Sportliches kleines SUV mit großem Kofferraum

Ford Puma SUV 2020: Erster Test, Fahrbericht

Mini-SUVs sind so beliebt, eins reicht nicht: Dem Ecosport stellt Ford den Puma zur Seite, mit knackiger Abstimmung und viel Ladefläche. Lies hier, was er kann.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 01/16/2020, 8:30 AM
Ford Puma ST-Line X
Quelle: Ford Marktstart für den Ford Puma ist der 7. März 2020

Ein Kofferraum mit Fiesta vorne dran? So möchte Ford den neuen Puma nicht verstanden wissen, auch wenn der Kofferraum bei dessen Entwicklung eine wichtige Rolle spielte. Denn Ford verfolgt beim neuen Mini-SUV einen Ansatz, den wir uns öfter wünschen würden: Der Puma soll eine wirklich nützliche Sache können, die es sonst nirgendwo gibt. Ein Alleinstellungsmerkmal täte manchem Wettbewerber ebenfalls gut.

Ford entschied sich für den größten Kofferraum im Mini-SUV-Segment (456 l, ein Meter Ladebreite) und ein Feature, das kein anderer hat: eine tiefe, auswaschbare Plastikwanne mit 80 Litern Volumen namens „Mega Box“ unter dem verstellbaren Gepäckraumboden. Darin lassen sich dreckige Gummistiefel, aufrecht stehende Pflanzen, sogar lebende Fische im Wasser transportieren. Die maximale Ladehöhe im Puma beträgt beachtliche 1,15 Meter. Ist die Plastikbox dreckig, lässt sie sich einfach mit Wasser ausspülen.


Ford Puma
Der Ford Puma

Der Ford Puma kommt 2020 als Crossover mit Mild-Hybrid-Unterstützung zurück.


Ganz schön clever, aber der Kofferraum kann mehr: Die Hutablage befestigt Ford an der Heckklappe, sie schwingt beim Öffnen mit nach oben und passt ihre Höhe der Ladung an. Konventionelle Abdeckungen seien den Kunden oft im Weg, hätten Befragungen gezeigt. Reicht es jetzt mit Geschichten vom Kofferraum? Fast: Für den maximalen Ladenutzen finden Reifen-Abdichtset und Verbandskasten einen neuen Platz unter dem Fahrersitz, sodass hinten nichts herumfliegt. So, das war es aber mit Kofferraum-Geschichten.

Fiesta-Basis mit breiterer Spur

Der Ford Puma soll die Erfolgschancen für Ford im Segment kleiner SUVs grundlegend verbessern. Der Ecosport wurde mühsam für Europa angepasst, der Puma speziell für Europa entwickelt. Das stämmige Crossover-Modell steht auf der Fiesta-Plattform, verfügt jedoch über 9,5 Zentimeter mehr Radstand und eine knapp sechs Zentimeter breitere Spur. Ein Sieg der Designer über die Buchhalter, denn natürlich hätte Ford sein Mini-SUV kostengünstiger auf die schmale Fiesta-Spur stellen können. Doch dann hätte es weniger stämmig ausgesehen, der hohe Schwerpunkt wäre ein größerer Störfaktor gewesen.



Den zu kaschieren, gelingt Fords Fahrdynamikern hervorragend. Drahtig und präzise lässt sich der 4,18 Meter lange Wagen in der Spur platzieren, sauber und mühelos um die Kurven ziehen. Vor allem dort wirken die anderen Verkehrsteilnehmer auf der ersten Testfahrt gefühlt immer einen Tick zu langsam. Das liegt neben der Servolenkung am feinfühligen Fahrwerk. Besonders gelungen erscheint hier die straffere, aber nie harte Abstimmung der ST-Line.

Elektroboost gegen Turboloch

Für den Antrieb sorgt auf der Testfahrt Fords Allzweckwaffe, ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner. Hier mit 125 PS – und erstmals bei Ford mit Mild-Hybrid-Unterstützung am 48-Volt-Bordnetz. Das Wirkprinzip unterscheidet sich nicht von den Mild-Hybrid-Systemen beim Wettbewerb: Ein Riemenstarter-Generator speichert Energie in einer Lithium-Ionen-Batterie, fungiert als besonders komfortable Start-Stopp-Automatik und unterstützt den Benziner mit zusätzlichem Drehmoment. Letzteres nutzt Ford sehr geschickt zur Überbrückung des Turbolochs, sodass der drehfreudige Motor im niedrigen Drehzahlbereich kraftvoller operieren kann. Bis zu 50 Prozent mehr Drehmoment landen kurzzeitig an der Vorderachse. Allradantrieb wird es im Puma übrigens nicht geben.

