Karosserie und Auftritt
Der 2020 vorgestellte Volkswagen Arteon (3H9) überträgt als Shooting Brake das coupéhafte Design der Baureihe auf eine Kombiform. Die flache Front, die lange Dachlinie und das betont breite Heck sprechen Fahrer an, denen ein Passat Variant zu nüchtern wirkt. Gegenüber dem früheren CC tritt das Auto erwachsener und praktischer auf, ohne den gestreckten Charakter zu verlieren. Im Umfeld von Audi A4 Avant, BMW 5er Touring und Mercedes E-Klasse T-Modell wirkt der Arteon optisch ebenbürtig, qualitativ aber etwas weniger luxuriös.
Innenraum und Platzangebot
Vorn sitzen auch Personen bis etwa 1,95 Meter mit ausreichend Kopf- und Beinfreiheit. Die Sitze fallen straff aus und stützen den Körper auf langen Strecken gut. In der zweiten Reihe bietet der Arteon viel Beinfreiheit. Die abfallende Dachlinie begrenzt jedoch die Kopffreiheit etwas, für durchschnittlich große Erwachsene bleibt sie ausreichend. Der Kofferraum fasst in der Praxis rund 400 bis 1.345 Liter. Damit vergrößert der Shooting Brake den Nutzen gegenüber der Limousine weniger deutlich, als die Karosserie vermuten lässt. Für Urlaubsfahrten einer Familie genügt das Kofferraum-Volumen, die große Heckklappe erleichtert den Zugang.
Cockpit und Vernetzung
Das Cockpit wirkt modern und setzt vollständig auf digitale Instrumente. Das Display hinter dem Lenkrad lässt sich vielfältig konfigurieren, der zentrale Bildschirm bündelt Navigation, Medien und Fahrzeugeinstellungen. Die Menüstruktur bleibt weitgehend logisch. Die Touchslider für Temperatur und Lautstärke erfordern jedoch mehr Aufmerksamkeit als klassische Drehregler und reagieren nicht immer präzise. Hochglanzflächen rund um den Bildschirm nehmen Fingerabdrücke schnell an und mindern den wertigen Eindruck etwas. Die Konnektivität überzeugt, da sich Smartphones über Apple CarPlay und Android Auto einbinden lassen und optionale Online-Dienste die Navigation im Alltag unterstützen.
Antriebe und Fahrverhalten
Die Motorenpalette des Arteon (3H9) umfasst Dieselmotoren, Turbobenziner, einen Plug-in-Hybrid und das R-Modell. Der 2,0-TSI mit 140 kW (190 PS) harmoniert mit dem Reisezweck und baut seine Leistung gleichmäßig auf, verbraucht im Alltag jedoch meist deutlich mehr als 7 Liter Super. Der eHybrid mit 160 kW (218 PS) ermöglicht dank rund 50 Kilometer elektrischer Reichweite einen leisen Betrieb in der Stadt. Er benötigt dafür relativ viel Strom und verlangt regelmäßiges Laden, um Verbrauchsvorteile zu bringen. Das Fahrwerk orientiert sich klar am Komfort. Auch bei höherem Tempo bleibt der Kombi stabil und vermittelt Reserven, vor allem mit optional erhältlichen adaptiven Dämpfern und Allradantrieb.
Alltagstauglichkeit und Fazit
Mit umfangreicher Sicherheitsausstattung, bequemen Sitzen und einem gut nutzbaren Kofferraum eignet sich der Arteon als Langstrecken- und Familienauto. Materialqualität und Verarbeitung übertreffen den Passat, bleiben jedoch etwas hinter direkten Premiumkonkurrenten zurück. Das höhere Preisniveau und der nur durchschnittliche Verbrauch vieler Varianten sprechen vor allem Käufer an, die Design und Komfort höher gewichten als reine Kostenrechnung. Insgesamt präsentiert sich der Volkswagen Arteon (3H9) als eigenständiger Mittelklasse-Kombi mit hohem Reisekomfort, viel Platz und einigen Schwächen bei Bedienung und Effizienz, die im Alltag meist vertretbar bleiben.