Der seit 2022 gebaute Kia e-Niro der zweiten Generation überträgt das bekannte Niro-Konzept in die reine Elektrowelt und richtet sich an pragmatische Fahrer mit Fokus auf Effizienz und Nutzwert.
Design und Karosserie
Optisch grenzt sich der Kia e-Niro deutlich vom zurückhaltender gezeichneten Vorgänger ab. Die farblich abgesetzte C-Säule, die markante LED-Lichtsignatur und die geschlossene Front mit zentral platzierter Ladeklappe lassen das kompakte SUV moderner wirken. Die Karosserie wuchs um rund sechs Zentimeter in der Länge und misst nun 4.420 mm, der Radstand legte leicht zu und verschafft vor allem den Fondpassagieren mehr Knieraum. Ein Luftwiderstandsbeiwert von 0,29 ordnet das Modell klar im effizienzorientierten Kompaktsegment ein. Ein hoher Anteil an hochfestem Stahl steigert die Verwindungssteifigkeit der Struktur und ermöglicht gleichzeitig Gewichtseinsparungen im Rohbau. Im Wettbewerbsumfeld tritt der Kia e-Niro gegen Modelle wie Hyundai Kona Elektro und VW ID.3 an und wirkt in der Silhouette etwas konventioneller.
Innenraum und Bedienung
Im Innenraum betont ein weit gespannter, leicht gekrümmter Bildschirmverbund den Technikfokus. Die beiden großen Displays für Instrumente und Infotainment bilden eine optische Einheit und lassen sich gut ablesen. Die Multimode-Bedienleiste fasst Klimafunktionen und Infotainment-Tasten zusammen und hält die Mittelkonsole nach kurzer Eingewöhnung übersichtlich. Das Platzangebot fällt auf allen Sitzen großzügig aus, die hohe Sitzposition erleichtert den Umstieg aus klassischen Kompaktwagen. Der Kofferraum bietet 475 Liter Volumen und reicht damit gut für Familiengepäck. Ein zusätzliches vorderes Staufach nimmt Ladekabel auf. Im Vergleich zu Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Versionen fällt das Gepäckabteil etwas größer aus, da kein Benzintank untergebracht werden muss. Die großflächigen Hartplastik-Türtafeln und der teilweise unruhige Materialmix mindern jedoch den qualitativ ansonsten stimmigen Gesamteindruck.
Antrieb und Fahrverhalten
Ein 150 kW starker Elektromotor treibt die Vorderräder an und sorgt für zügige Beschleunigung, ohne den Kia e-Niro sportlich zu inszenieren. Der Antrieb arbeitet leise, reagiert spontan auf Fahrpedalbefehle und bleibt auch bei höheren Landstraßentempi souverän. Lenkung und Fahrwerk sind auf Stabilität und Komfort ausgelegt, leichte Aufbaubewegungen nach Bodenwellen bleiben kontrollierbar. Im Ausweichmanöver greift das elektronische Stabilitätsprogramm unauffällig ein und hält den Fronttriebler sicher in der Spur. Der Verzicht auf Allradantrieb begrenzt die Traktion auf losem Untergrund, im normalen Straßenbetrieb genügt der Vorderradantrieb jedoch.
Reichweite, Laden und Alltag
Die netto 64,8 kWh große Batterie ermöglicht nach Norm rund 460 Kilometer Reichweite. In Tests ergaben sich etwa 410 Kilometer bei gemischter Fahrweise, was längere Pendelstrecken ohne ständiges Nachladen erlaubt. Die DC-Ladeleistung von rund 70 kW fällt im Vergleich zu einigen Konkurrenten moderat aus, eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in ungefähr 45 Minuten bleibt für Urlaubsfahrten jedoch praktikabel. An der heimischen Wallbox lädt der Kia e-Niro mit 11 kW dreiphasig und erreicht über Nacht wieder einen vollen Akku. Die Vehicle-to-Load-Funktion versorgt externe Verbraucher mit bis zu 3 kW Leistung und erweitert den Nutzungsspielraum im Alltag. Über einen Adapter besteht zudem Zugang zum Tesla-Supercharger-Netz, was die Planung von Langstrecken vereinfacht. Nach Einführung des ähnlich großen EV3 verschwand der Kia e-Niro aus vielen Neuwagenprogrammen, bleibt dank langer Herstellergarantie auf dem Gebrauchtmarkt weiterhin attraktiv.
Fazit
Der Kia e-Niro präsentiert sich als effizientes, alltagstaugliches Elektro-SUV mit großzügigem Innenraum, gut nutzbarem 475-Liter-Kofferraum und ausgewogenem Fahrverhalten. Die eher durchschnittliche Schnellladeleistung, der fehlende Allradantrieb und einige einfache Kunststoffoberflächen verhindern eine Einordnung im Premiumsegment. Als pragmatisch konzipiertes, technisch modernes Elektroauto mit gut kalkulierbaren Betriebskosten bietet der Kia e-Niro dennoch eine stimmige Kombination aus Reichweite, Raumangebot und Bedienkonzept.