Förderfähige Elektroautos ohne Reichweitenangst

Die Elektroautos mit der größten Reichweite

Für die Attraktivität von Elektroautos sind Reichweite und Kosten wichtige Faktoren. Wie weit fahren aktuell förderfähige E-Autos? Lies es in unserer Top 7.

  • Heiko Dilk
  • Veröffentlicht am 12/16/2019, 07:45 AM
  • Aktualisiert am 08/05/2020, 02:49 PM
Mercedes EQC in der Ansicht von vorne-links, fahrend
Quelle: Picture Alliance Mit einem Preis von 59.900 Euro bleibt der Mercedes EQC ganz knapp unter der Grenze zur Förderfähigkeit

Die Reichweite von Elektroautos steigt beständig, mit Facelifts und manchmal per Software-Update. Bezahlbarer werden E-Autos auch. Doch große Akkus kosten immer noch viel Geld. Das zeigen die Preise der Reichweiten-Könige auf dem Markt. Das Tesla Model S etwa schafft bis zu 610 Kilometer mit einer Akkuladung – kostet allerdings 86.800 Euro.

Das ist zu teuer für die Förderung der Bundesregierung. Nach aktuellen Vorgaben darf ein Elektroauto in der Basisversion maximal 60.000 Euro netto laut Listenpreis kosten, damit Staat und Hersteller 4.000 Euro beisteuern. Die Grenze soll demnächst auf 65.000 Euro steigen, der Förderbetrag auf 5.000 Euro. Doch günstigere Autos sollen höher gefördert werden. Wann die Richtlinie umgesetzt wird, ist noch unklar.

Einstweilen findest Du hier unsere Top 7 der förderfähigen Elektroautos mit der größten Reichweite, die es 2019 schon zu kaufen gibt. Laut Norm natürlich, denn die Praxis-Reichweite hängt stark vom Fahrstil ab. Und ein bisschen vom Auto, wie wir bei vielen Modellen „erfuhren“.

Tesla Model 3 Long Range

Es überrascht nicht, dass Tesla bei den förderfähigen Modellen unsere Liste anführt. Zwar warten wir weiterhin auf das versprochene günstige Model 3 für um die 30.000 Euro. Doch ein halbwegs bezahlbares Modell mit üppiger Reichweite gibt es schon. Das Tesla Model 3 Long Range schafft laut WLTP-Zyklus mit einer Akkuladung 560 Kilometer. In der Praxis sind mehr als 500 Kilometer drin. Und mit bis zu 200 kW Ladeleistung wird die Batterie an Teslas Superchargern auch schnell wieder voll.

Tesla Model 3 in der Seitenansicht, stehend
Quelle: Picture Alliance Kein Fahrzeug in unserer Liste lädt mit mehr Power. Der Akku des Model 3 kann mit bis zu 200 kW geladen werden

Wie groß der Akku genau ist, verrät Tesla nicht, dafür aber andere Eckwerte: Bis Tempo 100 braucht das Model 3 nur 4,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei stromfressenden 233 km/h. Zwei Motoren treiben alle vier Räder an. Wer auf akkurate Spaltmaße und penible Verarbeitung Wert legt, muss beim Model 3 einiges erdulden. Zwar soll es tadellose Exemplare geben. Die, die wir in den Fingern hatten, gehörten nicht dazu. Die vogelwilden Fugenbreiten zwischen den Karosserieteilen schlagen sich beim Fahren nieder. Das Model 3 knirscht und knarzt oft hörbar, gerade auf unebenem Belag.

Der Preis liegt bei mindestens 54.090 Euro. Schnellere und langsamere Modelle mit weniger Reichweite gibt es ebenfalls. Auf mobile.de finden sich einige wenige Neuwagen mit großer Reichweite ab etwa 64.000 Euro, gebrauchte Exemplare starten bei rund 56.000 Euro.



Opel Ampera-e

Den gibt es noch? Ja, in der Tat. Der Opel Ampera-e war eines der ersten Modelle, die als vielversprechender Tesla-Gegner galten. 2017 kam der elektrische Opel auf den Markt – theoretisch. Opels Ex-Mutter General Motors produzierte lieber baugleiche Chevrolet Bolt für den Heimatmarkt. Nach Europa schafften es nur wenige Exemplare für ausgewählte Kunden im Leasing.

