Einordnung und Konzept
Der Xpeng G9 (MK1) kam 2024 nach Deutschland und tritt als 4.890 mm langes Elektro-SUV im gehobenen Segment an. Im Markenportfolio steht er über G6 und P7 als technisches Spitzenmodell. Hinterrad- oder Allradantrieb mit zwei Batteriegrößen decken verschiedene Reichweiten- und Leistungswünsche ab. Im Umfeld von Audi Q8 e-tron, Mercedes EQE SUV und Nio EL6 liegt der G9 preislich darunter. Ab 2025 optimierte Xpeng vor allem Batteriechemie und Ladeverhalten, das Konzept als großzügiger Fünfsitzer blieb gleich.
Design und Karosserie
Das Design des G9 wirkt klar und reduziert. Eine geschlossene Front mit schmalen Lichtbändern und die gestreckten Proportionen der 4.890 mm langen Karosserie erinnern an europäische Oberklasse-SUV. Der cw-Wert von 0,272 fördert Effizienz und niedrige Windgeräusche. Saubere Spaltmaße und bündig eingesetzte Scheiben lassen den Wagen wertig erscheinen. Große Türen erleichtern den Einstieg, die hohe Gürtellinie sorgt für ein klassisches SUV-Gefühl. Die optional erhältliche Luftfederung mit großen Rädern füllt die Radhäuser optisch gut, reagiert auf kurze Kanten jedoch etwas straffer.
Innenraum und Infotainment
Im Innenraum setzt der G9 auf Komfort mit weich unterschäumten Flächen, kunstlederbezogenen Paneelen und sauberen Ziernähten. Die großen, bequem gepolsterten Vordersitze bieten viele Verstellmöglichkeiten, in der zweiten Reihe gibt es viel Bein- und Kopffreiheit sowie elektrisch verstellbare Lehnen. Der Kofferraum fasst 660 Liter, bei umgeklappter Rückbank über 1.500 Liter, dazu kommt ein nutzbarer Frunk. Zwei große Zentralbildschirme und ein Fahrerdisplay steuern und zeigen nahezu alle Funktionen. Die Grafik wirkt modern, die Bedienlogik im Kern stimmig, allerdings fehlen Tasten. Software-Updates per Funk verbessern das System, Sprachsteuerung, Übersetzungen und einige Menüpfade bleiben dennoch auffällig holprig.
Fahrkomfort und Fahrdynamik
Auf der Straße fährt der G9 komfortbetont. Die optionale Luftfederung glättet lange Wellen und hält die Karosserie im Griff, mit den großen 21-Zoll-Rädern spürt man kurze Stöße und Kanaldeckel jedoch deutlicher. Das Geräuschniveau bleibt bis Autobahntempo niedrig, unterstützt von Akustikverglasung und dämmender Bereifung. Die Hinterradversionen beschleunigen kräftig, die Performance-Ausführung mit Allradantrieb noch stärker. Die Lenkung wirkt in der Stadt sehr leicht und bei höherem Tempo künstlich schwer, die Präzision bleibt hinter einigen europäischen Konkurrenten zurück. Der Energieverbrauch liegt im Mittelfeld, bei hohem Tempo sinkt die Reichweite spürbar.
Alltagstauglichkeit und Laden
Im Alltag spielt der G9 seine 800-Volt-Technik vor allem beim Schnellladen aus. An leistungsfähigen Gleichstromsäulen lädt das SUV in kurzer Zeit viele Kilometer nach und erleichtert so lange Etappen. Am Wechselstromanschluss stehen 11 kW und damit Klassenniveau zur Verfügung, für häufiges Laden an städtischen Säulen reicht das nur bedingt. Die gebremste Anhängelast von 1.500 kg erhöht den Nutzwert etwa für Wohnwagen oder Sportanhänger.
Sicherheit und Assistenz
Die Sicherheitsausstattung fällt umfangreich aus. Zahlreiche Assistenzsysteme unterstützen im Alltag, arbeiten aber nicht immer so harmonisch wie bei manchen etablierten Herstellern. Vor allem Verkehrszeichenerkennung und Spurführung melden sich häufig und greifen mit leichten Lenkkorrekturen ein, was als etwas aufdringlich wirken kann.
Fazit
Der Xpeng G9 (MK1) verbindet viel Platz und hohen Reisekomfort mit sehr schneller Schnellladefähigkeit und wertigem Innenraum. Schwächen liegen in teils umständlicher Bedienung, noch nicht optimal abgestimmten Assistenten und höherem Verbrauch bei hohem Tempo. Insgesamt bietet das große Elektro-SUV eine ernstzunehmende Alternative zu europäischen Oberklassemodellen, besonders für Fahrer, die Ladegeschwindigkeit und Raumangebot wichtiger finden als maximale Effizienz.