Strecken, die abfallende Dachlinie reduziert jedoch die Kopffreiheit. Bei moderaten Geschwindigkeiten hält die Aerodynamik den Luftstrom vergleichsweise ruhig, ohne spezielle Windschott-Lösungen allerdings nicht ganz so zugfrei wie bei einigen Wettbewerbern. Ablagen im Innenraum und der Kofferraum fallen ausreichend aus, stehen jedoch klar hinter dem Anspruch auf Eleganz und Formensprache zurück.
Antrieb und Fahrverhalten
Herzstück des GranCabrio ist ein 4,7-Liter-V8-Saugmotor, der je nach Ausführung 323 bis 338 kW (440 bis 460 PS) liefert und akustisch sehr präsent arbeitet. In Kombination mit der 6-Gang-Automatik von ZF und Hinterradantrieb entsteht eine Mischung aus souveränem Langstreckencharakter und spürbar sportlichem Temperament. Der Sportmodus schärft Schaltvorgänge und Gaspedalreaktion, während komfortorientierte Einstellungen die Karosseriebewegungen beruhigen und den Motor leiser wirken lassen. Der Spurt auf 100 km/h gelingt in rund fünf Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt nahe 290 km/h und verlangt geübte Hände. Das Fahrwerk bleibt eher straff-komfortabel als knüppelhart und passt zu langen Etappen, ohne kurvige Landstraßen zu meiden. Im direkten Vergleich mit leichteren Sportwagen wie einem Porsche 911 Cabrio wirkt das Fahrverhalten weniger messerscharf, dafür stabil und gelassen, besonders auf welligen Autobahnabschnitten.
Alltagstauglichkeit und Kosten
Im Alltag überzeugt das GranCabrio mit guter Geräuschdämmung des Stoffdachs und ordentlichem Federungskomfort, solange keine extrem schlechten Straßen anstehen. Die Bedienung bleibt weitgehend analog und übersichtlich, das Infotainmentsystem zeigt jedoch deutlich seinen Entwicklungszeitraum und bietet nur eingeschränkte Konnektivität. Der kombinierte Verbrauch von deutlich über 14 Litern Super auf 100 Kilometer und hohe Versicherungstarife machen das Cabriolet kostspielig im Unterhalt. Wartungsarbeiten und Ersatzteile bewegen sich auf Sportwagen-Niveau, was zusammen mit der geringen Verbreitung eine sorgfältige Planung der laufenden Kosten erfordert. Als Gegenleistung steht ein Cabriolet, das im Straßenbild selten bleibt.
Fazit
Das GranCabrio tritt weniger als kompromissloser Kurvenjäger auf, sondern als charakterstarkes Viersitzer-Cabrio für entspannte, schnelle Reisen. Der kräftige V8, der markante Klang und die hochwertige Verarbeitung zählen zu den klaren Stärken, unterstützt von einem eigenständigen Design. Dem stehen ein sehr hoher Verbrauch, überschaubare Assistenz- und Infotainmenttechnik sowie teure Unterhaltskosten gegenüber. Insgesamt präsentiert sich das Maserati GranCabrio (M145) als emotionales, seltenes Cabriolet mit hohem Langstreckenkomfort und ausreichender Alltagstauglichkeit für Ausfahrten und Urlaubsreisen.