Positionierung und Konzept
Der 2021 vorgestellte Mercedes-Benz SL (R232) löst sich bewusst von der Rolle des entspannten Gleiter-Cabrios. Die von AMG entwickelte Technik mit enger Verwandtschaft zum AMG GT rückt den offenen Zweisitzer klar in Richtung Sportwagen. Im Modellprogramm steht der SL oberhalb der kompakteren Cabrios der Marke und richtet sich an Fahrer, die hohe Fahrdynamik, wertige Anmutung und Markenprestige verbinden wollen. Im Vergleich zum Vorgänger steigen Leistung, Lenkpräzision und die straffere Fahrwerksabstimmung und rücken den SL näher an Wettbewerber wie Porsche 911 Cabriolet und BMW 8er Cabrio.
Design und Karosserie
Die lange Motorhaube, kurze Überhänge und das knappe Heck verleihen dem SL klassische Roadster-Proportionen. Ein markentypischer Kühlergrill mit vertikalen Lamellen betont die Breite, das Stoffverdeck knüpft optisch und technisch an frühere SL-Generationen an. Gegenüber dem Vorgänger mit Klappdach spart die neue Dachkonstruktion Gewicht und senkt den Schwerpunkt. Die Karosseriestruktur aus Aluminium- und Verbundwerkstoffen steift die Karosserie deutlich aus, reduziert Vibrationen und schärft das Fahrverhalten. Aktive Aerodynamikelemente wie ein ausfahrbarer Heckspoiler und ein optionales Aerodynamik-Paket steigern Abtrieb und Stabilität bei höherem Tempo, ohne die Alltagstauglichkeit spürbar einzuschränken.
Innenraum und Bedienung
Im Innenraum prägt ein großer Zentralbildschirm das Cockpit, dazu kommt ein digitales Instrumentendisplay hinter dem Lenkrad. Die verstellbare Neigung des Touchscreens verbessert im Cabrio-Alltag die Ablesbarkeit bei starker Sonneneinstrahlung. Insgesamt zeigt die Materialqualität ein hohes Niveau, einzelne Hartkunststoffzonen und gelegentliche Knarzgeräusche wirken jedoch dem Preisanspruch unterlegen. Straff gepolsterte Vordersitze bieten viel Seitenhalt bei schneller Fahrt. In höherwertigen Ausstattungen ergänzen Sitzklimatisierung, Massagefunktionen und Nackenheizung den Komfort auf langen Etappen. Die Steuerung vieler Funktionen über das Infotainmentsystem erscheint zeitgemäß, fordert aber Eingewöhnung und lenkt stärker vom Verkehrsgeschehen ab als klassische Tastenreihen.
Fahrverhalten und Komfort
Auf der Straße wirkt der SL deutlich agiler als sein Vorgänger. Die Lenkung reagiert direkt, ein optionales Hinterachslenksystem verkleinert den Wendekreis und erhöht in schnellen Kurven die Handlichkeit. Bereits im Komfortmodus bleibt die Federung straff, Querfugen und schlechte Fahrbahnen gelangen spürbar zu den Insassen. In den sportlichen Fahrprogrammen versteift das Fahrwerk weiter, was engagierte Fahrer schätzen, auf langen Etappen jedoch ermüden kann. Kräftige Bremsanlagen verzögern standfest und lassen sich gut dosieren, was bei der hohen Motorleistung wichtig bleibt.
Alltagstauglichkeit und Fazit
Mit einer Sitzanordnung aus zwei Vordersitzen und zwei kleinen Fondsitzen sowie Isofix-Halterungen bietet der SL mehr Alltagsnutzen als ein reiner Zweisitzer, die Rückbank eignet sich jedoch vor allem für Kinder oder als zusätzliche Ablage. Der Kofferraum bleibt knapp bemessen und fällt bei der Plug-in-Variante nochmals kleiner aus, was die Reisetauglichkeit einschränkt. Infotainment, Konnektivität und Assistenzsysteme orientieren sich am Niveau moderner Oberklassemodelle und erleichtern den Alltag spürbar.
Im Ergebnis positioniert sich der Mercedes-Benz SL (R232) als offener Sportwagen mit klarer Ausrichtung auf hohe Fahrleistungen und präzises Handling. Wer diese Eigenschaften priorisiert, akzeptiert den hohen Preis, den sportwagentypischen Verbrauch und den begrenzten Komfort auf langen Strecken. In diesem Rahmen bietet der SL ein dynamisch ausgelegtes, technisch modernes Luxuscabrio.