Leicht fällt es nach wie vor nicht, an einen Ampera-e zu kommen, doch Opel führt ihn weiter im Sortiment. 42.990 Euro soll er kosten, der Akku speichert 60 kWh – was für eine Reichweite von 520 Kilometern taugen soll. Ein Wunder, wenn man bedenkt, wie weit andere Autos mit ähnlich großem Akku fahren. Das Wunder geht so: Der Ampera-e wurde noch nach dem alten, laxen NEFZ-Zyklus gemessen. Alle anderen Modelle nach dem strengeren WLTP. Zwar werden diese Werte zum Teil noch auf NEFZ zurückgerechnet, doch der neue Zyklus schlägt sich trotzdem deutlich spürbar nieder. In der Praxis dürfte der Ampera-e auf ähnliche Reichweiten kommen wie sein Verfolger Kia e-Niro.

Der Opel Ampera-e in der Frontansicht, fahrend
Quelle: Picture Alliance Für den Opel Ampera-e müssen mindestens 42.990 Euro auf den Tisch gelegt werden

Die Preise für den Ampera-e sind, daran gemessen, nicht eben günstig. 42.990 Euro ruft Opel auf. Bei mobile.de wird das 204 PS starke Elektroauto ab 30.000 Euro angeboten. Gebraucht natürlich und damit ohne Elektroprämie. Förderfähige Neuwagen sind dünn gesät und stammen fast alle aus dem EU-Ausland. Dafür starten die Preise immerhin unter 40.000 Euro.



Kia e-Niro (64 kWh)/Kia e-Soul

Kia ist ein stiller Champion unter den Anbietern von Elektroautos. Der größere der beiden angebotenen e-Niro schafft mit seinem 64 kWh großen Akku ordentliche 455 Kilometer laut NEFZ (zurückgerechnet von WLTP). Nach unseren Praxiserfahrungen sind Werte von mehr als 400 Kilometern im Alltag drin. Und dabei steht er für gerade mal 39.090 Euro in der Preisliste.

Die aufregenden Fahrleistungen eines Tesla Model 3 darf man von dem kompakten SUV mit 150 kW (204 PS) nicht erwarten, aber flott geht es auf jeden Fall voran. Dabei fährt der e-Niro ruhig, unaufgeregt und komfortabel. Das Infotainment ist auf dem aktuellen Stand, hat aber noch Defizite bei der cleveren Kalkulation über lange Strecken. Hier muss man noch viel selbst planen, wo andere Systeme die kürzeste Route unter Berücksichtigung von Ladestopps errechnen. Außerdem lädt der e-Niro maximal mit 100 kW.

Der Kia e-Niro in der Seitenansicht, stehend
Quelle: Picture Alliance Der elektrische Niro ist technisch verwandt mit Hyundais Kona. In der Praxis fährt der Südkoreaner mehr als 400 Kilometer weit

Neuwagen starten bei mobile.de nah am Neupreis, zum Teil knapp darunter. Aber: Wer jetzt bestellt, darf erst in 12 Monaten stromern. So lang sind die Lieferzeiten. Die wenigen angebotenen Gebrauchten sind daher etwas teurer und Vorführwagen, die noch eine Weile vorführen müssen. Auch hier gibt es Lieferzeiten.



Der technische Bruder des e-Niro, der Kia e-Soul, kommt wegen seiner kantigen Hülle nicht ganz so weit wie das kleine SUV. Laut Norm sind es 452 Kilometer. Für ihn gilt, was für den e-Niro gilt: Im Alltag sind ähnliche Strecken möglich. Mit 37.790 Euro liegt der Neupreis etwas niedriger. Und: Das Angebot ist größer und die Verfügbarkeit besser. Auf mobile.de sind diverse Autos für weniger als 40.000 Euro gelistet und sofort verfügbar.



Mercedes EQC

Der Mercedes EQC wirkt mit einem Basispreis von 71.281 Euro nicht gerade erschwinglich. Doch der Preis ist gut kalkuliert. Netto bleibt er mit 59.900 Euro knapp förderfähig. Falls die Fördergrenze nächstes Jahr auf 65.000 Euro steigen sollte, muss man eventuell mit einer Preiserhöhung rechnen.

