Einordnung und Konzept
Der Jaguar I-PACE (X590) entstand von 2018 bis 2024 als erstes vollelektrisches Serienmodell der Marke. Mit 4682 mm Länge zielt das SUV auf die Premium-Mittelklasse zwischen E-Pace und F-Pace und besitzt keinen direkten Vorgänger. Die für den Elektroantrieb entwickelte Plattform mit flachem Vorderbau und langem Radstand verbessert Platzangebot und Aerodynamik. Die Motorenpalette reicht vom EV400 bis zum zeitweise angebotenen EV320, beide nutzen denselben Batterietyp. Spätere R-Dynamic-Modelle bieten verändertes Design und mehr Serienausstattung.
Design und Raumangebot
Die Proportionen erinnern eher an ein Crossover-Coupé als an ein klassisches Hochbau-SUV. Kurze Front, weit nach vorn gerückte Kabine und steiles Heck nutzen den Innenraum effizient aus und verbessern den Luftwiderstand. Vorn sitzen Erwachsene sehr großzügig. Im Fond bleibt die Kopffreiheit trotz abfallender Dachlinie ausreichend, sehr große Passagiere sitzen etwas geduckt. Der Kofferraum bietet 638 Liter und wächst bei umgelegter Rückbank auf bis zu 1453 Liter, vorn kommen 27 Liter im Zusatzfach für Ladekabel hinzu. Die schwere Heckklappe wirkt im Alltag unhandlich. Insgesamt bewegt sich das Raumgefühl auf dem Niveau anderer Elektro-SUVs der Mittelklasse.
Innenraum und Bedienung
Im Innenraum zeigt der I-PACE eine Digitalarchitektur mit vollem Instrumentendisplay und schwebend wirkender Mittelkonsole. Zwei Touchscreens bedienen Infotainment und Klimafunktionen, spätere Baujahre erhielten ein schneller reagierendes System mit Aktualisierungen aus der Ferne. Die Bedienung wirkt wertig, erfordert wegen mancher Grundfunktionen in Untermenüs etwas Eingewöhnung. Materialien und Verarbeitung liegen auf Premiumniveau, mit optionalem Leder und Zierleisten aus Echtholz oder Aluminium. Die Sitze stützen gut auf langen Strecken und sind je nach Ausstattung als Sportsitze mit erweiterten Verstellwegen und Sitzklimatisierung erhältlich. Das Geräuschniveau bleibt selbst bei höherem Tempo niedrig, lediglich an den Außenspiegeln entstehen leichte Windgeräusche.
Antrieb und Fahrverhalten
Zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse erzeugen Allradantrieb und geben dem I-PACE einen dynamischen Charakter. Vor allem der EV400 beschleunigt spontan und nutzt das hohe Drehmoment sofort aus. Die im Unterboden integrierte Batterie senkt den Schwerpunkt, Fahrwerk mit Doppelquerlenker-Vorderachse und Integral-Link-Hinterachse stabilisieren das Auto. Eine optionale Luftfederung kann die Karosserie bei höherem Tempo absenken und erhöht die Fahrstabilität. Das Fahrzeuggewicht von über 2200 kg macht sich in engen Kurven bemerkbar, die Bremsanlage wirkt im Verhältnis zur Leistung eher durchschnittlich. Insgesamt spricht das Fahrverhalten eher fahraktive Kunden an als reine Komfortorientierung.
Reichweite, Laden und Kosten
Die Lithium-Ionen-Batterie mit 90,2 kWh brutto ermöglicht im Normzyklus bis zu 470 Kilometer Reichweite, im Alltag meist 300 bis 380 Kilometer. Auf der Autobahn steigt der Energiebedarf deutlich und verkürzt die Etappen. Über den kombinierten Ladeanschluss lädt der I-PACE mit bis zu 100 kW Gleichstrom. Frühe Baujahre besitzen einen einphasigen Wechselstromlader, spätere dreiphasige 11 kW für kürzere Ladezeiten an der heimischen Wallbox. Dem stehen hohes Preisniveau, vergleichsweise teure Versicherungsprämien und ein Verbrauch im oberen Bereich des Segments gegenüber. Eine lange Garantie auf die Hochvoltbatterie erhöht die Planungssicherheit im Langzeitbetrieb.
Fazit
Der Jaguar I-PACE (X590) tritt als Elektro-SUV mit dynamischem Charakter auf und verbindet kräftigen Antrieb, hochwertigen Innenraum und solide Sicherheitsausstattung. Hoher Energiebedarf, begrenzte Effizienz auf der Autobahn und die im Alltag nur durchschnittlich praktische Heckklappe relativieren den Eindruck im Wettbewerbsumfeld. Insgesamt zeigt das Modell einen eigenständigen, sportlich geprägten Ansatz, der vor allem bei bewusster Akzeptanz von Verbrauch und Kosten überzeugt.