Rekuperation beim E-Auto: So funktioniert die Energierückgewinnung
Rekuperation gibt es in jedem Elektroauto. Aber was steckt dahinter? Wir erklären dir den Begriff, die Vor- und Nachteile und wie du Rekuperation richtig nutzt.
Das Wichtigste im Überblick
- Rekuperation wandelt bis zu 70 Prozent der Bremsenergie in Strom um, statt sie als Wärme zu verlieren.
- Mit vorausschauender Fahrweise holst du 20 bis 30 Prozent mehr Reichweite.
- Beim One-Pedal-Driving bremst das E-Auto allein durch Loslassen des Gaspedals bis zum Stillstand.
- Ist der Akku voll, findet keine Rekuperation statt: Das System schützt so die Batterie vor Überlastung.
- Die maximale Rekuperationsleistung variiert stark: vom Porsche Taycan mit 265 kW bis zu einfacheren Modellen mit 50 bis 90 kW.
Was ist Rekuperation?
Rekuperation bezeichnet die Rückgewinnung von Energie, die beim Bremsen sonst als Wärme verloren gehen würde. Der Begriff stammt vom lateinischen „recuperatio“ und bedeutet so viel wie „Wiedererlangung“.
Im E-Auto oder Hybrid-Auto wird dabei Bewegungsenergie in elektrische Energie umgewandelt und direkt in den Akku eingespeist.
Das Prinzip ist nicht neu: Schon Zahnradbahnen und Elektro-Lokomotiven nutzen diese sogenannte Nutzbremse, um Bremsenergie ins Stromnetz zurückzuspeisen. Im E-Auto lädt sie den Akku.
Auch im Motorsport ist das Konzept bekannt: In der Formel 1 arbeitet seit 2014 das Energy Recovery System (ERS) mit der MGU-K (Motor Generator Unit – Kinetic). Sie gewinnt kinetische Energie beim Bremsen zurück.
So funktioniert Rekuperation
Beim Bremsen mit Rekuperation wandelt sich Bewegungsenergie wieder in elektrische Energie um und wird in die E-Auto-Batterie eingespeist – statt, wie bei Verbrennern üblich, als Bremsenergie verloren zu gehen.
Wie funktioniert Rekuperation im E-Auto?
Elektromotoren haben eine besondere Eigenschaft: Sie können ihre Funktion umkehren und als Generator arbeiten – ähnlich wie ein Fahrraddynamo. Genau das macht sich die Rekuperation zunutze.
So läuft der Prozess ab:
- Der Elektromotor wandelt elektrische Energie in Bewegungsenergie um. Das E-Auto fährt.
- Nimmt der Fahrer den Fuß vom Gaspedal oder tritt auf die Bremse, kehrt sich der Prozess um.
- Die Bewegungsenergie wird auf den Generator übertragen.
- Durch elektromotorischen Widerstand entsteht Strom.
- Dieser Strom wird im Akku des Fahrzeugs gespeichert.
Das Ergebnis: Bis zu 70 Prozent der Bremsenergie, die sonst als Wärme verloren ginge, fließen zurück in den Akku.
Wichtig: Ein leeres E-Auto abzuschleppen und dabei die Rekuperation zum Laden zu nutzen, klingt kreativ – kann aber die Bordelektronik beschädigen. Davon ist dringend abzuraten.
Es gibt zwei grundlegende Varianten der Rekuperation im E-Auto:
| Variante | Funktionsweise |
|---|---|
| Mittlere/automatische Rekuperation | Stärke wird automatisch anhand von Gaspedalstellung und Bremsdruck geregelt |
| Variable Rekuperation | Fahrer stellt die Stärke manuell über Menüoptionen ein |
One-Pedal-Driving: Fahren mit nur einem Pedal
Viele moderne E-Autos bieten eine besonders starke Form der Rekuperation: das One-Pedal-Driving, auch Einpedalfahren genannt.
Die Rekuperationsstärke ist dabei so hoch eingestellt, dass das Fahrzeug allein durch das Loslassen des Gaspedals bis zum Stillstand abbremst: ganz ohne Bremspedal.
Das ist vor allem im Stadtverkehr und in Stop-and-go-Situationen effizient: Hier fallen besonders viele Bremsvorgänge an. Entsprechend viel Energie kann zurückgewonnen werden.
Fahrzeuge mit One-Pedal-Driving (Auswahl)
- Nissan Leaf (e-Pedal, seit 2018)
- BMW i4 und iX (adaptives Rekuperationssystem)
- Hyundai IONIQ 6 (bis zu 0,6 g Verzögerung)
- Tesla Model 3 und Model Y (einstellbar über die App)
- Porsche Taycan (bis zu 265 kW Rekuperationsleistung)
Ob One-Pedal-Driving im Alltag passt, hängt vom persönlichen Fahrstil ab. Viele schätzen die Kontrolle und den geringeren Bremsenverschleiß. Andere bevorzugen eine schwächere Rekuperation für ein konventionelleres Fahrgefühl.
Welche Vor- und Nachteile hat die Rekuperation im E-Auto?
Vorteile
- Höhere Reichweite durch Energierückgewinnung (bis zu 20–30 Prozent mehr)
- Bremsanlage wird weniger stark beansprucht
- Dynamischere Fahrweise möglich
- One-Pedal-Driving bei entsprechender Einstellung nutzbar
Nachteile
- Umgewöhnung beim Wechsel vom Verbrenner auf das E-Auto nötig
- Bremsscheiben können schneller rosten, weil sie seltener genutzt werden
- Energierückgewinnung hängt stark vom Fahrverhalten ab
Rekuperation im Auto richtig nutzen
Rekuperation funktioniert ab Werk, aber mit der richtigen Fahrweise holst du deutlich mehr heraus.
Checkliste für maximale Energierückgewinnung
- Bergab rollen lassen: Das E-Auto bremst automatisch ab und gewinnt dabei Energie zurück.
- Vorausschauend fahren: frühzeitig vom Gas gehen statt spät bremsen.
- Rekuperation statt Bremspedal nutzen: Im Alltag reicht das in den meisten Situationen aus.
- Sanft bremsen: Je gleichmäßiger der Bremsvorgang, desto mehr Energie wird zurückgewonnen.
- One-Pedal-Driving aktivieren, sofern das Fahrzeug es unterstützt.
- Rekuperationsstärke je nach Fahrsituation anpassen.
Achtung: Ist der Akku voll geladen, findet keine Rekuperation statt. Das System kann keine Energie aufnehmen, wenn der Speicher voll ist.
Kann man durch Rekuperation den Akku vollständig laden?
Nein. Rekuperation senkt den Energieverbrauch und erhöht die Reichweite – für eine vollständige Akkuladung reicht die Leistung nicht aus. Bei optimaler Nutzung lassen sich zwischen 20 und 30 Prozent mehr Reichweite herausholen. Das kann im Alltag entscheidend sein, um die nächste Ladesäule zu erreichen.
Die maximale Rekuperationsleistung ist stark modellabhängig:
| Fahrzeug | Max. Rekuperationsleistung |
|---|---|
| Porsche Taycan | bis zu 265 kW |
| Hyundai IONIQ 6 | bis zu 220 kW |
| Einfachere E-Autos | 50–90 kW |
Diese Begrenzung schützt den Lithium-Ionen-Akku vor Überlastung.