Positionierung und Konzept
Der Kia Picanto (JA) der ab 2017 gebauten dritten Generation tritt als vollwertiger, aber sehr kompakter Fünftürer im Kleinstwagen-Segment an. Er steht am unteren Ende des Markenportfolios und schließt die Lücke zwischen einfacher Basisausstattung und sportlicher geprägten Linien. Gegenüber dem Vorgänger bleiben Länge und Breite nahezu gleich, die dreitürige Variante entfällt. Das erhöht den Alltagsnutzen und erleichtert den Einstieg nach hinten. Im Segment konkurriert der Kia Picanto (JA) mit Modellen wie Toyota Aygo oder Opel Karl und setzt eher auf Vernunft als auf auffällige Inszenierung.
Design und Platzangebot
Das Karosseriedesign wirkt straff und vergleichsweise erwachsen, wodurch der Kleinstwagen nüchtern auftritt. Vorn finden auch größere Personen ausreichend Platz, die relativ hohe Dachlinie unterstützt das Raumgefühl und erleichtert den Einstieg. Auf der Rückbank fällt der Knieraum knapp aus, Schulterfreiheit und Kopffreiheit reichen eher für Kinder oder kurze Strecken. Der Kofferraum bietet 255 Liter und wächst nach Umklappen der geteilten Rücksitzlehnen auf bis zu 1010 Liter und damit genug Raum für Einkäufe und Gepäck am Wochenende. Der Innenraum wirkt aufgeräumt und bietet mehr Ablagen als beim Vorgänger.
Innenraum und Bedienung
Im Innenraum dominieren robuste, überwiegend harte Kunststoffe, die Verarbeitung liegt auf klassenüblichem Niveau. Klar angeordnete Schalter und große Drehregler für Heizung und Lüftung erleichtern die Bedienung während der Fahrt. Das optionale Navigationssystem mit Farbdisplay bringt moderne Funktionen, bleibt bei den Menüs aber bewusst einfach. Die Sitze stützen ausreichend und bieten ordentlichen Seitenhalt, könnten auf langen Etappen jedoch etwas weicher ausfallen. Insgesamt vermittelt der Fahrerplatz einen sachlichen, funktionalen Eindruck, der gut zum Charakter des Fahrzeugs passt.
Motor und Fahrverhalten
Im getesteten Kia Picanto (JA) arbeitet ein 1,2-Liter-Vierzylinder-Saugmotor mit 62 kW (84 PS). Im Stadtverkehr spricht der Motor spontan an und ermöglicht zügiges Mitschwimmen, ohne sportlich aufzutreten. Auf der Autobahn steigen Drehzahl und Geräuschpegel, was längere Strecken anstrengender wirken lässt. Das manuelle Fünfgang-Getriebe schaltet präzise genug, die Abstufung zielt auf einen moderaten Verbrauch im Alltag. Das Fahrwerk bleibt straff genug für eine stabile Kurvenlage, filtert kurze Stöße jedoch nur begrenzt. Positiv fallen der kleine Wendekreis und die gute Übersicht auf, die das Rangieren in engen Straßen erleichtern.
Sicherheit, Kosten und Alltag
Mit sechs Airbags, elektronischer Stabilitätskontrolle und Isofix-Halterungen bewegt sich die Sicherheitsausstattung des Kia Picanto (JA) auf klassenüblichem Niveau. Im Euro-NCAP-Test erreicht das Modell in der Grundkonfiguration drei Sterne, mit Sicherheitspaket vier Sterne, was die Bedeutung der optionalen Assistenzsysteme zeigt. Typische Schwachpunkte betreffen eher Verschleißteile wie Starterbatterie oder Zündkerzen, gravierende Serienmängel treten selten auf. Eine lange Garantie mit Laufleistungsbegrenzung senkt das Risiko unerwarteter Reparaturkosten. Dank moderatem Verbrauch, überschaubarer Kfz-Steuer und meist günstiger Werkstattkosten bleiben die laufenden Ausgaben im Rahmen, auch wenn die Versicherungsklassen nicht auf Minimalniveau liegen.
Fazit
Der Kia Picanto (JA) eignet sich vor allem als wendiger Stadtwagen mit solider Ausstattung und langer Garantie, zeigt aber Schwächen bei Platzangebot, Komfort und passiver Sicherheit ohne Zusatzpaket. Insgesamt passt das Modell am besten zu Einsätzen auf kurzen und mittleren Strecken, bei denen kompakte Abmessungen und niedrige Unterhaltskosten wichtiger sind als Raumangebot und Reisekomfort.