Einordnung und Konzept
Der Rolls-Royce Wraith (RR5) basiert technisch auf dem Ghost und schließt als großes Luxus-Coupé die Lücke zwischen Ghost Limousine und Phantom. Die Baureihe startete 2013 und legt den Schwerpunkt klar auf komfortables Reisen. Innerhalb des Programms betont die 2020 eingeführte Black-Badge-Variante die sportliche Optik mit dunklen Details, während der Grundcharakter des Wraith gelassen und reiseorientiert bleibt. Die Modellfamilie spricht Kunden an, denen klassische Rolls-Royce Limousinen zu zurückhaltend erscheinen.
Design und Karosserie
Mit über fünf Metern Länge und breiten Schultern wirkt der Wraith sehr präsent, bleibt durch die fließende Dachlinie aber deutlich als Coupé erkennbar. Die gegenläufig angeschlagenen Türen erleichtern den Einstieg in den Fond und setzen einen typischen Markenakzent. Die niedrige Gürtellinie hebt die Karosserie zusätzlich hervor. In der Black-Badge-Ausführung erscheinen Kühlerfigur und Zierleisten in dunklen Tönen und unterstreichen den dynamischeren Anspruch.
Trotz der coupéhaften Silhouette bietet der Wraith vier vollwertige Sitzplätze. Der lange Radstand schafft im Fond ordentliche Beinfreiheit. Der Kofferraum fasst 470 Liter und nimmt Reisegepäck für längere Etappen problemlos auf. Passgenaue Zierleisten und sauber verarbeitete Lederflächen verdeutlichen die hohe Fertigungsqualität.
Innenraum und Qualität
Im Innenraum prägen feines Leder und sorgfältig verarbeitete Hölzer den Eindruck, ergänzt durch Metallakzente. Digitale Instrumente und das Multimediasystem greifen auf Konzerntechnik zurück, wirken durch eigene Grafiken jedoch individueller. Eine verdeckte Tastenleiste hält die Mittelkonsole übersichtlich und erleichtert den Zugriff auf wichtige Funktionen. Optionaler Sternenhimmel und aufwendige Intarsien verstärken den Manufakturcharakter und unterscheiden den Wraith von früheren Ausführungen mit klassischer Holzoptik.
Antrieb und Fahrverhalten
Unter der langen Motorhaube arbeitet ein 6,6 Liter großer V12-Biturbomotor mit 441 kW (600 PS) und 900 Nm. Das hohe Drehmoment steht früh zur Verfügung und sorgt für souveränen Durchzug. Die vorausschauend arbeitende 8-Gang-Automatik von ZF nutzt Navigationsdaten, wählt den passenden Gang und vermeidet unnötige Drehzahlspitzen. So reagiert der Antrieb spontan, bleibt akustisch aber zurückhaltend.
Das schwere Coupé beschleunigt in unter fünf Sekunden auf 100 km/h und erreicht elektronisch begrenzte 250 km/h. Im Alltag wirkt der Unterschied zum früheren Wraith mit 632 PS gering, weil das Mehr an Drehmoment und die angepasste Fahrwerksabstimmung stärker ins Gewicht fallen. Die Luftfederung glättet Querfugen und Bodenwellen wirkungsvoll, lässt in Kurven jedoch spürbare Seitenneigung zu und betont damit den Komfortcharakter.
Alltag und Kosten
Das hohe Leergewicht und die großen Außenmaße erschweren Rangiermanöver in engen Parkhäusern und Innenstädten. Der kombinierte Verbrauch liegt mit gut 16 Litern Super Plus je 100 Kilometer deutlich über dem Klassenschnitt und treibt zusammen mit hohem CO2-Ausstoß die laufenden Kosten. Hinzu kommen eine hohe Kfz-Steuer und teure Versicherungstarife. Auf der anderen Seite verbessern die geringen Stückzahlen und eine dreijährige Neuwagengarantie den Werterhalt. Als Reisewagen überzeugt der Wraith mit großem Kofferraum, leiser Abstimmung und hohem Komfort, fordert im Unterhalt jedoch ein deutlich überdurchschnittliches Budget.
Fazit
Der Rolls-Royce Wraith (RR5) bietet hohen Reisekomfort und einen kultivierten V12. In der Black-Badge-Ausführung tritt er zusätzlich betont dynamisch auf. Der hohe Verbrauch, kostenintensive Unterhalt und das opulente Format begrenzen den Alltagseinsatz, ändern aber nichts am eigenständigen Charakter des Luxus-Coupés. Insgesamt präsentiert sich der Wraith als seltenes, prestigeträchtiges Reisefahrzeug für vier Personen.