Konzept und Einordnung
Der Jeep Grand Cherokee (WK2) der 2010 eingeführten Generation markiert den Wandel vom eher rustikalen Geländewagen hin zu einem komfortorientierten SUV der oberen Mittelklasse. Er knüpft an den Vorgänger an und verbindet klassische Geländetechnik mit hohem Reisekomfort. Die Kombination aus Geländegängigkeit und hoher Zuglast hebt ihn von vielen auf die Straße ausgelegten Konkurrenten ab.
Design und Karosserie
Optisch tritt der Grand Cherokee mit breiter Schulterlinie, steiler Front und dem markentypischen Kühlergrill mit sieben Schlitzen auf. Die gestreckten Proportionen wirken moderner als beim Vorgänger und orientieren sich an großen SUV wie BMW X5 oder VW Touareg. Kritik entsteht durch teilweise unzureichend versiegelte Karosseriefalze und einen nur teilweise abgedeckten Unterboden, was die Anfälligkeit für Rost und Verschmutzung erhöhen kann. Lackierte Seitenschutzleisten wirken zwar hochwertig, reagieren im Alltag aber empfindlich auf Stöße und Kratzer. Insgesamt vermittelt die Karosserie viel Präsenz, ohne übertrieben aggressiv zu wirken.
Innenraum und Platzangebot
Im Innenraum bietet der Grand Cherokee ein großzügiges Raumgefühl, hohe Sitzpositionen und einen bequemen Einstieg. Vorn und hinten sitzen auch große Erwachsene luftig, die Kopffreiheit fällt üppig aus. Der Kofferraum fasst je nach Ausführung deutlich über 500 Liter und wächst bei umgelegter Rückbank auf über 2.000 Liter, was viel Spielraum für Urlaubsgepäck oder Hundeboxen lässt.
Die Verarbeitungsqualität reicht von ordentlich bis durchwachsen. In höherwertigen Linien sorgen Leder und Zierleisten für einen stimmigen Gesamteindruck. Weich beschichtete Oberflächen unterstützen das, während in tieferen Bereichen harter Kunststoff dominiert und auf schlechten Straßen Knarzgeräusche entstehen können. Ergonomisch überzeugen elektrisch verstellbare Sitze und eine anpassbare Lenksäule. Ungünstig platzierte Bedienelemente und weit außen liegende Türgriffe erschweren jedoch die Bedienung.
Fahrverhalten und Antriebe
Auf der Straße fährt der Grand Cherokee komfortbetont, mit weicher Federung und stabilem Geradeauslauf. Die optionale Luftfederung steigert den Langstreckenkomfort und erhöht im Gelände die Bodenfreiheit. Allradsysteme wie Quadra-Trac II und Quadra-Drive II verteilen die Antriebskraft variabel und sichern auf rutschigem Untergrund viel Traktion.
Die Motorenpalette reicht vom 3,0 V6-Diesel bis zu kräftigen V8-Benzinern. Der Plug-in-Hybrid 4xe senkt insbesondere im Stadt- und Kurzstreckenbetrieb den Verbrauch spürbar. Das hohe Fahrzeuggewicht und der Durst der großvolumigen Benziner treiben die laufenden Kosten dennoch deutlich nach oben.
Alltag und Kosten
Im Alltag überzeugt der Grand Cherokee mit viel Platz und hoher Anhängelast. Die gute Rundumsicht erleichtert das Rangieren, während Länge und Breite in engen Innenstädten mehr Aufmerksamkeit verlangen. Versicherungs- und Unterhaltskosten liegen über dem Klassendurchschnitt und verstärken den Eindruck eines eher mäßigen Preis-Leistungs-Verhältnisses. Die Sicherheitsausstattung mit mehreren Airbags und modernen Assistenzsystemen fällt solide aus, kleinere Schwächen in der Detailausführung bleiben jedoch sichtbar.
Fazit
Der Jeep Grand Cherokee (WK2) richtet sich an Käufer, die ein komfortables, zugstarkes und geländetaugliches SUV der oberen Mittelklasse suchen. Er bietet viel Platz, einen variablen Kofferraum und hohe Zugkraft, erkauft diese Stärken aber mit hohem Verbrauch, spürbaren Unterhaltskosten und nur durchschnittlicher Materialanmutung. Wer diese Punkte akzeptiert und Wert auf Geländekompetenz und Reisekomfort legt, findet im Grand Cherokee (WK2) eine ausgewogene Mischung aus Komfort, Platzangebot und Geländetauglichkeit.