Einordnung und Konzept
Der 2009 eingeführte Lotus Evora (Mk1) positioniert sich als Mittelmotor-Coupé mit 2+2-Sitzkonzept zwischen den puristischen Modellen Elise und Exige sowie etablierten Sportwagen wie dem Porsche 911. Als Nachfolger des Esprit interpretiert er die Leichtbau-Philosophie der Marke neu und verbindet sie mit höherem Komfort und mehr Alltagstauglichkeit. Das Modell blieb über den gesamten Produktionszeitraum eine Kleinserie, was den Exotenstatus auf dem deutschen Markt stärkt. Mit dem Facelift von 2015 überarbeitete Lotus Optik, Innenraum und Fahrleistungen deutlich, ohne das Grundkonzept des agilen Mittelmotor-Sportwagens zu verändern.
Design und Aerodynamik
Optisch erinnert der Evora mit seiner flachen Front und dem langgestreckten Dachverlauf an eine größere Elise, wirkt jedoch breiter und stämmiger. Ausgeprägte Lufteinlässe und ein integrierter Heckdiffusor dienen nicht nur der Optik, sondern verbessern Kühlung und Abtrieb bei hohen Geschwindigkeiten. Viele Versionen besitzen einen feststehenden Heckspoiler, der die Stabilität auf der Autobahn und auf der Rennstrecke erhöht. Mit rund 1.300 bis 1.400 kg bleibt das Coupé im Vergleich zu vielen Konkurrenten relativ leicht, auch wenn Puristen das höhere Gewicht gegenüber Elise und Exige kritisch sehen.
Innenraum und Platzangebot
Im Cockpit wirkt der Evora deutlich alltagstauglicher als frühere Lotus-Modelle, mit besserer Geräuschdämmung und einer klar gezeichneten Instrumentierung. Kombinationen aus Leder und Alcantara schaffen einen sportlichen, aber nicht luxuriösen Eindruck, passend zum technischen Charakter. Die tief montierten Vordersitze bieten viel Seitenhalt, machen Ein- und Ausstieg jedoch etwas mühsam. Die hinteren Notsitze bleiben sehr beengt und taugen praktisch nur für Kinder oder zusätzliches Gepäck. Der Kofferraum nimmt je nach Bauphase etwa 150 bis 160 Liter auf, was für Wochenendtouren reicht. Ablagen im Innenraum fallen eher klein aus, was den Alltagsnutzen einschränkt, aber die klare Fokussierung auf den Fahrer unterstreicht.
Antrieb und Fahrverhalten
Der von Toyota stammende 3,5-Liter-V6 deckt im Evora ein breites Leistungsspektrum ab, vom Basismodell mit rund 206 kW (280 PS) bis zu sportlichen Gran-Turismo-Versionen (GT) mit deutlich über 300 kW. Das manuelle Sechsgang-Getriebe passt gut zum charakterstarken Motor und ermöglicht direkte Gangwechsel, während die Automatik eher komfortorientiert arbeitet. Die elektromechanische Servolenkung reagiert präzise und liefert viel Rückmeldung, was das Vertrauen auf kurvigen Landstraßen und auf der Rennstrecke stärkt. Das Fahrwerk kombiniert straffe Federn mit feinfühliger Dämpfung, filtert Unebenheiten gut heraus und verhindert starkes Aufschaukeln der Karosserie. Fahrprogramme wie Sport oder Race schärfen Ansprechverhalten und Regelsysteme, sodass die Abstimmung von langstreckentauglich bis hin zu einem klar auf den Rennstreckeneinsatz ausgelegten Charakter reicht.
Alltag, Kosten und Fazit
Im Alltag fährt der Evora angenehmer, als seine Optik vermuten lässt, da Lärmpegel und Federung auch längere Etappen ohne starke Ermüdung zulassen. Die Sicherheitsausstattung bleibt mit zwei Frontairbags und einem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP in Basisausführung überschaubar und fällt im Vergleich zu jüngeren Sportwagen ab. Beim Gebrauchtkauf spielen geringe Stückzahlen und teils limitierte Sondermodelle eine Rolle, was die Preise stabil hält und die Auswahl auf dem deutschen Markt begrenzt. Die Wartungskosten liegen auf sportwagenüblichem Niveau, profitieren jedoch von der robusten Großserientechnik des Motors. Insgesamt zeigt der Evora einen eigenständigen Charakter und verbindet ausgeprägte Fahrdynamik mit brauchbarem Alltagskomfort, verlangt im Gegenzug jedoch Kompromisse beim Raumangebot und bei Komfort- sowie Assistenzsystemen.