Der Akku des EQC 400 4Matic speichert 80 kWh, laut Norm reicht das für 445 bis 471 Kilometer Fahrt. Nach unseren Erfahrungen aus ersten Testfahrten für deutlich weniger. Wer die 400 Kilometer knacken will, muss schon sehr gute Bedingungen vorfinden. Wir rechnen eher mit 380 Kilometern in der Praxis. Geladen wird mit maximal 110 kW. Das reicht, um in 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent zu kommen. Immerhin stellt Mercedes für den EQC eine clevere Routenberechnung bereit. Unter Berücksichtigung von Topografie, Wetter und Verkehrsverhältnissen wird die schnellste Route inklusive Ladestopps kalkuliert.

Mercedes EQC in der Ansicht von vorne-rechts, stehend
Quelle: Picture Alliance Mit einer Ladeleistung von 110 kW ist der Akku des EQC nach 40 Minuten auf 80 Prozent geladen

Auf mobile.de gibt es einige Neuwagen, auf die man nur bis zum Frühjahr 2020 warten muss. Bei den gebrauchten Angeboten handelt es sich vielfach um Vorführwagen, bei denen man sich meist nur bis Februar zu gedulden braucht. Die Preise starten nah am Basispreis und reichen bis über 100.000 Euro für üppig ausgestattete Modelle.



Hyundai Kona Elektro

Der Hyundai Kona Elektro ist ein enger Verwandter des Kia Niro. Entsprechend fährt er mit der gleichen Technik wie das Kia-SUV. Der Akku speichert 64 kWh Energie und kann mit bis zu 100 kW in 54 Minuten von 0 auf 80 Prozent geladen werden. Nach 449 Kilometern Fahrt ist er laut Norm leer. In der Praxis kommt er meist nicht so weit – manchmal aber sogar weiter. In einem Test der „Autobild“ war unter Idealbedingungen erst nach 613 Kilometern Schluss.

Mit 41.400 Euro ist der 150 kW (204 PS) starke Kona Elektro etwas teurer als der Kia e-Niro, obwohl er mit nur 4,18 Metern Länge ein gutes Stück kürzer ist und weniger Platz bietet. Die Straßenpreise sind jedoch zum Teil niedriger und das Angebot ungewöhnlich groß. 240 Inserate finden wir auf mobile.de (Stand 12/2019). Die Zahl der Inserate für die meisten anderen Modelle in unserer Top 7 der Elektroautos mit der größten Reichweite ist nur zweistellig.

Der Hyundai Kona in der Ansicht von vorne-links, über eine Brücke fahrend
Quelle: Picture Alliance Mindestens 36.000 Euro verlangt Hyundai für das Elektro-SUV Kona

Schon ab etwa 36.000 Euro bieten Händler den Kona Elektro als Neuwagen auf mobile.de an. Bei sehr moderaten Wartezeiten. Drei Monate muss man ab Bestellung meist einplanen. Gebrauchte Modelle mit geringer Laufleistung gibt es ebenfalls einige. Die sind allerdings nicht günstiger als viele der Neuwagen.




Renault Zoe Z.E. 50

Renault gehört zu den Pionieren der Elektromobilität. Schon seit Anfang 2013 gibt es den Zoe, im Herbst 2019 stellt Renault die aktuelle Version vor. Der Akku speichert jetzt 41 kWh oder in der größten Variante 52 kWh. Die Normreichweite des ZE50 gibt Renault mit 395 Kilometern laut WLTP-Zyklus an. Unsere erste Testfahrt zeigt: ein in der Praxis erreichbarer Wert.

Für die Top-Reichweite muss man allerdings auf ein bisschen Leistung verzichten. Der Zoe erreicht die 395 Kilometer nur mit dem schwächeren von zwei angebotenen Elektromotoren. 51 kW (69 PS) Dauerleistung und maximal 80 kW (108 PS) stehen im Datenblatt des Zoe R110, der Zoe R135 leistet maximal 100 kW (135 PS) und schafft offiziell 383 Kilometer. Im echten Leben dürfte der Unterschied zu vernachlässigen sein.

