Der 2020 präsentierte Rolls-Royce Ghost (RR21) interpretiert die klassische Luxuslimousine als dezentes Selbstfahrerauto und steht im Markenportfolio unterhalb des repräsentativen Rolls-Royce Phantom. Gegenüber der ersten Generation legte der Ghost in Länge und Breite leicht zu. Klare Flächen und schmale Fugen lassen ihn moderner und reduzierter erscheinen.
Design und Auftritt
Die knapp 5.500 mm lange Limousine wirkt auf der Straße sehr präsent, verzichtet aber auf auffällige Sicken oder überladene Chromdetails. Die Karosserie erscheint wie aus einem Block gefräst, nachts beleuchten dezent integrierte Leuchtdioden den Kühlergrill. Die markante Kühlerfigur fährt bei Bedarf in den Grill ein und schützt sich so vor Beschädigungen. Das Design betont diskreten Wohlstand statt maximaler Aufmerksamkeit.
Innenraum und Verarbeitung
Im Innenraum kombiniert der Ghost traditionelle Handarbeit mit moderner Lichtinszenierung. Feines Leder, sorgfältig verarbeitete Hölzer und Metalloberflächen wirken hochwertig, bleiben aber zurückhaltend gestaltet. Der Sternenhimmel im Dach und der beleuchtete Ghost-Schriftzug vor dem Beifahrer erzeugen vor allem nachts eine besondere Atmosphäre. Weich gepolsterte Sitze bieten ausreichend Seitenhalt auf langen Etappen. In der Langversion genießen Fondpassagiere viel Beinfreiheit und auf Wunsch Komfortsitze mit Liegefunktionen.
Antrieb und Fahrkomfort
Technisch unterscheidet sich der Ghost deutlich vom Vorgänger: Die eigenständige Aluminiumstruktur erhöht die Steifigkeit und reduziert Vibrationen, rund 100 Kilogramm Dämmmaterial dämpfen Geräusche und schaffen einen sehr leisen Innenraum. Der Biturbo-Zwölfzylinder liefert bereits aus niedrigen Drehzahlen viel Kraft und passt mit seiner unaufgeregten Leistungsentfaltung gut zum Charakter des Fahrzeugs. Allradantrieb und Allradlenkung verbessern Traktion und Wendigkeit, das aufwendig konstruierte Planar-Luftfahrwerk glättet Unebenheiten nahezu vollständig. Die Kehrseite bilden das hohe Gewicht und ein deutlich erhöhter Kraftstoffverbrauch, besonders im Stadtverkehr.
Alltagstauglichkeit und Zielgruppe
Trotz der Außenlänge wirkt der Ghost dank Allradlenkung im Alltag handlich, Parkhäuser und enge Einfahrten verlangen jedoch weiterhin Aufmerksamkeit. Der Kofferraum fasst rund 490 Liter und bietet Platz für mehrere Hartschalenkoffer, bleibt aber hinter manch größerer Oberklasse-Limousine zurück. Elektrisch öffnende und schließende Türen erleichtern vor allem in engen Parklücken das Ein- und Aussteigen. Zahlreiche Assistenz- und Kamerasysteme entlasten auf langen Strecken, ohne den Fahrer mit Hinweisen zu überfordern.
Fazit
Der Ghost richtet sich an Käufer, die eine sehr komfortable, leise und handwerklich aufwendig gebaute Limousine bevorzugen und meist selbst am Steuer sitzen. Zu seinen Stärken zählen der kultivierte Antrieb, die sorgfältige Verarbeitung und das niedrige Geräuschniveau. Dem stehen ein sehr hoher Preis, ein hoher Verbrauch und im Stadtverkehr wenig handliche Abmessungen gegenüber.