Design und Karosserie
Der Lamborghini Huracan Evo baut auf dem 2014 eingeführten Huracan auf und entwickelt dessen kantiges Mittelmotor-Design weiter. Die flache Keilform, klar geschnittene Linien und breiten Schultern betonen die Proportionen und unterstützen die Aerodynamik. Große Lufteinlässe führen Kühlluft zum 5,2 Liter großen Zehnzylinder, Scheinwerfer mit Leuchtdioden-Technik und eine markante Heckgrafik prägen den Auftritt. Das Chassis aus Aluminium und kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff reduziert das Gewicht und erhöht die Steifigkeit. Insgesamt wirkt der Huracan Evo breiter und optisch ruhiger als sein Vorgänger, bleibt aber deutlich als flacher Mittelmotor-Sportwagen erkennbar.
Innenraum und Bedienkonzept
Im Innenraum orientiert sich der Lamborghini Huracan Evo an einem Flugzeugcockpit, bleibt dabei aber gut bedienbar. Ein digitales Kombiinstrument mit großem Bildschirm zeigt Drehzahl, Fahrdaten und Navigation direkt im Blickfeld. Leder, Alcantara und auf Wunsch sichtbare Kohlefaserteile prägen die Anmutung. Die stark konturierten Sportsitze bieten viel Seitenhalt, wirken auf langen Etappen jedoch straff. Platz und Ablagen fallen knapp aus. Die eingeschränkte Sicht nach hinten erschwert das Rangieren, weshalb Rückfahrkamera und Parksensoren im Alltag stark entlasten.
Antrieb und Fahrverhalten
Zentrales Element des Huracan Evo ist der frei saugende 5,2 Liter große Zehnzylinder-Motor. In den Evo-Varianten leistet er bis zu 470 kW (640 PS) und dreht leichtfüßig bis in hohe Drehzahlen, die Gasannahme wirkt sehr spontan. Ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge im Automatikbetrieb weich und reagiert im manuellen Modus schnell. Allradversionen erhöhen auf nasser Fahrbahn Traktion und Stabilität, der Huracan Evo mit Hinterradantrieb fährt noch agiler. Das straffe Fahrwerk arbeitet je nach Ausstattung mit adaptiven Dämpfern, die je nach Fahrprogramm zwischen komfortabler und sportlicher Abstimmung wechseln. Die direkte Lenkung verlangt kurze Eingewöhnung und ermöglicht präzises Einlenken. Leistungsfähige Bremsanlagen, auf Wunsch mit Carbon-Keramik-Scheiben, sorgen auch aus hohen Geschwindigkeiten für kurze Bremswege.
Varianten und Positionierung
Der Lamborghini Huracan Evo bildet innerhalb der Baureihe die überarbeitete Ausführung des ursprünglichen Huracan. Er steht als Coupé und als Spyder mit Stoffverdeck zur Wahl. Allradmodelle zielen stärker auf hohe Fahrstabilität, der Huracan Evo mit Hinterradantrieb auf maximale Agilität. Im Markenportfolio bleibt er unterhalb der Zwölfzylinder-Modelle positioniert und fungiert als kompakter Zweisitzer. Im Wettbewerbsumfeld trifft der Huracan Evo vor allem auf Ferrari 488 und Audi R8, die ähnliche Leistungsbereiche bieten, jedoch teils auf aufgeladene Motoren setzen.
Alltag und Komfort
Im Alltag zeigt sich der Lamborghini Huracan Evo im zahmen Fahrprogramm überraschend gut beherrschbar. Bei konstantem Autobahntempo bleibt die Geräuschkulisse trotz präsenten Zehnzylinders erträglich. Je nach Dämpfereinstellung filtert das Fahrwerk kurze Kanten ordentlich heraus, reagiert auf schlechte Beläge jedoch spürbar hart. Der sehr niedrige Sitz und die breiten Schweller erschweren den Einstieg. Der Frontkofferraum bietet mit einem Kofferraum-Volumen von etwa 100 Liter nur Platz für kleines Gepäck und begrenzt den Nutzwert deutlich. Hinzu kommen ein hoher Kraftstoffverbrauch und Unterhaltskosten auf Sportwagen-Niveau, die den Charakter als Zweit- oder Freizeitfahrzeug klar unterstreichen.
Fazit
Der Lamborghini Huracan Evo zielt mit seinem Design, dem hochdrehenden Zehnzylinder und der direkten Fahrdynamik klar auf intensive Fahrerlebnisse. Er spricht vor allem Käufer an, die praktische Qualitäten weniger wichtig nehmen und den Zugang über Klang, Optik und Fahrverhalten suchen. Als rationaler Allrounder spielt der Huracan Evo kaum eine Rolle, als fokussierter Sportwagen mit klarem Charakter bleibt er ein eigenständiges Angebot im Segment.