Design und Karosserie
Der 2022 eingeführte Kia Niro EV tritt als 4.420 mm langes Crossover im kompakten SUV-Segment an und zeigt ein deutlich eigenständigeres Design als der zurückhaltendere elektrische Vorgänger. Die markante C-Säule in Kontrastfarbe und schmal gezeichnete LED-Tagfahrlichter lassen das Auto modern wirken, ohne aufdringlich zu erscheinen. Die K-Plattform bietet einen Radstand von 2.720 mm und damit spürbar viel Platz im Innenraum. Mit 1.570 mm Höhe entsteht eine angenehm erhöhte Sitzposition, ohne das wuchtige Gefühl größerer SUV. Ein Luftwiderstandsbeiwert von 0,29 und gezielte Luftführungen verbessern Effizienz und Geräuschniveau.
Innenraum und Bedienung
Im Innenraum bietet der Niro EV vorn und hinten großzügige Bein- und Kopffreiheit. Der Kofferraum fasst 475 Liter und wird durch einen zusätzlichen Frunk mit etwa 20 Liter ergänzt, der sich gut für Ladekabel und Kleinteile eignet. Eine geteilt umklappbare Rückbank erhöht die Alltagstauglichkeit. Die breit angelegte Displaylandschaft aus digitalem Kombiinstrument und Infotainmentbildschirm wirkt modern und bleibt gut ablesbar. Die Multimode-Bedienleiste steuert wahlweise Klima oder Infotainment, reduziert die Anzahl konventioneller Tasten und erfordert etwas Eingewöhnung. Ein optionales Head-up-Display projiziert wichtige Informationen in die Frontscheibe. Nachhaltige Materialien treffen auf teils harte Kunststoffe an den Türen, die den ansonsten aufgeräumten Eindruck etwas nüchterner wirken lassen.
Antrieb und Fahrverhalten
Der Elektromotor leistet 150 kW und treibt die Vorderräder an. So beschleunigt der Niro EV im Stadtverkehr und auf der Autobahn souverän und reagiert spontan auf Fahrbefehl, ohne sportlichen Anspruch. Das eher komfortorientierte Fahrwerk filtert kurze Stöße gut heraus, zeigt bei ausgeprägten Bodenwellen jedoch leichtes Nachwippen. In schnellen Ausweichmanövern verhält sich der Crossover gutmütig, schiebt moderat über die Vorderräder und bleibt dank dezent eingreifendem Stabilitätsprogramm gut kontrollierbar. Mehrere Fahrprogramme von Eco bis Sport und fein abgestufte Rekuperationsstufen passen Charakter und Effizienz an Strecke und Fahrstil an.
Laden und Reichweite
Die netto 64,8 kWh große Batterie ermöglicht realistische Reichweiten von etwa 400 Kilometer, solange nicht dauerhaft mit hohen Autobahngeschwindigkeiten gefahren wird. Damit eignet sich der Niro EV für viele Pendelstrecken und auch für Urlaubsfahrten. Die dreiphasige Wechselstrom-Ladeleistung harmoniert mit gängigen Heim-Wallboxen. An der Schnellladesäule liegt die Gleichstrom-Leistung bei gut 70 kW und fällt damit gegenüber manchen neueren Konkurrenten zurückhaltender aus. In der Praxis bedeutet das oft Ladepausen von rund drei Viertelstunden. Die Vehicle-to-Load-Funktion versorgt auf Wunsch externe Geräte, etwa beim Camping oder auf Baustellen. Über einen Adapter lässt sich zusätzlich das Tesla-Schnellladenetz nutzen, was die Routenplanung erleichtert.
Sicherheit und Alltagstauglichkeit
Die steifere Karosseriestruktur der zweiten Generation und zahlreiche Airbags sorgen für ein hohes Sicherheitsniveau. Im Euro-NCAP-Test erreicht der Niro EV vier Sterne und bewegt sich damit auf Klassenniveau. Ein Notbremsassistent, Spurhalte- und Spurfolgefunktionen sowie ein Abstandsregeltempomat entlasten im Alltag. Eine Totwinkelüberwachung unterstützt beim Spurwechsel und Rangieren. Gute Bremswerte und die übersichtliche Karosserie erleichtern das Fahren im Stadtverkehr und beim Parken. So wirkt der Niro EV im Alltag unkompliziert und vielseitig nutzbar.
Fazit
Der Kia Niro EV spricht weniger Technik-Enthusiasten mit Fokus auf maximale Ladeleistung an, sondern eher pragmatische Nutzer, die ein effizientes und leicht beherrschbares Elektroauto schätzen. Das großzügige Raumangebot und der ausgewogene Antrieb zählen zu den klaren Stärken. Die vergleichsweise moderate Schnellladegeschwindigkeit und die teils einfachen Materialien im Innenraum bleiben erkennbare Schwächen, ändern aber wenig am insgesamt stimmigen Charakter des Modells als alltagstaugliches elektrisches Kompakt-SUV.