Ford Puma ST-Line X 04
Quelle: Ford Nach 9,8 Sekunden erreicht der Ford Puma die Tempo-100-Marke

Mit dem 1.280 Kilo schweren SUV hat der kleinvolumige Motor keine Mühe. Selbst im „Eco“-Fahrmodus wirkt er zwar gemütlich, aber nicht wirklich träge. Der Verbrauch auf unserer Testfahrt ist leider nicht aussagekräftig: 6,7 l/100 km zeigt der Bordcomputer nach längerer Fahrt mit vielen Steigungen an, bergab sinkt der Schnitt bis auf 4,5 Liter. In der Stadt, wo das Hybridsystem mehr unterstützt, sortiert sich der Verbrauch bei knapp über 5 Litern ein – das ist überzeugend.

Innenraum: Vor dem Kofferraum wird es eng

Fords Schwerpunkt auf Design und Kofferraum zeigt anderswo Folgen: Für die Passagiere dürfte der Puma gerne mehr Platz bieten. Von der verbreiterten Spur kommt im Innenraum wenig an, Fahrer und Beifahrer sitzen eng beieinander. Hinter einem 1,80 Meter großen Fahrer muss ein gleich großer Passagier die Beine anwinkeln. Hier herrscht eher Fiesta-Feeling. In der Höhe nicht: Hat der Passagier die etwas niedrige Türöffnung passiert, weitet sich der Raum unterm Dach zu einer überraschend geräumigen Kuppel. So können die Sitze aufrechter stehen und vier Personen reisen einigermaßen bequem im Ford Puma. Allerdings nicht so komfortabel wie ihr Gepäck.

Die Ausstattung „Titanium“ ist beim Fiesta bereits eine gehobene Ausstattungslinie. Im Puma bildet sie die Basis – pragmatisch, aber nicht billig. Schwarzer Kunststoff, teilweise hart – das einsame Holz-Inlay am dünnwandigen Handschuhfach stört fast. Das erste digitale Cockpit in einem Europa-Ford konfiguriert sich selbsterklärend simpel – sehr schön. Weniger gefällt uns die schlichte Hartplastik-Mittelkonsole. Sie liegt tief im Auto und wirkt insgesamt unterdimensioniert. Die Knöpfe für Parkhilfe, Fahrdynamik und Co. sehen aus wie hineingepfropft und sind schwer zu ertasten. Keine Rätsel geben hingegen die Lehnenverstellung per Drehrad sowie die manuelle Handbremse auf. Beides durchaus eine Erwähnung wert – viele Hersteller gehen hier andere Wege.

Der Ford Puma ist immer online

Es versteht sich von selbst: Wie die meisten neuen Pkw-Modelle ist auch der Ford Puma immer im Netz, um bei einem Unfall den automatischen Notruf „eCall“ absetzen zu können. Ford nutzt das System für eine Vielzahl von Diensten, darunter einen WLAN-Hotspot für bis zu 10 Endgeräte – das sollte selbst der digitalsten Familie kurzfristig reichen. Daneben beherrscht der Puma im Dienst der Sicherheit ein bisschen 1984. Die Elektronik meldet besondere Vorkommnisse an eine Zentrale – etwa ein auslösendes ABS oder ESP, eine aktivierte Nebelleuchte oder einen gesetzten Warnblinker bei geöffneter Tür. Auf Basis dieser Informationen sendet die Zentrale dann automatisierte Warnungen an Fahrzeuge in der Umgebung.


Kia Xceed
Der Kia XCeed

Kia bringt einen urbanen Crossover auf die Straße. Rezept: Viel Kompaktlimousine, ein bisschen SUV und eine Prise Coupé.


Mehr Ausstattung für mehr Geld

Für gewöhnlich achten Ford-Kunden durchaus aufs Geld, beim Puma haben sie dazu keine echte Gelegenheit. Der Einstiegspreis von 23.150 Euro liegt einige Tausender oberhalb der Summe, die VW für einen T-Cross oder Seat für einen Arona aufruft. Dafür bietet der Puma mindestens 125 PS und serienmäßig 17-Zöller, Massagesitze, Spurhalter, Parkpiepser, Verkehrszeichen-Erkennung, das Infotainment Sync 3 mit Navi sowie (per Schnupperphase) den Konnektivitätsdienst Ford-Pass.

