Konzept und Positionierung
Der Lotus Exige S3 lief von 2012 bis 2021 und setzt als kompakter Mittelmotor-Sportwagen konsequent auf Fahrdynamik. Technisch basiert er auf der Elise, tritt aber mit festem Dach, stärkerem Antrieb und betonter Aerodynamik deutlich extremer auf. Der geschlossene Aufbau richtet sich klar an Fahrer, die ihr Auto regelmäßig auf der Rennstrecke bewegen und ein sehr direktes Auto mit hoher Leistungsreserve suchen. Im Modellprogramm der Marke liegt der Exige S3 zwischen der leichten Elise und dem längeren Evora. Auf dem Gebrauchtmarkt trifft er vor allem auf Konkurrenten wie den Porsche Cayman. Mit dem Wechsel zur dritten Generation wuchs die Karosserie in Länge und Breite und gewann an Gewicht, dafür wirkt der Auftritt erwachsener und stabiler.
Design und Aerodynamik
Das Design des Exige S3 folgt klar der Funktion. Kurze Überhänge, eine sehr niedrige Silhouette und breite Spur betonen die Mittelmotor-Proportionen. Auffällige Lufteinlässe in der Seite versorgen Motor und Bremsen mit Kühlluft. Frontsplitter, Heckdiffusor und der fest montierte Heckflügel erzeugen spürbaren Abtrieb und stabilisieren das Auto bei hoher Geschwindigkeit. Die Karosserie besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff und ermöglicht markante Sonderlackierungen bei niedrigem Gewicht. Für den V6-Motor wuchs der Radstand, was der Hochgeschwindigkeitsstabilität zugutekommt. Cup- und Final-Edition-Modelle setzen mit größeren Flügeln und zusätzlichen Luftführungen noch mehr auf Abtrieb, was auf der Rennstrecke Rundenzeiten drückt, im Alltag jedoch Sicht und Geräuschniveau beeinträchtigt.
Innenraum und Alltagstauglichkeit
Im Innenraum zeigt der Lotus Exige S3 deutlichen Motorsport-Charakter. Tief montierte Schalensitze und ein hoher Mitteltunnel schaffen eine konzentrierte Fahrerposition. Der niedrige Dachverlauf und breite Schweller erschweren den Einstieg, ermöglichen dafür eine sehr tiefe Sitzposition dicht an der Hinterachse. Sichtbare Aluminiumflächen und die freiliegende Schaltkulisse lassen das Cockpit roh und funktional wirken. Spätere Baujahre bieten optional eine manuelle Klimaanlage und besser gepolsterte Sitze, was längere Fahrten etwas angenehmer macht. Dämmmaterial bleibt knapp, Geräusche aus Motorraum und Fahrwerk dringen deutlich in den Innenraum. Der Kofferraum fasst rund 112 Liter und nimmt kleines Gepäck oder Rennstreckenausrüstung auf, mehr passt kaum hinein. Cup-Varianten sparen zusätzlich Gewicht, indem sie Radio und Teile der Dämmung weglassen, was das Fahrerlebnis intensiver, auf langen Strecken aber anstrengender macht.
Fahrwerk und Fahrverhalten
Die Basis des Exige S3 bildet ein sehr steifes Aluminium-Monocoque mit verschraubten Fahrwerkskomponenten. Doppelquerlenker an Vorder- und Hinterachse sowie die breite Spur ermöglichen hohe Kurvengeschwindigkeiten, verlangen aber sauberes Fahrkönnen. Für die dritte Generation entwickelte Lotus die Hinterachse neu und ergänzte einen zusätzlichen Stabilisator, wodurch Traktion und Stabilität insbesondere beim Herausbeschleunigen aus Kurven zulegen. Das elektronische Dynamic Performance Management bietet mehrere Fahrprogramme mit unterschiedlich eingreifender Traktionskontrolle und lässt den Charakter von eher gutmütig bis sehr scharf wirken. Die Lenkung reagiert direkt und liefert viel Rückmeldung. Auf schlechten Straßen wirkt die straffe Abstimmung schnell unkomfortabel, auf der Rennstrecke dagegen sehr präzise und berechenbar. Der kräftige Benzinmotor und die breiten Reifen treiben Verbrauch und Unterhaltskosten spürbar nach oben, was den Fokus auf Fahrspaß unterstreicht.
Fazit
Der Lotus Exige S3 richtet sich an sportlich orientierte Fahrer, die kompromisslose Fahrdynamik und ein ehrliches Feedback höher bewerten als Komfort und Assistenzsysteme. Als puristischer Zweisitzer mit Mittelmotor bleibt er im Alltag eingeschränkt, bietet auf Landstraße und Rennstrecke jedoch ein sehr intensives Fahrerlebnis.