Einordnung und Design
Der Nissan Leaf (ZE1) der 2018 eingeführten zweiten Generation tritt als rund 4.490 mm langer Schrägheckwagen in der unteren Mittelklasse an. Im Vergleich zum ersten Leaf wirkt die Karosserie konventioneller und weniger futuristisch, mit klar gezeichneten Scheinwerfern und markanter C-Säule. Die Proportionen orientieren sich an klassischen Kompaktmodellen, der relativ hohe Dachverlauf erleichtert jedoch den Einstieg und schafft ein luftiges Raumgefühl. Unter dem Blech nutzt der Leaf weitgehend die Architektur des Vorgängers, profitiert aber von gezielten Versteifungen und aerodynamisch überarbeiteten Details, wodurch er unauffällig im Alltag bleibt und dennoch als Elektroauto erkennbar wirkt.
Innenraum und Platz
Im Innenraum fällt die erhöhte Sitzposition auf, sie bietet einen guten Überblick über das Verkehrsgeschehen. Auf den Vordersitzen finden auch große Personen bequem Platz, während im Fond Bein- und Kopffreiheit eher durchschnittlich ausfallen. Die im Fahrzeugboden untergebrachte Batterie erhöht die Rückbank und den Kofferraumboden etwas. Der Kofferraum fasst 400 Liter und wächst mit umgeklappter Rückbank deutlich an, die entstehende Ladefläche bleibt jedoch nicht völlig eben. Die Materialanmutung wirkt robust, setzt aber überwiegend auf harte Kunststoffe, was im direkten Vergleich zu manchen europäischen Konkurrenten einfacher wirkt. Klassisch angeordnete Instrumente und ein Touchscreen prägen das Cockpit, die Vielzahl an Tasten und Menüs verlangt anfangs etwas Eingewöhnung, lässt sich im Alltag dann jedoch gut bedienen.
Antrieb und Fahrverhalten
Der Elektromotor stellt 110 kW (150 PS) und 320 Nm ab dem Stillstand bereit und sorgt damit für spontanen Antritt, besonders im Stadtverkehr. Im Vergleich zum früheren 80-kW-Modell wirkt der Leaf deutlich kräftiger, ohne den Charakter eines Sportmodells anzunehmen. Die Kraft gelangt über die Vorderräder auf die Straße, bei Nässe können die Antriebsräder beim starken Beschleunigen kurz durchdrehen. Das Fahrwerk ist eher komfortorientiert abgestimmt und filtert kleinere Unebenheiten sauber heraus, Querfugen und grobe Kanten spürt man im Innenraum jedoch. Die leichtgängige, eher indirekte Lenkung erleichtert das Rangieren, bietet auf kurvigen Landstraßen aber nur durchschnittliches Feedback. Typische Elektroauto-Eigenschaften wie das leise Surren des Antriebs und die geringen Vibrationen erhöhen den Komfort auf mittleren und längeren Strecken.
Reichweite und Laden
Die Lithium-Ionen-Batterie mit 40,0 kWh Kapazität ermöglicht im Prüfzyklus bis zu 270 Kilometer Reichweite, in der Praxis liegen die Werte meist um 200 Kilometer. Auf der Autobahn sinkt die Reichweite bei höherem Tempo spürbar, längere Etappen erfordern daher eine genauere Routenplanung. Das ausgeprägte Rekuperationssystem übernimmt im Stadtverkehr viele Verzögerungen und gewinnt so Energie zurück. Ein spezieller Fahrmodus verstärkt die Verzögerung und erlaubt weitgehend Ein-Pedal-Fahren. Zu Hause lädt der Akku idealerweise an der Wallbox über Nacht wieder voll. An öffentlichen Ladesäulen steht ein Typ-2-Anschluss für das Wechselstromladen bereit, dazu kommt der CHAdeMO-Anschluss für das Gleichstrom-Schnellladen. Dieser bringt die Batterie in überschaubarer Zeit auf einen hohen Füllstand, wiederholte Schnellladungen bei hohen Außentemperaturen können die Ladeleistung jedoch reduzieren.
Sicherheit, Komfort und Fazit
Beim Thema Sicherheit profitiert der Leaf von zahlreichen Assistenzsystemen, die bereits in der Acenta-Ausstattung weitgehend enthalten sind. Ein Notbremsassistent und eine Spurhaltefunktion senken das Risiko typischer Auffahr- oder Abkommensunfälle, eine automatische Abstandsregelung entlastet auf längeren Autobahnfahrten. Isofix-Halterungen im Fond und eine vollständige Airbagausstattung erhöhen die Eignung für den Familienalltag. Der Fahrkomfort überzeugt in der Stadt mit leisem Antrieb und angenehmer Federung, auf schlechten Straßen treten jedoch ihre Grenzen zutage. Die Sitze bieten ordentlichen Seitenhalt, könnten bei Oberschenkelauflage und Polsterqualität aber großzügiger ausfallen. Im Vergleich zu konventionellen Kompaktmodellen fallen die Anschaffungskosten höher aus, die Reichweite wirkt im Wettbewerbsumfeld eher begrenzt. Insgesamt präsentiert sich der Nissan Leaf (ZE1) als alltagstaugliches Elektroauto mit kräftigem, harmonischem Antrieb und guter Sicherheitsausstattung, das vor allem bei eigener Lademöglichkeit und überwiegend kürzeren Pendelstrecken seine Stärken ausspielt.