Der Renault ZOE in der Frontansicht, fahrend
Quelle: Renault Wie der Nissan Leaf, fährt auch Renaults Zoe schon länger mit Strom. Seit 2013 surrt der kleine Zoe durch die Straßen

Die Preise für den R110 starten bei 31.990 Euro, wenn man die große Batterie kauft. Renault bietet den Zoe jedoch auch mit Batteriemiete an. Dann kostet er mit dem kleineren Motor ab 23.900 Euro. Der Mietpreis ist nach Laufleistung gestaffelt, ab 74 Euro pro Monat bei einer Laufleistung von maximal 7.500 Kilometern geht es los, ohne Kilometerbegrenzung werden 124 Euro fällig. Auf mobile.de finden wir aktuell 480 Neuwagen in allen Varianten zu Preisen bis maximal 34.000 Euro.



Nissan Leaf e+ (62 kWh)

Unsere Top 7 (oder: Top 7,5) wird komplettiert von einem weiteren Klassiker. Der Nissan Leaf stromert seit 2010 auf den Straßen, seit Januar 2018 steht die zweite Generation bei den Händlern. Ab Januar 2019 gesellt sich zur Variante mit 40-kWh-Akku der Nissan Leaf e+ mit 62 kWh Kapazität. Der Elektromotor leistet maximal 160 kW (218 PS) und kommt auf 340 Newtonmeter Drehmoment.

Der Nissan Leaf in der Seitenansicht, stehend
Quelle: Picture Alliance Der Nissan Leaf ist quasi ein alter Hase im E-Auto--Geschäft. Seit 2010 steht der Japaner unter Strom

Nissan verspricht 385 Kilometer Reichweite nach dem WLTP-Zyklus. In der Praxis durchaus machbar. Leider lädt der Leaf nicht besonders schnell. Maximal 50 kW bedeuten eine Ladezeit von rund 90 Minuten, um von 20 auf 80 Prozent zu kommen.



Das Angebot an Leaf e+ ist mit weniger als 30 Exemplaren (12/2019) überschaubar. Der Großteil der gelisteten Neuwagen auf mobile.de verfügt nur über die kleinere Batterie. Die Preise für den Leaf e+ beginnen laut Liste bei 44.700 Euro, weil es ihn erst ab der dritten Ausstattungsstufe N-Connecta gibt. Die Angebote auf mobile.de sind eine Spur günstiger, sogar für Modelle mit der Topausstattung Tekna.

Unsere Top 7 in Bildern

  • Der Kia e-Soul in der Ansicht von vorne-rechts, stehend
    Quelle: Picture Alliance Für den e-Soul verlangt Kia wenigstens 37.790 Euro
  • Der Kia e-Niro in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Picture Alliance Der elektrische Niro ist technisch verwandt mit Hyundais Kona. In der Praxis fährt der Südkoreaner mehr als 400 Kilometer weit
  • Mercedes EQC in der Ansicht von vorne-rechts, stehend
    Quelle: Picture Alliance Mit einer Ladeleistung von 110 kW ist der Akku des EQC nach 40 Minuten auf 80 Prozent geladen
  • Mercedes EQC in der Ansicht von vorne-links, fahrend
    Quelle: Picture Alliance Mit einem Preis von 59.900 Euro bleibt der Mercedes EQC ganz knapp unter der Grenze zur Förderfähigkeit
  • Der Hyundai Kona in der Ansicht von vorne-links, über eine Brücke fahrend
    Quelle: Picture Alliance Mindestens 36.000 Euro verlangt Hyundai für das Elektro-SUV Kona
  • Der Nissan Leaf in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Picture Alliance Der Nissan Leaf ist quasi ein alter Hase im E-Auto--Geschäft. Seit 2010 steht der Japaner unter Strom
  • Der Opel Ampera-e in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Picture Alliance Für den Opel Ampera-e müssen mindestens 42.990 Euro auf den Tisch gelegt werden
  • Der Renault ZOE in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Renault Wie der Nissan Leaf, fährt auch Renaults Zoe schon länger mit Strom. Seit 2013 surrt der kleine Zoe durch die Straßen
  • Tesla Model 3 in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Picture Alliance Kein Fahrzeug in unserer Liste lädt mit mehr Power. Der Akku des Model 3 kann mit bis zu 200 kW geladen werden