Ford Puma ST-Line X 08
Quelle: Ford Einen Allrad-Antrieb spendiert Ford dem Puma nicht

Viel Leistung und Ausstattung fürs Geld also. Aufrüsten lässt sich das Mini-SUV dann noch mit dem großen Assistenten-Paket, LED-Scheinwerfern, beheizbarer Frontscheibe oder Klimaautomatik. Wenn Mitte 2020 eine Automatik in den Puma einzieht, soll er selbstständig die Spurmitte halten und im Stau anfahren können. Nur ein Head-up-Display ist nicht vorgesehen. Dafür aber abnehmbare und abwaschbare Sitzbezüge.



Es wird interessant zu beobachten, wie die Ford-Händler das Auto einpreisen – und ob die Mehrausstattung ausreichend Kunden lockt. Eine günstigere Version mit weniger Leistung und abgespeckter Ausstattung plant Ford Deutschland nach eigener Aussage nicht – könnte aber auf entsprechende Nachfrage reagieren. Auf mobile.de jedenfalls bieten Händler EU-Modelle des Ford Puma in der Ausstattung Trend an, mit 95-PS-Motor ab 15.000 Euro. Die wirklich teuren Puma-Ausstattungen folgen in jedem Fall noch: Eine edle Vignale-Ausstattung ist ebenso eingeplant wie Ende 2020 ein sportlicher Ford Puma ST.

Ford Puma Ecoboost 1.0 Hybrid: Technische Daten

Modell Ford Puma Ecoboost 1.0 Hybrid
Motor 1,0-l-Dreizylinder-Turbobenziner
Leistung 125 PS (92 kW)
Drehmoment 170 Nm @ 1.400-4.500 U/min (210 im Overboost)
Getriebe Sechsgang-Handschaltung
0-100 km/h 9,8 s
Höchstgeschwindigkeit 191 km/h
Verbrauch 5,8-5,4 l/100 km (WLTP)
CO2 132-124 g/km
Länge 4.186 mm
Breite 1.930 mm (inkl. Spiegel)
Höhe 1.554 mm
Radstand 2.588 mm
Leergewicht 1.280 kg
Kofferraum 456-1.161 l (Hybrid: 401 l)
Basispreis 23.350 Euro (Baureihe)
Marktstart 7. März 2020

Der Ford Puma in Bildern

  • Ford Puma ST-Line X 01
    Quelle: Ford Ein WLAN-Hotspot sorgt für Internetanbindung. Bis zu zehn Endgeräte können im Ford Puma verbunden werden
  • Ford Puma ST-Line X 02
    Quelle: Ford Rund 4,2 Meter misst das Kölner Mini-SUV in der Länge
  • Ford Puma ST-Line X
    Quelle: Ford Marktstart für den Ford Puma ist der 7. März 2020
  • Ford Puma ST-Line X 04
    Quelle: Ford Nach 9,8 Sekunden erreicht der Ford Puma die Tempo-100-Marke
  • Ford Puma ST-Line X 05
    Quelle: Ford Der Ford Puma holt 125 PS aus einem 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner
  • Ford Puma ST-Line X 06
    Quelle: Ford Der Ford Puma fährt mit Mild-Hybrid-Unterstützung
  • Ford Puma ST-Line X 07
    Quelle: Ford Mindestens 23.150 Euro verlangt Ford für das Mini-SUV
  • Ford Puma ST-Line X 08
    Quelle: Ford Einen Allrad-Antrieb spendiert Ford dem Puma nicht
  • Ford Puma ST-Line X 09
    Quelle: Ford Ford realisiert im Puma erstmals ein digitales Cockpit
  • Ford Puma ST-Line X 10
    Quelle: Ford Zum Waschen sind die Sitzbezüge abnehmbar. Ohne Aufpreis gibt es im Puma außerdem Massagesitze
  • Ford Puma ST-Line X
    Quelle: Ford Bei umgeklappter Rückbank bietet der Ford Puma ein Ladevolumen von 1.161 Liter
  • Ford Puma ST-Line X 12
    Quelle: Ford Bei aufrechten Rücksitzen verstaut der Puma im Kofferraum bis zu 456 Liter